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Jüdische Wochenschau · 1965-03-26 · 2109 (26.3.1965) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2109 (26.3.1965)
Date
1965-03-26
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Vfarne«, 3« de Mono de 1965 LA SEMANA ISRAELITA A fie XXVI. _ N* im Bitte etwas Erfreuliches (Schluss von Seite 1) Nur erneut können wir alle Juden, wo sie sich auch befinden, dazu aullordern, jene moralische und seelische Kralt auf zm bringen und den Mut zu entfalten, der Wahrheit ins Angesicht zu blikken. Diese Forderung, so oft ausgesprochen und begrün, det, klingt schon beinahe banal. Sie wird deswegen nicht weniger dringlich und wichtig- Gewiss ist es einfacher, schöner, beruhigender, sich frohen Erwart ungen hinzugeben, statt die Bitternis der Realität zu begreifen und sich nicht allein hiervon Rechenschaft abzugeben, sondern Folgerungen zu ziehen. Manche Menschen lassen sich treiben. Sie entschlie. ssen sich nicht gern. Sie m iissen gestossen werden. Aber selbst diejenigen, die im leben Initiative, .Ellenbogen', Entschlossenheit und Draufgängertum bewiesen haben oder beweisen, werden unschlüssig, wenn es um ih re jüdische Existenz geht. Immer wieder sagen sie — selbst gegen ihre eigene Erfahrung und Ueberzeugung: Es wird nicht so schlimm werden, die Lage wird sich bessern, es wird nichts so heiss gegessen, wie es ge kocht wird, und wie solche Redensarten lauten mögen, die man zur Selbstberuhigung und Selbsttäuschung immer anzuwenden bereit ist. Man sollte meinen, dass wir auf eine gewisse“ historische Erfahrung zuriickblikken können. Das, was damals mit uns geschah, vor etwa drei Jahrzehnten, hat doch wohl niemand vergessen, der dabei war. Oder sind jene „Rückwanderer“, jene Para, siten, die in Berlin und anderswo die Entschädigungsiimter .verstopfen“ und durch ihre Haltung sicher ungewollt verhindern, dass die anständigen Berechtigten im Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 I* izq, nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Ausland auf ihre Rechte warten müssen, sind diese Leute wirklich die Repräsentanten unserer Generation, oder sind sie eben nicht anders als jener Flugsand, den es immer und besonders in so aufgewühlten Zeiten gegeben hat wie den uusrigen- Leider werden solche Erscheinungen allen Juden angekreidet. Aber seht sie Euch an. warum sie aus ihren Ländern, in die sie sich einst flüchteten. wieder verschwunden sind, mit wem die Herren, die ihre Frauen zurückliessen, heute leben und was sie alles treiben, was uns allen ebenfalls wieder eines Tages auf unser Gerr.einschaftskonto gebucht werden wird. Niemand spricht das öffentlich aus, aber alle reden darüber, die ,von drüben kommen“. Es ist eine geplante Innenpolitik erforderlich. Wir sollten einen Versuch unternehmen, diese unerfreulichen Erscheinungen zu eliminieren. Wie das im einzelnen zu geschehen hat. das müssen die für unser Leben verantwortlichen Instanzen zu klären bemüht sein. Unsere Pflicht ist, auf solche negativen Tatsachen aufmerksam zu machen und deren Beseitigung zu fordern. Hier offenbart sich die Schwäche der auf Freiwilligkeit ruhenden Gemeinschaft. Wir haben keine Möglichkeit, einen Juden zu registrieren- Wendet er sich an eine Gemeinde oder sonstige Organisation, so kennen wir ihn. so kann er zur Pflichterfüllung angehalten werden. Die Gemeinschaft kann ihm religiöse und kulturelle Werte bieten, seine Kinder erziehen, Trauungen und Beerdigungen vornehmen, Einflüsse nehmen, um nur einige der Funktionen und Wechselwirkungen zwischen Gemeinschaft und Individuum hier zu nennen. Meldet er sich nicht bei uns, haben wir überhaupt keinen Einfluss. Wir kennen ihn einfach nicht. Wenn er unseren Aufforderungen zur jüdischen Gemeinschaft nicht Folge leistet, können wir auch nichts