Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2102 (5.2.1965)
- Date
- 1965-02-05
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 5 de Febrero de 1965 LA SEMANA ISRAELITA Año XXVI. — N* 2102 — 5 Von Juden in Sorge i. „Be/S“ lautet das Diktatzeichen auf dem von Dr. Hirsch Unterzeichneten Brief der Reichsvertretung der deutschen Juden vom 5. Dezember 1934, gerichtet an einen Stuttgarter Kaufmann, dessen Gewerbe wie das vieler seiner Berufskollegen durch offizielle Stellen benachteiligt wurde. Eingeweihte werden „Be‘ ohne weiteres als Cora Berhner identifizieren, die Frau Professor, die das wirtschaftspolitische Referat der damals noch jungen jüdischen Spitzenkörperschaft in Berlin leitete, um acht Jahre danach ihr treues Ausharren im Interesse der Gemeinschaft mit dem Tod in der Deportation besiegeln zu müssen... Dieses zeitnahe Dokument ist eines von vielen Schriftstücken, die, zusammen mit einer nicht minderen Zahl von älteren und neueren Zeitungsartikeln, Ansichten, Porträts, Gruppenaufnahmen, jüdischen Orgarusationsdrucksachen aus guter und böser Zeit, den Bildteil des neuen Buches im Gedenken an die Stuttgarter Juden (Maria Zelzer: „Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden — Ein Gedenkbueh“, herausgeeetoen von der Stadt Stuttgart. Ernst-Kiett-Verlag, Stuttgart 1964) ausma Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung ★ MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG ★ LOHNANFERTIGUNG von Dr. E. G. LOWENTHAL Ernst Koppel Maipú 982 Tel. 31-7845 chen. Ohne diese ausgezeichnete Fotosammlung, und, wesentlicher noch, ohne den! Anhang und den Queilennachweis hätte dieses Werk! mit seinen fast 600 Seiten! womöglich mehr äusseres als I inneres Gewicht. Was wir! damit meinen’ Blosse, zui mal dokumentarisch - tragi. j sehe Texte solcher für die allgemeine Oeffentliehkeit! bestimmter und von ihr; nicht so leicht verdaulicher i Publikationen gewinnen er- I lieblich an Echtheit. Ver- ■ ständlichkeit und Lebendig- I keit, wenn Bilder, wie im vorliegenden Fall, wirklich! illustrativ sind und wenn der Leser ohne Schwierigkeit er. i kennen kann, wie das Text-; material zustandekam und aus wie vielen Quellen es zusammengetragen worden ist. Man muss Dr. Zelzer. eine in Böhmen zur Welt gekommene, in Bayern geschulte Historikerin, die diesen nicht leichten Auftrag der Stadt Stuttgart in verhältnismässig kurzer Zeit durchgeführt hat, bei ihrer Arbeit beobachtet haben, inmitten von Akten, Druckwerken, Briefen und Bildern, um ihre Hingabe und ihre Sorgfalt im Detail würdigen zu können, mit der sie die Aufgabe gelöst hat. Hier kam es darauf an, Material aufz/uspüren und zu kompilieren, sodann darzustellen und in ein gewisses Sys ton zu bringen. Die Gestaltung des umfangreichen Beiwerks, das den Wert dieser Neuerscheinung beträchtlich erhöht, hat sich Dr. Zelzer besonders angelegen sein lassen. Der mögliche Einwand, dieser oder je. ner Vorgang hätte noch berücksichtigt werden müssen, diese oder jene Unterlage noch ausgewertet werden sollen, macht keinen rechten Sinn, es sei denn, man hätte es hier mit einer strengwissenschaftlichen, kritisch wertenden Arbeit zu tun Dazu hätte es jedoch einer weit längeren Vorbereitungszeit bedurft. Wie der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr.! Arnulf Klett im Geleitwort 1 c-inmerkt, war es für die Stadt , nicht nur eine