Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2135 (24.9.1965)
- Date
- 1965-09-24
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 24 de Septiembre de 1965 JÜDISCHE WOCHENSCHAU Aña XXVI. — N’ 2135 Liehe deinen Naechsten (Schluss von Seite 1) verstanden wurde, ist zum Ausgangspunkt einer gewaltigen Wandlung unserer menschlichen Haltung geworden. Juden haben das Vertrauen zu sich selbst wiedergefunden. Juden haben es übernommen, wieder "ganze” Juden zu sein und das ihnen zum Verhängnis gewordene “Bindestrichjudentum” zu überwinden. Juden wurden wieder die Träger ihres Schicksals und ihrer Zukunft. Und als die Juden von diesem “Erkenne dich selbst” zur Verwirklichung ihrer alten Träume Und durch die Jahrtausende leuchtenden Hoffnungen geschritten waren, wurde ihre Stimme auch im oft so disharmonischen Konzert der Nationen gehört. Man soll verstehen, dass eich diese Zurückentwicklung zur eigenen Persönlichkeit, diese Wiedergeburt des JuC.cn und des jüdischen Volkes nicht allein auf die äusseren Umstände und Gegebenheiten der nationalen oder bürgerlichen Existenz, nicht allein auf die jüdische Positionin der menschlichen Gesellschaft beziehen oder beschränken kann. Kin so tief gehender, transzendentaler Umbruch im Wesen unseres Seins als Individuen wie als Volk, kann und hat sich nichtnur auf Aeusserliehkeiten, auf politische Verhältnisse und Bedingungen beschränkt. Viel stärker dürfte aber der innere Umwandlungsprozess gewertet werden, der aus den unterdrückten und eingeschüchterten Juden, seien s;e nun angeblich vollberechtigte Staatsbürger oder Deklassierte gewesen, wieder innerlich freie Menschen gemacht hat, selbstsicher, stolz, ihrer eigenen, jüdischen Werte bewusst. Das Ringen um den eigenen Staat, seine Grün- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON .TOO 1* izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 düng und sein Aufblühen trotz der vielen Widerstände und ungeheuren Schwierigkeiten haben dem ganzen jüdischen Volk neue Hoffnungen und neues Vertrauen in seine Zukunft verliehen. In diesem Prozess der Neuwerdung des Staates, des Landes und des Volkes Israel ist dieses Volk verjüngt und gestärkt hervorgegangen. Die schweren Bedingungen, die für unser Land und Volk walten, hatten zur Felge, dass sich manche Entwicklungen, trotz des nach aussen hin imponierenden Tempos beim Aufbau, erst allmählich anbahnen. Das Vorbild Israels wirkt und ist bereits unter anderen Völkern zu einer lebendigen Kraft geworden Wenn eme so oedeutende Zeitung wie die in Buenos Aires erscheinende .,La Naciöii'* in einem Leitartikel über die Bewässerung im Lar.desinnern auf das Beispiel hinweist, das Israel auf diesem Gebiet gibt, so spricht die objektive Leistung für sich, die Israel in der Wasserfrage durch seine Wissenschaftler, Techniker, Arbeiter, Konstrukteure und Politiker vollbracht, hat. Wie kommt es, so fragen wir uns, dass Israel und die diesen Staat bildenden und tragenden Menschen auf vielen Gebieten als musterhaft und als beispielgebend anerkannt werden, aber gerade auf jenem Gebiet wirkungslos auf andere Völker geblieben sind, das wir selbst wohl mit vollem Recht als unser ureigenstes betrachten: , auf dem Gebiet des Geistes, j der Weisung, der Gebote, der Ethik und der im Alltag wirkenden sozialen und religiösen Vorstellungen UNSERES Buches. j Hier liegt die Parallele zu 1 unserer eigenen Entwickj lung: in den äusseren Errun- 1 genschaften sind wir vorge-! schritten, unsere moralischen j Kräfte wurden noch nicht j eingesetzt. Die Welt erkennt 1 unsere (äusseren) Leistungen an. Der Ruf des Judentums an diese Welt wurde noch nicht gehört ... Deswegen erhebt sich heute die Frage, ob wir nicht auch auf diesem Gebiet eine Verpflichtung haben, aus unserer passiven Rolle hervorzutreten. Ergäbe sich eine solche Pflicht nicht schon allein aus der wundersamen Tatsache unseres Ueberlebens? Vielleicht noch niemals haben die