Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2125 (16.7.1965)
- Date
- 1965-07-16
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Yierae», 1( ût Jutta de 1965 L A SEMANA ISRAELITA Ana XXVI. — N* 2125 — 5 MOSCHE SHARETT Mosche Sharett, Präsident der Exekutive der Jewish Agency, ehemaliger Chef der Regierung Israels und Aussenminister, Deputierter seit Bestehen der Knesset, Leiter der Politischen Abteilung der Jewish Agency in der Zeit des britischen Mandats, einer der aktivsten Führer des Jischuw Israels und der israelischen Arbeiterpartei, ist im Alter von 71 Jahren einem langen Leiden erlegen. Mosche sharett besass eine hervorragende jüdische und Allgemeinbildung. Er war Ehrenbürger von Jerusalem und Tel Aviv und Ehrendoktor der Universität Tel Aviv, des Jüdischen Theologischen Seminars von Amerika und des Propsie College von Philadelphia. Bewundert von allen, genoss er besondere Achtung in Israel und unter dem jüdischen Volk in der ganzen Welt. Er ist Verfasser zweier Bücher: ‘'Beshaar Haumot” (An der Schwelle der Nationen) und “Mischot Beasia” (Quer durch Asien). Er veröffentlichte auch einen Band mit Uebersetzungen von Gedichten. Hunderte von Artikeln aus seiner Feder erschienen sowohl im ‘'Dawar” wie in zahlreichen Zei tungen und Zeitschriften, :n vielen Sprachen. Er sprach und schrieb hebräisch, jiddisch, arabisch, englisch französisch deutsch, russisch und türkisch. Mosche Sharett (sein Namen war bis März 1949 Shertok) wurde am 15. Oktober 1894 in Kerschon in der Ukraine geboren. Er war 12 Jahre alt, als sein Vater, Jakob Shertok, einer der Gründer der zionistischen Bewegung der Bilu, mit seiner Familie nach Palästina auswanderte. Jakob Shertok war ein aktiver Zionist, Schriftsteller und Journalist und gehörte auch zu den Gründern des telaviver Stadtteils “Achuzat Bait-” Bei ihrer Ankunft in Palästina liess sich die Familie Shertok in einem abgelegenen arabischen Dorf in den Bergen von Ephraim an der Strasse von Jerusalem nach Nablus nieder, wo Mosche das Arabische erlernte und das Leben der arabischen Bauern sah. Zwei Jahre später zog die Familie nach Jaffo, und Mosche war einer der ersten Schüler des Herzlia-Gymnasiums, die erste jüdische Schule, in der in hebräischer Sprache Unterricht erteilt wurde. Später studierte er Jura an der Universität von Konstantinopel, aber er gab sein Studium auf, als ' der Erste Weltkrieg ausbrach, um in das türkische Heer einzutreten. Dank seiner Sprachkenntnisse wurde er Dolmetscher eines deutschen Kommandanten der türkischen Armee. Nach seiner Rückkehr nach Palästina wurde er zum Sekretär der Abteilung für Böden und arabische Fragen des Vaad Haazirim (Vorläufer der Zionistischen Exekutive) ernannt und trat der Achdut - Awoda - Bewegung bei. Während seines Aufenthaltes in London arbeitete er in der Poale-Zion- Bewegung. die er auf der Konferenz der englischen Arbeiterpartei repräsentierte. Im Jahre 1922 verheiratete te er sich mit Zipora Meirow. JOURNALIST UND POLITIKER Als Sharett im Jahre 1925 wieder nach Palästina zurückkehrte, wurde er in die Redaktion der Zeitung „Da war“ berufen, und von 1929 bis 1931 gab er die englische Beilage dieses Blattes heraus. Damals entwickelte er ein fruchtbare journalistische Tätigkeit und schrieb sowohl für ,,Dawar‘‘ wie für „Kontreis“ unter dem Pseudonym M. Ben Kedem oder M. Karow-Rajok. Im Jahre 1931 wurde Masche Sharett das Amt Jes Sekretärs der Politischen Abteilung der Jewish Agency übertragen, und nach der Ermordung von Chaim Arlosoroff im Jahre 1933 wurde er vom XVIII. Zionistenkongress zum Chef dieser Abteilung ernannt. In dieser Eigenschaft lag es ihm ob, die Politik der Zionistischen Organisation auszuarbeiten und zu gleicher Zeit den täglichen Kampf mit den britischen Mandatsbehörden über die mit der Einwanderung und Sicherheit zusammenhängenden Probleme zu leiten, sowie über die vitalen Interessen der zionistischen Bewegung und der jüdischen Bevölkerung im Lande zu wachen. Er war Chef der Sicherheits-Kommission