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Jüdische Wochenschau · 1965-03-12 · 2107 (12.3.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2107 (12.3.1965)
Date
1965-03-12
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes. 12 de Mar*« de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Añ» XXVI. — N» 2107 — 3 iPt>r Sha tat tal iií:: Híobhe MOMENT MAL, WIRD DA ETWA GELACHT? Moment mal, wird da etwa gelacht? Ich möchte mir doch wirklich äusserste Ruhe ausbitten...!“ Die Stimme des Vorsitzenden im Düsseldorfer Treblinka-Pro. aess klang gereizt- Unwillig blickte er hinüber zu den Zuschauerbänken im dichtbesetzten Schwurgerichtssaal Eine Antwort auf seine Frage ward ihm zwar nicht zuteil, doch seine unmissverständliche Mahnung genügte vollauf, um augenblicklich das spontane und unerwünschte Gelächter verstummen zu lassen. Die gerügten Lacher rutschten tiefer in ihre Bänke, machten sich klein, suchten Deckung hinter den Rücken ihrer Vordermänner, bemühten sich geflissentlich, wieder ernste Mienen zur Schau zu stellen. Mit der Würde eines deutschen Gerichts, so wussten sie, liess sich nicht spassen. Auch war der Prozessgegenstand — das war ihnen eben, falls klar — eigentlich verdammt zu blutig, verdammt zu ernst, um selbst das harmloseste Lächeln rechtfertigen Zu können. Aber dennoch... Und weiter ging die Zeu genvernehmung des Herrn Dr jur- Hans Globke; jenes Mannes also, der unter Hitler im Range eines Ministerialrats als Koreferent für Judenfagen im Reichsinnenministerium amtiert hatte, und der es dessenungeachtet unter Adenauers Aegide prompt bis zum obersten Beamten der Bundesrepublik brachte, bis zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Doch was der Herr Dr. Hans Globke als Zeuge der Vertein HASSO ZIEGLER MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Gesch&i te mit der grösste» Auswahl. SARMENTO 1147 T. E. 35 - 7633 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung digung dem Düsseldorfer Schwurgericht zu erzählen wusste, trug zwar ungemein viel zur Erheiterung der Anwesenden bei, gewährte auch einen aufschlussreichen Einblick in Charakter und Mentalität eines hohen Beamten seines Typs, hatte im übrigen aber mit dem gestellten Beweisthema beklagenswert wenig zu tun- Auf die Frage, ob SS Angehörige Möglichkeiten ge¬ .Moment... wo ist er?... ah, hier... ja, richtig, das ist er... in der ,Welt‘ vom ... also der hat auch ...“ — und wieder wartete der Herr Dr. Hans Globke nicht mit ihm bekannten Tatsachen auf, sondern setzte abermals an, mit bemerkenswertem Eifer einen Artikel zu verlesen. Doch Landgerichtsdirektor Rudolf Gottlebe machte es kurz: „Danke, ich glaube wirklich nicht, dass es nötig Denkmal für die Nazi-Opfer Netv York. — Bürgermeister Wagner gab den 34 jüdischen Organisationen die Versicherung, dass die Stadt dem Monument zum Gedenken an die 6 Millionen ermordeten Juden einen besonders geeigneten Platz geben wird- Wagner erklärte, dass er persönlich längst schon die Errichtung eines solchen Mahnmals wünsche, das „uns alle daran erinnern soll, dass wir uns mit unserer Indifferenz mitschuldig machten, und uns gleichzeitig davor warne, in Zukunft die Wiederholung solcher Ungeheuerlichkeit zu dulden.