Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2133 (10.9.1965)
- Date
- 1965-09-10
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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JS — Virtue*, 10 de Septiembre de 1965 LA semana israelita Año XXVI. — N* 2133 Du sollst nicht tceten (Schluss von Seite 1) den zwei grosse Kriegsverbrecher _ Prozesse vor deutschen Gerichten abgeschlossen; in beiden wurden — auch neue — Einzelheiten über den ungeheuerlichen Umfang der Greueltaten bekannt, die von der nazistischen Mordmaschine, vorwiegend aber nicht ausschliesslich gegen Juden begangen worden sind. Angeklagte in beiden Verfahren waren alle Chargen von SS- Leuten und ihren Helfern in zwei der furchtbarsten Vernichtungslager, in Auschwitz und in Treblinka. Zu welchen Grausamkeiten diese Mordge6ellen fähig gewesen sind, soll hier nicht wiederholt werden. Wir wollen auch nicht die Präge be_ antworten, ob die gefällten Urteile in dem einen oder anderen Prozess nach unserer Auffassung gerecht oder richtig sind. Zu solcher Kri_ tik müsste man den Mut haben alle Einzelheiten zu tiberprüfen, die im Laufe der langen Vernehmungen, Ermittlungen und Feststellungen der beiden Gerichtshöfe zur Sprache kamen. Die Schwurgerichte, die bestimmte Angeklagte und deren konkrete Taten abzuurteilen haben, müssen sich auch mit den allgemeinen Problemen beschäftigen die immer wieder auftauchen. Hierzu gehören nicht nur grundsätzliche Rechtsfragen Wie Befehlsnotstand u. a„ sondern Fragen, die den Ge_ samtzusamenhang der Verbrechen mit dem damalige) i Zeitgeschehen betreffen. Un_ ter diesem Aspekt sind lie Ausführungen interessant, die der Verteidiger des Hauptangeklagten im Treblinka-Prozess gemacht hat, der in seinem Plädoyer sogar Stellen aus dem Schluss, gebet des Evangelischen Kirchentages zitierte, der 60. eben in Köln abgeschlossen worden ist. Dr. FREY ABOGADO PUEVRREDON .U.90 1* fctq. ■aetam. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hans-Joachim Göhring, fiel dadurch angenehm auf, dass er nicht Freispruch beantragte, wie andere dies für vielfache Mörder getan haben. Er forderte weder Freispruch noch eine bestimmte Strafe. “Er (der Hauptangeklagte), sag_ te der Anwalt, ist kein Unschuldsengel, ich will ihn nicht reinwaschen”. (Nur nebenbei bemerkt, ist auch die Bezeichnung “kein Unschuldsengel“ für einem der übelsten Mörder und Schinder recht eigenartig). .— Dann ging der Verteidiger auf den Sachverhalt näher ein und erklärte Treblinka habe bereits l§33 angefangen. Was alles habe erst geschehen müssen, bis die Verbrechen von Treblinka möglich geworden sind. Das Verfahren sei ein politischer Prozess, eine Behauptung, die gewiss in dieser allgemeinen Formulierung unzutreffend ist. Denn dort wurden ganz konkrete Untaten, Verbrechen unvor_ stellbaren Ausmasses, abgehandelt, die mit Politik nichts zu tun gehabt haben. Dass aber derartige Mordstätten wie Treblinka nur Innerhalb eines bestimmten Systems, nämlich im Unrechtsstaat des Dritten Reiches, errichtet werden konn. ten, dürfte kaum bezweifelt werden. Dass es sich um einen politischen Prozess handele, begründet der Verteidiger damit, dass die abzuurteilen., den Verbrechen auf staatliche Anweisung hin ausgeführt worden seien. Denn Treblinka sei nur die Endphase einer Entwicklung, die mit der Machtübernahme im Januar 1933 begonnen hat An zahlreichen Beispielen beleuchtete der Verteidiger die Haltung der Justiz und der Beamtenschaft im Hitlerstaat. Sie habe nicht protestiert als am Tage nach dem Reichstagsbrand die Grundrechte eingeschränkt worden seien. Sie habe keine Einwände erhoben, als der Reichstag seine eigene Entmachtung beschlossen habe Selbst ein so achtbarer Mann wie der verstorbene Bundespräsident Heuss habe dem sogen, Ermächtigungsgesetz zugestimmt. Auch bei