Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2115 (7.5.1965)
- Date
- 1965-05-07
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o aa oS, t S « tu .3 o s» a O i» < u FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ANA ISRAEUTA BUENOS AIRES, VIERNES 7 DE MAYO DE 1965 Ano XXVI. N* 2115 EL EJEMPLAR |A en toda ta República ||| a PUE Y RREDON 2190 19 bq. T. E. 83 2613 Ráenos Airea Widerstand in Auschwitz Rund 200 Zeugen haben schon in frankfurter Auschwitz.-Prozess ausgesagt. Ihre Berichte über die Zustände im Lager Auschwitz besagten im Grunde alle das gleiche: Hunger. Krankheiten. Erniedrigungen und Peinigen waren die Quintessenz cies täglichen Lebens der Häftlinge. Die Lage der jüdischen Inhaftierten war noch schlimmer. Ausser den Schrecken, die sie mit den anderen teilten, fühlten sie sich entsetzlich verlassen. Die ihnen am nächsten standen waren tot, und sie wussten, dass sie sie nie Wiedersehen würden. Von dieser quälenden Tatsache zeugten die Verbrennungsöfen, die Tag und Nacht brannten. Wenn es unter diesen Bedingungen noch Menschen gab die die moralische Kraft besasseneinen kollektiven Widerstand zu organisieren, so war dies mehr als Heroismus. j Der berühmte polnische j Schriftsteller Holuch berich- . tete in seiner Aussage: "Ich j konnte kurz nach meiner; Einlieferung mit einer der Widerstandsgruppen den Kontakt aufnehmen. Es war! unmöglich, an einen grossen und organisierten Aufstand zu denken. Für uns in diesem Vernichtungslager beschränkte sich ü r Wideri stand darauf, dem Kameraden zu helfen und ihn dazu zu ermuntern, den anderen Hilfe zu leisten. Die SS wollte dass wir einer gegen den anderen kämpfen und auf diese Weise jedes Gefühl für Menschlichkeit und Solidaritätverlieren sollten. Aber es gelang uns sogar hin und wieder, das Leben eines Häftlings zu retten, in dem wir seine Nummer änderten oder ihn in die Krankenabteilung einlieferten Wir taten unser Bestes, um ihm besondere Portionen und Medizin zu verschaffen. Einige unserer wichtigsten Aufgaben war die Aufnahme von Kontakten mit der Aussenwelt, trotzdem wir Hermetisch von ihr abgeschlossen waren. Es war uns auch möglich, diese über die Zustände im Lager zu informieren und die Namen der dort beschäftigten Unmenschen anzugeben. Dies konnten wir von MIRIAM NOWITCH mit Hilfe der BBC bewerkstelligen. Wir konnten eine Liste der Inhaftierten anfertigen und sie an das Internationale Rote Kreuz schikken. so dass auf diese Weise einige Pakete aus der Schweiz zu uns gelangten. Wir sorgten auch dafür, dass Dokumente und Statistiken erhalten blieben, die sich auf die Greuel bezogen. Wir übermittelten einen Bericht ¡über die Hinrichtung der französischen Gefangenen. Wir brachten es fertig, einen Fotoapparat zu stehlen, und einer der Unseren, David Szmulewswi. machte Bilder von den Leichen der vergasten Juden, als diese ins Krematorium geschafft wurden. Wir fertigten auch Abschriften aus dem Inventarbuch an. das die Namen derer enthielt, die in den Strafbunkern gefoltert und ermordet wurden Nach dem Attentat gegen Hitler im Juli 1944, wurde im Proizess gegen die Angeklagten behauptet, dass "alle im KZ- Auschwitz Internierten Verbrecher sind". Sofort erging ein Protest aus dem Lager, dessen Uebermittlung ein ausserhalb des Lagers operierendes “Kommando'’ und eine österreichische Krankenschwester namens Maria durchführten. Es war auch die Widerstandsbewegung, die den Plan aufstellte, wie man gegen Kriegsende eine Massentötung der Häftlinge verhindern konnte. Ihre Mitglieder verhallen in den Jahren 1943-44 zweihundert Gefangenen zur Flucht. Doch nicht allen gelang dies Vorhaben. In der Nacht des 25 Mai 1944 versuchten einige Hundert ungarische Juden der Hölle von Birkennau zu entkommen und erreichten einen naben Wald, wo sie sich in Erdlöchern versteckten. Aber man fand sie mit Scheinwerfern, und sie starben alle unter den Kugeln ihrer Verfolger ...” Dies berichtete Holuch. Vor dem Gericht fiel einige Male der Name Mala Zimentbaum ein jüdisches Mädchen aus Polen. Sie war aus Antwerpen, wo sie später Kampier für Menschenwürde Melbourne. — Ueber 2.000 Menschen waren bei ei ner Gedenkfeier anwesend, die im grossen Saal des Stadthauses zur Erinnerung an den 22. Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto stattfand. Die Veranstalter waren der Board of Deputies von Victoria und der Nationalverband Kadima zusammen mit dem Verband der jüdischen Naziopfer dem Staatsrat der Juden und der landsmannschaftlichen Föderationen. Rio de Janeiro. — Der Gedenkfeier an die 22. Wiederkehr des Aufstandes im Warschauer Ghetto wohn ten 1.500 Menschen bei. In Vertretung des Staatspräsidenten Castelo Branco war Justiz- und Innenminister, Professor Milton Campos, erschienen, der in seiner Ansprache zum Ausdruck brachte, dass „die Ghettohelden von Warschau nicht nur für ihr eigenes verlorenes Leben sondern für die Würde der ganzen Menschheit kämpften.“ Unter den übrigen Rednern waren der Israel-Botschafter Josef Nahmias, der Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Samuel Malamud und die Rabbiner Lemle und Blumenfeld. (ITA) lebte, nach Auschwitz transportiert worden. Die Zeugin Raja Kagan erzählte ihre Geschichte. Sie berichtete, Mala sei zusammen mit Edward Gallnski. einem jungen Polen, aus Auschwitz geflohen. und die beiden hielten sich zwei Wochen lang versteckt. Später fand sie die SS und schleppte sie in den Strafbunker. Galinski wurde am 15. Septembei 1943 gehängt. Als Mala an den Galgen geführt werden sollte, schnitt sie sich die Pulsadern auf und ohrfeigte den SS- Henker Boger, der damals der Chef der Gestapo im Lager war und heute als Angeklagter vor Gericht steht. Zur Strafe wurde sie lebendigen Leibes verbrannt. Eüi anderer Zeuge, Diamanski. erzählte von einer jüdischen Heldin aus Prag, mit Namen Nowotny. Boger leitete damals die Morde im sogen. “Familienlager'' in Birkenau. Die Frau näherte sich ihm und schrie ihm ins Gesicht, dass er ein “Künstler“ im Morden sei. Boger zog seine Pistole und erschoss sie auf der Stelle. Das “Familienlager” war eine Abteilung in Birkenau, wo im Spptember 1943 fünftausend Juden, Männer, Frauen und Kinder konzentriert wurden, die mit einem Transport aus dem Lager Terezin kamen, in dem tschechische jüdische Familien untergebracht waren und auf ihren Abtransport in die Todeslager warteten. Sie alle wurden in den Monaten März und Juli des Jahres 1944 ermordet. Die Zeugen Erich Kulka und Dow Kulka, zwei der wenigen Ueberlebenden von Tausenden deportierter tschechischer Juden, berichteten von der Würde, mit der die Juden aus diesem "Familienlager", hebräische Lieder singend, in den Tod gingen. Weit bekannt ist die Geschichte des Todes einer jüdischen Frau, deren Namen wir nicht kennen, und der einen SS-Offizier das Leben kostete. Am 23. Oktober 1943 kam in Bergen-Belsen ein Transport mit 1.700 Juden an. denen man gesagt hatte, sie würde im Gefangenenaustausch in die Schweiz geschickt. Als die Juden erkannten, wie schmählich man sie betrogen hatte, brach eine Meuterei aus. Eine Frau entriss dem SS-Offizier Schillinger den Revolver und erschoss ihn, wobei sie einen zweiten SS-Offizier, Emmerich, verletzte. Die SS begann hierauf, in die auf dem Bahnsteig zusammengepferchte Menge zu schiessen und Handgranaten zu schleudern- Viele der Juden mussten mit Gewalt in die Gaskammern geschleift werden. AUFSTAND IM KREMATORIUM Am 7. Oktober 1944 brach ein Aufstand im