Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2124 (8.7.1965)
- Date
- 1965-07-08
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Jwtrm, S (Je Julie de 1965 LA SENANA I S * A B L I T A Antisemitismus in Bamberg ohne Ende An der Büste des Denkmals des Mediziners Johann Lukos Schönlein wurde ein Plakat angebracht, während das Denkmal mit violetter Farbe übergossen und antisemitischen Hetzplakaten beklebt wurde. Auf dem Denkmal stand: „Judas verrekke“ und „Die Hakenkreuz- Aktion geht weiter“. Das Plakat hatte folgenden In halt: „Bambergs Bürger, in unserer Stadt herrscht seit dem Kriege der Jude Bamberg wurde eine Hurenstadt- Wir fordern, dass in Bamberg nicht nur Denkmäler für Juden, sondern auch für die gefallenen deutschen Soldaten errichtet werden. Dass in Bamberg nicht nur Strassen nach jüdischen Ehrenbürgern, sondern auch nach deutschen Ehrenbürgern benannt werden. Wir in Bamberg brauchen keine Juden. Schickt die Krummbeinigen nach Israel “ Schönlein wurde fälschlich als Jude bezeichnet Er ist gebürtiger Bamberger, war ein Lehrer Rudolf Virohows und war weder Jude noch stammte er von Juden ab — Die antisemitischen Demonstrationen in Bamberg sind nicht überraschend, denn seit 1954 sind 200 jüdische Friedhöfe in der Deutschen Bundesrepublik geschändet worden. ★ Als am Dienstag, 15. Juni, eine amerikanische Familie, frühere Bamberger, gerade ihre Väter besuchen wollten, entdeckten sie, dass 32 grosse Grabsteine mit meterhohen Hakenkreuzen und antisemitischen Losungen im Stürmer-Stil beschmiert waren. Auf den Grabsteinen war zu lesen: „Es lebe die SS“, „Juden fahrt zur Hölle“, „Sechs Millionen sind zu wenig“ und .Sieg Heil“. Auf einen Grabstein wurde ein Hitlerbild geklebt und dazu geschrieben: „Der Führer sagt, hier liegt ein Saujude“. ★ Es ist vielleicht eine Ironie des Schicksals, dass am Sonntag, den 13. Juni, drei Tag© vor der Friedhofschändung, sich die Juden Bambergs versamelten, um auf dem Platz der ehemaligen zerstörten Synagoge in Bamberg einen Gedenkstein zu enthüllen. Zu dieser Feier kam der Oberbürgermeister, der Altoberbürgermeister der Stadt, Senator Jean Mandel, Stadtdekan Domkapitular Arnulf Gebhard, der evangelische Dekan Dr. Schlichting, Bezirkstagspräsident Anton Nergenröder, Landrat Emil Kemmer, die beiden Bürgermeister Dr. Schleyer und Georg Grosoh, zahlreiche Stadträte, die Vertreter der US Truppen Oberst Standford und Oberleutnant Benning, die Vertreter der Bamberger Behörden, der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern, die Mitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusamenarbeit und der akademische Bildhauer Franz von M. KARIN (Frankfurt a/M) Xaver Bauer, der den Gedenkstein im Aufträge der Stadt Bamberg geschaffen hatte. Sowohl die Rede von Jean Mandel, der zugleich der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth ist, wie die Rede des Oberbürgermeisters und die ganze Feier stand unter dem Eindruck der Schändung dieses Gedenksteines. In der Nacht vom 12. zum 13. Juni wurde der noch verhüllte Gedenkstein zum Gedächtnis der in der Kristallnacht zerstörten Synagoge mit einem Hakenkreuz beschmiert und am Nebengebäude, das die Allgemeine Ortskrankenkasse innehat, wo früher die ehemalige Synagoge stand, waren Inschriften zu finden: „Juda verrecke“. Das hatte man zwei Stunden vor der lehrter, als Armee-Rabbiner tätig. Er lehnte es ab, an der Einweihung dieser Synagoge teilzunehmen, da nach seiner Meinung, die Synagoge nicht den jüdischen Vor Schriften entspräche. Die Synagoge ist eigentlich nur ein Betsaal und nach der ganzen Einrichtung bekommt man den Eindruck eines feudalen Klubs, wobei die jüdische Gemeinde Bamberg schwerlich an den Feiertagen ein Minjan mobilisieren kann, wofür bei dem jüdisch geistigen und kulturellen Niveau der jetzigen Bamberger Juden kein Bedürfnis besteht. ★ Dies ist sehr bezeichnend für eine Gemeinde, die auf eine grosse Vergangenheit zurückblicken kann Rabbi Benjamin Tudela spricht in Baldiger Botschafter-Austausch Jerusalem. — Das Kabinett diskutierte die Frage der Zustimmung zur Ernennung von Ralph