dem angeblichen Rohm-Putsch sei die Justiz nicht wach geworden als hohe Beamte in Berliner Ministerien an ihren Schreibtischen erschossen worden seien. Das Verhalten des ehemaligen Staatssekretärs Globke als Kommentator der Blutschutzgesetze sei bezeichnend für den grössten Teil der deutschen Beamtenschaft. Den entscheidenden Schritt zur Ausrottung der Juden sieht der Verteidiger nicht im Bau der Vernichtungslager. sondern in den Ereignissen der sogen. Kristallnacht. ‘'Damals dachte man, was der Führer macht, ist richtig, und wo gehobelt wird, da fallen Späne.” Jeder habe das Recht und die Pflicht zum Protest gehabt, doch die "allzu willfährige Beamtenschaft” habe sich an das preussische Wort gehalten, Ruhe sei die erste Bürgerpflicht. Der Verteidiger kam dann auf die Vereinbarung zwischen der deutschen Justiz und der SS vom 12. November 1942 zu sprechen, mit der die restlose Auslieferung der Juden in die Hände Himmlers und seiner Organisation beschlossen worden ist. "Die Justiz hat die ihr anvertrauten Menschen also ausgeliefert, rief der Verteidiger aus, und wiederum hat niemand dagegen protestiert” .. Von belgischen Nazis Brüssel. — Riesige Beträge, die von führenden Nazis in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges auf Geheimkonten in verschiedenen ausländischen Banken eingez/ihlt wurden, dienen heute dazu, um die nazistischen und faschistischen Bewegungen zu finanzieren und NS-Verbrechern die Flucht zu ermöglichen. Dies enthüllte Hubert Halin, Präsident der Widerstandsbewegungen und und De portier tenverbände in einer kürzlichen Pressekonferenz. Er berichtete ferner über die Versuche der Wiederbelebung der Nationa sozialistischen Vereinigung in Belgien unter der Führerschaft eines gewissen Rüdiger van Zande, der Vertreter einer Handelsfirma in Antwerpen ist und dessen Verbindungen mit anderen faschistischen Gruppen und der Arabischen Liga kein Geheimnis sind. PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. 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Aus allen diesen Fakten zieht dann Göhring den Schluss, dass man nicht aus gerechnet von den zu bedin gungslosem Gehorsam ge. schulten SS-Leuten Wider stand und “Gewissenerforschjung” verlangen könne, Der mündliche Führerbefehl sei Gesetz gewesen. Anders könne man das vielstimmi ge "Führer befiehl, wir folgen” nicht auslegen ... Dass der Verteidiger unter Bezugnahme auf all die von ihm aufgeführten Tatsachen und Erscheinungen nicht Freispruch verlangte beweist, dass auch er selbst unter Berufung auf die Mit Verantwortung der Justiz, der Beamtenschaft, der Kir chen die Schuldhaftigkeit der ausführenden SS-Organe und der einzelnen Mörder nicht in Abrede stellte. Dies wäre wohl auch unmöglich gewesen, da man den von ihm verteidigten ehemaligen Lagerkommandanten und jetzigen Hauptangeklagten Mord, Anstiftung oder Bei hilfe zum Mord in minde stens 300.00 Fällen zur Last gelegt hatte. Die Verteidigung dieses JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN i Schabbosdecken TaJJie-| beutel Käppchen Mai i zot-Taschen Hand- und| Maschkuenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 258s j (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dipt. Möbel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4* B. 46-1716 und 48-2124 Monstrums war zugleich die Anklage gegen das Dritte Reich und das von ihm prak tizierte System. Aber sie war noch mehr. Denn der Verteidiger begnügte sich nicht mit allgemeinen Redewen. düngen, sondern er griff uni erschrocken die Justiz, die Beamtenschaft und die Kir_ chen an. Er warf diesen zur Führung eines Volkes berufenen Institutionen vor, sie hätten geschwiegen, als sie hätten sprechen müssen, als es ihre moralische und rechtliche Pflicht war, ihre Proteste im Angesicht des ungeheuerlichen Unrechts