Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1965-07-23 · 2126 (23.7.1965) · p. [Seite 3]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2126 (23.7.1965)
Date
1965-07-23
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616703-9614788-9615082--3962-9615085
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Vierass, 2* 4« J«U» 4« 1»« L A emana ISRAELITA Aä« XXVI. — N* 212« Die Tagung des Weltkongresses POLITISCHE DEBATTE Stra&sburg. — Dr- Nachum Goldmann ersuche« das Exekutivcomité des Jüdischen Weltkongresses, weiter Vertrauen in die Handhabung des Problems der sowjetischen Judenheit zu haben. Er unterstrich, dass der JWK sich .einer diskreten aber wirksamen Politik“ dcdienen müsse und fügte hinzu, dieses Vertrauen sei verdient nach Jahrzehnten der Erfahrung in Verhandlungen mit der Sowjetunion über die jüdische Frage. Diese Bitte sprach er nach einer Reihe von Kritiken aus, die verschiedene Delegierte während der politischen Debatte an den Auffassungen übten, die Goldmann in seiner früheren Rede zum Ausdruck gebracht hatte- Isi Leibier aus Australien verlangte eine weniger passive Haltung in der Frage der kulturellen und religiösen Unterdrückung der sowjetischen Judenheit, und auch Bezalel Sherman, einer der nordamerikanischen Delegierten, erklärte sich "n»t Dr. Goldmanns Standpunkt nicht einverstanden. Hü lei Storsch, Generalsekretär der schwedischen Abteilung des JWK, gab bekannt, dass die Sowjetunion »eit einer gewissen Zeit ih ren jüdischen Bürgern nach Sehweden auszuwandern erlaube, damit sie sich mit ihren Familien vereinigen könnten, und dass in Schweden in den nächsten Monaten „mehrere Hundert Juden aus der Sowjetunion erwartet werden“. Storsch gab an, diese Information dem schwedischen Premierminister Tage Erlander zu verdanken, der unlängst in Moskau war. Erlander habe zu ihm geäussert, dass diese Politik nach dem seinerzeitigen Besuch Krutschews in Stockholm begann. Damals seien 300 russische Juden nach Schweden gekommen, und im vergangenen Jahr kamen weitere 165 an. Dr. Maurice Perlzweig, Direktor für internationale Angelegenheiten des Weltkongresses, rühmte die Regierung Jugoslawiens für ihre Einstellun zum jüdischen Volk und zur jüdischen Gemeinschaft. Er erwähnte, dass er kürzlich einem UN- Seminar über Menschenrechte in Belgrad beigewohnt habe, und fügte hinzu, was die Juden angehe, so sei seiner Meinung nach Jugoslawien „ein Beispiel für die ganze Welt“. Dr. Max Nussbaum aus Hollywood, Expräsident der Zionistischen Organisation Nordamerikas, der unlängst In Bonn war und dort mit führenden Politikern zusammentraf, berichtete, dass Bundeskanzler Ludwig Erhard, der für die Normalisierung der Beziehungen mit Israel eintritt, geäussert habe, auf Deutschland laste heute noch die moralische Schuld gegenüber dem jüdischen Volk. BEZIEHUNGEN MIT DEUTSCHLAND Dr. Nachum Goldmann erklärte in seiner grossen Rede, dass die deutsoh-jüdisehen Beziehungen gegenwärtig nicht belastenden Problemen unterworfen seien, was jedoch nicht bedeute, dass „der tragische Komplex, der auf historischen Gegebenheiten beruht, behoben ist und nur die Zeit kann die damit verbundenen moralischen und ideologischen Fragen lösen“. Er hob hervor, dass „die Existenz Deutschlands ebensowenig ignoriert werden könne, wie die Geschehnisse in der Nazizeit“. Inzwischen müsse Deutschland jedoch durch seine Taten beweisen, dass es entschlossen ist, die Ueberbleibsel faschistischer Tendenzen auszurotten und alle Versuche zur Belebung der Nazilehre zu unterbinden, während andererseits das jüdische Volk anerkennen müsse, was Deutschland auf dem Gebiet der Wiedergutmachung zu leisten bemüht war, und nicht jeden Deutschen der jungen Generation für das verantwortlich machen dürfe, was seine Eltern gesündigt haben“. Er fügte hinzu, er habe der deutschen Regierung mitgeteilt, dass er nach der kürzlich erfolgten Annahme des Zusatzes zum Bntschädigungs - Gesetz keine Forderungen mehr zu formulieren habe, obwohl Jahre vergehen dürften, bevor dessen Durchführung gänzlich beendet sein wird. GEFAHREN Zu den christlich-jüdischen Beziehungen äusserte Dr. Goldmann, dass die Möglichkeit einer fortfallenden oder ungünstigen Abstimmung über die die Juden betreffende Deklaration auf der kommenden Sitzung des Oekumenischen