Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 26 (1965)
- Issue
- 2100 (22.1.1965)
- Date
- 1965-01-22
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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'«nw» 36 dr Emit ár 190ft L A SEMANA ISRAELITA Ein Plan wird Wirklichkeit (ftmhluas n>n Seite W als IjtuitrtAi mit einer Fahne det Roten Kreuze* getarnt gewesen. Die im ..Laza. reät“ täglich mit Genick, «ehtisse») beschäftigten Wach •leute hätten sogar Armbinden des Roten Kreuzes getragen. (Ruhig. Punkt um Punkt teägl Glazar seine Erlebnisse vor. Der Haupt&ngekl>e I'innz habe Ende November 1942 sieben Häftlinge nach einem gescheiterten Fluobtversixih erschossen. Für den siebenten habe er sich, nachdem sein Magaein leergebcliossen war-, die Pistole des Mitangeklagten Miete geborgt. Im Oktober 1942 habe Franz, einen Juden, bei dem Wertsachen gefunden wurden, auf dem Appell platz ßusgepeitseht. „Der Mann 1 mekte da. man konnte kein Gesicht mehr erkennen, es war eine schwarzblaue, dunkelrote Masse“. Einen Mitlväftbng. der dem Unglücklichen Wasser reichen wollte, ¡habe Franz zum Erschie. ßsen ins ..Lazarett" geschickt. Anschliessend sei auf Frankens Veranlassung der Mann erschossen worden. Ete Angeklagten Miete und Mente hätten diese Aufträge erfüllt. Anfang November habe Franz wiederum zwei Häftlinge bei einem Fluchtversuch ergriffen, sie mit dom Kopf nach unten aufhängen lassen, bis sie nach Vierzig Minuten keine Lebenszeichen mehr zu erkennen gaben. Wenig später seien nochmals zwei Häftlinge von Franz auf die gleiche Weise getötet worden. Einmal habe der Hauptangeklagte in einer Baracke einen Häftling mit einer Schussver tetewrg in der Hüfte vorgeiimden. Als der Häftling erklärte, diese Verletzung stemm* von Franz, habe der Angeklagte gesagt: ..Dann habe ich schlecht geschossen. Dr. FREY A B 0 6 A D 0 PUEYRREDON 2190 1* teq. •a«km. 10—IS Uhr Telefon: 80-6930 D,:s will ich besser machen.“ Der Zeuge berichtet von einem jüdischen Arzt, der Franz Widerstand leistete. Der Arzt sei „völlig verblutet, mit Sand und Erde bej schmutzt“ auf den Appellplate gebracht und auf den ' Bock gelegt worden. Dort hätten Franz und ukraini! sehe Wachmänner solange zugeschlagen, bis das Opfer tot war, Franz habe ausser- ■ dem einen jungen Häftling, dej' sich bei Planierungsar-! beiten auf dem Sortierplatz; ungeschickt anstellte, mit dem Spaten erschlagen. | Aehnliche Beschuldigungen bringt der Zeuge gegen Mie- ' te vor. Der ..Krummkopf“, wie er von den Juden ge. | nannt wurde. habe eine>u ’ Häftling erschossen, weil er an der Hand verletzt gewe-; sen sei. Er habe eine hoch- Die Zahl der an den Mordtaten unmittelbar Beteiligten geht in die Zehntausen- <le, wenn nicht Hunderttausende selbst wenn man von den höheren Chargen und Sch reibtischm ordern absehen will. Hier ist nur die Rede von denen, die in den lagern und Ohetti geschlagen, gepeinigt, gemordet haben, Wie war das möglich? Unter diesen Unmenschen waren alle Berufe vertreten, durchaus nicht nur .primitive- Menschen, die keine Bil düng, keine religiöse oder sonstige Erziehung hatten. Es waren nicht etwa nur Gestrandete. Nein. durchaus nicht. Beginnen wir mit den oberen Stufen der sozialen Leiter, mit den Aerzten. Wohl noch niemals in der Weltgeschichte haben sich — nicht vereinzelte — fterzte zum Massenmord auszunutzen. Zahlreiche Akademiker haben diese Morckmaschine nicht nur von aussen und nicht nur mit ihnen theoretischen Kenntnissen geschmiert, unter ihnen Oheseltost die Giftgase in die Gaskammern geschüttet, oder eingeführt, aber sie haben