Pauls zum Botschafter der Bundesrepublik und beschloss, der üblichen Routine zu folgen und den Fall in den Händen des Aussenministers zu belassen Es ist somit anzunehmen, dass die Ernennung approbiert werden wird. Die Ankunft Pauls in Israel wird für Ende Juli erwartet während der israelische Botschafter, der ehemalige Generaldirektor des Verteidigungsministeriums Ascher Ben Nathan, Mitte August nach Bonn abreisen dürfte. Rund 200 Mitglieder des Haschomer Hazair protestierten vor dem Büro des Ministerpräsidenten ge gen die Zustimmung zur Ernennung Pauls. (ITA) Einweihung entdeckt. Man gab sich Mühe, das Hakenkreuz vom Gedenkstein abzukratzen. Das „Juda verrekke“ war voll und ganz zu sehen. ★ Im Jahre 1933 gab es in Bamberg 1.000 jüdische Bürger, heute gibt es vielleicht in ganz Bamberg 80 jüdische Seelen, wovon nicht einmal 10 Prozent Bamberger Juden sind. In der Kristallnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Bamberg mit Petroleum übergossen, wobei der Kommerzienrat Willy Lessing, ein Jude, damals versuchte, die Thorarollen zu retten. Kommerzienrat Lessing wurde von der SA blutig geschlagen und ist seinen Verletzungen einige Tage später erlegen. Die Stadt Bamberg hat nach dem Zusammenbru h des Hitlerregimes, die Sophienstrasse in Wllly-Lessing-Strasse umbenannt. Ein Grossteil der Juden aus Bamberg konnte sich retten. Ungefähr 300 Juden wurden 1941 nach Riga lind Lublin verschleppt; sie sind dort umgekommen. ★ Im November 1962 wurde eine Syngagoge in Bamberg eingeweiht.' Zur selben Zeit war in Bamberg, wo es ein grösseres US-Militärlager gibt, Oberst Lewasser, ein thoratreuer Rabbiner und versierter Talmudge- Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpften Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppiche in allen Farben und Grössen. Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN¬ TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza seinen Reisebeschreibungen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von der grossen und bedeutenden Gemeinde Bambergs. 50 Jahre später hatte Bamberg einen berühmten Rabiner, Samuel ben Barueh, eine grosse talmudistische Kapazität. Es gab auch eine höhere Talmudschule, aus der später berühmte Rabbiner hervorgegangen sind, wie Meir Ben Barueh aus Rothenburg. ★ Bamberg war früher auch eine sehr reiche Gemeinde, die ungeheuer viele Stiftungen vor dem Kriege geschaffen hatte. Mehr als ein Dutzend Stiftungen gab es in dieser relativ kleinen Gemeinde von 1.000 Juden, wobei bezeichnenderweise alle Stiftungen für Menschen jeder Konfession gedacht waren. ★ Ebenso hat Bamberg Pogrome und antisemitische Exzesse in seiner Geschichte zu verzeichnen. Zu Ende des 13. Jahrhunderts war das Gerücht in Umlauf, dass die Juden Hostien schändeten. Am 28. Juli 1298 wurden 135 Juden in Bamberg ermordet Zu Ende des 17, Jahrhunderts herrschte in der Bamberger Gegend eine Hungers not. Der damalige Fürst-Bischof und Kurfürst von Mainz, Graf Lothar von Schönborn, verkaufte an holländische Juden die Getreideernte der Güter, die dem Hochstift angehörten. Als die Juden das Getreide in die Schiffe verladen wollten, wurden die Schiffe von den Bambergern gestürmt, d>e das Getreide ins Wasser schütteten. Dann plünderte der aufgehetzte Mob die jüdischen Häuser. ★ Die Geschichte weiss auch zu erzählen, dass Lothar Franz von Schönborn in einer Denkschrift vom 10. November 1712 für die jüdische Bevölkerung eintrat und warnte jeden bei strenger Strafe vor Judenausschreitungen. ★ Am 16. Juni 1965 abends, am Vorabend des Fronleichnam - Feiertages, rief der Bamberger Oberbürgermeister die Bevölkerung Bambergs zu einer Protestversammlung auf. Alle öffentlichen Gebäude hatten auf Halbmast - Trauer geflaggt und unter dem Zeichen ,Ei ne Stadt trauert“ versammelten sich trotz starken Regens 4.000 Menschen auf dem Rathau.