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Jüdische Wochenschau · 1965-07-30 · 2127 (30.7.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2127 (30.7.1965)
Date
1965-07-30
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Cierne«, M de Julie de IMS L A semana ISRAELITA AÀ* Hfl. N» HSft — t P/aedoyer im A asch witz- Prozess Nachdem die Staatsanwaltschaft ihre Anklagereden gegen die Henker von Au-sohrwifta gehalten hatte, kamen die Nebenkläger ju Wort, denen die Aufgabe zufällt, die Stimme der Opfer zu Gehör zu bringen. Das Plädoyer des Frankfurter (jüdischen) Rechtsanwaltes Henry Ormond liegt als Sonderdruck, erschienen in der Dokumentenreihe “Gestern und heute’’, vor. Bs ist ein erschütternder Bericht des Grauens. Ormond analysierte zunächst nach einleilenden Ausführungen über die Bedeutung der Nebenklage als Rechtsinstitution und über die 14 Nebenkläger, die er vertrat, die Struktur und Lagerfunktionen der Angeklagten. Ursprünglich waren es 24 Angeklagte, der letzte Lagerkommandant Baer verstarb noch vor der Eröffnung des Hauptverfahrons, das Verfahren gegen drei weitere Angeklagte musste wegen deren Erkrankung abgetrennt werden. Es blieben also 20 Angeklagte übrig. Von ihnen waren 7 SS-Führer. Ormond sagte: “Ich vermeide den Ausdruck SS-Offiziere denn sie waren keine Offiziere.” — Zu diesen sind noch zwei weitere hinzuzurechnen. Die übrigen waren Unterführer und Mannschaftsdienstgrade. Einer war niemals SS-Mann, sondern ist sogen. Funktionshäftling gewesen, der sich auf die Seite der SS geschlagen hatte. Dreiviertel der Angeklagten stammten aus gutbiirgerlichen oder kleinbürgerlichen Verhältnissen. Die Väter waren Beamte, einer fretoer neuen w»tig, andere Kaufleute und Handwerker, je zwei waren Bergleute und Arbeiter. — Auffallend ist die hohe Zahl der Volksdeutschen: zehn von zwanzig! Ebenso auffallend dürfte die Tatsache sein, dass acht von den 20 Angeklagten studiert haben. Sieben haben von JAKOB KATZ-ROGASEN ihr Studium abgeschlossen: ein Arzt, zwei Zahnärzte, ein Apotheker, ein Jurist, ein Diplomingenieur und ein Diplom-Landwirt. Aber auch die übrigen haben eine geregelte Berufsausbildung als Kaufleute oder Handwerker gehabt. Zwei hatten die mittlere Reife erreicht. Interessant sind auch die Ausführungen des Nebenklägers zur religiösen Einstellung der Angeklagten: “Sie sind sämtlich christlich erzogen worden, haben den evangelischen oder katholischen Religionsunberric.it besucht und dort das fünfte Gebot gelernt: Du sollst nicht böten. Das hat sie nicht daran gehindert, wenn und sobald es von ihnen verlangt wurde, au« der Kirche auszutreten und sich von da ab “gottgläubig” — eine jener unaufrichtigen Tarnbezeichnungen des Dritten Reiches — zu nennen.” — Obwohl lellgiös erzogen, haben diese Angeklagten all die Jahre hindurch skrupellos gegen alle göttlichen Gebote und menschlichen Gesetze verstossen und hemmungslos gemordet oder an diesem Mordtreiben teilgenommen. Wie weit die Verwirrung vorgeschritten war, zeigt da« Beispiel des Blockältesten und Funktionshäftlings Bednarek, der einen Häftling auf dem Strafblook mit einem Hocker x>t schlug, in sein Zimmer ging, um zu beten, und von dort zurückkehrte, um den nächsten Häftling in der grausamsten Form zu ermorden ... Bei einem Häftling entschuldigte er sich ftir die an ihm vollzogene Prügelstrafe von 25 Stockhieben: “Hätte ich vortier gewusst dass sie Geistlicher sind, hätte ich sie nicht verprügelt.” — Ormond erwähnte auch, dass 11 Angeklagte verheiratet waren und Familienväter gewesen sind. Einer ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEUAUS¬ GABEN ZUM OFFIZIELLEN KURS AGENCIA FILATELICA OFICIAL DEL ESTADO DE ISRAEL VIAMONTE 550, 1, B — Bs. Aires, Rep. Argentina ALFREDO STERN MALERARBEITEN DEPARTAMENTOS — BUEROS — HAEUSER Unverbindliche Kosteñvorañschliige für jede Arbeit NEUE ADRESSE: VIDAL 1575 fast Ecke PINO Tel.: 76-7281 y 76-9088 Depósito: V. DEL PINO 2639 und V. 