Menschen und Völker über die Juden, ihre Aspirationen und ihre Probleme eine so weltweite Diskussion geführt wie heute. Auf jeder Tagesordnung der Vereinten Nationen, die gerade in diesen Tagen wieder zu einer jährlichen Generalversammlung zusammentreten, steht die Frage Israel und damit die Problematik PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. ierät Sie kostenlos und mverbindlicb beim Kauf oder Verkauf von üESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 13-7887 der jüdischen Existenz. Jahre hindurch haben die UN das jüdische Problem in allen seinen Aspekten diskutiert, die schrecklichen Verfolgungen, die Not der Opfer des nazistischen Terrors, das Eilend der befreiten DP’s, die ständigen Unruhen im Mandatsland Palästina die Ausweglosigkeit der jüdischen Situation im Nachkriegseuropa; dann lebte diese Debatte wieder auf, als sich der Sicherheitsrat immer wieder mit den arabisch-jüdischen Zusammeiistössen dem Sinai- Feldzug und der Verhaftung Eichmanns beschäftigen musste. Immer aber blieben Angriffe gegen uns und Diskussionen mit und über uns auf die äusseren Lebensbedingungen des jüdischen Volkes und des Staates Israel oc schränkt. Nicht zufällig spielt die „Judenfrage“ auf dem II. Vatikanischen Konzil eine wichtige Rolle. Aber auch hier haben wir an dieser Aussprache zwischen den Konzilteilnehmem nur eine passive Rolle, zumal die Debatte sich über eine Frage erstreckt, zu der unsere Stellung seit Jahrhunderten vollkommen klar ist: die gegen Juden oder das jüdische Volk erhobene Blutschuld- Anklage, „Gottesmörder“ zu sein, ist eine Unwahrheit, eine Fälschung oder unrichtige Interpretation der angeblich geschichtlichen Vorgänge, und das auch dann. wenn, man nur die Berichte der Evangelien zugrundelegen will. Was jüdische Gelehrte, verantwortliche Rabbiner und viele ungenannte, unbekannte, einfache Juden Jahrhundert um Jahrhundert nicht müde wurden, immer wieder auszusprechen, wird zu unserer Zeit nicht mit der erforderlichen eindeutigen Klarheit von uns Juden gesagt, obwohl wir — ganz im Gegensatz zu damals — in freien Ländern leben, in denen wir kraft Gesetzes das Recht haben, unsere Meinung ungehindert zu äussern. Andere haben dieser Pflicht Genüge getan, obwohl sie verfolgt und bedrängt waren, obwohl über ihnen das Schwert der Inquisition schwebte, obwohl ihnen das Recht der freien Meinungsäusserung nicht zugestanden worden ist. Wir sollten aber nicht ruhig oder gleichgültig, nicht erwartungsvoll oder ängstlich abwarten, ob das Konzil die „Juden-Erklärung“ annimmt, ablehnt oder erneut vertagt. Wir haben uns nicht gegen Anwürfe zu verteidigen, deren Haltlosigkeit von den weitesten Kreisen längst erkannt worden ist. Wir haben der Welt ganz anderes zu verkünden, als unsere Unschuld oder die unserer Vorväter aus edner aufgewühl- Ausfuhr Jerusalem. — Die israelischen Exporte in den ersten acht Monaten des Jahres 1965 beliefen sich auf insgesamt 300 Millionen Dollar und waren somit um 17 Prozent höher als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die industrielle Ausfuhr stieg um 33 Prozent. (ITA) JUDITH SGHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdeckec TaDiebeutel Käppchen Maz zot-Ta sehen Hand und Maschicienstickerei von Bett- und Tischwäsche Dt. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIOUS dipt. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4* B. 46-1716 and 48-2124 ten Zeit zu beteuern, die beinahe zweitausend Jahre zurückliegt. Das jüdische Volk ist der Hüter eines grossen Vermächtnisses. Wie in seinen eigenen Existenzfragen dieses Volk sich durch Macht oder Gewalt, die andere in Händen hielten, in eine passive Rolle zu ruckdrängen liess, — und diesen Vorgang als Folge des Zwanges hinnehmen musste —, so hat es auch anderen Kräften, insbesondere der Kirche, die Aufgabe überlassen müssen, die ihm übergebenen Postulate des Rechtes, der Sittlichkeit, der Menschlichkeit den