Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2108 (19.3.1965)
- Date
- 1965-03-19
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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VierwR, 19 d« Marzo de 1965 LA S1MANA ISRAELITA Año XXVI. — N’ 2108 Ereignisse der Woche Der Mann im Koffer Vor einigen Monaten entdeckten italienische Zollbeamte einen Mann im ägyptischen Diplomatengepäck in Rom. Es stellte sich heraus, dass die Aegypter einen israelischen Spitzel beschäftigten, der im Koffer als Diplomatengepäck nach Kairo ge bracht werden sollte, um dort wahrscheinlich für immer zu verschwinden. Jetzt sitzt dieser Mann in einem israelischen Gefängnis. Als die italienischen Beamten bemerkten, dass irgendetwas mit dem geheimnisvol. len ägyptischen Koffer nicht in Ordnung sei, und Rechenschaft verlangten, flüchteten die ägyptischen Diplomaten und konnten erst nach abenteuerlicher Verfolgung festgenommen werden Der präparierte Koffer wurde beschlagnahmt. Die beiden in die Affäre verwickelten Aegypter mussten das Land verlassen. Alles andere blieb beim alten. Die ägyptisch-italienischen Beziehungen wurden nicht getrübt, obwohl alle Anzeichen darauf schliessen lassen, dass der Koffer mit all seiner In. nen-Einrichtung bereits wiederholt benutzt worden ist. Einzelheiten kann man sich ersparen. Die meisten werden sich allein daran erinnern. Im übrigen haben wir bereits wieder eine Koffer-Affäre, die allgemeine Aufmerksamgeit hervorgerufen hat. Vor kurzem meldeten die Zeitungen von einem geheimnisvollen Fund in Uruguay. Ein Koffer, in dem sich eine Leiche befand, wurde im Wald bei Carrasco aufgefunden. Die Meldungen waren durchaus nicht klar, denn es blieb offen, ob nicht dieser Fund an einer anderen Stel le, im Keller eines Hasses oder sonstwo gemacht worden sei. Zunächst hiess es. der Unbekannte sei erdrosselt, dann er sei erschossen worden, schliesslich gibt es noch eine weitere Version: der Mann sei mit einem Hammer erschlagen worden, weil er sich heftig zur Wehr gesetzt habe. Die Einschüsse im Koffer müssten erst ge macht worden sein, nachdem der Mann tot war, hiess es. Ein Kriegsverbrecher? Der Mann im Koffer beschäftigte die Polizei, zunächst in Uruguay. War das einer der vielen, man darf sagen, alltäglichen Morde, die meist aufgeklärt werden, oder war hier ein besonders mysteriöser Fall. Man wusste es nicht. Schliesslich wurde behauptet, der Mann im Koffer sei ein Lette, ein Ingenieur, der in Brasilien lebt und von dort nach Montevi- ' deo und später Carrasco ge- | bracht wTorden ist, weil er ein Kriegsverbrecher wäre und im Verdacht stünde, un- | gezählte Tausende von Juden; in der Verfolgungszeit ermordet zu haben. Man . sprach ebenso von Zehntausenden und dann wieder von Hunderttausenden, als ob j dies garnichts bedeute, denn | schliesslich welchen Wert hat schon jüdisches Leben? j Wer hat übrigens damals | geschrieben oder dagegen 1 protestiert, dass Tausende, Zehntausende, Hunderttau. i sende, Millionen Juden eri mordet worden sind? Die Zeitungen in Argentinien, Uruguay, Lateinamerika oder | sonstwo in der Welt haben davon nichts gewusst? Wer wagt es noch, solche Behauptungen heute in die Welt hineinzulügen? j Die Diplomaten vieler laj teinamerikanischer Länder I haben mit den Diplomaten der Regierung des Dritten j Reiches, die doch nicht erst i nach dem Krieg, sondern; längst vorher, alseine Bande . von Mördern entlarvt worden waren, verhandelt. Erst | kürzlich haben die Nordamerikaner hierüber