menschliche! Ehrenschuld, das Schicksal ihrer jüdischen Mitbürger DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BEÑO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 über Generationen hinweg auizuzeichnen und „iur das historische Bewusstsein und politische Verantwortuugsge fühl unserer Gegenwart und j der Zukunft zu verankern.! Die Stadt suttgart will so das i Gedächtnis an ihre verfolg-! ten, diffamierten, eingeker. : ten, gemordeten und emi j grierter, jüdischen Mitbürger | festhalten und überliefern“ i Die eigentliche D rsteüung j schliesst mit einer über 1 hu-! send Namen zählende Totentafel, beginnend mit der 60 Jahre alten Witwe Regina Abendstern und endigend mit der achtjährigen Edith Zloczower, die beide am 1. Dezember 1941 nach Riga deportiert wurden. Eröffnet wird das Buch mit einer Art Vorgeschichte ,.Vom Schutzjuden zum Staatsbürger“, mehr oder minder die Entwicklung der Stuttgarter jüdischen Ge meinschaft in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts skizzierend. Ihr felgt-, als grösseres K:pitel mit dem Motto „Als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft“, dargestellt an einer Vielzahl von (auch innerjiidischen) Vorgängen und Ereignissen, ein Abriss von der sozialen und politischen Situation der Stuttgarter Judenheit wählend der vier, fünf, sechs Jahrzehnte vor 1933. Der Hauptteil des Buches trägt den Titel „Unter der Regierung der Nationalsozialisten — Vom Staatsbürger zum rechtlosen Sklaven“. Hier wird, ans 40 Einzelstücken zusammengefügt, der Weg vom Boykottag des Jahres 1933 bis zu den Deportatio nen 1941/42 beschrieben. Schliesslich wird auch von den wenigen „Untergetauch. ten“ und den 47 Ueberleben. den von Theresienstadt berichtet. Ganz am Ende eine würdige Eirinnerung an Otto Hirsch (Stuttgart 1885 — Mauthausen 1941). „Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden“ ist vor allem wegen der teilweise von weither beschafften Dokumente, Reporte, Stahst.iken, Berufsverzeiöhnisse als wertvoller Beitrag auch zu der zu erwartenden, grossan. gelegten Gesamtdokumentation des Schicksals der Juden im Bereich des heutigen Landes Baden-Württemberg zu werben, wie sie bekanntlich, auf Anordnung der Landesregierung, vom Hauptstaatsarchiv Stuttgart in diesen Jahres vorgenommen wird. Und wenn es später einmal zur wissenschaftlichen Abfassung einer Gesamtgesobichte der Juden in Deutschland seit den Anfängen der Emanzipation kommen sollte, so wird des reichhaltige Stuttgart-Buch einer von mehreren wichtigen Material-Mos-aiksteinen sein. TI. Ueber Juden in Osnabrück gibt es, soweit feststellbar, keine wesentliche Literatur. Bekannt ist dass in dieser Stadt Juden schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts niedergelassen waren Vielleicht erfährt man mehr darüber durch den demnächst — als Veröffentlichung des Leo Baeck-Instituts — zu erwartenden Band II der „Ger. mania Judaica“, der mit dem Jahr 1239 beginnt. Vor etwa 30 Jahren betrug die Zahl der jüdischen Einwohner Osnabrücks 200, und heute zählt man in Stadt und Bezirk etwa 60. Die unlängst (im Veriag A. Fromm, Osnabrück) unter dem Titel „Osnabrück. 