Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2128 (6.8.1965)
- Date
- 1965-08-06
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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0 — « Sc Agonfo Se 1865 LA REMANA ISRAELITA AA» M¥i. — ir tm Die Wirklichkeit ist anders (Schluss von Seite 1) VO»i Staats wegen die Pluralität der konfessionellen Bekenntnisse geduldet. Immer aber erhebt sich der Staat als solcher autoritär über die Gesellschaft. Er ist also nicht mehr ihre Ausdrucksform, Bondern Selbstzweck geworden. Das Bürgertum habe, als es geistig und moralisch erstarkte, die heilsame Kraft des Staates vergessen und sich gegen die Autorität des Staates gewandt, diese untergraben und damit den Weg für alle totalitären Bewegungen unseres Jahrhunderts freigelegt. Die Französische Revolution stehe am Beginn dieser Entwicklung, da sie sich durch die Predigt, der Freiheiten kritisch gegen den Staat gewandt und das „friedenstiftende Potential* des Staates zerstört habe. Die geschichtliche Entwick lung lehrt allerdings, dass gerade diejenigen Völker, in denen der autoritäre Staat «ich durchsetzte, wie die angelsächischen, von bürgerkriegsartigen Krisen und totäiitäten Entartungen im wesentlichen verschont geblieben sind. Damit wird eigentlich die Theorie der autoritären Erhebung des Staates aus der Gesellschaft und über sie durch die historische Erfahrung widerlegt. Wenn man bei dem Beispiel der Religionskriege bleiben will, wird man schnell verstehen, dass auch die damals gefundene Formel nur eine Schablone der tatsächlichen Machtverhältnisse gewesen ist. Denn es handelte sich nur darum, einen modus vivendi zwischen den entstandenen neuen und den alten christlichen Glaubensbekenntnissen zU finden. An die Duldung anderer „.Konfessionen" war nicht gedacht worden. Diese waren schon durch die Theorie des „cuios regic, eius religio“ ausgeschlossen, denn kein Herr scher oder kein Staat gehör, te einem anderen als einem christlichen Glauben an. Interessant ist auch die Tatsache, dass dieses Problem, wenn auch in einem anderen Gewände, noch heute das internationale Leber/ beschauet. Die Vollversamm lung der Vereinten Nationen soll sich in diesem Jahr mit einer Empfehlung beschäftigen, die — und das ist auf fallend — von ihrem wirtschaftlichen und sozialen Rat unterbreitet, wird. Die UN sollen eine Deklaration abgeben und eine internationale Konvention abschliessen ,.über den Ausschluss aller Formen religiöser Unduldsamkeit“. Dass es sich hierbei keinesfalls um ein Tole ranz-Edikt zugunsten der Juden handelt, ist klar. Wir sollten uns überhaupt davor hüten, alle Weltprobleme nur unter dem Aspekt unserer eigenen Problematik zu betrachten, was hier nebenbei bemerkt sei. Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON HM 1* izq. nachm 18—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 589 T. E. 49-5850 PROPIEDADES . FRANKENBERG 8. R. L. terät Sie kostenlos on<J lDverbindlicb beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSEBN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 13-7887 Wenn man so will, kann man die heutigen internationalen Auseinandersetzungen weitgehend als den Zusammenstoss verschiedener religiöser Auffassungen ansehen Wir sind zwar gewohnt, diese Gegensätzlichkeiten meist nur als den Ausdruck von Machtkämpfen auf anderen! Lebensgebieten zu betrachten. als politische oder wirtschaftliche Rivalitäten. Man darf aber nicht verkennen, dass hinter solchen Machttreben bewusst oder unbewusst andere Kräfte eingesetzt werden, die zumindeste ns dem eigenen Volke oder den eigenen Nationen gegenüber als die bewegen den Kräfte benutzt werden: hierher gehören moralische Prinzipien oder die Behauptung, dass solche auf dem Spiele stünden, hierher gehören religiöse oder weltanschauliche Ueberzeuvun gen, die einen stärkeren Einfluss auf die Denkungsart oder die Einsatzbereitschaft der