Völkern der Erde zu künden. Dass dies oft mit sehr unjüdischen Mitteln geschah, mit Schwert und Feuer, fällt dabei nicht ins Gewicht. Wenn heute der Papst immer wieder die Völker ermahnt, — und es ist gut und richtig, dass er es tut, — dann erfüllt er damit eine Pflicht, die vor allem uns als Juden oder dem jüdischen Volk als solchem übertragen wurde. Wo aber erfüllen wir Juden diese uns auf er legte Verpflichtung? Wo ist die jüdische Stimme zu hören, einer verzweifelten Menschheit das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" zuzurufen? Wo haben Juden es bereits übernommen, auch diesen und den wichtigsten Teil unseres Erbes der Menschheit erneut zu verkünden? Durch die Renaissance unseres Volkes, durch die Schaffung des Staates Israel, durch den selbstbewussten Kampf um unsere Freiheit, um unsere bürgerliche Existenz und Gleichberechtigung unter allen Menschen und Völkern haben wir uns selbst wiedergefunden. Aber das darf schon nicht mehr genügen, obwohl es sehr viel ist! Dieses Gebot der Nächstenliebe ist eine der Grundforderungen des jüdischen Gesetzes unserer Ethik, unserer Gedanken. Wir finden dieses Gebot im 3. Buch Mosche, Kap. 19, Vers 18. Der Satz lautet in der Uebersetzung Luthers, die hier absichtlich ansteäle einer jüdischen Uebertragung ins Deutsche zitiert sei: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; denn ICH bin der Herr“. — Luther verweist auf das Evangelium des Marcus 12. 31, wo es heisst: „Du sollst, deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Es ist kein ander grösser Gebot, denn diese“.— Noch klarer kann es nicht sein, dass dieses Gebot der Nächstenliebe eine jüdische Forderung ist, die sich an den einzelnen Menschen wie an alle Völker richtet. ES wird so viel darüber gesprochen. <Jass die Menschhet vor einer Entscheidungsstunde steht wie noch niemals in ihrer langen Geschichte. Wissenschaftliche Erkenntnis und technischer Erfindungsgeist haben dem Menschen die Möglichkeit in die Hand gespielt, über Sein oder Nichtsein unseres Planeten, mit Sicherheit aber über den Weiterbestand der Lebewesen zu entscheiden. Trotz der hieraus drohenden Gefahren durchhallt Waffengeklirr unsere Erde. Tausende Menscen sterben in Kämpfen, die immer heftiger werden. Nasser weiss nichts anderes als einen bevorstehenden Krieg gegen Israel zu predigen. Eigennutz und Willkür, sinnlos entfachte Leidenschaften und hohle Hassgeeänge übertönen die Stimmen der Vernunft, die wenigen, die es wagen, dieser immer höher schlagenden Welle der gegenseitigen Vernichtung emtgegenzutreten. Hier erwächst unserem Volke die ihm ureigene Aufgabe, die unser Vermächtnis ist und bleibt: einer kopflos gewordenen Menschheit jenes Gesetz zuzurufen, das allein ihren Bestand, ihre weitere Existenz, ihre Entwicklung, ihre Freiheit, ihren Frieden bringen kann: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Ist es ein hoffnungsloses LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, 1? izq. T.E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800— jährl. Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 MOHEL N. PLAKSIN Superí 2719 T. E. 76-6784 n. 76-2312 Unterfangen? Vielleicht. Aber das kann unsere Verpflichtung nicht aufheben, in dieser Schicksalsstunde wenigstens unsere ermahnende Stimme zu erheben und immer erneut zu versuchen, das Leben der Menschen, der Gesellschaft, der Staaten und der internationalen Völkerfamilie auf die einzig gesunde Grundlage des Rechtes, der gegenseitigen Achtung und der Nächstenliebe zu stellen. Das ist der Ruf des Neuen Jahres, der an uns ergeht: Nicht nur Träger des eigenen Schicksals und der eigenen Zukunft zu sein, sondern die Verpflichtung des gewaltigen Vermächtnisses zu erfüllen und alle Menschen zur Umkehr und Besinnung, zur Erfüllung der Grundforderung des „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!* aufzufordern. 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