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Jüdische Wochenschau · 1965-04-23 · 2113 (23.4.1965) · p. [Seite 15]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2113 (23.4.1965)
Date
1965-04-23
Page
[Seite 15] (sequence 15)
Language
German, Spanish
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Viernes, 23 de Abril de 1965 LA 8EMANA ISRAELITA Dr. LEOIS ARIE KV BOV Y (Jerusalem) : Ein Bericht aus Polen 99 Oth hi leolam 99 Die Gedanken, die der frühere israelische Botschafter in Argentinien, Herr Dr. Leon Arie Kubovy, beim 15 J ’ bi- 15um der .Jüdischen Wochenschau ausgesprochen hat. sind von bleibendem Wert und gelten für jede jüdische Zeitung. die ihre Aufgc. be ernst nimmt. Aus diesem Grunde wiederhole! wir diese Worte an unserem 25. Jubiläum* Ich bemerke, dass nur der Toastmaster kastilisch spricht, während die übrigen Redner sich der Sprache von Naharia bedienen. Ich werde ihrem Beispiel folgen. Gewöhnlich möchte ich am liebsten in «eben Sprachen sshweigen, aber heute konnte ich die Gelegenheit nicht versäumen, eine Schuld der Dankbarkeit und An erkennung zu biissen. eine Schuld, die ich sehr empfinde. Die erste Schuld gilt der deutschen zionistischen Literatur. Ich weiss, Herr Dr. Swaisensky hat es nicht gern, wenn man in einem deutsch-jüdischen Kreis von den Verdienste deutscher Juden, deutscher Zionisten spricht. Er möchte dass alle Fragen nur ihrem generellen Aspekt nach betrachtet werden Ich kann es ater nicht vergessen. dass ich eigentlich zionistisch-ideologisch in der deutschen Sprache erzogen wurde. Herzls Schriften und Reden in deutscher Sprache Adolf Friedmanns unter gessliche Biographie Theodor Herzls „Der Jude“, die „Jüdische Rundschau“ es waren eigentlich die ersten ideologischen Quellen meiner zionistischen Formation Genau wie ich. haben Tausende und Tausende jüdischer junger Leute dieselbe Schuld der Dankbarkeit dem jüdisch-deutschen. Pressewesen gegenüber. Und dann kam die schreckliche Katastrophe. der Untergang der europäischen Judenheit und mit ihm der Untergang der deutschen Judenheit. Da standen die deutsch-jüdischen Diasporas zerstreut über alle Erdteile, wie ein „entlaubter Stamm“. Sehr schnell jedoch erschienen wieder überall jüdische Zeitschriften deutscher Zunge, bessere, gute, nicht so gute .. Die Jüdische Wochenschau ist eine der guten Zeitschriften. Und hier komme ich zu meiner zweiten Schuld, zu meiner Anerkennung für Dr. Swarsenky. Was ich an Dr. Swaisensky besonders würdige, ist die ganze Hingabe mit der er sich seiner Arbeit widmet Als ob er die wichtigste Zeitschrift der wichtigsten Judenheit redigieren würde, als ob seine Artikel in der Lage wären, die Ereignisse, denen sie gewidmet sind, dezisiv zu beeinflussen. Ich glaube, dies ist die einzig richtige Weise für einen Mann, seine Arbeit zu tun. Was mich am meisten beeindruckt hat, als ich im Gymnasium studierte und mir von der griechischen Kunst erzählt wurde, war. dass die griechischen Tempel- »kulpturen auch an jenen Stellen vollständig und perfekt seien, wo eigentlich das menschliche Auge sie nicht mehr erfassen sollte. Das ist der Weg des wahren Meisters, nach unserem Weisen des Talmud- Cbachams dass keine unvollendete Arbeit seine Hand verlässt. Dies war auch die Auffassung eines meiner zionistischen lehrer, des belgischen Zionistenführers Jean Fischer, der seine Reden in zionistischen Versammlungen