interessantes Material veröffentlicht, worüber auch u. a. La Prensa ausführlich berichtet hat. Jetzt wird also behauptet, der Mann im Koffer sei ein Lette namens Herbert Cukurs also ein Deutsch-Lette, ISRAEL - BRiKFMAKK.EIN KU WIEDERVERKAEUFER - ALLE NEUAUP«A- BEH ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial del Estado de Israel. VLAMONTE 550 I/B — Buenos Airee. Rep Argentina Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 50/51: RUM LR GODDEN: Immer und einen lag, Roman. Nr. 52/53' ARNOLD ZWEIG: Erziehung vor Verdun. Roman. Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten Essays — Nr. 55: JOYCE CARY' Spiel ohne Ehre, Roman. Nr. 56: FRIEDRICH SCHILLER: Pitaval. Merkwürdi ge Rechtsfäll.e Nr. 57/58/59: GERALD REITUNGER: Ausrottung der Juden Europas 1939—1945. Nr. 60: MARQUIS De SADE: Die Kastanienblüte und andere Erzählungen, BRIEFE DER WELTLITERATUR AUS DEM TRECENTO DANTE — PETRARCA — BOCCACCIO Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch edle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München gewesen, der als SS-Offizier (?) schreckliche Verbrechen auf dem Gewissen habe. Es war die „jüdische Rache-Justiz“, die diesen Kriegsverbrecher liquidiert habe. Geheime Organisation Alle in diesem Zusammenhang aufgestellten Behauptungen verursachen einen schlechten Geschmack, denn sie tragen den Stempel der Unwirklichkeit an sich. Vielleicht hat dem Cukurs tatsächlich der Boden unter den Füssen gebrannt; wir wissen es nicht. Vielleicht ist er wirklich der Verbrechen schuldig, die man ihm zur Last legt. Warum hat er sich nicht gestellt? Das war zu gefährlich. Nicht alle finden in Deutschland so milde Richter wie Hunsche. Die Geschichte war schnell kombiniert: eine jüdische Rache-Organisation hat den Cukurs erledigt. Ein israelisches Schiff, das ausserhalb der uruguayischen Territorialgewässer ankerte, ä la Fliegender Holländer, sollte den Mann aufnehmen. Warum geschah das eigentlich nicht. Die uruguayische Polizei hat doch die Deiche erst gefunden, als sie Nachrichten aus Bonn (?) erhielt, dass dort und dort der tote C. liegen solle. Und diese mysteriösen Briefe aus Bonn. Was soll das alles bedeuten? Die ganze Geschichte mit dem Schiff, das ausserhalb der Territorialgewässer lauerst, ist unwahrscheinlich. Aus welchem Grunde sollte das Schiff nicht in den Hafen kommen? Und wenn es draussen blieb, warum brachte man nicht den Mann im Koffer aufs Schiff? Aus welchen Gründen hat man ihn im Wald verscharrt oder versteckt und über Bonn Nachrichten gegeben? Warum haben die Täter selbst die Spuren des Cukurs gezeigt? Sie hätten es doch so bequem gehabt. den Mann mit dem Fliegenden Holländer verschwinden zu lassen. Auch dieser Hinweis zeigt, dass hier nicht die Karten aufgedeckt werden oder der Versuch gemacht wird, die wirklichen Hintermänner zu schonen. Dann kommen die sich widersprechenden Versionen über die Mitwir rung zweier Parfüm verkaufender Franzosen, die in San Salvador gefasst wurden. Warum gingen sie dorthin, wenn sie im Dienste einer jüdischen Geheimorganisation gestanden hätten? Schliesslich erscheint noch ein verdächtiger, aber flüchtiger Deutscher in Brasilien, ein Nazi, der verschwunden ist. Flüchtende und sich versteckende Nazis gibt es viele und nicht nur in Brasilien. Stand der Gesuchte auch im jüdischen Sold?... Beweist nicht diese wild um sich schlagende Suchaktion klar, dass die ganze Affäre ein Streit zwischen rivalisierenden Nazifaschisten ist? Die uruguayische