Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2103 (12.2.1965)
- Date
- 1965-02-12
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 12 de Febrero de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N* 2108 — 3 TATORT- Mit der westdeutschen Gerichtskommi ssion an Ort und Stelle Unter den bisher in der Bundesrepublik durchgeführten KZ-Prozessen nimmt der Auschwitz-Prozess vor dem Frankfurter Schwurgericht eine dominierende Stellung ein. Auschwitz war das grösste Vernichtungslager des Dritten Reiches und hatte die höchste Totenziffer zu verzeichnen. Nach den Feststei von KARL FEVER rieht entschloss sich dazu, eine Kommission zu entsenden, und stellte den fünf auf frei em Fuss befindlichen Angeklagten anheim, teilzuneh men. Doch nur einer, der Angeklagte Dr. Lucas, ehemaliger Lagerarzt von Ausehlungen des Internationalen i witz hatte den Mut dazu. Die Auschwitz-Oomités sind dort mindestens zwei aber wahrscheinlich vier Millionen Regierung der Volksrepublik Polen sicherte freies Geleit und jegliche- Unterstützung Menschen umgekommen. Von! zu. sod.ass sich am 12. Dezemden 405.000 registrierten her 1964 eine 23köpfige Grup Häftlingen überlebten ganze . Ve Amtsgerichtsrat Hot? 60.00. Von 13.000 sowjetischen Kriegsgefangenen in Auschwitz sind 97 am Leben geblieben. Millionen Juden aus allen Teilen Europas wurden überhaupt nicht registriert, sondern direkt in die Gaskammern „gefahren“. Auschwitz war der zentrale Punkt des weltgeschichtlichen Verbrechens der nazi stischen Judenermordung. 6.000—7.000 SB-Leute waren daran beteiligt.. Abgeurteilt davon sind bisher rund 400. Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt a. M. dauert nun schon über ein Jahr, und es ist noch kein Ende abzusehen. Im bisherigen Verlauf haben die 22 Angeklagten entweder geleugnet oder bagatellisiert oder sich an nichts mehr erinnern wollen. Zeugenaussagen von ehemaligen SS-Leuten lagen auf derselben Linie. Belastende Aussagen von Zeugen wurden entweder von den Angeklagten oder von ihren Verteidigern als nicht stichhaltig hingestellt. Das Gericht selbst hatte keinen eigenen Eindruck von der Stätte des grausamen Geschehens, sondern musste sich auf Zeugenaussagen, Pläne, Protokolle. Dokumente. Berichte und Bilder stützen. * Um so bedeutsamer war der Vorschlag des Nebenklägers. Rechtsanwalt Dr. Ormond. eine Tatortbesichtigung vorzu nehmen. Das Gesohienen. Sie hatten offenbar ihre Erfahrungen in Tat Ortbesichtigungen bei solchem Wetter. * In Auschwitz angekommen, nahm ein in mehrfacher Hinsicht aussergewöhnliches Ereignis seinen Lauf. Dank des Entgegenkommens der polnischen Regierung konnte eine westdeutsche Gerichtskommission in Polen, mit dem die Bundesrepublik nooh keine diplomatischen Beziehungen denn an ihrem Ende befanden sich zu beiden Seiten drei Gaskammern und die Krematorien für die Vergasten. Das Gericht nahm Ausmessungen vor und liess durch einen Beamten des Bundeskriminalamtes Aufnahmen machen- Die Journalisten mussten zunächst Zurückbleiben am Lagertor, um nicht zu stören Dann aber kennten sie die Tätigkeit der Kommission eingehend verfolgen. In vier Stunden Aufenthalt am ersten Tage bekamen die Teil- LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEVREDON 219«, P> izq. — T. E. 8S-2613 12. Februar 1965 1«. Adiar I 5725 v .J»* : Die Frankfurter Schwurgerichtsgruppe bei der Besichtigung der Beste des ehemaligen elektrisch geladenen Stacheldrahtzauns im Lager Birkenau. MOFBELHAUS WATERMANN Das Haas der 3 Geschaf te mit der grösste» Answahl. SARMIENTO (147 T. 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In der Nacht vorher hatte es leicht geregnet. Ein zelne der westdeutschen Prozessbeteiligten waren in Ski hosen und Bergschuhen, ja sogar in Gummistiefeln er. Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTTTPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN »TJER JEDES GEMUETLICHE HEIM. EigMM Fabrikation — Ua rorfeindlieke Vor führen« Auf Wunsch Zahlungserleichterunge* MASCHINENTEPPICHE IM ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private anr Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaue Calle ANDONAEGU1 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Statt»» Urgukea mit f unterhält, amtliche richterlivier . che Funktionen ausüben. Das war ein völkerrechtliches No. vum und ein Präzedenzfall. Aber auch die Tatsache, dass : hier, im Gegensatz zu anderen westdeutschen KZ-Proaessen, das Gericht über- ] haupt eine Tatortbesichtigung vornahm, war bemerkenswert. Die Frankfurter \ Kommission konnte zudem . wie auf eigenem Gebiet opej rieren. Die polnische Rcgierung hatte ihr ein eigenes; Kommando der Volksmiliz : zur Verfügung gestellt, um! ein ungestörtes Arbeiten zu i gewährleisten. Die polnische; Regierung trug sogar die; Fahrtkosten für die Kommission von Warschau nach; Auschwitz und zurücki Schliesslich wurde der Ato- | Ordnung der Prozessbeteilig | ten in der Person des Prof. I Di*. Sehn ein amtlicher Ver-; freier des polnischen Justizj ministeriums beigegeben. Die; Kommission konnte unter : den bestmöglichen Bedingungen arbeiten. Für die Jour 1 nalisten waren alle technischen und persönlichen Htlfs j dienst* bereit, um auch ih-; nen die Arbeit zu erleichtern. 