so sorgfältig vorzubereiten pflegte, als ob er sich an das nöchste Forum, das rreistberufene Auditorium zu richten hätte obwohl er wusste, dass der grösste Teil seiner Zuhörer ihm nicht folgen konnte. Ich habe leider nicht immer genug Zeit, die Artikel des Jehuda Gottheimer zu lesen, aber so oft ich sie lese kann ich nur bewundern den Einst und die Kompetenz eines Mannes der die Probleme kennt seine Leser ernst nimmt und seine Aufgabe als eine ernste und geweihte betrachtet. Wenn ich es auch nicht wüsste, so könnte ich es mir leicht vorstellen, weiche Schwierigkeiten Dr. Swarsensky tagtäglich zu überwinden hat in diesem gewagten Un ternehmen eine Zeitung in deutscher Spra che in der Stadt Buenos Airc-s herauszuge ben, auf hohem Niveau und ohne Kompro misse. Da müssen Sie sich gefallen lassen Dr. Swarsenky das Los aller Menschen zu teilen, wie es einmal Chaim Weizmann sagte. Chaim Weizmann formulierte es anders, wurde aber an Ort und Steile von einem Herrn des Misrachi kastigiert. Es war. glaube ich. 1921, und Chaim Weizmann kam nach Antwerpen zu einer zionistischen Jahieskonferenz, und nach dem Mittagessen erteilte er seine Antwort in der Generaldebatte In der ersten Reihe sass ein älterer Herr des Misrachi. und während Weizmann sprach, schlummerte er sanft ein, wegen des reich'ichen Mahles In einem gewissen Augenblick rief Weizmann p?thetisch aus: „Ja meine Herren jeder auf Erden muss sein Kreuz tragen.“ Da schrak der alte Herr aus seinem Schlaf und rief „Mögen Dowid. Mögen Dowid“ Also. Dr. Swarsensky, jeder muss seinen Mögen Dowid tragen; denn, wie sagt der Dichter. „... ich bin ein Mensch gewesen. Und das heisst ein Kämpfer sein!“ Zuletzt möchte ich heute Abend den Wunsch äussern, dass es Ihnen gegännt werde, die Arbeit, die Sie angefangen haben, zu vollenden. Es ist die Zeit gekommen. die deutsch-jüdische Gemeinde öder Gemeinde dieser Stadt in die Allgemeinheit der Judenheit von Buenos Aires einzureihen. Sie haben dieser Judenheit fortwährend jüdische Werte, jüdische Einheit um Israel gepredigt. Jetzt muss eine stärkere Brücke geschlagen werden zu den übrigen Teilen des hiesigen Jischuws Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, um die deutsch-jüdischen Gemeinden aus der Isolierung, in der sie sich zu oft sehr wohl fühlen, herauszuretten. Sie wissen wahrscheinlich: man fragte einmal einen deutschen Rabbiner, wie er dieses deutschjüdische Auserwähltheitsgefühl der, anderen jüdischen Stämmen gegenüber berechtige und er sagte: Es steht ja im 2. Buch Moses: „Ki beini“ weil zwischen uns „uvein benei Jisroel“ und den übrigen Kindern Israels „aus hi leaulom“, ist es aus auf ewig und ewig. Aber jetzt, in der israelischen Aussprache, heisst es: „oth hi leolam“. es ist ein ewiges Zeichen, ein Zeichen der ewigen Einigkeit, ein Zeichen der ewigen Freundschaft. Denn wir brauchen alle wertvollen Elemente, die Sie besitzen, für die gewaltigen Aufgaben, die noch unserer harren. Es soll fortan Ihre Mission sein, sie uns zu bringen als ein ewiges Zeichen unserer Einheit um Israel. In Polen leben jetzt noch 25.000 Juden. Die Auswanderung ist frei, so dass man bisher annehmen konnte, dass die verbleibenden Juden nicht auswandern wollen. Nun hat sich die Situation wieder geändert, weil der Antisemitismus wieder stärker geworden zu sein scheint. Viele Familien wollen nisht, dass die Kinder in einer feindlichen Umgebung