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Jüdische Wochenschau · 1965-09-17 · 2134 (17.9.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2134 (17.9.1965)
Date
1965-09-17
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 17 de Septiembre de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N* 2134 — 3 UEBER DEN PHÏLOSEMITISMÜSI lF Vor kurzem erschien eine ' Sammlung von Essays des amerikanisch - jüdischen Literaturkritikers Leslie Fiedler unter dem Titel ‘‘Waiting ior I the End” (Cape, London). [ Siedler ist duroh sein grosses ■ Werk ‘T>ove and Death in the America« Novel” be- * kantit geworden, in dem er sich vor allem mit der amerikanischen Literatur des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte. In seinem neuen Buch weist der Autor nun u. a. auf eine interessante Erscheinung im Kulturleben. Nordamerikas hin: Es ist die Strömung des Philosemitisjytiis. die auf zahlreichen Ge_ bieten zum Ausdruck kommt, auch in der Literatur und in dem starken Einfluss den jüdische SchriftsteUef und vor allem jüdische Themen auf das breite Publikum ausüben. Aber auch etwa die Tatsache ist interessant, dass Filmstars die Neigung zeigen, zum Judentum überzutreten, Fiedler meint, dass die Leiden des intellektuellen oder überempfindlichen Juden in einer städtischen Umwelt viele Amerikaner in den letzten Jahren, angesprochen haben, da sie darin einen beispielhaften Zustand der Entfremdung sehen. Juden seien eben das, was Amerikaner sind; beide sind in der Verbannung, beide sind „aus dem Schiffe gestiegen.” Am treffendsten hat der amerikanische Pädagoge und Schriftsteller Bernhard Ma- Jamud den Zustand beschrieben mit seiner Bemerkung: “Alle Menschen sind Juden”. Das sind interessante Gedankengänge zum Verständnis der Judenfrage in USA wie des jüdischen Problems unserer Tage überhaupt. Was bedeutet die Anziehungskraft des Judentums und seiner Probleme auf gewisse Sch ich _ ten im amerikanischen Volk? — Schon mit den Worten ■“gewisse Schichten” wollten Wir andeuten, dass es sich, dabei trotz allem, trotz der Massen - Auflagen der Bestseller, um eine Erscheinung handelt, die sich in einer im wesentlichen grosstädtischen und vor allem doch wohl auf New York konzentrierten Sphäre abspielt. Wird das amerikanische Volk in seiner breiten Masse von dieser Anziehungskraft des Judentums berührt, und ist es überhaupt in dem Sinne liehen Vorgang in Bezug auf aussen auch in den Vereinig_ LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INI'EFUNDIENTE ßs. Aires — PUEYR.EDON 2190. 1» izq. — T. E. 83-2613 den Staat Israel sprechen, dessen Entstehung und dessen Probleme aus Gründen, die sowohl in der religiösen Tradition mancher Bekenntnisse wie auch in den beson_ Ursachen seiner Entstehung begründet lagen, eine positive Reaktion auslöste. Dies ist jedoch eine ganz speziell auf eine bestimmte Lebensform von Juden gerichtete Bezie- ... sagt Propst Grüber Als eine jahrhundertealte Schuld der Kirche hat der Berliner Probst Heinrich Grüber den Antisemitismus in einer Stellungnahme zu den jüngsten antisemitischen Schmierereien in Bamberg bezeichnet. In einem Schreiben an die evangelische Kirchenleitung stellt Propst Grüber fest, der Antijudaismus sei ein Schandfleck für die christlichen Kirchen. E!r habe am Portal des Bamberger Doms in gleicher Weise wie am Strassburger Münster seinen sichtbaren Ausdruck gefunden: Auf der einen Seite sei die Synagoge in hässlicher Gestalt dargestellt und über ihr die Schrekken der Höllenqualen der Ungläubigen, auf der anderen Seite die Kirche als strahlende Figur, die die Heilsgaben anbiete und darüber ein Abbild der ewigen Herrlichkeit, die die Gläubigen erwarte. Propst Grüber schrieb weiter, bei dem unerfreulichen Geschehen