Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2127 (30.7.1965)
- Date
- 1965-07-30
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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RIE HERORES-START Jerusalem ist um ein neues Ausflugsziel reicher geworden, die archäologisch genaue Wiedergabe der herotbaaiischen Bauten des antiken Jerusalem. Es handelt Sich hier nicht uni ein Modell ln einem Museum, sondern um eine Anlage unta freiem Bimmel im Garten des Holyland-Hotels gegenüber dem arabischen Dorfe Malcha. Die Rekonstruktion wurde schon vor vielen Jahren von Herrn Kroch, dem Besitzer des Hotels geplant, aber es dauerte geraume Zeit, bis der Archäologe Professor Avijoha an Hand der Werke des Fiavius Josephus und der talmudischen Quellen die genauen Pläne entwerfen konnte, nach denen nun in einem Masstabe von ca. eifern Met» zu einem Zenti. Kneter die prachtvolle Stadt des He. ödes entsteht. Betritt man durch einen Sonderzugang (ohne das Hotel durchschreiten zu müssen) diese Anlage, so fühlt man sr~h zunächst wie Gulliver m Lilliput. Und doch ist dies weit mehr als eine liebenswürdige Spielerei, denn in diesen Rekonstruktion«! wird uns das antike Jerusalem in seiner ganzen Pracht sichtbar, von der der Talmud bemerkt: „Wer Jerusalem nicht in seinem Glarme gesehen hat. der hat niemale eine schö i Stadt gesehen“. Das bezog sich auf das Jerusalem de« Herodes. Ais dieser kn Jahre 37 vor der gew. Zeitrechnung seine Regierung an trat, litt die Haupstadt noch unter den Spuren der Parther Herr- «chaft und noch mehr unter dien Plünderungen der römischen Kohorten. Zunächst wandte der gross Bauheir Herodes seine Aufmerksamkeit der Wiederherstellung der Stadtmauer zu, die nun auch sein „Nachfolger“, Herr Kroch, bereits vollendet hat. Hier ist allerdings ein Streit sozusagen zwischen Theologie und Archäologie ausgebrochen, denn der Haus-Rabbiner des Hotyland-Hotels, Rabb A. Kraus opponierte dem Archäologen inhezug auf einen Teil der zweiten Mauer. Hier liegen eben Josephus und andere Quellen im Widerstreit miteinander. Siegt der Rabbiner, so muss der Hotelier die Zieche bezahlen und n Stück Mauer wieder einreissen lassen, um es an anderer Stelle aufzubauen... Dieses Problem kannte Herodes nun wieder nicht. Die prachtvollen Ecktürme, die Herodes nach seinem Bruder, seinem Freunde und seiner Frau: Phasel. Hippicus und Mariamne benannte, stehen bereits in der Rekonstruktion, stark befestigt an ihren Plätzen. Die Burg Antonia, benannt nach dem Gönner Herodes’, Marc Anton, zeichnet sich durch ein besonders gut gearbeitetes Mauerwerk aus. Es bestand aus rechteckigen, geglätteten Steinblöcken, die ohne Mörtel aneinander gefügt wurden. In dieser Burg Antonia i-esidierte Herodes, da c-r, der nicht aus priesterlichern Hause war, im Gegensatz zu seinen hasmonäischen Vorgängern nicht auf dem Tempelareal selbst wohnen durfte. Aber von der Antonia aus, n welcher stets eine römische Schlosswache lag, konnte man den Tempel übersahen und kontrollieren, das wh ' einem so zecht ans h: dich hier vor Augen geführt. Die Burg Antonia wird jetzt (im Garten des Holyland) nicht von römische^ Legionären, sondern v.u halbwüchsigen Jungen mH langen stocken bewacht, die noch jüngere „Belagerer“ der Burg Antonia mit lautem Geschrei vertreiben. Auf dem Tempelareal (ausserhalb des Frauenhofes) steht eine junge Dame in Bluejeans und erklärt mehr oder minder sachkundig die noch im Bau befindliche Anlage des Tempels, von dem der Talmud sagt: „Wer den neuen Tempel des Heindes nicht gesehen hat, der hat in seinem ganzen Leben kein prachtvolles Gebäude gesehen“. Und selbst ein Historiker, der sicher kein Freund der Juden war, nämlich Tacitus, beschreibt das Heiligtum als einen „Tempel von ungeheurem Reichtum“. In weissen leuchtenden Marmorplatten erstrahlte der Tempel, der das be- Die Deutschen Kammerspiele im Schauspielhaus Buenos Aires Intendant: REINHOLD K. OLSZEWSKI TEATRO ODEON ESMERALDA 375 Tel.: 45-3591 CAESAR UND CLEOPATRA Komoedie ron G. B. Shaw tegie: KARL VIBACH, der das Stück in Hamburg mit Gustaf Gründgens und in Stuttgart mit Günther Luders inszenierte. Premiere: Men tag, 2. August, um 21 Uhr Weitere Vorstellungen: Dienstag, 3. 