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Jüdische Wochenschau · 1965-04-23 · 2113 (23.4.1965) · p. [Seite 18]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2113 (23.4.1965)
Date
1965-04-23
Page
[Seite 18] (sequence 18)
Language
German, Spanish
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LA semana israelita Añe XXVI. _ N* 211* 18 — Viornes, ÄS de AbrH de 1965 Ein Weizmann-Brief vom Jahre 1910 von Rabb. Dr. KURT WILHELM (Stockholm) Der Zufall spielte mir in der Bibliothek des Jüdisch - theologischen Seminars in New York einen Brief aus der Feder Chaim Weizmanns in die Hand. Der Brief ist vor fast 55 Jahren in Man ohester geschrieben, wo Weiz mann seit 1903 Lektor und später Professor der Chemie war- Im Jahre 1910 fühlte sich Weizmann. die meiste Zeit in seinem Laboratorium beschäftigt „halbfremd“ in England, wie er es in diesem Brief einem Juden der aristokratischen Oberschicht in London schreibt Noch nicht ein Jahrzehnt später war Weizmann als der grosse englische Biochemiker ein weltbekannter Wissenschaft ler Elkan Nathan Adler fl861 bis 1946>, der Empfänger des Briefes, verstand ausgezeichnet deutsch. Er war der jüngste Sohn des aus Hannover stammenden engli. sehen Oberrabbiners Nathan -Marcus Adler und der Bruder des Nachfolgers seines Vaters, des Oberrabbiners Herman Nathan Adler und von den Söhnen des a'ten Oberrabbiners der einzige in England geborene Elkan Ad ler war von Beruf Anwalt und von Neigung Welt re ¡Sender, der auf seinen vielen Fahrten „von Ghetto zu Ghetto“ (dieses Reisebuch ist auch in deutscher Sprache erschienen) seltene hebräische Handschriften und Drucke sammelte und der mit der ganzen jüdischen Welt in Verbindung stand, nicht zuletzt mit Buchhändlern und Agenten, die eine der grössten jiidisohen Pri vatbibliotheken aller Zeiten belieferten. Seine 5000 hebräischen Manuskripte und Geniza - Fragmente gingen 1923 in den Besitz des Jü. disch-theolog'schen Seminars in New York über und nach seinem Tode folgte seine übrige Bibliothek und sein Archiv nach. Im noch unge ordneten Archiv befindet sich der Brief von Coaim Weizmann Der liebenswerte Gentleman vom Porchester Sqcare in London war nicht nur Bücher. und Kunstsammler und ein jüdischer Gelehrter von Rang. Elkan Adler gehörte, wie schon sein Vater, zum Kreis der Ohoveve Zion und stand als Verwalter des Moses Montefiore Trusts in tätiger Verbindung mit Erez Israel, das er wiederholt besucht hatte- Er hatte sich der zionistischen Bewegung angeschlossen und es war Adler, mit dem Weizmann nacli dem Hamburger Zionistenkongress von 1909 Fragen der Neuorientieiung der zionistischen Bewegung mündlich und dann schriftlich erörterte- Der Zionismus war damals in eine Sackgasse geraten Die jung türkisctie Regierung hegte der zionistischen Bewegung gegenüber alles Misstrauen, aber die Organisation glaubte sich mit den neuen Machthabern in Konstantinopel auf Gedeih und Verderb ver bunden, und im zionistischen Lager war man zu Konzes sionen bereit die sogar die Formulierung des Basler Programms betrafen. Das alles gehört heute zu einem zionistischen Mittelalter, aber auf dem Hamburger Kongress wurden diese Probleme leidenschaftlich diskutiert und Weizmann bezog eine Stellung gegen die offizielle Linie. In England war er zionistisch völlig isoliert- In seiner Autobicgraphie „Trial and Error“ lässt er es nicht an Deutlichkeit fehlen, dass der alte Herzl- Zionist und Herausgeber der Jewish Chronicle, Leopold Greenberg, sein Feind war- Im Brief an Elkan Adler kommt die ganze zionistische Gesellschaft in England mit Greenberg und Joseph Co. wen an der Spitze nicht besonders gut weg. Cowen war der langjährige Vorsitzende der Zionistischen Organisa tion in England, mit dem Weizmann später zusammenarbeitete. Der Brief vom Jahre 1910 verdient schon insofern Interesse, als hier von W?iz mann vorausgeahnt ist. welche entscheidende Rolle einmal die