“ Die Erklärung des Bürgermeisters löste bei den jüdischen Organisationsleitern grosse Befriedigung aus- Dr. Joachim Prinz, Präsident des nordamerikanischen Weltkongresses, lobte die Initiative Wagners, in New York, der Stadt mit der grössten jüdischen Bevölke. rung der Welt, ein solches Monument zu errichten. — (ITA) habt hätten, sich der Teilnahme an den Judenvernichtungen zu entziehen, meinte der Herr Dr. Hans Globke, diese Möglichkeiten hätten sicherlich nicht bestanden. Daraufhin aufgefordert, die Gründe für seine Meinung zu nennen und sie mit konkreten Tatsachen und Beispielen zu belegen, zuckte der Herr Dr- Hans Globke zunächst ratlos die Schultern, zupfte betulich am Rockaufschlag seines dunklen Anzugs, schlug dann aber — einer plötzlichen Eingebung folgend — seine lederne Aktenmappe auf und begann zur allgemeinen Verwunderung mit monotoner Stimme einen Artikel aus der Bonner Rundschau vom 27. 2. 1963 zu verlesen. Diesem Artikel zufolge habe es seinerzeit in Holland einen deutschen Soldaten namens Richard Paul Gröger gegeben, der sich geweigert hätte, an einer Exekution teilzunehmen; er sei daraufhin erschossen worden. Jawohl, so sei das seinerzeit gewesen! Und dann habe es seinerzeit einen Deutschen gegeben Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN tti ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN "TJER JEDES GEMUETLICHE HEIM. 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Nun ja, doch, doch, es sei schon richtig, antwortete der Herr Dr- Hans Globke, er habe „gewisse Aufgaben“ auf dem Gebiet der Nürnberger Gesetze gehabt, das stimme, das sei nicht abzustreiten, aber es habe sich dabei eigentlich doch nur uni die „Randgebiete“ gehandelt, um mehr doch nicht, und von der „Endlösung“ im Sinne der physischen Ausrottung des Judentums habe er damals nie etwas gehört, nein, kein Sterbenswörtchen, erst nach dem Krieg, jawohl, in Nürnberg war es wohl- Aktion Reinhard? Tarnname für die systematische Vergasung der Juden in Polen? „Völlig unbekannt! Meines Wissens nach höre ich heute hier das erstemal davon!" Moment mal, wird da etwa gelacht? * Natürlich, so räumte der Herr Dr- Hans Globke ein, habe er seinerzeit hin und wieder gehört, dass man Juden umbringe, oh ja, dessen erinnere er sich. „Ich hörte davon jedoch nicht dienstlich, sondern nur privat... Ich dachte auch stets, sie würden erschossen!“ Ja, Fronturlauber hätten ihm dies vertraulich mitgeteilt, und dann sei natürlich auch auf den exklusiven sogenannten Donnerstag-Tagungen Berliner Ministerialbeamter darüber gesprochen worden. In diesem erlauchten Kreis sei man damals der Ansicht gewesen, dass es für die beteiligten S©-Män. Denkmal umgestürzt Berlin- — Ein Denkmal für Verfolgte des NS-Regimes vor der Mathäus-Kirche in Berlin. Steglitz ist von Unbekannten aus dem Sockel gerissen und umgestürzt worden. Das Denkmal war bereits im Oktober 1963 umgeworfen und mit Oe 1 färbe beschmiert worden. Die Täter konnten damals nicht gefasst werden. ner eine „unerträgliche Zumutung“ sein müsse, ja, und sicherlich sei die Mehrzahl von ihnen „innerlich dagegen“, gewesen, ganz bestimmt, kein Zweifel... Doch bevor der Herr Dr. Hans Globke noch nachträglich in Tränen aüsbrechen konnte über das Ungemach, das damals den armen SS- Leuten widerfuhr, wollte der Vorsitzende wissen, ob er, der Herr Dr. Hans Globke. je opponiert habe Es war eine direkte, eine gezielte Frage, eine Präge zudem, deren Beantwortung die zehn ehemaligen Wachmänner auf der Anklagebank — beschuldigt des Mordes und der Beihilfe zum Mord an 700 000 jüdischen Menschen im Vernichtungslager Treblinka bei Warschau — grosse Bedeutung beimassen. Mit durchaus gemischten Gefühlen nämlich betrachteten sie den Zeugen, den Herrn Dr. Hans Globke, die „graue Eminenz“ aus Bonn: Sie standen damals. zu Hitlers Zeiten, ganz unten in der Hierarchie, er hingegen ziemlich weit oben; sie waren simple Handwerker und landwirtschaftliche Arbeiter gewesen, er aber ein „Studierter“, er gehörte zu den „hohen Herren“ in Berlin, jenem Berlin, aus dem sie ihre Befehle empfingen! 