Konzils Anlass zu der Befürchtung sei, dass „sich die Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche und dem jüdischen Volk verschlechtern werden". Auch auf die dem Judentum von innen drohenden Gefahren verwies er, die J nicht nur aus der Assimilation resultieren sondern gleichfalls aus separatistischen Tendenzen innerhalb der nordamerikanischen Ju_ den heit, die „nicht mit den anderen Gemeinden, noch im Wege des Jüdischen Weltkongresses oder der Weltkonferenz jüdischer Organisationen mltarbeiten sondern auf eigene Rechnung handeln“. Besonders kritisierte Dr. Goldmann das American Jewish Committee, dessen Aktivitäten „im Widerspruch zu seiner theoretischen Grundlage stehen“, und das in Wirklichkeit als internationale jüdische Organisation auf tritt und jüdische Themen in verschiedenen Teilen der Welt behandelt, ohne die Grundsätze des Jüdischen Weltkongresses zu wahren, welche eine nicht ausdrücklich erbetene Einmischung in jüdische Fragen in anderen Ländern durch Gemeindevertretungen au.sschllesse.1. Nach Goldmanns Aussage machen sich derartige Bestrebungen bei anderen Organisationen bemerkbar und er warnte vor einem „Chaos im jüdischen Leben“, das unvermeidlich sei, wenn dieser Zust. nd anhält. DIE JUDENHEIT RUMAENIENS Grossrabbiner Mosche Rosen aus Rumänien, der als Beobachter an der Konferenz teilnahm, Abgeordneter des rumänischen Parlaments, in dem er die jüdisch Kollektivität vertritt, erklärte, sein Land sei bereit, mit den internationalen jüdischen Organisationen eng zusammenzuarbeiten. Er appellierte an den Weltkongress, seiner Gemeinde auf dem Gebiet der Religion und Erziehung zu helfen. Er sprach Jiddisch und betonte, dass die durch den Kalten Krieg verursachten Spaltungen ihr Ende gefunden hätten. „Die Welt ist schon nicht mehr in zwei feindliche Lager geteilt. Daher ist die jüdische Welt, die stets Opfer der internationalen Spannungen ist,?a einer fruchtbaren Zusammenarbeit auf religiösem und kulturellem Gebiet bereit“, sagte er. Allerdings müssten, so fügte er hinzu, die praktischen Einzelheiten für eine solche Zusammen- Von den Syrern gefoltert Jerusalem. — Aussenminisetr Golda Melr erklärte in der Knesset, Israel setze seine Bemühungen fort, um die Freilassung mehrerer Israelis zu erreichen, die noch in syrischen Kerkern sitzen. Ihre Erklärung erfolgte als Antwort auf einen Antrag der Liberalen und der Cherut, die der Regierung vorwarfen. dieses Problem nicht richtig zu behandeln- Jaakow Meridor von der Cherut be- Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen. Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN- TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza hauptete, dass noch immer zumindest vier Israelis von den Syrern gefangen gehalten werden. Frau Meir berichtete, dass die Vereinten Nationen, das Internationale Rote Kreuz und andere Stellen mit dem Ziel bemüht worden seien, die Freiheit der israelischen Bürger zu erlangen. Leider sei jedoch bisher kein Resultat gezeitigt worden. Sie verurteilte bei dieser Gelegenheit höchst energisch das „grausame und unmenschliche Verhalten der Syrer“ in diesem Fall. Meridor machte den Vorschlag, dass eine Delegation von Israelis die im vergangenen Jahr bei einem Gefangenenaustausch von den Syrern freigelassen wurden, den UN-Generalsekretär U Thant aufsuchen solle. Die Mehrzahl der elf Gefangenen, die nach diesem von den UN organisierten Austausch nach Israel zurückgekehrt waren, hatten durch die in syrischen Kerkern erlittenen Folterun gen seelische Störungen davongetragen und waren fast zum Wahnsinn getrieben worden Damals hatte Syrien versichert, dass sich in seinen Gefängnissen keine Israelis mehr befänden. (ITA) arbei„ unter den Gemeinden im Verhandlungswege aus gearbeitet werden. Rabbiner Rosen gab einen kurzen Ueberblick über die Lage der rumänischen Juden. die seinen Angaben nach heute rund 110000 Seelen zählen. Sie besitzen Synagogen und kleine Tempel in ca. 100 jüdischen Gemeinden, doch leider besteht ein Mangel an Rabbinern und geistigen Führern. APPELL AN MOSKAU Die Exekutive des JWK nahm eine Resolution an, n der die sowjetische Regierung aufgefordert wird, „die Lage der russischen Judenheit erneut zu überprüfen, damit den Juden die gleichen Erleichterungen wie anderen Minoritäten gewährt