Bevölkerungen ausüben als die brutalen Bestrebungen um Ausweitung der politischen Macht oder der politischen Einfluss-Sphären. Es ist durchaus kein Zufall, dass man die kommuni. stischen Doktrinen, seien sie nun in der alten leninistischen, orthodoxen Anschauung präsentiert oder in einem modernisierten Gewände vorgetragen, als die ,.Re. ligion der Gottlosen“ oder die ..Religion der Religionslosen“ bezeichnet. Das es sich hierbei um eine genau umris sene Weltanschauung handelt, daran zweifelt niemand Der Begriff der „Weltanschauung“ umfasst doch die Vorstellung des gesamten Weltbildes, das sich ein einzelner oder eine Gemeini schaft formt. Man spricht j oft von politischer oder relij giüeer Weltanschauung, obi wohl diese Einschränkung j begrifflich nicht völlig zuj treffend ist. Denn „Welt“ Anschauung umfasst das .Ganze, nicht einen Teil des j Weltbildes, das man für rich- I tig hält. Der angeblich moderne Mensch bemüht sich! um eine Versachlichung des! Weltbildes; er spricht von seinem Glauben an eine höhere Kraft“, weil er nicht mehr von seinem Glauben an einen persönlichen Gott spre chen mag. Dibei wird aber geflissentlich übersehen, dass der Ersatz des „ER“ durch ein ES an der Tatsache des Glaubens an sich nichts ändert. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist die ast-westliche Auseinandersetzung auch (oder ausschliesslich?), eine gewandelte Form eines Religionskrieges. Gilt doch auch für die Sowjetunion selbst dann der Satz „cuius regio eiius religio“ (Wessen Gebiet dessen Religion), wenn man auf den Bestand andeier Re ligionsgemeinschaften hinweisen wollte. Dass diese nicht der „Staatsreligion“ des Kommunismus gleichgestellt sind, dürfte ausser Zweifel stehen. Wenn man diesen Zusammenhang erwägt, dürfte es äusserst bedenklich erschei nen, davon zu sprechen, dass sich der moderne Staat als eine friedenstiftende Macht aus den Religionskriegen erhoben habe. Bei genauer Betrachtung halten diese Religionskriege an. wenn auch die streitenden P..rteien gewechselt haben. Der Versuch des Papstes Johannes’ XXIII., eine Annäherung der Konfessionen, insbesondere der divergierenden christlichen Glaubensgemeinschaften, herbeizuführen. diente zugleich der For mulierung einer stärkeren „Glaubens-Welt“ gegen die „Welt des Unglaubens“. Niemand wird die edlen Frieden sabsichten dieses grossen Papstes verkennen, der mutig daran geschritten ist. aus seinen gedanklichen Vorstellungen und „weltanschaulichen“ Ueberzeugungen eine Realität zu schaffen. Gerade hierin lag seine Grösse Aber dass dieses Bemühen zugleich der Verstärkung der Front des Glaubens in dem modernen Religionskrieg diente, den die Kirche seit Jahrzehnten gegen den Kommunismus führt, dürfte klar sein. Diese Auseinandersetzung, diesen Krieg ohne die Waffen der staatlichen Gewalten, ohne Kanonen und Bomber haben vor dem Papst Johannes XXIII. schon seine Vorgänger, vor allem Pius XI. WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT London. — Kardinal Heen&n, &zbischof von Westminster, versprach, unermüdlich gegen das auf dem jüdischen Volk lastende Stigma des Gottesmordes *u kämpfen, ohne Rücksicht auf die Behandlung, die die Deklaration über die Juden auf der vierten Sitzung des Kirchenkonzils erfahren wird. Der Kardinal, der auf den ersten drei Konzilssitzungen zu denen gehört hat, welche für eine energische Deklaration eintraten, um die Juden von heute und damals von dieser Beschuldigung freizusprechen, hielt, auf einem Bankett zur Hundertjahrfeier der Eveline-Rothsehild Schule in Jerusalem eine Rede. In seinem Trinkspruch auf die Schule nahm er auf die Beratungen des Vatikanischen Konzils Bezug und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die endgültige Abstimmung „den Juden günstig sein werde“. Br sagte voraus. dass die Katholiken in den kommenden Jahren zugeben würden, dass die Juden ungerecht behandelt worden sind. Er fügte hinzu: „Meiner Ansicht nach ist die Beschuldigung des Gottesmordes absolut ungerechtfertigt und ich werde nicht nachlassen, für Wahrheit und Recht zu kämpfen.