in Bamberg solle man nicht nur auf die Schmierer und Hetzer zeigen, sondern vielleicht auch einmal das „Mea culpa“ sprechen. Auch nach Beseitigung der Schmierereien und Bestrafung der Täter bleibe Bamberg eine Stadt, die zur bewussten Besinnung und Umkehr aufrufen solle. “philosemitisch”, dass es im Judentum eine besonders eigenartige, liebenswerte Erscheinung erblickt, Denn der Sinn des Philosemitismus liegt ja nicht einfach darin, dass der Antise mitismus abgelehnt wird, wenn man mit ihm in Berührung kommt. Wenn man das Beispiel des Phil-Hel lenismus aus der Zeit des Unabhängigkeitskampfes der Griechen heranzieht, so zeigt sich darin deutlich, dass eine aktive Note in einer solchen Haltung vorhanden war. In einem gewissen, wenn auch ebenfalls nur bescheidenen Umfange kann man vielleicht heute von einem ahn ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS. GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL ' VIAMONTE 550,1, B — Bs. Aires, Rep. Argentina ALFREDO STERN MALERARBEITEN UNVERBINDLICHE KOSTENVORANSCHLAEGE FUER JEDE ARBEIT Nette Adresse: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel.: 76-7281 1 Deposite: V. DE LA PLAZA 1779 hung der Sympathie, die nicht zu verwechseln oder gar gleichzusetzen ist mit der Anziehungskraft des Judentums, wie sie sich im unmittelbaren Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Nordamerika, oder sonstwo ergibt. Uns scheint, dass sich hier eine nicht zu übersehende Parallele zu manchen Erscheinungen der deutsch-jüsohen Geschichte andeutet. ^>ie USA durchleben eine Periode, in der gewaltige Menschengruppen einer vollen Emanzipation entgegenstre ben und ohne Zweifel auch entgegengehen. Bei aller Gleichheit der Rechte gab und gibt es viele Ungleich heiten des tatsächlichen Lebens. All dies ist in einem rapiden Zerfallsprozess begriffen, wobei zahlreiche Faktoren von innen und von Teppichhaus - M. 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Mag es sich nun um das markanteste Beispiel, die volle Emanzipation der Neger handeln, oder um die vorbehaltlose Eingliederung anderer ethnisoher Gruppen, um die in Amerika vielleicht noch mehr als sonstwo spür_ bare totale Emanzipation der Frau, um sehr heftige Bewegungen unter der Jugend, wobei wir nicht etwa nur an Erscheinungen wie diejenige der Beat-Generation denken, sondern auch an die nahezu ans Revolutionäre grenzenden Vorgänge an den Universitäten — all dies ist Ausdruck einer nicht einmal so ‘‘stillen“ Revolution, welche die amerikanische Gesellschaft erschüttert. Auf diesem Hintengrund scheint uns auch die Erscheinung verständlich zu sein, die Leslie Fiedler als Philosemitismus bezeichnet hat, oder eine Bemerkung, alle Menschen seien Juden. Das ist richtig, wenn man davon ausgeht, dass ein we*- sentlicher Teil der menschlichen und auch der ameri kanischen Gesellschaft in einem Zustand der Selbstbefreiung von Vorurteilen und von Bindungen oder auch des Kampfes um solche Be freiung steht, pann wird der Jude, der diesen Kampf seit langem zu führen hat, zu einem Prototyp, sein Leben und seine Probleme gewinnen eine starke Anziehungs kraft, und es kommt sehr bald dazu, dass viele Juden auf zahlreichen Feldern im Vordergrund der Bewegung um Befreiung stehen — nicht mehr als Juden, aber im tiefsten Sinne, weil sie Juden sind. Es ist unmöglich, das Jahr 1965 mit der Zeit der deutschen Juden _ Emanzipation vor und während, ja nach der Romantik zu vergleichen. Aber es gibt so manches Gemeinsame über die Zeiten und Differenzen hinweg. Auch in jenen Tagen, in denen die Blütenträume der Freiheit den Juden im deut. sehen Kulturkreis zu reifen schienen, übte das Judentum und strahlten vor allem gerade seine begabtesten Vertreter eine oft magische 