-platz, um eine Gedenkstunde aus Protest gegen die Friedhofschändung abzuhalten. Die Kundgebung wurde mit einem Glockenläuten sämtlicher Kirchen der Stadt eingeleitet. Diese wiir dige Demonstration scheint die Nazis oder Neo-Nazis;n Bamberg zu verstärkter Tätigkeit veranlasst zu haben und in derselben Nacht wurde dató Kriegerdenkmal auf dem Goldberg in Selb verschandelt. Der Bamberger Oberbürgermeister Mathieu gab am Freitag bekannt, dass aus Beamten der Stadtverwaltung und Angehörigen der Parteien in Zusammenarbeit mit der Polizei Sonderstreifen für die Nachtstunden gebildet werden Ausserdem schickte die bayerische Bereitschaftspolizei ein Kontingent Beamte zur Verstärkung der örtlichen Polizeikräfte nach Bamberg. Beamte des Bundeskriminalamtes befinden sich in Bamberg. Die stadtverwal tung hat ihre Belohnung um nochmals 5.000 DM erhöht. Damit sind nunmehr 18.000 DM für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. ★ Es ist nicht daran zu zweifeln, dass der Bamberger Oberbürgermeister und der allergrösste Teil der Bamberger Bevölkerung über die Ereignisse bestürzt, beschämt und ernstlich besorgt sind. Demgegenüber ist das Verhalten der jüdischen Stelle, nämlich des Vertreters des Landesausschusses der Is raelilischen Kultusgemcnden in Bayern unverständlich, der diese Vorkommnisse als „Zwischenfälle“ be zeichnete, die man nicht mehr als .Lausbubenstreiche“ ansehen könne. Als ob andere Friedhofschändungen Lausbubenstreiche gewesen seien. Man hätte eine würdigere und klarere Verurteilung derartiger Verbre- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE 68 Aires — PUEYREDON 2190, 1» iwj _ T. E. 83-26X3 8. Juli 1965 8. Tamus 5825 17.000 Menschen auf dem Gewissen Bochum: — Mord an über 17.000 Juden und Polen wird dem ehemaligen Gestapochef des südwestlich von Krakau gelegenen Ortes Neu-Sandez, dem heute 56 Jahre alten Heinrich Hamann aus Bochum, zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft hat gegen ihn Anklage beim bochumer Schwurgericht erhoben. In dem Prozess, der voraussichtlich im Oktober oeginnt, werden neben Hamann 15 ehemalige Angehörige seiner Dienststelle ,uf der Anklagebank sitzen. Zeugen aus der Bundesrepublik, den Vereinigten Staaten, aus Israel. Kanada. Australien, Belgien, Frankreich, Oesterreich und Polen werden aussagen. Hamann, der der Ss angehörte, hatte im Dezember 1939 als Obersturmbannführer die Dienststelle Neu-Sandez übernommen. Dort soll er nach der Anklage ein grausames Regiment geführt haben. Br hat nach Auffassung der Anklage die Erschiessung von über 2000 Menschen angeordnet, die sich versteckt hatten, keinen “Judenstern“ trugen, keine gültigen Ausweispapiere bei sich hatten oder sonst “aufgefallen“ waren. 40 Juden soll Hamann eigenhändig erschossen haben. Schliess:ien wird er auch für den Tod von 15 000 Juden aus dem Ghetto von Neu-Sandez verantwortlich gemacht, die unter seiner Leitung in das Vernichtungslager Belzec gebracht worden sein sollen. chen erwartet, da man mit der bisher allgemein in der Bundesrepublik angewandten Methode gegen die robusten Nazis nicht ausgereicht hat und in Zukunft auch nichts erreichen wird — (Nachbem. d. Red.; Es fehlt der überzeugende Beweis, dass man .etwas“ erreichen will) — Nach dem Krieg hielt sicH Hamann unter falschem Na. men zunächst im Kreis Rendsburg, im Harz und Ruhrgebiet verbor ren. Zuletzt war er Hilfsarbeiter ln Bochum. Seit dem 2. Mai 1960 befindet er sich in Untersuchungshaft. Von den mitangeklagten 15 ehemaligen Angehörigen seiner Dienststelle, die heut« zwischen 51 und 67 Jahre alt sind, befinden sich zwei seit 1961 in Untersuchungshaft. Bei anderen wurde die Untersuchungshaft inzwischen aufgehoben. Einige waren während der Ermittlungen immer auf freiem Fuss. (AWZ) Antisemitisches Buch Mexico-City: — „Amerika in Gefahr“ heisst der Titel eines Buches, in dem die rüden als eine „Gefahr für Anmerika“ verleumdet werden. Der Autor des antisemitischen MJachrwerks ist ein gewisser Salvador Borreg o, ein mexikanischer Journalist, der als hemmungsloser Antisemit bekannt ist. (JTA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschät te mit der grösste» Auswahl. SARM.ENT0 1147 T. E. 35 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvlrate Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. 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