1925 bis 1933 — Von der Republik bis zum Dritten Reich“ in Buchform erschienene Artikelserie, wie sie Karl Kühling ursprünglich in der „Neuen Tagespost“ veröffentlicht hat, beschäftigt sich zwar primär keineswegs mit jüdischen Dingen, streift aber doch mit Juden zusammenhängende zeitgeschichtliche Vorgänge. Im Nachwort zu diesem interessant illustriei ten Buch, das als Teildarstehung einer noch zu schreibenden Osnabrü eker Stadt.geschichte der letzten vier Jahrzehnte gedacht ist, findet man diese Sätze: „Es ist weder die Aufgabe dieses Buches, eine Kollektivschuld zu prop gieren, noch die Schuld der einzelnen zu messen. Wenn es aber dazu bei tragen könnte, aus der Betrachtung der Vergangenheit Lehren ziehen und bessere Wege suchen zu lassen so hätte es einen wesentlichen Zweck erfüllt.“ Im gleichen Epilog wird — nochmals — auf zwei in dem kleinen Band zitierte Beispiele schöner Menschlichkeit verwiesen Eines bezieht sich auf das Wirken des 1848 in der Provinz Posen geborenen Geheimrats Dr. Siegfried Pelz. Er war von 1909 bis 1922 Chefarzt des Osnabrücker Stadtkramkenhauses, dessen Chirurgische Abteilung er. wie es heisst, seit 1883 aus dem Nichts auf gebaut hatte. Im Ersten Weltkrieg habe er dort fast 800 Verwundete be handelt. Als 80jähriger wurde Pelz Osnabrücker Ehrenbürger. In der Urkunde vom 4. November 1928 werden insbesondere seine hohen menschlichen Qualitäten hervorgehoben. Dr. Pelz’ Fünfundachtzigsten (1933) durfte der Autor des Buches noch öffentlich gedenken, aber als der allseitig verehrte Arzt und Helfer 1936 starb, untersagte die Nazipartei die Veröffentlichung jedweder Notiz im Textteil der Zeitung. Immerhin, der Trauerzug, so berichtet Kühling weiter, sei einer Kundgebung für die Menschlichkeit gleichgekommen. An der Stelle des Stadtkrankenhauses, von der während der Nazizeit die Dr. Pelz-Büste entfernt wurde, ist jetzt eine Gedenktafel zu sehen, nachdem die Büste nicht mehr aufgefunden werden konnte. «Dr. Pelz’ Gattin war eine geborene Breslauer, seine Toch ter die Malerin Clara Witte- Pelz, Frau des Osnabrücker Malers Curt Witte, deren Werke vor etwa Jahresfrist im Onsnaibriioker Museum ausgestellt waren.) Die in Kühlings Buch als lokales „Ereignis“ er wannte Stadttheaterkrise um 1929/31 erinnert an Dr. F’ritz Berend, der lange Erster Kapellmeister in Osnabrück war, dann Intendant wurde und im Sommer 1932 die Theaterunion mit dem benachbarten westfälischen Münster erfolgreich durchführte. Von Berends raschem Ende in Deutschland und seinem Schicksal kann in dem zeitlich abgegrenzten Buch nicht mehr die Rede sein; es soll aber, zu Ehren dieses Künstlers, hier kurz nachgezeic.hnet werden: F’ritz Berend stiess in Berlin bald zum Orchester der „Jüdischen Künstlerhilfe“ und behielt in London unter ganz anderen, mitunter schwierigen und zeitweise engen Verhältnissen seinen guten Namen — als Pianist, Organist und Synagogenchordiligent, als Begleiter auch namhafter Solisten und gelegentlich als Orchesterleiter; 1956 ist er dahingegangen. ESn ganzes von insgesamt drei Kapiteln wird dem Kommen und Wiederverver,schwinden des ausgespro. chen antisemitischen Skandalwochenblatts der Jahre 1929/30, „Der St:'jdtwäehter“, eingeräumt, nur um den Terror der Zeit unmittelbar vor 1933 zu charakterisieren. E's fragt sich ernsthaft, ob der Verfasser, bei allem Wil- Kaiüinal Michael von E'auihaber, von 1917 Dis 1952 Oberhirte des Erzbistums München und Freising, wir der Hauptautor der gegen den Nationalsozialismus gerichteten Enzyklika Papst Pius XI. „Mit brennender Sorge“, vom Mäiz 1937. Zu diesem Ergebnis kommt der Historiker Angelo