1 * Nach einer kurzen Verfahrensberatung und einem an. | schiiessenden „Stillen Gedenken“ für die Opfer an der „Schwarzen Wand“ in j Auschwitz I, dem Stamm!a- I ger, nahm die Kommission! sofort ihre Ermittlungstätig-! keit in Auschwitz-II-Birken au. das zirka zwei Kilometer entfernt ist, auf. Hier, in einem riesigen Areal, standen einst 260 (!) Baracken, in denen ständig 100000—140.000 Häftlinge waren. Die Anlage mit Staoheldr&htumzäumimgen, Wachttürmen und Gräben ist nooh erhalten wie 1945. Allerdings steht der grösste Teil der Baracken nioht mehr. Das Gericht inspizierte zu allererst die berüchtigte .Rampe**. Hier waren die Todesziige ausgetaden worden. Ihre Anlage erwieseine teuflische Planung, nehmer einen entsetzlichen Eindruck von den Gaskammern und Krematorien, von den Verbrennungsbecken, in denen Leichen aut Scheiterhaufen verbrannt wurden, wenn die Krematorien überfüllt waren, vom Ascheteich und den Straflagern, von den trostlosen Hä ftlingsunterkünften und den miserablen sanitären Einrichtungen. Nachdem die Teilnehmer, zurückgekehrt ins Lager I. auch nooh den Todesblock Block II mit seinen Bun kern. Stehbunkern und Fol. teranlagen gesehen hatten, gab Erster Staatsanwalt Dr Grossmann vor der Presse einen ersten Gesamteindruck wider. Er sagte: „Es ist erschütternd!“ * Drei Tage war die Frank- . furter Kommission in Ausch ' witz tätig. Sie hatte sich Ueberprüfungen und Tests in | 32 Punkten zur Aufgabe ge. ' stellt- Sie kam zu wesentlichen Feststellungen, die die! Anklage in Frankfurt erhär. ten, belastende Zeugenaussagen bestätigen und Wider spräche klären. Es wurde einwandfrei festgestellt, dass . es möglich war, an der drei- I gl eisigen Rampe gleichzeitig zwei Häfflingszüge auszula j den, was bisher umstritten | war. Es ist jetzt erwiesen i dass man im Todesblock II; hören konnte, was im Hof an der „Schwarzen Wand“ | vor sich ging und gerufen wurde. Es steht jetzt fest,; dass sich keiner der Angei klagten darauf berufen kann,; nichts gesehen und gehört zu haben, denn „alles, besonder? j im Stammlager, lag dicht beeinander“, wie Staatsanwalt | Dr. Grossmann feststellte. Es ■ hat sich für die Kommission bestätigt, dass Häftling? aus | dem SS-Revier sehen konnten. wie SS leute im Klei- , nen Krematorium, das noch steht, Zyklon B in die Gas. ka.mmern schütteten. Es wirr- : den neue belastende Doku- 1 mente gefunden. Die Juristen und die Jour- ' nalisten sahen im Staatlichen KZ-Museum Auschwitz Dokumente. Bilder, Terrorinstru. j mente und vor allem gan; ze Berge von Koffern, Klei-; dern, Haaren, Brillen, Prothesen der Ermordeten und Stapel von Zyklon B Büch- | sen, von dem 20 Tonnen in Auschwitz zur Vergasung von Menschen verbraucht worden j waren. : Die erschauernden Anla. ' Gegen den arabischen Boykott Washington. — Der demokratische Senator für New Jersey, Harrison A. Williams, brachte einen Zusatz zu dem Gesetz für Ausfuhrkoncrolie in Vorschlag, um die nordamerikanischen Kaufleute vor dem arabischen Boykotb gegen Israel zu schützen. Der Zusatz beinhaltet das Verbot für amerikanischen Firmen, die von der Boykott-zentrale in Damaskus versandten Formulare ausgefüllt zurückzuschicken, in irgendeiner anderen Form dem Boykottbüro dienliche Informationen zu erteilen oder ihre Unterschrift unter eine Erklärung zu setzen, dass sie sich dem Boykott unterwerfen. — (ITA) Aegypter legen Minen Tel Aviv. — Ein Israeli. scher Soldat wurde schwer verletzt und verschiedene seiner Kameraden leicht verwundet, als eine ägyptische Mine unter einem israelischen Patrouillenauto explodierte, das die Gegend im südlichsten Teil des Gazastreifens durchfuhr*. Es geschah zum ersten Mal, dass eine solche Plastikbombe ägyptischer Fabrikation seit dem Sinaifeldzug im Jahre 1956 auf israelischem Territorium zur Explosion gelangte- (ITA) gen und Hinterlassenschaften des SS-Regimes in Auschwitz fanden ihre Ergänzung durch einen Film, den sowjetische Offiziere 1945 bei der Befreiung des Lagers gedreht hatten. Man sieht die wenigen Ueberlebenden umgeben von zahlreichen Leichen in einem katastrophalen physischen Zustand, wandelnde Leichen, die in Lazarette und Krankenhäuser abtransportiert werden. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE VERREIST vom 8.—16. Februar (ind.) Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaffssachen - Veriraege - Verwaltungen - Miefs-, Zivil- und Handelssachen T.E.80 - 693Q PUEYRRED0N 2190 »sq. «*. US HERAS