aufwachsen. I Eis gibt keinen offiziellen j Antisemitismus, sondern die- | ser liegt gefühlsmässig in der , Bevölkerung und wurde in j letzter Zeit wieder verstärkt [ fühlbar. Auf der einen Seite , steht die Regierung, welche den Juden in kultureller Beziehung keine Beschränkungen auferlegt, sondern im | Gegenteil alle Bestrebungen : in diesem Punkte unterstützt, auf der anderen Seite wächst die Einsicht, dass dies alles nicht genügt, um ein dauerndes jüdisches Zentrum zu schaffen. Es gibt keine offizielle Statistik über die Juden im Lande. Man hört in Regierungskreisen gewöhnlich Zahlen von 20.000 bis 25.000, dann wieder sollen noch 100 000 Juden in Polen sein. In der Jüdischen Kultur - union glaubt man. dass in Warschau 8.000 bis 10 000 Juden leben die anderen Zentren sind Lodz und Wroclav sowie Krakau. Von den 3,5 Millionen Juden Polens vor dem Krieg sind drei Millionen dem Hit- 1 lerkrieg zum Opfer gefallen! Von den am Leben gebliebe-! nen und aus der Sowjetunion zurückgekehrten 500.000 sind bei erster Gelegenheit 400.000 ausgewandert. Seither ging ■ die Auswanderung weiter. I Jedoch erklärt man auf pol- ■ nischer Seite, das viele Juden sich assimiliert, neue Namen angenommen und nichts mehr mit der jüdischen Gemeinschaft zu tun haben. Diese Zahl sei mindestens so gross wie die der am Judentum hängenden Juden. Diese Tendenz mache weitere Fortschritte, so heisst es. Es gibt zum Beispiol in Warschau keinen Rabbiner, der die Juden Zusammenhalten könnte. Jedoch wurde nunmehr beschlossen, ein Gedenkhaus mit jüdischem Kulturzentrum und als Sitz der jüdischen Organisationen zu schaffen, wo auch das Jüdische Theater untergetraeht werden soll. Die katholische Kirche wird zusehends wieder stärker. und ihr Angriff gilt insbesondere den jüdischen Kommunisten, von denen eine Anzahl im Kriege in Moskau war und dort ideologisch ausgebildet wurde- Dazu kommt, dass eine Anzahl polnischer Kommunisten, darunter Ministerpräsident Gcmulka, jüdische Frauen geheiratet habengegen deren Einfluss sich eine Opposition zeigt. Es ist auch zu bemerken, dass der Prozess der Libv ahsieru-'g in Polen kaum Fortschritte Ano XXVI. — N° 2113 — 15 , macht, wofür gleichfalls wieder jüdischen Kommunisten die Schuld gegeben wird Sowohl in den Kreisen der jüdischen Kulturunion als auch in den Regierungskreisen, die den Juden freundlich gesinnt sind, hört man pessimistische Bemerkungen. Der Bau des K ilturhau^es ist eine letzte Anstrengung zur Sammlung der jüdischen Kräfte. Man will an dieser Aufgabe arbeiten, solange es noch ei was zu tun gibt Wie lange das gehen wird, kann heute niemand sagen. Artigas Preis Montevideo. — Den diesjährigen Preis „Artigas und Menschenrechte“ in Höhe von 10.000 Piv-os spiach die vom Israe isehen Zenti fUcomife ernannte Jury Herrn Carlos Zubiliaga Barbera zu. i (ITA) OTRO SERVICIO WAS..* BANCO COMERCIAL de BUENOS AIRES El Banco que siempre olrece algo mas! SS Aceptamos ORDENES OE PAGO de CAPITAL FEDERAL Sin Comisión Acreditamos en 72 hs. BANCO COMERCIAL de BUENOS AIRES Casi Oenlra COWKIFNTFS AY.ii Agencia ISM ) Avfla SAN MARTIN 1.951 S. A. I. c. F. fil PORRERIAS PARA LA CONFECCION DE PRENDAS DE VESTIR Av. DEL CAMPO 1570 BUENOS AMES ADMINISTRACION . . t T. E. 52-8866 CONTADURIA.: T. E. 52-7425 VENTAS y EXPEDICION; T. E. 51-8454 COOPERATIVA DE CREDITO Ltda. (E.F.) 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