Polizei glaubte zuerst selbst nicht, dass diese angeblichen Bonner Nachrichten zutreffen. Wir kennen diesen eifrigen Kommissar nicht, der offensichtlich allzu schnell und gern-gläubig auf die Ge schichte mit der jüdischen Geheim.Organisation eingegangen ist. Dass es eine solche Organisation nicht gibt, ist sicher. Wozu auch? Ausgerechnet der Cukurs sollte das erste Opfer sein? E^ gibt doch z. B. in Chile einen SS- Offizier-Feigling, der sich hinter Auslieferungsparagraphen verbarg und sich nicht den deutschen Behörden stellte, obwohl er beteuerte, er sei unschuldig. Feine Leute sind das, diese ehemaligen Mörder. Und sie finden im mer noch Helfershelfer, nicht nur in den eigenen Reihen. Wer ist die Spinne? Es gibt Geheimorganisationen, und nicht wenige. Aber von einer solchen Geheimorganisation, die Kriegsverbrecher hinrichten soll, ist nichts bekannt. Aber würde es eine solche Organisation wirklich geben, dann würden nicht überall noch immer so viele Kriegsverbrecher ihr Unwesen treiben oder in Ruhe leben. Von der „Spinne“ haben die zuständigen Stellen, die jetzt die Existenz jüdischer Rache-Organisatio. nen behaupten, nichts ge. hört. Sicherlich nicht. Aber die Spinne spinnt ihre Netze über alle Länder, verschiebt gefährdete Kriegsverbrecher, entzieht sie der Justiz und gibt ihnen alles, von Geld, sogar viel Geld, angefangen bis zu falschen Pässen Wie weit Mitglieder der „Spinne“ auch in den Immigrationsbehörden sitzen, wissen wir nicht. Aber die kroatischen Verbrecher haben besonders gute Beziehungen Dass es keine solche jüdische Organisation gibt, kann man unschwer aus den ungelenken, ein wenig kindlichen Behauptungen der übertüchtigen uruguayischen Polizeibeamten ersehen. Da wird der Name eines Israelis genannt, der in Argentinien und Uruguay wirklich gewesen ist. Dass dieser Mann kein Diplomat war. steht fest. Aber wenn er eine solche „Mordmission“ gehabt haben würde, hätte er einen Pass mit seinem richtigen Namen benutzt? Was es doch gerade die Spinne, die gezeigt hat, wie man ,so ‘was macht“. Solche Leute reisen nicht unter ihrem Namen. Auch die anderen angeblichen Täter haben wahrscheinlich mit dieser Affäre garnichts zu tun. Alles ist noch ungeklärt. Warum aber behaupten die uruguayischen Polizisten etwas, was sie nicht beweisen können. Warum mussten sie nach Brasilien fahren? Ein plumpes Manoever Dieer Fall wird im Laufe der Untersuchungen immer verworrener. Die unfundierten Behauptungen, die zur Aufklärung dienen sollten, trugen zur Erhöhung der Unklarheiten bei. Zunächst bestehen begründete Zweifel an der Identität des Ermordeten. Ist das wirklich Cukurs, oder wurde da ein anderer liquidiert, um den Cukurs zu decken, der ja nun tot wäre und also unbehelligt weiterleben kann. Heute ist es LUACH — (KALENDER) Freitag, den 19. Miiirz 15. Adar II Sshoschan-Purirp Sonnabend, den 20. März 16. Ada- IT Parsehat ZAW 3. B. M. VI 1 — VIII 36 Haftara Yirmeyahu VII 21 — VIII 3, IX 22—23 Sonntag, den 21. März 17. Adai II Montag, den 22 Mlärz 18- Adar II Dienstag, den 23 März 19. Adar II Mittwoch, den 24. März 20. Adar II Donnerstag, den 26. März 21. Adar II Freitag, den 26 März 22- Adar II Sonnabend, den 27- März 23. Adar II Schabbat SCHM3NI 3- B. M. IX 1 _ XI 47 Haftara Vecheske’el XXXVI 16—38 Parschat PARA ADUMA 4. B. M- XIX 1—22 Neumondankündigung NISSAN Sonntag, den 28 März 24. Adar II doch nicht schwer, sein Gesicht durch einen kleinen chirurgischen Eingriff zu ändern. Mit Sicherheit hat Bormann das 'machen