22 Jahre später müssen sie sieh vor Gericht verantworten. er aber sitzt im Zeugenstand; und er ist nicht nur ein vornehmer Herr vom Scheitel bis zur Sohle, höflich, gescheit, gewandt, sondern vor allem auch ein freier Mann, ein geachteter Mann (in der Bundesrepu. blik jedenfalls), ein Mann mit Einfluss und Beziehungen. und — last not least — ein Mann, der dank seiner keineswegs kärglich bemessenen Pension heute ein sorgenfreies. beschauliches Leben führt- Und artig beantwortet der Herr Dr. Hans Globke die ihm gestellte Frage: „Sie müssen wissen... nachdem der eigentliche Judenreferent, Ministerialrat Lösener, bereits den damaligen Staatssekretär Dr- Stuckart von den Vorgängen unterrichtet LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«. Io izq. — T. E. 83-2613 12- März 1965 8. Adar II 5725 und um seine Versetzung zu einer anderen Dienststelle gebeten hatte, wäre es für mich sinnlos gewesen, noch mals in dieser Angelegenheit vorstellig zu werden. Ausserdem habe ich niemals dienstlich von diesen Dingen Kenntnis erhalten. Sie lagen ausserhalb meiner Zuständigkeit. ..“ Der Vorsitzende: „Mit anderen Worten, Sie hatten nichts unternommen?“ „Ja, das stimmt, ich habe nichts unternommen!“ „Aber Ministerialrat Lösener hatte opponiert?“ „Ja.“ ,,Und wurde daraufhin versetzt?“ „Ja.“ „Ohne Nachteile dadurch zu erleiden?“ „Ja.“ Dem Vorsitzenden genügte es- Ihm war alles klar- Er schien zu wissen, was er von dem Herrn Dr- Hans Globke und dessen Antworten zu halten hatte. Er stellte keine weiteren Fragen mehr. Nicht so die Verteidiger. Sie ergriffen die einmalige Gelegenheit und zwangen den Herrn Dr- Hans Globke vollends zum moralischen Offenbarungseid. Rechtsanwalt Hartwich: „War es nicht Ihre Pflicht, etwas zu unternehmen... oder hatten Sie Angst?“ „Ich kann nur sagen, dass ich es dienstlich nicht erfahren habe.. Rechtsanwalt Mallach: „Und was hätten Sie getan, wenn Sie dienstlich von diesen Dingen in Kenntnis gepetzt worden wären?“ ,,Dann hätte ich gesagt, der und der ist zuständig, gehen Sie doch zu dem!“ Moment mal, wird da et wa gelacht? * Und dann die leidige An gelegenheit mit dem berüchtigten Kommentar zu den 1935 erlassenen Reichsbürger- und Blutschutzgesetzen.! Ja ja, sicherlich, er habe diesen Kommentar verfasst, erklärte der Herr Dr Hans Globke, aber er habe ihn doch nicht in seiner dienstlichen Eigenschaft als Korreferent für Judenfragen geschrieben, sondern „mehr auf privater Basis“. Ursprünglich sei nämlich eine Arbeitsteilung geplant gewesen, aber dann habe der Herr Staatssekretär plötzlich krank daniedergelegen und er, Globke, habe die Bürde der ganzen Arbeit unversehens allein tragen müssen. Ja. so sei das gewesen — so und nicht anders! Und das Einführungskapitel? Der fatale Passus von der „akuten Gefahr des Judentums“? Halt, halt, dieses Kapitel habe ja nicht er geschrieben, nein, sondern der Staatssekretär, wandte der Herr Dr- Hans Globke ein- Formell sei er natürlich mitverantwortlich. das sei klar, aber innerlich habe er diesen Text nie gebilligt, nein, ganz bestimmt nicht, nie habe er sich zu eigen gemacht, was dort stehe- .,Aber ich habe mitgemacht, weil ja doch kein Mensch liest, was da so in diesen Einführungen steht.“ Moment mal, wird da etwa gelacht? Zur Pflege älterer Dame (nicht bettlägerig) für nachmittags in Belgrano, wird Fra« »dar Maedchen gesucht- Anzurufen 47- 5932 wochentags von 8 bis 12 und 14 bis 19 Uhr Gutgehende F1AMBRER1A IN FLORIDA, mit Wohnung, Telefon und Gas zu verkaufen. — T. 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