“ (ITA) LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee« los Vieroes. Editado por Estrellas Editorial Uda. Director: AnwWs W. B. SwaraeMky Pueyrredbn 2190 1» lzq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährL JUDITH SCHENKOLEWSKI KtTLTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaUiebeutel Käppchen Mar zot-Taschen Hand- und Maschkaenstickerel von Bett- und Tischwäsche Dr. P. 1. RTVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73 «155 und Pius XII. geführt. Dass JACOB LAPIDUS Jipi. Hohe! NEUE ADRESSE V1AMONTE 2037 4» B. 46-1716 and 48 2124 Pius XII. diesem Kampf sogar das Primat vor dem Krieg gegen Hitler eingeräumt hat, Ist heute bereits geschichtlich bewiesen. Unter den Konsequenzen dieser weltanschaulichen oder religiösen Auseinandersetzungen hat niemand so stark gelitten wie das jüdische Volk. Dieses Thema kann nur in diesem Zusammenhang gestreift werden; es bedarf einer gesonderten Darstellung Das Problem hat mit dem üblichen Begriff des Antisemitismus nichts oder nur wenig zu tun. Denn der ursprüngliche Judenhasst, der auf religiösen Fundamenten ruhte, hat diesen Charakter im Laufe der Emanzipationszeit völlig oder fast vollständig verloren, zu echten religiösen Gesprächen, zu einer offenen Diskussion religiöser Prinzipien oder zu einer klärenden Auseinandersetzung zwischen den Glaubensauf. fassungen des Judentums und des Christentums ist es bisher nirgends gekommen. Im Gegenteil, man vermeidet auf allen Seiten strittige Themen anzuschneiden. Die heute übliche und vielerorts angestrebte .jüdisch-christliche Verständigung“ oder gar Verbrüderung kann überhaupt nur bestehen, wenn man nicht m diesen Disput ein tritt. Bewusst begnügt man sich mit allgemeinen Feststellungen über den gleichen Ursprung der Glaubensauffassungen, mit der vollkommen berechtigten Beteuerung, dass alle Menschen Brüder seien, mit der Anerkennung des Lebensrechtes der einen wie der anderen Aber das Gespräch wird recht geführt. Ganz andere Probleme stehen vor allem für die Kirche auf der Tages Ordnung. Wie weit 1 reute die Kirche bereit ist, auch in die politischen Diskussionen des Au. genblicks einzutreten, um gegen die Front der Gottlosen Stellung zu beziehen, zeigen die Bemühungen auf sozialem und Wirtschaft)! ehern Gebiet um einen Ausgleich der sich schroff gegenüberstehenden Interessen. Das hierbei die Kirche Forderungen aufstellt, wie z. B. die Beteiligung der Arbeiterschaft an den Unternehmungen, bei denen?ie beschäftigt sind, zeigt ihr politisches Verständnis und ihre. Bereitschaft, mit der modernen Zeit mitzugehen. Denn hiermit stellt sie sich auf den Standort sozialistischer Postulat*. Dass solche Bestrebungen dem sozialen Geist der jüdischen Glaubenswelt entsprechen, ist nicht zweifelhaft, und somit, könnten diese Vorstellungen auch als christliche reklamiert werden. Doss aber von hoher kirchlicher Seite be- 1 Leben aller Nationen trübt. tont wird, dass sich wenigstens die christlichen Unter, nehmer solchem Verlangen nicht widersetaen sollen, muss als eine unberechtigte und betrübliche Spitze gegen alle anderen, nichtchristlichen Arbeitgeber aufgefasst werden, die zu neuen Differenzierungen im politisch-sosaalen Alltagskampf führen kann. — Man sollte annehmen, dass nach dem Wirken des Papstes Johannes XXIII., dem nach seinen eigenen Erklä r urigen der jetzige Papst folgt, derartige „Toleranz- Edikte* überflüssig seien, wie sie der UN vorgelegt worden sind. Aber auch hier begegnen wir jener Diskrepanz zwischen der Idee und der Wirklichkeit, die das gesellschaftliche und staatliche Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 73-1049 M0HEL N. PLAKSIN Snperí 2719 T. 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