Bewegung in England spielen wird und nicht in Berlin, Wien oder Odessa. Aber ernsthafte zionistische Bewegung ist nur mit lern grossbürgerlichen Element zu machen, und darum wollte er Adler gewinnen Vermutlich befindet sich im Weizmann Archiv eine freundliche und ablehnende Antwort von Adler- In „Trial and Error“ wird er nicht erwähnt, auch Boehms „Zionistische Bewegung“ nennt sei. nen Namen nicht ein euiüges Mal. Zum Abdruck des Briefes hat das Jewish TLeological Seminary of Ame ica freundliche Genehmigung gegeben. Ganz kleine offenbare Flüchtigkeitsfehler wurden verbesert. The University Manchester 20. II. 10 Sehr geehrter Herr Adler' Leider komme ich nur jetzt zum Schreiben, von weichem wir bei Ihrem Hiersein sprachen. loh war sehr in Anspruch genommen und hatte nicht die nötige M> <sse und Ruhe. um mit Ihnen ,n Korrespondenz zu treten- Denn ich bin mir wohl bewusst, dass Sie von mir etwas Bestimmtes, Definitives erwarten und für vague Korrespondenz keine Zeit haben- Ich brauone nicht auf die bestellende zionistische Situation, wie sie sich nach Hamburg gestaltet hat, erst einzugehen. Wenn ich Ihnen alle Einzelheiten erst schildern wollte, so wäre es eine zeitraubende und auch traurige Aufgabe. Die Bewegung, vielmehr die mit Mühe und Not geschaffenen Institutionen, sind in die Hände einer Clique gefallen, die flach und stupid die ganzen Probleme der Bewegung anfassen. Die offizielle Interpretation des modernen Zionismus hat deswegen ihre ganze Werbekraft eingebüsst, wir leiden an einer rasch zunehmenden Anämie und ich sehe die Kluft zwischen Ost und West immer mehr sich erweitern! Sie kennen sehr gut die Situation hier zu Lande, wo man tatsächlich von einer ernsten tatkräftigen Bewegung nicht sprechen kann. Das Gezeter und Geschrei in den gelben jüdischen Blättern ist hohl, aufgeblasen, ästhetisch widerwärtig — hat nur einen negativen Wert Man kann sien aber der Tatsache nicht verschliessen, dass es hier Elemente gibt, die für eine ernste Arbeit zu haben sind Sie kennen dieselben noch viel besser als ich, der halbfremd hier ist und doch meistens im Laboratorium steckt- Zwei Wege erscheinen mir offen: I) Einen Versuch zu machen, in die bestehende Organisation neues Blut hineinzufiltrieren, die zuriiokgestossenen Elemente wieder zu sammeln und so das Monopol der Greenbergs und Cowens et tutti quanti zu brechen. Es ist nicht schwer, wenn der Willen und die Leute da sind, aber ich ken. Neu« Synagoge in Malaga Madrid. — Die kleine jü dische Gemeinde von Malaga hat eine neue Synagoge eingeweiht. Es ist die dritte Synagoge, die es in Spanien gibt. Die beiden anderen befinden sich in Madrid und in Barcelona. — Malaga besitzt eine jüdische Bevölkerung von 100 Seelen. (ITA) ne die Entgegnung, weiche gewöhnlich gemacht wird: „Jemand, der etwas in der jüdischen Welt ist, will sich mit diesen Leuten nicht einlassen.“ Das ist ein Standpunkt, den ich sehr begreife, obzwar ich ihn nicht ganz teile- Schon aus dem Grunde nicht, dass diese Herren tatsächlich, so unbedeutend sie auch sind, den nervus rerum der Bewegung kontrollieren, die Bank und alle Fonds Hier muss Wandel geschaffen werden. Die Aufgabe ist viel zu ernst! Aber noch ein anderer Weg erscheint mir möglich. II) Eine selbständige Organisation zu schaffen und zwar vollständig frei von irgendwelchen politischen Momenten (wenigstens in der Oeffentlichkeit) und nur der kolonisatorischen und kulturellen Tätigkeit in Palästina gewidmet. Das können die englischen Juden doch besser und schöner machen als die Wiener oder Berliner oder Odessaer. Das hat jetzt unter den bestehenden Verhältnissen in der Türkei einen raison d‘etre, das wäre eine Grosstat, die eines Mannes wie Sie würdig ist und eine dankbare Aufgabe- Die Schreier könnten dann schreien. Ihnen wäre ein grosses Arbeitsfeld gesichert. Wir haben Kolonisationsvereine in Berlin, Wien, Russland und Rumänien. Ich begreife nicht, warum