Krematorium N-4 in Birkenau aus. Zweihundert Häftlinge erschlugen mehrere SS-Männer, durchschnitten den Stacheldraht und versuchten zu fliehen. Aber die Nazischergen gewannen die Oberhand, und fast alle, die rebelliert hatten, wurden an Ort und Steile umgebracht. Einige, denen die Flucht gelungen war, wurden später eingefangen und von Boger erschossen. Verschiedene Zeugen berichteten vor dem frankfurter Tribunal von dem ungewöhnlichen Mut der meuternden Gefangenen. Sie verdankten es der Hilfe dreier Jüdinnen aus Zieschanow. die in einer in der Nähe von Auschwitz gelegenen Munitionsfabrik arbeiteten. Diese Frauen hatten unter enormen Gefahren Sprengstoff ins Lager geschmuggelt. Ihre Anführerin hiess Rosa Robota. Sie wurden alle drei am 6. Januar 1945 in der Frauenabteilung gehängt- Die polnische Zeugin Olsaowska, die seit 1940 in Auschwitz die Leichen “zählen” musste, sagte über den Aufstand im Krematorium aus und beschrieb auch die Hinrichtung mehrerer Arbeiter der Munitionsfabrik “Union”, aus der der Explosivstoff stammte. Sie wurden von Boger persönlich mit einer Maschinenpistole durch Genicksc“ ”‘,se getötet. Die gleiche Zeugin wohnte der Hinrichtung von Mala Zimetbaum bei und identifizierte den Mann, den sie geohrfeigt hatte: es war Boger. Die Olszowska erzählte auch von dem Tod einer Gruppe mutiger Polen, die mit dem Ruf “Es lebe Polen” fielen. Der Häftling Ludwig Wesely aus Wien starb mit dem Ruf: “Nieder mit den Nazimördern!’’ Auch von dem heldenhaften Tod der Lili Totler berichtete die Zeugin. Lili hatte einer polnischen Kameradin im Lager einen Brief geschrieben. Der Brief wurde entdeckt, und Boger ärgerte sich. Er befahl Lili. die Frau zu nennen, an die sie ihn gerichtet hatte. Man führte sie an den Frauen vorbei: die zu beiden Seiten Spalier stehen mussten. Aber Lili weigerte sich, den Namen anzugeben. Da ihr Widerstand nicht zu brechen war, wurde sie nackt in eine Folterkammer geworfen, die ganz schmal war und in der Tag und Nacht 1000-Watt- Lampen brannten. Schliesslich wurde Lili von Boger erschossen. Diesen tragischen Vorfall bestätigte die Zeugin Jenny Schaner aus Zürich. Raja Kogan. die im Lagerbüro der Gestapo arbeitete. Hand gehalten, und einer aeiand gehalten, und einer seiner Sätze hatte sich in ihre Erinnerung eingegraben. Br lautete: “Wie könnte ich weiterleben, wenn ich selbst lebend aus Auschwitz herauskomme?” Auch der Zeuge Machercyk aus Amsterdam erinnerte sich an den Mut Lilis. Der Zeuge Baranowski sagte aus, dass es den Verschwörern im Krematorium N-4 gelang, das Gebäude in die Luft zu sprengen, und dass ein anderer Aufstand im Krematorium 2 ausgebroohen war, der jedoch solieiterte. Dort ermordete Gedenken an die Naziopfer Jerusalem. — Obwohl die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Deutschland eine positive und realistische Massnahme darstellt, so ist es in diesem Augenblick wichtig, darauf hinzuweisen dass sie keine Normalisierung der historischen Beziehung zwischen dem jüdischen Voik und Deutschland bedeutet, denn dieser Prozess kann sich nicht in einer einzigen Generation vollziehen. Dies erklärte Dr. Nachum Goldmann, der auf der Veranstaltung sprach, welche den Tag des Gedenkens auf dem Berge der Erinnerung in Jerusalem abschloss. Der Zeremonie wohnten Staatspräsident Salman Shazar Mitglieder des Kabinetts. der Oberrabbiner, Richter des Obersten Gerichtshofes, Abgeordnete der Knesset, das Diplomatische Korps, Partisanen und eine viele Tausend zählende Menge bei. Der Tag des Gedenkens, so führte Dr. Goldmann aus, müsse aber auch eine Warnung an die freie Welt sein, die es zuliess, dass die Nazis ihre Herrschaft aufrichten konnten. Er hob hervor, dass die Dokumente, die jetzt gefunden werden, uns