Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2122 (25.6.1965)
- Date
- 1965-06-25
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616703-9614788-9615042--3922-9615045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
(rtornea, 25 *5 Junio de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVÍ. — N* 212« — 8 MARTIN BUBER Martin Buber ist aus die- Sein Leben für sein Werk LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INH E RENDI ENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«, V> iwj. — T. E, 83-2618 25. Siwan 5725 25. Juni 1965 ser unserer Welt gegangen. Siebenundachtzig Jahre hat er unter uns gelebt. Nicht erst die geistigen reifen Früchte eines alternden Mannes belehrten uns, seine Zeitgenossen und Schüler schon die Erlebnisse dieses Menschen in seiner Kindheit legten den Grund zu seiner Lebenserfahrung. Br selbst erzählte uns von einem ganz frühen Erlebnis, das nicht nur ihn geprägt hat, sondern die Grundlage für seine Auffassung der Beziehung vom Ich zum Du gelegt hat. Gern hockte er im grossväterlichen Haushalt *m Pferdestall. Das Kind, auf einem Balken gegenüber der Krippe des Pferdes kraulte ki dessen Mähne. Er war ganz dem Pferde gegeben, das nun seinen Kopf zu Ihm erhob und sich ihm mitteilte. Einst sass er wieder so ihm gegenüber, doch seine Gedanken waren anderswo, fern, und er kraute die Mähne. Das Pferd wandte seinen Kopf weg. Dies Pferd lehrte ihn, echte Beziehung von unechter zu unterscheiden. Die Erfahrung des Lebens haben sich einst Menschen erworben, als sie wagten, durch die Welt zu fahren — ln einer Zeit ohne Autos und Jets — und Menschen und Dinge kennen u lernen. Martin Buber fuhr so durch das irdische Le.ben und erwarb sich seine Lebenserfahrung. Sein ganzes Leben war Bemühenseine Lehre zu verwirklichen und durch Beispiel zu wirken, soweit es einem Menschen gegeben ist. in den Proben standzuhalten und nicht zu versagen. Aber auch das Versagen des Lebens und die Folgen dieses Versagens können die Wahrheit der Lehre verkünden. Bubers Lehre ist die Beziehung von Mensch zu Mensch, und von da zu Gott. Das Ich eines jeden von uns kommt überhaupt erst zur Entfaltung in der Begegnung mit dem Du. So wie das Ich — in seiner Kompliziertheit und Noch - Ungeordnetsein — eine Fülle von Strebunben und Gedanken enthält und niemals erfassbar ist, wenn wir nur einen Teil dieses Wesens betrachten, ganz genau so ist das Du konstruiert. Darum muss der Kontakt des Ich zum Du ein vollkommener sein, der eine muss für den anderen da sein, das eine Ich ganz für das andere Du. Eine Beziehung zwischen den Menschen pflegt im allgemeinen nur einen beschränkten Teil des Wesens des anderen zu ergreifen, die Beziehungen werden gewöhnlich nur durch das sachliche Verlangen des Iohs auf das Du bestimmt. Ich wende mich an den Handwerker und nur sein technisches Vermögen, also nur ein Ausschnitt seines Du interessiert mich, und so verbanne ich das komplexe totale Du. entwürdige das Du zu einem Es, zu einem nützlichen Ding. Dies ist der grosse Mangel im Leben der Menschen und die Ursache der menschlichen Katastrophen. Das Ich müht sich nicht um das Du. Aber wie kann andererseits in der spezialisierten Lebensweise unserer Welt, in der die Fähigkeiten jedes einzelnen zur höchsten technischen Vervollkommnung in seiner Besondertheit entwickelt werden, der Arzt, wie kann die Sozialfürsorgerin in der Fülle der Aufgaben, das ganze Du umfassen, wie sollte er zeitlich und psychisch in der Lage sein, dieser gewaltigen Anforderung der Fülle der Dus zu entsprechen? Das ist die Tragik unserer entfalteten Gesellschaft und Kultur: zu wissen um den Mangel und so schuldig zu werden in der mitmenschlichen Nicht-Beziehung. Doch Einen gibt es, zu dem es nur die totale umfassende Beziehung gibt: GOTT. Vor ihm gibt es kein halbes Sich _ Umwenden, er verlangt die Konzentration der ganzen Hingabe. Ein volles Leben hat Buber darauf verwandt, seine Lehre zu verdeutlichen. Er hat sich dabei nie als Heiligen oder Vollkommenen betrachtet. Auch seine eigenen Mängel dienten ihm als Beweise der Wahrheit seiner