8., um 19 Uhr, Üttwoch, 4. 8.. um 19 Uhr. Freitag. 20. 8.. um 19 Uhr und Samstag, den 21. 8., um 20 Uhr 30. LUACH — (KALENDER) »■reitag, den 30. Juli 1- Aw Rosch Chodeseh AW ionnabend, den 31. Juli 2. Aw 1 ar.sehat MATOT-MASTEI 4. B. M. XXX2 — XXXVII3 Haftara Yirmiyahu II 4—28; III 4 kinntag, den 1. August 3- 4ontag, den 2. August 4- Aw Jienstag, den 3. August 5- Aw Mittwoch, den 4. August Aw Donnerstag, den 5. August 7. Aw s’reitwg, den 6- August 8 Aw Sonnabend, den 7. August 9, Aw Parschat DEWARIM 5. B. M. I 1 — III 22 Haftara Yeschayahu II — 27 Schabbat Chascm Sonnig, den 8. August 10 Aw Fasten TISCH’A BE’AW (Nidche — verlegt) Jootag, den 9. August n- Aw Dienstag, den 10. August *2. Aw sc-heidene Heiligtum der Rückkehr aus Babylon ablöste. Wir sprechen immer vom ..Zweiten Tempel", aber eigentlich müsste man vom Dritten Tempel sprechen, denn der Tempel des Herodes war ein völliger Neubau, der bis zu seiner Vollendung rund achtzig Jahre in Anspruch nahm. In den Proportionen der Rekonstruktion wären das aoht Jahre, aber wir könnten hoffen, dass der Wunsch, den wir am Seder-Abend erklingen Hessen: „Erbau den Tempel schiere” wenigstens hier paid in Erfüllung geht. Aus prächtigen glatten weissen Marmorplatten ragen die Mauern des Krochschen Tempels. Die beiden gewaJ, tigen rötliehen Säulen „Jacfoin“ und „Boas" stehen, und die Fremden und die Frauen, der- Hof der Israeliten, der Priesterhof, sind klar zu erkennen. Fach fehlen der Altar und das eherne Meer, aber der Ausblick auf Ulam (Vorsaal), Hechal (Heiligtum) und Devir (Allerheiigstes) tut sich bereits auf, während die Tore des Nikanor und das Korinthische Tor noch vermauert sind. Im Gnadentor ist erst eine kleine Oeffnung zu bemerken, — knmertiin ein Zeichen der Hoffnung. So' wie die Makkabäer den Tempel reinigen mussten, wird das auch jetat wieder nötig, dei i es liegen leid« Konservenbüchsen und Zigarettensc h ach te ln in seiner Umgebung herum. Es wird nicht ganz leicht sein, die Massen Jerusa'ems und die Ströme der To—isten. die hier münden, zu bändigen, aber wir vert auen auf die Energie des neuen Bauherrn Kroch, der diese« grossartige Projekt, keine Kosten scheuend, in Angriff nahm. Die „Tempelsteuer", die hier zu entrichten ist, ist gering: dreissig Agorot. Wer am Schabbat zum Tempel wallfahren will (— .vir sagten „wallfahren", nicht fahren!) der muss seinen Cbulus allerdings schon vorhr entrichten, sonst wird er nicht eingelassen. So wie man in den Tagen der Originals die Münze mit dem Bilde des Caesars gegen die Tempelmünze umwechsein musste, die bildlos war, so muss man jetzt schon am Freitag seine dreissig Agorot gegen ein Sdhabbat - Zettelchen umwechseln, aber es lohnt der Mühe. Noch in diesem Sommer dürften die Arbeiten an Tempel und Stadt vollendet werden. Das Bauwerk, von dem Josephus im „Jüdischen Krieg“ bemerkt, dass ihm nichts fehlte, was Geist und Auge blenden kann, wird wieder wie ein weisses Gebirge unter der Sonne Jerusalems gleissen und den Traum der jüdischen Generationen den späten Enkeln sinnfällig vor Augen führen. Hier ist eine Schöpfung entstanden, und geht der Vollendung entgegen, die Kind» und Erwachsene entzückt, Einheimische und Touristen. Für jeden Besuch» ist hier ein anregendes Kunstwerk geschaffen worden, und für den Kenner d« archäologischen Realia eine Fundgrube wissenschaftlicher Bereicherung. Wir alten Jerusalemiten