enthüllen dass die jüdische Tragödie nicht unabwendbar war. und sie sind auch eine Lehre für die Juden, derer viele sich keine Rechenschaft von der Gefahr ablegten und sich in übersteigendem Optimismus selbst betrogen. Der Präsident des Jad Waschern, Dr. Arie Kubovy, kritisierte das dem Bundestag vom Land Württemberg vorgelegte Gesetz, das vorschlägt, diejenigen Exnazis von Schuld freizusprechen, die ihre Verbrechen auf Befehl begingen, und nannte ein solches Gesetz eine Posse. Andere Redner waren der frühere Generalstabschef General Chaim Laskow. einst Mitglied der Jüdischen Brigade und der Einheit, welche an der Befreiung der Lager teilnahm, und P. Burstein, Präsident der Organisation der ehemaligen KZ- Häftlinge, der die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland verurteilte. Sechs Fackeln wurden auf dem Gipfel des Berges entzündet, während der Kantor ein Gebetsang und der Armee-Kaplan der Luftwaffe, Rabbi Kahane aus Warschau, das Kaddisch sprach. (ITA) Boger durch Genickschüsse zweihundert Häftlinge, Alle diese Zeugen berichteten vom Mut und Widerstand der Lagerinsassen. Es bedarf auch wahrlich des Mutes, um vor der organisierten Verhöhnung aller menschlichen Wert« Menschenwürde zu beweisen. So erinnerte sich der Zeuge Puschke an ein Vorkommnis mit dem Angeklagten Klehr, der Selektionen der Opfer für die Gaskammern durchführte. Bei einer dieser Gelegenheiten sollte eine Mutter in die Gaskammer gehen, aber ihre Tochter klammerte sich an sie, um sie nicht allein zu lassen, und Klehr, jeder menschlichen Regung bar. stiess beide Frauen in einen der brennenden Schlünde des Krematoriums. Selbst die Kinder waren Helden. Der jüdische Arzt Dr Wolken aus Wien erzählte von einem Trupp Kinder, die man in den Tod führte- Eines der jüngsten rief sei- Aitspriicfie aus Italien Bisher haben 320.000 Italiener Ansprüche auf eine Entschädigung wegen nationalsozialistischer Verfolgung angemeldet, teilte der Präsident der dafür gebildeten Kommissionen mit. Ursprünglich habe man nur mit 22.000 gerechnet. (AWZ) nen Kameraden ohne Furcht vor den SS-Mördern zu: „Weint nicht! Hiernst das Leben so hässlich, aber dort oben ist der Himmel. Da kann es nur schöner sein als hier.” Soweit die Beschreibungen der Augenzeugen vom “Planeten Auschwitz”, die seine Höllen und seine Opfer kannten. Es sind Berichte von unfassbaren Verbrechen, die noch nicht lange zurückliegen, nur wenige Jahre, aus der Mitte des XX. Jahrhunderts. in dem wir leben, und über die ein Gericht desjenigen Volkes sein Urteil fällen soll, aus dem der Nazismus geboren wurde. Harold Wilson nimmt Stellung London. — Premierminister Harold Wilson erklärklärte im Unterhaus, er sehe „einige Schwierigkeiten“ in den Vorschlägen des tunesischen Präsidenten Habib Bourguiba, dass die arabischen Länder Israel anerkennen und mit diesem Land die Verhandlungen über den Frieden aufnehmen sollten. Dies äusserte er auf Anfragen über die Stellung seiner Regierung zu den Nahost-Probtemen, die auch aie arabischen Versuche zur Ableitung der Nebenflüsse des Jordans, um Israel dieses Wasser zu entziehen, und das Problem der Flüchtlinge beinhalteten. Der Labour Deputierte Robert Maxwell wollte wissen, welche positive Initiative die Regierung nehmen werde, um die Bemühungen Bourguibas zur Beilegung eines seit „so langer Zeit brennenden Streites“ zu unterstützen. Wilson entgegnet« hierauf, dass seine Regierung natürlich die Vorschläge Bourguibas prüf«! werde, doch „ich persönlich sehe auf den ersten Blick einige Schwierigkeiten zur Verwirklichung dieser Vorschläge“, fügte er hinzu. (ITA) Impreso e« la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 89t Registro de la Propiedad Inteleotual N* 826.396