machen. Aber uns werden auch diejenigen zur Last gelegt — und gerade diejeni gen — die von uns nichts wissen wollen! Eis wäre an der Zeit, dass ncht nur der einzelne Jude die Möglichkeit besitzt, aus einer Gemeinde auszutreten, sondern dass wir auch als Gesamtheit die Chance bekommen, uns von solchen Menschen-zu distanzieren. — Das ist die eine Seite dieses Problems. Die andere besteht darin, dass selbst un ter unseren wertvollen Menschen viele dazu neigen, sich in Iliasionen zu wiegen und leeren Traumbildern zu folgen. Unsere eigenen Erlebnisse sollten zumindestens als Warnung in uns weiterleben: nie mehr dürfen wir auf die Selbsttäuschung eingehen, dass hier nicht geschehen könne, was drüben geschah. Früher sagte man das ist in Polen möglich, aber nicht in Deutschland Dann erklärten die Juden in Fiankreich. Holland. Belgien, Norwegen, Italien usw., das kann man in Deutschland machen, aber nicht bei uns! Mit Juden kann man im. mer und überall machen, was die Majorität will. Man kann ungestraft Bomben auf jüdische Schulen werfen, spielende Kinder beschiessen, Drohungen ausstossen, verleumden. beleidigen. Rechte geben und nehmen. An diesem ehernen Gesetz unserer Geschichte hat sich nichts geändert: Galut bleibt Galut. selbst wenn es Epochen gibt, in denen Juden volle Rechte gemessen. Auch Nord amerika ist Galut, mit seinen Verboten, wo Juden wohnen dürfen und wo nicht, und mit vielen ungeschriebenen, aber wirkenden Geset zen, durch welche die Gleichberechtigung in der Praxis eine Brüchigkeit auch dann auf weist, wenn die Juden es selbst leugnen. Denn das gerade ist und war unsere Blindheit: die harte, dia unangenehme Wirklichkeit nicht zu sehen, sondern zu übersehen... Wie oft hat man die leider heute nur noch überflüssige Frage gestellt, was geworden; wäre, wenn die deutschen Ju- 1 den rechtzeitig die Wirklich- ' keit erkannt und die Folge- { rungen gezogen hätten. Was! wäre gewesen, wenn sie I rechtzeitig die erforderlichen | Mittel für produktive iüdisehe Zwecke, vor allem in! Erez Israel, gegeben haben! würden- Man muss schon 1 .ein „konjunktivistischesPlus.; quamperfekt“ bemühen, um j diesen hypothetischen Fall zu rekonstruieren. Soll sich jenes schreckliche Versagen noch einmal wiederholen, durch das nicht nur blühende Leben, die hätten gerettet werden können, und ungeheure Vermögen vernichtet worden sind. Frevelhaft handelt eine Zeitung, die in Kenntnis und Wissen der verschiedenen Wirklichkeiten nicht warnend vor ihre Leser tritt und ' mit dem erforderlichen Ernst ' berichtet, ohne nach der ei-! nen oder anderen Seite zu | übertreiben, ohne überfliissi- : ge Panikstimmung zu verur. : Sachen und ohne Menschen! oder Gruppen in falscher Sii cherheit zu wiegen. Die Kunst der Zeitung, die Kunst I der Berichterstattung besteht eben darin, so treu wiie möglich die Wirklichkeiten un- I seres Lebens, unseres Schick. . sals und unserer Existenz als Juden nachzuzeichnen. Si- Ml WIEDER NAZIVERBRECHEN Genf. — Die Frage der Bestrafung der Kriegsverbrecher und derjeni gen, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, wurde in die Tagesordnung der Kommission für Menschenrechte aufgenommen, die ihre Arbeit in Genf begonnen hat. Der von der polnischen Dele. gation eingeriechte Antrag fand einstimmige Annahme. ..Es ist notwendig. Massnahmen zu ergreifen, da mit die von den Nazis ver. übten Verbrechen sich nie wieder in der Ge schichte wiederholen können“, erklärte der sowjetische Delegierte Massinowsky. eher gibt es niemals Objektivität in Fragen, die uns selbst betreffen. Wir müssen interessiert an unserem Erleben und an unserer Zukunft sein, also werden unsere Urteile immer eine subjektive und persönliche Färbung tragen. Wer könnte gleichgültig oder unberührt bleiben, wenn es um sein Dasein oder um die Zukunft seiner Kinder geht? Gewiss