werden“. Die Resolution, die von vielen Delegierten als zu „sanft“ oezeichnet wurde, spricht von der Besorgnis angesichts der Weigerung der Sowjetregier <ng, das „unveräusserliche Recht des jüdischen Volkes in der USSR auf gleichen Status und gleiche Behandlung wie andere Gruppen anzuerkennen. Hieraus ergeben »ich alle Beschränkungen, denen das jüdisene Leben unterworfen ist, und der Widerstand gegen jie auferawungene Assimilation“. Im weiteren verweist dieser Beschluss auf die „Besorgtheit“ — die wir mit wichtigen Sektoren der öffentlichen Meinung teilen — angesichts der Ausbrüche von Antisemitismus in gewissen Sphären des sowjetischen Lebens, welche Proteste aus aller Welt hervorgerufen haben. Einige dieser antisemitischen Vorfälle sind noch verwirrende1-, weil sie in offener Verletzung sowohl der von der Sowjetpolitik verkündeten Leitsätze sowie der sowjetischen Gesetze geübt werden“. Eine weitere Resolution richtete einen besonderen Appell an Moskau, „das Problem der Wiedervereinigung der Familien auf humanitären Grundlagen“ zu prüfen. S'e dankt der sowjetischen Regierung dafür, dass sie LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEVREDON 2190. 1» izq. _ T. E. 83-2618 23. Juli 1965 23. Tamus 5725 „in den letzten Jahren einigen Hundert Juden die Auswanderung gestattet habe, damit diese sich mit ihren Angehörigen vereinigen konnten“. Die Exekutive bringt zum Ausdruck, dass sie nicht nur das menschliche Verständnis zu würdigen wisse, das Moskau bewiesen hat, sondern sich auch bewusst sei, dass (lies d!^ Anerkennung einer Prinzipienfrage bildet- GEGEN RASSENHASS Eine Resolution fordert „dringend“ ajffe Regierungen auf, Gesetze zu erlassen „der die bestehende Gesetzgebung zu ergänzn, um Ausbrüche oder die Ermunterung des Rassenhasses oder Propaganda zur Aufreizung zum Hass oder Gewalt gegen rassische und religiöse Minderheiten unter Strafe zu steL len. Das Wiederaufleben des Antisemitismus wird als „ernste Bedrohung der demokratischen Gesellschaft“ bezeichnet, wobei die oiganisierten Anstrengungen der Arabischen Liga, in Lateinamerika und anderen Orten gegen die Juden zu hetzen, angeprangert werden Es wird verlangt, dass diese Frage nicht innerhalb des Kalten Krieges behandelt wird, sowie dass Kriegsverbrechern kein Asyl in fremden Ländern gewährt werden soll. In anderen Resolutionen wird der von den UN erzielte Fortschritt im Zusammenhang mit den Problemen der rassischen Diskrimination und religiösen Intoleranz begrüsst. Es wird zu Beratungen über die Einstei. lung der Erzeugung von Atomwaffen geraten, um eine Weltkatastrophe zu verhindern. Dr. Goldmann lobte auch „die humane Haltung der rumänischen Regierung“ und sprach die Hoffnung aus, dass „andere Türen in Europa sich öffnen mögen, um uns die Wiederaufnahme des Kontaktes mit unseren jüdischen Brüdern zu gestatten“. Er nannte das Verhalten der Regierung Rumäniens ,ein Beispiel für den ganzen kommunistischen Block“ DIE SCHLUßSITZUNG Dr. Nachum Goldmann er. klärte die Konferenz am 14. Juli für beendet. Er Umriss in seiner Rede das Programm, dessen Durchführung dem JWK in Zukunft obliegt und das Massnahmen zur Erleichterung det Situation der russischen Judenheit einschliesst, sowie eine geeinte Behandlu.ig der jüdischen Probleme in der Welt, mit einem besonderen Hinweis auf die Rolle des nord amerikanischen Judentums, und eine ehrliche Einstellung zu den deutsch-jüdischen Beziehungen. & forderte schliesslich diearabischen Gemeinschaften ausserhalb der arabischen Länder auf, sich einer Erweiterung des arabisch-israelischen Konflikts zu enthalten, und wies darauf hin, dass „die arabischen und jüdischen Kollektivitäten in vielen Teilen der Welt Jahrhunderte hindurch friedlich zusammen gelebt und gearbeitet haben und eine jede Verschlechterung gegenteilige Wirkungen für beide Teile haben würde. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haas der 3 Geschät te mit der grösste» Auswahl. SARto.ENTO 1147 T. E. 35 1433 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvtrst# Eigene Werkstätten Za hl un gserleichterun gen Zuvorkommende fach männische Bedienung ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDENi i DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—19 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.