20. Elul 5725 17. September 1965 Anziehungskraft auf eine Flugdienst Umwelt aus, in der das Wort 6 von der Freiheit des Menschengeschlechtes FUSS zu fassen begonnen hatte und oft in einem schweren Kampf mit den Kräften der Reaktion lag. Freilich, zwischen den berliner (und wiener) Salons jener Periode und den Zirkeln der new yorker oder hollywooder Intelligenz und Kunst klafft ein Unterschied, der, weitgeschichtlich betrachtet, mehr als 120 oder 150 Jahre zu umfassen scheint. Sitten und Vorstellungen haben sich gründlich geändert, die Lebensformen sind zutiefst ge wandelt, aber die tieferen Elemente des menschlichen Erlebens und Fuhlens sind dooh wohl nur sehr an der Oberfläche beeindruckt worden. Wenn wir von Philosemitismus in den Vereinigten Staaten sprechen, so liegt auch darin kaum mehr als eine Oberflächenerscheinung, die an den grundliegenden Beziehungen zwischen den Menschengruppen nur wenig verändern kann. Damit wollen wir gewiss nicht sagen, dass sich für das USA-Judentum und für seinen Anteil am und seinen Einfluss auf das amerikanische Geistesleben jene Perspektiven ergeben, die wir in Deutschland erlebt haben. Aber es scheint uns eine Fehlbeurteilung zu sein, wenn aus dem Interesse an jüdischen Dingen und aus ihrem Einfluss auf einen gewissen Kreis nun der Schluss gezogen wird, es handle sich dabei um Philosemitismus. Sicher ist die positive Beziehung, die sich darin ausdrückt, nicht zu übersehen, ataör es ist eine Erscheinung, die nur dann verstanden und richtig gewertet werden kann, wenn man sie als Teil einer grossen Bewegung erfasst, von welcher der Malamud sehr treffend sagte, alle Menschen seien Juden, wobei allerdings einschränkend hinzuzufügen ist, dass diese Bezeichnung auf jenen sehr London: — Die BOAC hat einen jüdischen Experten m ihren Stab aufgenommen, der sich um die besonderen Bedürfnisse der jüdischen Passagiere auf allen Flügen kümmern soll. Allein nach Israel werden wiöchentiäoh vier Flüge durehgeführt. grossen Teil der Menschheit und auch weiter Schichten des amerikanischen Volkes zutrifft, die in einer Emanz;_ pationsbewegung dieser oder jener Art begriffen sind. Was sein wird, wenn diese Bewegung ihre Ziele erreicht hat, ist eine andere Frage. Wo werden dann die Juden stehen, wird ihre Integration bewerkstelligt sein, was wird dann an Sympathie und Antipathie sie betreffen, sofern sie den Prozess der grossen sozialen Umformung als eine erkennbare Gruppe überstanden haben? — Darin liegen die Fragen, die gestellt, aber heute nicht beantwortet werden können. Nur eines scheint uns gewiss: Dem Judenproblem ist auch mit Philosemitismus nioht beizukommen, so wenig wie es dem Antisemitismus möglich war, es zu lösen, selbst nicht in seiner auf Vernichtung abgestellten Form, die dann eben zur Vernichtung der eigenen Persönlichkeit, des erfolgreichen Mörders, geführt hat. Beide Beziehungen zum Judentum als einer geistigen Kraft wie zu einer nationalen Gruppe tragen den Stempel des von der Norm Abfallenden in sich. Das eigentliche Problem ergibt sich jenseits von Antisemitismus, dort wo eine von Affekten positiver oder negativer Natur freie Form des Zusammenlebens erreicht oder zumindest angestrebt wird. Ob dies möglich ist, das ist die eigentliche, bis heute noch von keiner Seite gegebene Antwort auf die Frage nach der Lösbarkeit des Judenproblems. K. L. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Cr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRÄGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUÉROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr I. E.: 83 - 2613 Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 8930 PUEYRREDON 2190 es* Av. LAS HERAS

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