der jüdischen Einwohnerschaft, auf der die Verantwortung für die Tätigkeit der Hagar.a lastete. Während der arabischen Unruhen in den Jan ren zwischen 1936 und 1939 war es Sharett, der die Idee hatte, eine jüdische Miliz aufzustellen, die der Polizei bei der Aufrechterhaltung der Ordnung helfen sollce. Im Zweiten Weltkrieg stand er an der Spitze der Bewegung der palästinensischen Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Tep pichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza Juden für den Eintritt in die englische Armee, die zur Bildung der Jüdischen Brigade führte. Nach dem Kriege, als der bittere Kampf mit den britischen Mandats Behörden entbrannte und die ,,illegale“ Einwanderung stattfand, wurde Sharett mit anderen Mitgliedern der Jewisti Agency am , Schwarzen Schabbat“ (29. Juni 1946) verhaftet und nach Latrun geschickt, um erst vier Monate später, zusammen m!t den anderen, befreit zu werden. ERSTER AUSSENMINISTER Mosche Sharett spielte eine entscheidende Rolle im Kampf um die Unabhängigkeit als Repräsentant der zionistischen Bewegung und des jüdischen Volkes vor dem Sondercomite der Vereinten Nationen für Palästina und auch in der UN-Versammlung sowie bei den langwierigen Verhandlungen über die Grenzen des neuen jüdischen Staates, die zum Teilungs beschloss vom 29. November 1947 führten. Als am 14 Mai 1948 der Staat gegründet wurde, wa- Mosche Sharett einer der Unterzeichner der Unabhängigkeitsurkunde. In seiner Eigenschaft als erster Aussenminister legte er die Fundamente des diplomatischen Dienstes und nahm die ersten freundschaftlichen Beziehungen zwischen seiner Regierung und Dutzenden von Ländern in a,- len fünf Kontinenten auf. Unter seiner politischen Ae gide kam es auch zur Unterzeichnung der Waffenstillstände, zur Erklärung Jerusalems als Hauptstadt des Jungen Staates und zu einer Beschleunigung der Einwanderung von Flüchr- 1 Ingen. Sein Verdienst ist es Israel den Weg unter den Völkern Asiens und Afrikas gebahnt zu haben. EIN PFEILER DES ZIONISMUS Sharett war von 1948 bis 1951 Aussenminister. Als David Ben Gurion am 6. Dezember 1953 sein Amt als Regierungschef niederlegre, übernahm Sharett diese Pflichten ausser dem Portefeuille lur äussere Angelegenheiten. Nach den Wah len zur dritten Knesset und der Rückkehr Ben Gurions als Ministerpräsident im November 1955, wurde Sharett wieder das Aussemninisterium anvertraut, an dessen Spitze er bis Juni 1956 verblieb, als er von diesem Amt zurücktrat. Hier nach setzte er seine öffentliche und zionistische Tätigkeit fort; er war Direktor des Verlages „Am Oved“, Präsident des Direktoriums von ..Bet Beri“, Mitglied der Leitung der Sozialistischen Internationale und Botschafter guten Willens des Staates Israel und der zionistischen Arbeiterbewegung. Mosche Sharett kam zwei Mal als Besucher nach Argentinien, das letzte Mal 1963, und war bemüht, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern zu festigen. Der XXV. Zionistenkongress im Jahre 1960 wählte Sharett zum Präsidenten der Zionistischen Exekutive. In den letzten Jahren war Sharett die zentrale Gestalt der zionistischen Aktivität sowohl in Israel wie in der Diaspora und verlieh der zionistischen Bewegung neues Prestige und neuen Glanz, ebenso wie er für das Ju dentum in der ganzen Weit eine Quelle der Inspiration darstellte. Der XXVI. Zionistenkongress hatte ihn in diesem Jahr in der gleichen Eigenschaft wiedergewählt. DAS TESTAMENT Erst wenige Tage vor seinem Tode war Mosche Sha rett wieder im Hadassa-Hospital interniert worden, in dem er im letzten Jahr schon mehrere Male behandelt wurde. Er schien sien besser zu fühlen, empfing Freunde und diktierte Brie fe, bis sich sein Zustand hoffnungslos verschlechterte. Seine Familie war bis zu seinem Ende bei ihm. Ihn überleben seine Gattin, zwei Söhne, eine Tochter und acht Enkelkinder, seine Leiche wurde bis zur Bestartung in der Jewish Agency aufgebahrt. Seinem Wunsch gemäss ist er auf dem alten Friedhof von Tel Aviv bestattet. In