zu erheben. Gewiss bedurfte es nicht dieser Ausführungen im Treblinka-Prozess, um der geschichtlichen Wahrheit nahezukommen, Gerade an die. ser Stelle haben wir immer wieder dieser Auffassung Ausdruck verliehen. Dass aber heute und dort ein Mann mit solcher Klarheit spricht (und unsere Beweisführung unterstützt,), muss nicht nur als mutige Tat gewertet, sondern auch als ein Versuch, der Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen, verzeichnet werden. Viele Verteidiger haben in anderen Prozessen die sich ihnen bietende Gelegenheit benutzt, um direkte oder versteckte Propaganda für die Ideen des Dritten Reiches zu machen. Andere wiederum forderten das Ge. rioht auf, die Angeklagten trotz ihrer unbestritten schrecklichen Verbrechen freizusprechen und nicht die Handlanger sondern die sogen. Schreibtischmörder zur Verantwortung zu biehen. Viele von diesen intellektuellen Gehilfen und Drahtziehern kennt man; sie blieben ungeschoren. Wann wird man endlich sie vor ein Gericht stellen, da ihre Schuld zwar "anders” aber kaum geringer als die derjenigen ist, denen sie die Möglichkeit gegeben haben, über Leben und Sterben un. schuldiger Menschen zu ent. scheiden. Dass diese sich für den Mord entschieden haben, ist ihre individuelle Schuld. Deswegen sind ihre Strafen berechtigt, auch wenn keine hart genug sein kann, um zu sühnen, was von ihnen gesündigt wurde Dass auch die Kirchen un_ ter den Mitverantwortlichen aufgezählt wurden, ist im Angesicht der heftigen Debatte interessant, die duren das Drama von Hochhuth ausgelöst worden ist. Die Evangelische Kirche hat zu wiederholten Malen ein Schuldbekenntnis abgelegt und ihre (indirekte) Mitver antwortung nicht in Abrede gestellt. Die Debatte ist da- Haltung der deutschen Katholiken und vor allem des deutschen Episkopats ist da. gegen noch keineswegs abgeschlossen. Hier wird nicht darüber gesprochen, ob Hochhuth mit seiner Anklage gegen den Papst Pius XII. Recht oder Unrecht hat. Hohe kirchliche Autoritäten haben hierzu widersprechende Auf fassungen geäussert; dieser Streit innerhalb der Kirche ist noch keineswegs beendet. Dass aber der deütsche Episkobat schwere Schuld auf sich geladen hat, wurde erst jetzt durch die bis in alle Einzelheiten gehende wissenschaftliche Untersuchung des in Breslau geborenen USA-Professors für politische Wissenschaften. Dr. Günter Lewy, einwand frei belegt. Gewiss gab es einige leuchtende Beispiele echter Menschlichkeit, die aber leider durchaus nicht LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Arnoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 lv i2q. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. ( 800.— jährt. Freundschafts- Briefmarken Als Ausdruck der freundschaftlichen Zusammen«-., beit mit Israel hat Togo eine Serie von fünf Briefmarken mit israelischen Themen herausgebracht. (ITA) typisch für die kirchlichen Instanzen gewesen sind. Eine Widerlegung der von Lewy aufgestellten Behauptungen und seiner auf allen erreichbaren Quellen ruhen, ren Feststellungen ist bisher nicht erfolgt. Dieses Versagen des deutschen Episkopats ist umso bedauerlicher, als auch und besonders die Kirche die ethische, moralische, rechtli. che und religiöse Forderung des "Du solst nicht töten“ als eine der unwandelbaren Grundlagen des menschlichen Lebens betrachtet Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, eeq. CONDE 76-0286 73-1049 MOHEL N. PLAKSIN Superí 2719 T. E. 76-6784 n. 762312 Dr. B. Schv/arcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TFT.FF VORANMELDUNG ENFERMEDADES DE LOS HUESOS y ARTICULACIONES — RADIOGRAFIAS Prof. Dr. BLUMENFELD Pro#, de la Facultad, Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita. Trasladó su consultorio a J. E. URIBURU 285 T. 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