Martini, ein Angehöriger des Jesu iten-Ch dens, mit der erstmaligen Veröffentlichung des gesamten FauRaber-Emtwurfs. Der Kardinal hatte ihn im Januar 1937 in | Rom unter grossem Zeitdruck und strengster Geheimhaltung zuliebe handschriftlich angefertigt — auf Wunsch | Pius XI. und seines Kaidinal-Staatssekretärs Eugenio Pa- : celli. des späteren Pius XII. Im Unterschied zur vatikanischen Wochenzeitung „Osj servalore Romano della Domenica“, die kürzlich nur von i „einigen Kernpunkten“ sprach, die Faulh ber zu Papier gebracht habe, und die hauptsächlich die „woehenlalige Arbeit“ Pacei'is an dem Dokument unterstrich, legt Mar. tini in der jüngsten Nummer der Zeitschrift „Archi^um, Historias r< nt.ificae“ dar, dass 1. Kardinal Faulhaber nicht ’ nur Anmerkungen, sondern einen regelrechten, elf Seiten | umfassenden Fntwurf für die gesamte Enzyklika. 2. Auf- ' bau und KapMeleinteilung des Faulhaber-Dokument fast i unverändert übernommen wurden, 3. seine Auffassungen I und vielf 'eh auch seine Worte in der Enzyiklika wieder- I hehren.! Unter den von Pacelli vorgenommene Einfügungen ist vor allein ein Abschnitt über das Reiobskonkordat Ausser- 1 dem änderten er oder Pius XI. Faulhabers Eingangsworte ..Mit grosser Sorge“ um in die Worte „Mit brennender Sorge“, im übrigen stellt auch Martini fest, dass sich die Redaktion des Dokuments unier der ständigen Kontrolle Pa-cellis vollzog.! Indien und Israel j I New Delhi. — Hier wurde ■ I von dem bekannten Journa. | i listen Shiwa Rao eine Gesell- | | schaft der Freunde Israels i ins Leben gerufen. An der I konstituierenden Versamm-! lung nahmen Schriftsteller Journalisten, Diplomaten. Lehrer und Parlamentsabgeordnete teil. ESn Sprecher brachte zum Ausdruck, dass die Gesellschaft das Fehlen diplomatischer Beziehungen zwischen Indien und Israel bedauere und bestrebt sei. die Kontak te zum jüdischen Staat zu fördern und eine freundschaftliche Atmosphäre zwischen den beiden Länden herzustell en. < AWZ) Jüdische Schule London. — Die Hampstead- Snagoge eröffnete kürzlich in Anwesenheit des Oberrabbiners ein Gemeindezentrum mit einer Schule. len zur Objektivität, mit dieser breiten Darstellung einer bestimmten, aber üblen und das Ansehen Osnabrücks schädigenden Erscheinung nicht zu viel Ehre angetan hat. Hier hätte mehr „sense of proportion“ bewiesen werden können. Neonazistische Lektüre Amsterdam. — Ein Eingreifen der Regierung gegen die weitere Verbreitung von neonazistischen Publikationen in den Niederlanden — darunterdes Buches „Adolf Hitler, sein Kampf gegen die Minus- Seele“ — forderten Vertreter der Widerstandsorganisationen sowie der sozialisti. sehe Parlarrentsabgeordnete Dr. Polak, der darauf hinwies, dass in dem Buch mit stark antisemitischer Tendenz Teile des niederländischen Volkes beleidigt werden. WTie die Amsterdamer Zeitung „Het Parool“ berichtet, wurde das Buch von dem früheren Goebbels-Adjutanten von Leers unter der» Pseudonym W. von Asenbuci» geschrieben, der nach der deutschen Kapitulation nach Aegpten flüchtete und dort unter arabischem Namen lebt. (AWZ' Rahels Grab Jerusalem. — Am Todestage der Stammutter Rahel fand auf dem Zionsberg in Jerusalem eine Feier statt. Leider ist das auf tra ns jordanischem Gebiet liegende Grab selbst den Juden nicht zugänglich. PENSION FAMILIÄR M. FLAMM CHASCOMUS — T. 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