Anschauung. So berichtet er ihm Jahre 1934, wie ein junger Mensch, verzweifelnd am Leben, doch noch zu Buber kam, der damals von zahllosen Suchenden angegangen wurde. Er hörte ihm freundlich zu, aber seine Seele war schon mit anderen Dingen beschäftigt, er unterliess, dem Frager die Fragen stellen zu helfen, die er zu formulieren sich nicht getraute. Dieser ging von ihm, ohne die Begegnung des Ich und Du — in das Nichts des Todes. Das >st Schuldbekenntnis. Diese Lehre vom Ich und Du fordert ganze Erfüllung und kehrt gewandelt in allem Schaffen Bubers wieder. Sie hängt von keiner politischen Konstellation ab und schützt den Menschen vor dem Irrtum, dass etwa der Kollektivismus oder der Individualismus den Menschen retten könne. Zu jeder Zeit und an jedem Ort ist die Verwirklichung möglich. Du musst nur wollen. Kein -ismus kann an Stelle der Fülle der Beziehung stehen. Wiederholt kehrte Buber zu einem Midrasch wieder: Der Messias sitzt in Lumpen gehüllt vor den Toren Roms und wartet. Auf wen wartet er? Auf Dich. — Hier und jetzt aufgerufen und angesprochen zu sein, war, was der Menschen-Lehrer Buber verkündete. In der Bibel, deren grosser Interpret er für das geistige deutschsprechende Judentum und später fiir seine Jerusalemer Studenten war, wies er auf diese selbe Ansprache Gottes an sein Volk und an die Menschheit hin. Völlige Hingabe an SEIN Wort, ungeteiltes Leben — nicht hier Staat und Gesellschaft und dort ein religiöser Ueberbau, — erläuterte er uiis aus der Lektüre des Buches der Bücher. Mit seinen Erklärungen zum Buch der Richter eröffnet er die Reihe seiner Bibelbiicher („Das Königtum Gottes”), die in deutsch und später in hebräisch konzipiert, in die Sprachen unserer Kulturwelt übertragen und, was wichtiger noch ist, gelesen und studiert werden. Keines dieser Werke begnügt sich mit wissenschaftlicher, unbeteiligter Analyse, sondern jedes trägt! die Aufforderung in sich, die vorgetragene Lehre zu verwirklichen. Verwirklichung bedeutete sowohl, das geistige Erbe des göttlichen Königtums als gesellcshaftliches formatives Element zu nehmen, als auch die Botschaft Zions durch Alija aus der wohlklingenden Anrede zur Realität werden lassen, und nicht weniger waren die sozialen Forderungen praktische soziale Wegweiser einer konkreten Welt. Als der 21jährige Martin Buber auf dem 3. Zionistenkongress (1899) als Referent der Propaganda-Kommission das Wort ergriff, forderte er statt politischer Schlagworte die nach innen gerichtete Propaganda, d. h. den -Appell ans Gewissen des einzelnen. Auf dem 5. Kongress (1901) gehörte er zu den Gründern der demokratisch - zionistischen Fraktion. die im Gegensatz zu Herzls ausschliesslichen politischen Zielsetzungen die Gegenwartsarbeit des Aufbaus des Landes Israel forderte. Nach dem Weltkrieg war es Buber mit A. D. Gor. don gemeinsam, die das chaluzische Erziehungsideal in die westeuropäische jüdische Jugend trugen und auf der Hapoel _ Hatzair - Tagung in Prag (1920) einen neuen jüdischen Lebenswert schufen: Arbeit und Leben in Israel, nicht nur um der Erlösung des Volkes wegen, sondern um der persönlichen Befreiung willen. Geist und Tat sollen homogen sein und sich untereinander decken. In jenen Zeiten hat Buber mit seinen ‘‘Reden über das Judentum” vielen geistig Suchenden die erste Ansprache jüdischer Existenz entdeckt Aus einem blutleeren, anspruchslosen, liberalisierten (in Bezug auf jüdische Lebens- und Betform) Judentum erhob sieh durch Wort eine ideale Menschen-Gemeinschaft, durch Blut. Historie Und Israel, und nicht weniger durch Verantwortung vor dem Höchsten zueinander gebunden. Ein aufgeregtes Zittern ging durch die jüdische junge Generation, die nun ständig Nahrung durch die Bubersche Uebertragung chassidischer Literatur und die Bibelübersetzung — von Buber gemeinsam mit F. Rosenzweig verdeutscht — bezog. Diese Bibel war kein glatt zu lesendes Buch mehr, wie die vorhergehenden, sehr guten Uebersetzungen, sondern war Gottes gesprochenes Wort in seiner Härte und in seiner Liebe. Rhythmus und Tonfall ältester Literatur wurde wieder gehört. Nur fünf- oder zehnmaliges