einem aus dem Jahre 1962 datierten Testament bat er seine Familie, dass sein Ableben nicht durch Plakate in den Strassen bekannt gegeben werden solle und er an der Seite von Dow Hoz und F.liahu Golomb in Tel Aviv begraben zu werden wünsche. Die Familie ersuchte. keine Traueranzeigen in den Zeitungen zu veröffentlichen. Die Regierung und die Jewish Agency gaben das folgende Communi que heraus: „Die Regierung und die Zionistische Weltorganisation betrauern das Ableben von Mosche Sharett. Das jüdische Volk wurde eines Führer des Staates, eines Lenkers der Bewegung und eines Lehrers der Nation raubt- Ein wertvoller Mann im Hause Israel ist in die Ruhe eingegangen. Mosche Sharett hat ein glänzendes Kapitel in das Buch von der Wiedergeburt Israels ge schrieben, und dies tat er als Chef der Politischen Abteilung der Jewish Agency am Vorabend der Staatsgründung als erster Aussenminisrer und als Ministerpräsident, als Sprecher der Nation und des jüdischen Volkes, als Stütze der zionistischen Bewegung, a:s Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency in den letzten Jahren, als einer der hervorragendsten Führer der zionistischen Arbeiter- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«. lo izq. — T. E. 83-2613 16. Juli 1»6S 16. Twmis 5725 Ein Prozess wurde vertagt Bremen — Der für Mai vorgesehene Schwurgerichtsj zess gegen den des Mordes i' einer unbestimmten Vielzahl von Fällen angeklagten 62 Jahre alten früheren SS-Oberstuimführer und je“ gen kaufmännischen Angestellter Fritz Hildebrand aus Bremen wird voraussichtlich erst im September stattfinden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, konnten die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen werden. Hildebrand, der Leiter der jüdischen Zwangsarbeitslapartei und einer der Bannerträger der zionistschen Arbeiterbewegung.“* DAS BEGRAEBNIS Mosche Sharett wurde auf dem kleinen alten Friedhof nahe am Meer zur ewigen Ruhe gebettet. Freunde, re ligiöse und politische Persönlichkeiten sowie Gelehrte erwiesen ihm die letzte Ehre. Seine beiden Söhne Jaakow und Chaim sagten Kaddisch. Levi Eshkol und Dr. Na churn Goldmann warfen als erste Erde auf den Sarg Ein alter Freund des Verstorbei er., der Deputierte David Hacohen, rief ,Schalom Mocshe, Schalox“ und brach in Tränen aus. Der Trauerzug betrat aus Jerusalem kommend Tel Aviv durch die Abu Kebir und Kerzl Strasse und ge langte nach dem Hause Co lomb auf dem Rothschild Boulevard, wo Baruch B.en Jehuda, Direktor des Herzlia Gymnasiums, das Sharett im Jahre 1912 absolvierte, aus einer Rede sharetts vorlas. Hierauf wurde der Sarg in die Grosse Synagoge gt tragen, in der Armee Rabbiner Schlomo Goren dH Totenfeier hielt. Von hier aus ging der Weg zum alte' Friedhof in der Trumpeldor Strasse. ger Drohobycz und Borysiaw in Galizien war, wurde oereits 1953 von einem Schwurgericht wegen Beihilfe zum Mord an vier Juden und wegen Totschlags zu acht Jahren Zuchthaus ver„, teilt. Sieben ebenfalls auf Beihilfe zum Mord lautende Anklagen mussten abgetrennt werden, weil die Zeugen nicht ermit_ telt werden konnten. Diese Zeugen heben sich jetat gemeldet. Sie werden aus den USA, Kanada, Südamerika, Australien und Israel nach Bremen kommen- Hildebrand, der Anfang März in seiner Wohnung verhaftet wurde, soll nach den neuen Ermittlungen massgeblich an der Erschiessung von 650 Juden in den von ihm geleiteten Lagern während des Krieges beteiligt gewesen sein. Wegen dieser Erschiessungen und der aus dem ersten Prouess offengebliebenen sieben Fälle von Beihilfe zum Mord an Juden wurde die neue Anklage erhoben. Hildebrand war 1965 auf freien Fuss gesetzt worden, nachdem er einen Teil der Zuchthausstrafe verbiisst hatte. M0EBELHAUS WATERMANN Das Haas der 3 Gescha te mit der grosstei» Answahl. SARGENTO H4? T. E. 35 (633 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende facto männische Bedienung ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaitssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. LAS HERAS