gibt es hunderte Erfreulichkeiten im jüdischen Leben. Sehen Sie sich die Kinder in Israel an, beobachten Sie den Aufbau des Landes, den Fortschritt, die wirtschaftliche Entwicklung. Nehmen sie Anteil an der Arbeit und an der Arbeit unseres jüdischen Lebens in allen lateinamerikanischen Ländern- Helfen Sie helfen, helfen Sie bauen, helfen Sie eine besse re Zukunft bereiten. Aber verkenne niemand die Härten, die Schwierigkeiten und die Gefahren unserer Gegenwart. Man darf auch nicht vergessen, dass eine Zeitung in 90 Prozent aller Fälle über Probleme, Ungewöhnlichkeiten, Anormalitäten, Verbre chen und Unglücksfälle berichtet. Weder schreiben Zeitungen von den Menschen, die sich im allgemeinen anständig benehmen noch von denen, die glücklich nach Hause kommen. Aber die Verbrechen werden ausführlich geschildert, über Flugzeugabstürze und politische Zwischenfälle berichtet. Aegypten füllt die Spalten aller Zeitungen, über Schweden oder Holland hört man selten, nicht etwa weil dort nur Engel leben, sondern weil diese Völker sich nicht in internationale Konflikte hineinstürzen. — Seufzend sagt mein Freund, der Mich etwas Erfreuliches lesen will dann ist es eben sehr schwer, ein Jude zu sein. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Zu diesem Thema habe ich vor kurzem Ausfüh- | rungen gelesen, die mir so gutgefielen, dass sie hier wiedergegeben seien. Der bedeutende. zeitgenössische Schriftsteller Hermann Kesten hat ein Vorwort zu dem im Joseph Melzer Verlag neu herausgegebenen Buch von Fritz Heymann „Der Chevalier von Geldern“ geschrie ben. in dem er gerade zu diej ser Frage Stellung nimmt. Kesten schreibt u. a-: „Die Juden haben aus ih. { rem Unglück ihr Glück gemacht. Die universale Verfol- , gung führte zu ihrer Retj tung. Unter alle Völker ver- I streut, überlebten sie fast al-! le Völker. | .Aus ihren Leiden mach. I ten sie ihre Tugenden... Das I flüchtigste Element des Men. I sehen, der Atem, macht die; Juden dauern, der Atem, der Wort wird, der Atem Gottes, ‘ der Geist wird. Mit einem I einzigen Buch zogen sie in die Welt, und auch das Buch dauert noch.“ — „Eis ist ein Glück, ein Jude zu sein- Sonst wäre es ja auch unbegreiflich, dass so viele Juden durch die Jahr tausende Juden geblieben | sind und es immer noch blei-! ben.“ — j Kesten hat Recht. Es ist ein Glück, eine Gnade Gottes. ein Jude zu sein. Wir i wissen, dass wir die Träger eines grossen Vermächtnis. U SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee* los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Lida. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 I» ízq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährL Nazi verurteilt “Wien. — Der gewesene Leutnant der SS. Erich Rajakovitch, der beschuldigt wurde, direkt für die Deportation holländischer Juden und ihrer Vergasung in Auschwitz verantwortlich gewesen zu sein, wurde vom Wiener Landesgericht zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. (ITA) ses sind, wenn wir es auch manchesmal vergessen vermögen. Lieber Freund, Du brauchst nicht traurig zu sein. „ES ist ein Glück, ein Jude zu sein, obwohl es so aussieht, als wäre es ein Unglück“. — Judesein als Glück zu erleben. das ist die Botschaft, die sich diese Zeitung auch dann und dort gestellt hat, wc es sei aussieht, als wäre es ein Unglück. — ENFERMEDADES DE LOS HUESOS y ARTICULACIONES — RADIOGRAFIAS Prof. Dr. BLUMENFELD Pro#, de ia Facult-id, Jefe del servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita. Trasladó su consultorio a J. E. URIBURU 285 T. E. 47 5875 — 41 2331 y 41 2240 RR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und mverbindlicb beim Kauf oder Verkauf von GESCHAFFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREV DEL PINO 2262 T. 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