lassen, man weiss nicht genau wo, vielleicht in einem bekannten Hospital dieser Stadt? Es gibt auch noch andere Anhaltspunkte, dass der Ermordete garnicht Cukurs war. Die Reise der Frau und des Sohnes nach Montveideo liegt im Dunkeln. Wozu fuhren die uruguayischen Poli. zisten nach San Paolo? Gibt es dort keine Polizei? Auch ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass entweder Cukurs das Opfer von Erpressern aus den eigenen Reihen geworden ist oder selbst jemanden erpresst hat. Schliesslich hat doch seine nächste Umgebung, haben doch seine SS- Freunde alle gewusst, dass er ein Kriegsverbrecher ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Mitwisser sich sein Schweigen bezahlen liess. Ungeklärt ist, aus welchen Gründen Cukurs nach Montevideo oder gar nach Ca rrasco kam, um sich dort ermorden zu lassen. Warum haben die Täter nicht den leichteren Weg gewählt und das in San Paolo oder in der Hafenstadt Santos erledigt? Die Polizei behauptet, das Opfer habe sich heftig gewehrt. Blutspuren deuten darauf hin, etc. Unterstellen wir einmal, das sei richtig. Wenn ein Rachekommando einer Geheimorganisation zu Werke geht, wird es sich nicht auf ein Handgemenge einlassen. Die Tat vollzieht auch gewiss nicht ein einzelner. Wo waren die fünf Leute, von denen die montevideaner Polizei behauptet, sie seien im Komplott. ESne Mordorganisation läuft kein Risiko. Ausserdem verfügt sie bestimmt über Mittel, um einen sich Wehrenden sofort ausser Gefecht zu setzen. Solche Geschichten, der Mann habe sich heftig gewehrt. sind unglaubwürdig, wenn man von einem politischen Mord durch eine Orga. nisation snricht. Entweder behauptet man den politischen Mord oder man erzählt vom Widerstand (Fortsetzung der Ereignisse auf Seite 5) Zum 80. GEBURTSTAG unserer lieben Mutter und Oma, Frau ELLA KRAMER geh. WIND gratulieren herzlichst HELMUT und TOMMY KRAMER Empfang: Sonnabend, 20. Maerz, von 17 bis 20 Uhr Confitería Niza, Echeverría 3294. WALTER BOEHME dankt herzlichst für alle Ehrungen und freundschaftliches Gedenken zum 75. GEBURTSTAGE. (z. Zt. auf Erholung) Für die Glückwünsche und überaus zahlreich erwiesenen Aufmerksamkeiten, anlässlich meines 90. GEBURTSTAGES danke ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, im besonderen der Nueva Comunidad Israpbtty*~M herzlich. ANNY MEIER. peb. LEVI Im Rahmen des Freitagabend-Gottesdienstes am 26. März, um 20.30 Uhr findet in der ACIBA, Araoz 2854, die feierliche EINSEGNUNG UNSERER ELTERN ANTON und SID0NIE SCHWARZ anlässlich ihrer DIAMANTENEN HOCHZEIT statt; wir würden uns freuen, unsere Freunde und alle ACJBA-MitgUeder bei dieser Feier begrüssen zu können. BERNARDO SCHWARCZ und Familie Empfang. Samstag, den 27. März, von 17 bis 20 Uhr Estomba 2283 ZUM AUFBEWAHREN WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE IM JAHRE 5725? Fasten Elster Purim Schuschan Purim Schabbat Hagadol Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag iPessach 7. Tag Pessach 8 Tag Pessach Gedenken am den Aufstand im Warschauer Ghetto 27. Nissan) Yom Haatzma’ut Lag Be Omer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot 2. Tag Schawuot Mittwoch, den 17. März Donnerstag, den 18 März Freitag, den 19. März Sonnabend, den 10. April Freitag, den 16. April Sonnabend, den 17. Apn. Sonntag, den 18. April Freitag, den 23. April Sonnabend, den 24. April Donnerstag, den 29. April Freitag, den 7. Mai Donnerstag, den 20. Mai Sonnabend, den 5. Juni Sonntag, den 6. Juni Montag, den 7. Juni