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Aber der Gedanke an die eigene Frau und die eigenen Kinder hinderte diese Unmenschen nicht daran, Frauen und Kinder anderer ,,zu vergasen, zu erschiessen, zu erschlagen, bei lebendigem Leib zu verbrennen, durch Inpektionen oder auf andere Weise zu töten”. — Wenn man alle diese Fakten berücksichtigt, muss man zu der entmutigenden Feststellung gelangen, dass ..einerlei menschliche Bindungen, nicht Erziehung, nicht Bildung, nicht Familie, nicht Religion bei den Angeklagten zu verhindern vermochten, dass diese die scheusslichsten Verbrechen begangen haben, die man ln der Geschichte kennt. In einem anderen Zusammenhang wies Ormond auf die bedrückende Tatsache hin, dass selbst heute Gefühle der Schuld oder der Reue bei den Angeklagten nicht beobachtet werden konnten. “Hier liegt ein Tiefstand einer moralischen Haltung vor, rief Ormond aus, den man eigentlich nur mit dem englischen Begriff der “moral insanity”, der moralischen Erkrankung, kennzeichnen kann.” — Die Wiedereinordnung dieser Angeklagten nach ihrer Rückkehr aus Auschwitz ging meist reibungslos vor sich. Sie wurden nach dem Zusammenbruch mitunter weitgehend von der Bevölkerung der kleinen Wohnorte gedeckt, in denen sie Zuflucht gesucht haben. Hierzu sagte Boger, einer eiw grausamsten Schinde«- und Schläger von Auschwitz, alle hätten seine Vergangen, heit gekannt, aber keiner habe ihn verraten. Einige der Angeklagten haben es nach dem Kriege in Westdeutschland zu einem beträchtlichen Wohlstand gebracht, der angeklagte Arzt Dr. Lucas avancierte zum leitenden Arzt der gynäkologischen Abteilung eines Krankenhauses. Die beiden angeklagten Zahnärzte übten gutgehende Praxen aus. Ein anderer war Hauptkassierer einer Kreisparkasse, wieder ein anderer Referent der Frankfurter Landwirtschaftskammer und Lehrer an Landwirt schaftsschulen. Und so kann man die Reihe fortsetzen. Alle hatten sich wieder in das normale, bürgerliche Leben eingeordnet. Keiner fühlte sich durch seine Verbrechen irgendwie seelisch belastet. Das dürfte ein Symptom sein, welches zu den stärksten Bedenken Anlass gibt und den von Ormond gezogenen Schluss einer moralischen Erkrankung rechtfertigen, wobei nur zu bemerken wäre, dass diese Formulierung ausserordentlich zurückhaltend gewählt ist. Besonders traurig Ist die Tätigkeit der in Auschwitz stationierten SS-Aerzte, die ein erschreckendes Licht auf den Tiefstand der Moral wirft, soweit man hiervon überhaupt noch zu sprechen vermag. Jedenfalls dürfte es sicher sein, dass noch niemals in der Geschichte der Menschheit eine “solche Korrumpierung, Pervertierung und Bestialisierung des heilkundlichen Berufs” zu verzeichnen war. Wegen weiterer Einzelheiten soll hier ein Bericht folgen, der von Eier aus Israel London: — Argentinien hat von Israel Eier im Wert von 300.000 Pfund Sterling gekauft. Unter Offerten aus 20 Ländern war das Angebot Israels am preisgünstigsten. (ITA) einem der Angeklagten über den Empfang der Transporte auf der sogen. Rampe gegeben worden ist: “Als erstes werden Männer von Frauen getrennt. Herzzerreissende Abschiedsszenen spielen sich dabei ab. Ehegatten trennen sich, Mütter winken ihren Söhnen zum letzten Mal zu. Die beiden Kolonnen stehen <n Fünferreihen, mehrere Meter voneinander entfernt, auf der Rampe. Wen der Abschiedsschmerz überwältigt, und wer noch einmal hinüberstürzt, um dem geliebten Menschen die Hand zu geben, ihm noch ein paar trostspendende Worte zu sagen, den schleudert der Schlag eines der SS-Männer zurück. Nun beginnt der 3S- Arzt die Arbeitsfähigen von den seiner Meinung nach Arbeitsunfähigen zu trennen. Mütter mit kleinen Kindern sind prinzipiel' auch arbeitsunfähig, ebenso alle Menschen, die auf ihn einen schwächlichen oder kränklichen Eindruck machen. Transportable Holztreppen werden hinten an die Lastwagen geschoben, und die