England in dieser Beziehung zurückgeblieben ist? Wenn Sie die Sache in die Hand nehmen, so ist der Erfolg tatsächlich gesichert- Ich werde im März in London sein, man könnte bis dahin Material vorbereiten. Ich will, wenn Sie es wünschen, mit allen massgebenden Elementen, Warburg, Ussischkin, etc. in Verbindung treten- Sie, Achad Haam, ich könnten über palästinensische Verhältnisse die Leute aufklären, und man kann etwas machen. Ich will für heute schliessen- Verzeihen Sie gütigst, wenn mein Brief etwas lang wurde. Ich werde ungeduldig auf Ihre w. Antwort warten und inzwischen begrüsse ich Sie herzlichst ÏDP Am Donnerstag, ¡kn Ät Nissan (29. April), gedenken alle Juden in der Welt der heldenhaften Kämpfer des Warschauer Ghetto, die sich gegen ihre Unterdrücker erhoben haben. An diesem Tage, dem symbolischen Jahr zeitstag zum ehrenden Gedenken an die sechs Milli« nen von den Deutschen ermordeten Juden, werden sechs Lichter fiir die Märtyrer unseres Volkes entzündet, die ermordet wurden, well sie Juden waren. Spanische Juden New York. — Die spanische Judenheit, die nooh vor einem viertel Jahrhundert aus wenigen Juden bestand, zählte heute über 6.000 Seelen, wie Samuel Toledano, Leiter der Abteilung internationaler jüdischer Organisationen des jüdischen Gemeinderates von Spanien der nordamerikanischen Abtei lung des Jüdischen Weltkongresses mitteilte. Toledano betont, dass die Vergrösserung der Gemeinde auf die Ankunft der Opfer der Naziverfolgungen vor 20 Jahren und dem kürzlichen Eintreffen marokkanischer Juden zuzuschreiben ist. Die Juden aus Marokko stellen gegenwärtig 70 Prozent der Gemeinde. Er unterstrich zwar, dass die Juden in Spanien wenige Probleme haben, doch wies er gleichzeitig auf eine Zunahme der Hassliteratur hin, die im Lande verbreitet wird. (ITA) Dokumente-Haus in Bergen-Belsen München. — Am Eingang des ehemaligen Konzentra tionslagars Bergen - Belsen wird das Land Niedersachsen ein Dokumente-Haus errichten, das am 20. Jahrestag der Befreiung des Lagers gerichtet werden soll. (AWZ) A. C. L B. A* Zum 25jährigen Bestehen der ihrem Herausgeber, Herrn Dr. Hardi Swarsensky, unsere herzlichsten Glückwünsche und Anerkennung für geleistete Arbeit. ASOCIACION CULTURAL ISRAELITA Buenos Aires Aus Anlass des 25. Jubiläums der „JCJEDI- DISGHEN WOCHENSCHAU'' spricht unsere Gemeinde ihrem langjährigen früheren Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten. Herrn Dr. HARDI SWARSENSKY, als dem Gründer und Herausgeber der J.W. für die durch seine Zeitung geleistete Arbeit ihre Anerkennung aus. Die JUEDISCHE WO¬ CHENSCHAU ist ein wertvolles Bindeglied unseres Kreises zum jüdischen Leben in diesem Lande und zum Staate Israel. Wir wünschen der Jüdischen Wochenschau weiterhin Erfolg in ihrer wichtigen Mission zs.tr Entwicklung und zum Wohle des gesamten Judentums. Der Vorstand der NSJKVA COMUNIDAD ISRAEL ITA Dar ihrem Herausgeber und allen Mitarbeitern sprechen wir unseren herzlichen Gruss und Dank für ihr aufrichtiges Ringen um die Gestaltung und Verbesserung unseres jüdischen Lebens aus. BET ISRAEL UNSERE HERZLICHSTEN GLUECKWUENSCHE DEM HERAUSGEBER DER JÜDISCHEN WOCHENSCHAU ZUM 25. JUBILAEUM Comunidad Israelita Berna! Nueva Congregación Israelita gratuliert herzlichst dem Herausgeber der WOCHENSCHAU zum 25jährigen Jubiläum seiner tapferen Zeitung und wünscht weiterhin Erfolg in seiner Arbeit. LEOPOLD ROTHSCHILD Sekretär Dr. F. HIRSCHLAFF Präsident Ihr CH. WEIZMANN KOMMEN SIE ZU DER Grossen Kundgebung jnlaesslich des 22. JAHRESTAGES DES AUFSTANDES IM WARSCHAUER GHETTO GROSSVERANSTALTUNG DES AUFSTANDES IM WARSCHAUER GHETTO DONNERSTAG, DEN 29. APRIL, UM 21 UHR IM LUNA PARK Der Kommandant des Aufstandes iZCHAK (Antee) ZUKIERMAN wird sprechen. j] ALLE JUDEN WERDEN ERSCHEINEN, UM DIE HELDEN UND DIE OPFER ZU EHREN! UM IHREN ABSCHEU VOR DEM NAZISMUS ZU VERKÜNDEN!

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