lautes Lesen ermöglichte das Verstehen dieser Verdeutschung, und das ist ihr Wert und Vorzug. Die Bibel hat unzählbare Facetten, darum war sie einem in alle Weiten strebenden Geiste wie dem Bubere adäquates Ausdrucksmittel- In der Mitte sieht unwegdenkbar der absolute Anspruch, die vollkommene Beziehung von IHM zum Menschen, von da gehen Strahlen und Fäden in alle Richtungen: Kultur, Erziehung, Kunst, Politik. Literatur. Ueberall bestand Buber auf Verwirklichung, wenn sie zu Konflikten mit den sogenannten gesellschaftlichen Realitäten führen sollte. Sein Kampf um arabisch _ jüdische Verständigung kostete ihn, den grossen Schriftsteller den Beifall seines eigenen Volkes während mancher Jahrzehnte. Was er als Beschluss des Zionisten-Kongresses (1921) formulierte, blieb sein Leitstern und der seiner Mitkämpfer: "In der historischen Stunde der Rückkehr in die Heimat spricht das jüdische Volk seinen Willen aus, in Frieden und in Brüderlichkeit mit dem arabischen Volke zu leben und das gemeinsame Vaterland .zu einem gemeinsamen Heim zu entwickeln, in dem beide Völker Möglichkeiten zu freier Entwicklung haben werden.“ Im Geiste dieser Formulierung hat Buber Seite an Seite mit Dr. Lurie, mit Kalvarisky, Juda L. Magnus. H. S. Bergmann, Ernst Simon u. a. im “Brit Schalom” und im “Ichud” gekämpft und ist von Juden und Arabern bekämpft worden. — In gleicher Weise war Buber einer der ersten, der die Kollektivverdammung des Nachum Goldmann in Tel Aviv Tel Aviv. — Dr. Na- /ehum Goldmann äusserte sich bei seiner Ankunft über die Kommentare der israelischen Presse zu seiner kürzlichen Pressekonferenz in New York, in der er die Lage der russischen Juden erwähnt hatte. Dr. Goldmann betonte, dass er stets die Forderungen für die gleichen Rechte der Juden in Russland und die Proteste gegen das antisemitische Verhal teil der sowjetischen Behörden unterstützt habe. Er wiederholte, dass die in israelischen Zeitungen gegen ihn erhobenen Be schuldigungen sich auf eine unzulängliche Wiedergabe seiner Erklärungen stützten und er sich bei seinen Bemerkungen auf die Form und nicht auf den Inhalt der an die sowjetische Regierung gerichteten Appelle bezogen habe. (ITA) deutschen Volkes für dte Nazi verbrechen ablehnte; eH nahm nach dem. 2. Welt* krieg literarische EhrungaK? Westdeutschlands an, hielt als einer der ersten repräsentativen Juden Vorlesungen in Deutschland und' setzte sich für Begnadigung Eichmanns ein. ¡ Einen Menschen wie Buber mit den Masstäben der Erfolge oder Niederlage^ einer Tagespolitik messen zu wollen, bedeutet die Tragweite seines Wirkens und Lebens missverkennen. Was im Judentum zeitlos bestehend und darum in jeder Zeit wach gehalten wden muss, hat Buber durch, das Prisma seiner Person, unserer Generation neu au verstehen geben wollen, ohne den originellen Wesensfcem umzudeuten; sein Weg war gerade zurück zur ersteh! Ansprache, die das jüdische Volk vernommen und gebildet hat. Den heissen Atem, unserer Vorväter im Gespräch mit Gott hat er gespürt, und darum wollte er uns zum Hören und Gehorsam mit vollem Herzen erziehen. M ABBIT MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschät te mit der grösste» Auswahl. SARMIENTO H47 T. E. 35 - 1933 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. TAPICERIA LIBERTAD s.r.l. ARTICULOS GENERALES PARA TAPICEROS LIBERTAD 420—26 VILLA RALLES TER Teppichhaus - M. Hochberg Unerreichte Auswahl an handgeknüpiten Teppichen in erstklassigen Qualitäten für jedes gemütliche Heim. EIGENE FABRIKATION UNVERBINDLICHE VORFUEHRUNG AUF WUNSCH ZAHLUNGSERLEICHTERUNGEN Maschinenteppich« in culen Farben und Grössen Auslegen von Appartements mit rein wollenem Velour VERKAUF AN PRIVATE NUR SAMSTAG UND SONN TAG VON 9—19 UHR IM AUSSTELLUNGSRAUM CALLE ANDONAEGUI 2083 TEL.: 52 2993 4 Quader von Station Urquiza ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Br. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von (6—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltungen - Miets-, Zivil- und Handelssachen T. E. 80 - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HERAS