von dem SS-Arzt als arbeitsunfähig aussortierten Leute müssen einsteigen. Die SS- Männer der Aufnahmeabteilung zählen jeden einzelnen, der über diese Treppe geht. Ebenso zählen sie dann alle Arbeitsfähigen, die zum Marsch in das Männer - bzw. Frauenlager antreten müssen ... “Bei dem Gedränge auf der Rampe, wo der diensthabende Arzt die Sondierung vornahm, ging e* ziemlich willkürlich zu. Höchstens 10 bis 15% eines jeden Transportes blieben durchschnittlich als Arbeitsfähige am Leben. Trotz allen Lamentos am die angeblich allen am Herzen liegende Erhaltung der Arbeitskräfte erblickte man doch in erster Linie seine Aufgabe darin, in einem Vernichtungslager möglichst viele ‘Staatsfeinde’ auszumerzen”, — Das schrieb der Angeklagte Broad nieder. Seiner Schilderung ist kaum etwas hinzuzufügen. Hierzu gaben sich alle SS-Aerzte und ihre Gehilfen her. Was sie sonst LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Airea — PUEYREDON 8190, |* ízq. — T. E. N-NU 30. JaU 1905 I. Aw 5780 BEN GURIONS NEUE PARTEI Tel Aviv. — Das Sekretariat der Mapai schloss Ben Gurion und andere sechs Gründungs - Mitglieder der neuen ..Arbeiterliste“, darunter Josef Almogi und Schimon Peres, aus den Reihen der Partei aus mit der Begründung, dass sie „sich selbst ausgeschlossen“ hätten. Hierzu erklärte Ben Gurion: „Diese Ankündigung ist ganz willkürlich und steht im Widerspruch zur Wahrheit und den Statuten der Mapai Niemand kann in meinem Namen erklären, dass ich aus der Partei ausgetreten bin. Und wenn das heissen soll dass man mich aus der Partei ausgestossen hat, so widerspricht dies den Statuten.“ Im Saal der Habima spendete eine riesige Menge Ben Gurion begeisterten Beifall. Sein Programm schliesst die seit langem von ihm geforderte Wahlreform ein und schlägt neue Richtlinien für Aussenpolitik und Sicherheit vor. Es verlangt die gesetzliche Einführung der Schul Pflicht für junge Leute über 16 Jahren im Einklang mit dem wirtschaftlichen und wis senschaftlichen Fortschritt des Landes, sowie unentgeltlichen höheren Unterricht für alle. In seiner Ansprache versicherte Ben Gurion, dass er genügend Stimmen erhalten werde, um einen Sieg davonzutragen. Unerwartet erschien auch der früher« Akkerbauminister Mosche Dajan, der die neue Liste unterstützt, obwohl er sich ihr noch an Verbrechen in Missbrauch ihrer ärztlichen Kenntnisse begangen haben, wurde im Laufe des Prozesses von vielen Augenzeugen bestätigt. Wenn einmal die Akten dieses Prozesses der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, wird jeder im Zusammenhang weitere Einzelheiten zur Kenntnis nehmen können. nicht anschliessen wollte Er wurde vom Publikum begeistert empfangen. (ITA) DIE FUENFTE KNESSET Jerusalem. — Die Fünfte Knesset schloss in der letzten Woche ihre Beratungen nach einer 14stiindigen Sitzung, in der die Regierung mehrere Niederlagen erlitt. In einer unentschiedenen Abstimmung von 37:37 Stimmen wurde der Regierung«- plan über eine zur Anlage neuer Telefone bestimmte Anleihe in dritter Lesung abgelehnt. Zahlreiche Deputierte der Koalition waren nicht erschienen, so das» dieser Umstand von der Opposition ausgenutzt wurde. Der durch diese Niederlage verursachte Schaden beziffert sich auf Millionen Pfund für den Staatsschatz. Bei der Abstimmung über B.npfehlungen der Finanzkommission musste die Regierung noch eine Niederlage buchen. Von neun Vorschlägen wurden acht in den von der Opposition vorgelegten Fassungen angenommen. Nach Annahme weiterer zehn Gesetze ging das Haus bis nach den Novemberwahlen in Ferien. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Geschäl te mit der grösste« Auswahl. SARMIENTO 1147 T. E. 35 1933 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDENi DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. L: 83 - 2(13 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HERAS MgT:':"

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