ab» erinnern uns wehmütig an die Besuche in der Altstadt, die uns heute verwehrt sind und in d» viele Reste der alten- Herrlichkeit Jerusalems noch in natura erkennbar waren. „Erziehung in Israel“ ,.Education in Israel“ von Joseph S. Bent wich (Routlege & Kegan Paul). — ln der geteilten Stadt Jerusalem steht das Ministerium für Erziehung und Kultur in der vordersten Linie, ja buchstäblich in der Feuerlinie. Der Minister bückt von seinem Schreibtisch über die Gre i „ach dem Oelberg. Doch stählerne Fensterläden sind längs der Veranda angebracht, um ihn und seine Untergebenen jm Notfälle vor den Kugeln der Saboteure zu schützen. Israel ist ein belagerter Staat, umzingelt von Feinden an jeder Grenze zu Lande. Man kann dorthin nur enk dem Seeweg ode mit einem Flugzeug gelangen und das Land ebenso wieder verlassen. So ist auch der heutige Jude seinem ' istorischen Schicksal nicht entgangen. Wie zu Zeiten des Psalm i sten umgeben ihn noch immer seine Feinde von allen Seiten. Doch die Jahrhunderte lange Verfolgung und die droh iden neuen Gefahren können den kraftgespannten Geist dieses bemerkenswerten Volke« nicht unterdrücken. Die Juden nährerl sich von Ideen und Idealen, und aus diesem Grunde gehört bei ihnen die Erziehung zu den vordringlichsten Bedürfnissen. Die Geschichte dieser Entwicklung wird von Joseph Bentwich, der in Cambridge promoviert hat und sich als Landarbeiter im Jahre 1924 in Palästina niederliess, in diesem gelehrten, doch leicht lesbaren Buch erzählt. Nach einer Darstellung d« hauptsächlichen Zweige d» Martin n. Grete Bar Mesche h. Latifa geb. Fleischmann Arie geben die VERMAEHLUNG ihrer Kinder ISABEL Md RUBEN bekannt. Die Trauung findet s. G. w. Dienstag, den 10. Aueust 1965, im Tempel Beit Ha Kneset > Schaar Haschamaim, Haifa, statt. , Valentín Gómez 3076 Schicun 100 [ Buenos Aires Haifa, Israel Schenkt Euren Kindern BUECHER IN SPANISCHER SPRACHE AUS DEM VERLAG EDITORIAL CANDELABRO — Pasteur 341 Würde ein Freispf®^ In der ganzen Welt hat es grosses Aufsehen erregt, .ls der Papst in einer Predigt vor der Karwoche u. a. folgendes sagte: „Als Christus erschien, zum Volke sprach und sich offenbarte, hat das ^üdisshe Volk ihn nicht nur nicht anerkannt sondern gegen ihn gekämpft, ihn verleumdet. beschimpft und schliesslich getötet.“ von Dr. Y0MT0Ÿ Kein Wunder, dass die Führer der italienischen Judenheit gegen die Worte des Papstes scharfen Protest erhoben. Seither erscheinen in der Weltpresse einander widersprechende Meldungen, ob der bekannte Antrag, die Juden von der Beschuldigung, Jesus Christus getötet zu haben, freizusprechen, der nächsten Tagung des Oekumenischen Konzils vorgelegt werden wird oder nicht. Es fragt sich nur, ob eine solche Resolution in Wirklichkeit eine Aenderung in d» Einstellung der Kirche und ihrer Vertreter zu dem jüdischen Volk zur Folge haben würde? Es kam auch schon früher vor, dass ein Papst eine judenfeindliche Stellung einnahm, allein ein gross» Teil der Geistlichkeit sorgte dafür, dass die Feindschaft gegen die Juden auch weiterhin besteüdischen Erziehung bis zur Dründung des Staates Israel m Jahre 1948, beschreibt äentwich eingehend alle gichtigen Aspekte der heuigen Erziehung in Israel, hierbei vernachlässigt » wich nicht die Erziehung ler arabischen Minorität (So st Nazareth z. B. heute eine arabische Stadt.) Wie man »n Menschen, die selbst darin gewöhnt sind, eine Minlerheit zu sein, erwarten iarf, sind die Juden peinlich oemüht, das Recht der Araber auf ihre eigenen Erziehung und Kultur anzu«keri- Von besonderem Interesse iir den Leser dürfte Bent- ■ichs Beschreibung jener injressanten Gemeinscha ftsiiedlungen, der Kibbuzim, nd die plaivnässige Fördejng des höheren Schuiweene in einem Land sein, das benso wie England, auf der chwelle einer rationalen «Organisation steht. In diesem Buch wird ein rossartige« Unternehmen eschrieben und durch den ugenschein des Verfassers getätigt, nämlich der Auf- Mi eine« fortgeschrittenen rziehungssystems, den ein -me« Land unter ständig« riegsdohung im Zeitraum >n nur 17 Jahren vollzogen he — trotz der eisernen Dis. ziplin der Kirche. Nachstehend zwei charakteristische Fälle: EIN JUDE WIRD ERZBISCHOF ROBIN PBDUar (aus „Manchester Guardian“) Es war im Dezember 1892. Der österreichische Ministerpräsident Graf Taaffe nahm an einer Sitzung des österreichischen Reichsrates teil, als ihm sein Sekretär ein dringendes Telegramm überreichte. Er griff mechanisch nach der Depesche, aber kaum hatte er hineingeguckt, da war er auch schon wie elektrisiert. Das Telegramm kam aus dem Vatikan mit der kurzen Meldung, das6 der Papst den Domherrn Dr. Theodor Kohn zum Fürsterzbischof von Olmütz ernannt habe. Die Fama erzählt, Graf Taaffe hätte das Telegramm einem Ministerkollegen mit folgender Bem»kung weitergegeben: „Hoffentlich ist Seine Eminenz schon getauft!!’* Die gesamte Weltpresse brachte am nächsten Tag die Meldung, die damals als eine riesige Sensation galt, was wir uns heute, da wir an ganz andere Sensationen gewohnt sind, kaum vorstellen können. Der Vater des neuernanr.- ten Kirchenfürsten stammte aus Ungarisch-Brod, einer alten, frommen (Jede in Südmähren. Er war ein richtiger Vetter meines Urgrossvaters Johann Kohn, der nach einer in meiner Wohnung auf bewahrten, im Stil der Zeit mit Kreuzstichen gestickten Jahrzeittafel im Jahre 1843 verschieden ist, sodass *r den Abfall eines Flügels d» Familie nicht mehr erlebt hat. Der Vater verliess Ungarisch-Brod, ging aufs Land, hatte einen Streit mit der zuständigen jüdischen Gemeinde Lundenburg und nahm schliesslich die Taufe. Er wurde Bauer, und als ihm im Jahre 1845 ein Sohn, Theodor, geboren wurde, liess er ihn — wie sagt nur ein altes jüdische« Sprichwort, „Wen man Chasir isst, Solls einem beim Bart herunterrinnen" — zum Priester «ziehen. Der aufgeweckte Jung« machte rasch Karriere in der Kirche, 1875 wurden ihm die Weihen erteilt, ein Jahr später war er schon Professor des Kirchenreohts, und in rasch« Aufeinanderfolge wurde «r Kanal« de* ®f** bistums und Domherr. Im Jahre 1892 kamen die Domherren der Diözese ln Olmütz zusammen, um einen neuen Fürsterzbieebof zu wählen. Die Wahl, die und von v# *i#rul »“JJ über* die *« >«jKSDSrscWit I»mherr ***?£**. *» brte * gegnerisch Suwend Ks-Jiflaten , “ST den Na» Är jüdischen t * md £«lMS p wa*n t“ Betrat «f*m“äU»l «H k<® Da' und Thi ¡teanders uw dcr Kohn wurde Purst*R Allein der neugeb«* K-rhenfürst “ v*l Freude an setet g vo.ien Position. H lu e;r. strenges Regiw*nt, iim'im Kre'* &r G lichieit wenig »“P»1 ßintrug. Aus8chiÄ£?®^'^ jedoch seine jüdische sjmmung. die ihn m kt geradezu verhasst m te Die tschechische 1 f»:liehkeit konnte sich dem Gedanken nicht freunden, dass eine der geraten Stellungen Geistlichkeit ihres I* mit einem Juden bei wirde. Und so begann unter Misachtung der tun Dis2iDlm der Kircl eil arges KeseVtmter Berus selbst gegen den en Erzbischof. Es kai TR, dass 1903 in der tan? ,Uozor‘‘ anonym Aiütelserie mit he/i ¿■griffen auf Dr. Kohn schien, der sich hierauf Gericht wandte und ei tschechischen Geistlic maens Osaka der Urhei stuft beschuldigte. Der angeklagte Pries wie tatsächlich seiHi! taten und verurteilt, w ad eine furchtbare Er ga im Volke entstand, u er: abgehetzte Mer te mit Gewalt ins erz stauche Palais ein wc a* kurz und klein schli >r Skandal wurde imn r« und schliesslich j te der Erzbischof seil a ir Deberzeugung. di sa Lage umso unhaltbw s *k ihm -weder der V üa noch die österreicl » Seite star £ Gepmeil: w UV« Prüfen, wo " ^aruebutreten ln d .temeldungeo WÜÜ w“Meh c & Vm* wrtwtert, g auf se ”r ®teierrnark a