sie erfunden, als brauchbares Massenmordmitte] erprobt und geliefert. Auffallend ist die grosse Zahl der Lehrer und Polizeibeamten aller Grade. Auch REAL PEN % Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 schwangere Frau erschossen, j bereit gefunden, ihren Beruf die schon in den Wehen lag. und einen Häftling, der beim Leichentragen versehentlich in die Leichengrube gerutscht war. Ueber die Leichenverbrennungen in den den frühen Wintermonaten, als täglich bis zu fünf zehntausend Juden in Treblinka eintrafen, sagt der Zeuge: „Es waren schauerliche Szenen. Der ganze Himmel über ‘Treblinka war rot in diesen frostigen Nächten.“ Das war der Bericht. Solche Grausamkeiten kann niemand ersinnen. Die Aussage ist konkret. Die Angeklagten bestreiten. Sie leugnen beharrlich im Treblinka. Prozess. sie leugnen im Auschwitz-Prozess i sie leugnen einfach, obwohl das Beweismaterial überwältigend ist. Eine gleiche Verteidigung*, taktik hatte der SS-General Wolff im Münchner Prozess verfolgt, bis man ihm ein Dokument mit seiner eigenen Unterschrift vorgelegt hat. Wolff, der engste Vertraute Himmlers, stellte die Behauptung auf. nichts von! den Schrecklichkeiten der Lager gewusst zu haben. So j weit geht die Frivolität der j Angeklagten. Diese Mentalij tät ist ebenso unverständlich ■ ann wie die Grausamkeit der Verbrechen. Damit kommen wir zu einer weiteren Frage, auf die bisher keine zufriedenstellende Antwort gegeben wurde. Wie war es möglich, dass solches geschah? Man versteht, dass es entmenschte Menschen gibt Man muss dies zur Kenntnis nehmen. Rohlinge hat es zu allen Zeiten gegeben: Sadisten. wilde Tiere, Geisteskranke, Anormale, grausame Mörder. Immer waren es vereinzelte Untaten und im. | mer waren es gezählte Menj sehen. Hier aber stehen wir 1 vor einem grausamen Fhä-; nomen: eine staatlich organi- I sierte Mordmaschine mit ei- ner überaus grossen Zahl von entmenschten Mördern. veranstaltete. hat der Zeuge! Oscar Staawczynski aus Mon- I treal beruhtet, Der 58 Jahre j alte Zeuge, der schon vorher ■ den Angeklagten Franz iden-; tifiziert hatte, ist vom Ge- ' rieht als Nebenkläger zuge. i lassen wurden. Elr hat seine 1 Familie in Treblinka verlo- , ren. Vom Vorsitzenden zu einer ausführlichen Schilderung aufgefordert, berichtet der Zeuge, dass Franz — von den Häftlingen „Laika“ (Puppe) genannt — im Frühjahr 1943 in der Nähe des Appellplatzes einen Boxring aufbauen und Stühle hinzu- : stellen liess. auf denen Häft. i linge und Wachmannschaf-; ten das Geschehen verfolgen mussten. Franz habe einmal zwei Häftlinge herausgesucht. ihnen Boxhandschuhe anziehen lassen und sie zum Boxen gezwungen. „Das war fürchterlich. Wenige Meter weiter im oberen La ger brannte ununterbrochen das Feuer auf den Leiöhenrosten. so dass der Leichengestank immer zu uns herüberwehte". Die Boxkämpfe hätten zu meist sonntags stattgefunden, sagt der Zeuge, Bei einer anderen Gelegenmiker und Industriekapitäj heit habe Franz zwei Haft ne. Sie haben vielleicht nicht j linge miteinander boxen las. sen, die als Kantoren gekleij det waren. Diese Häftlinge i hätten in ihrer Kantorenj kleidung zunächst vor den 1 Aborten für die Arbeitsjuden wachen müssen. Sie hätten mit einem Wecker um den Hals dort gestanden und alle Häftlinge, die sich zu auf diesem Gebiet Le Bon schrieb 1895: „Sobald eine Anzahl lebender Wesen vereinigt ist. ei. nerlei ob eine Herde Tiere oder eine Menschenmenge, unterstellen sie sich unwillkürlich einem Oberhaupt, d. h. einem Führer. In den menschlichen Massen spielt der Führer eine hervorragende Rolle. Sein Wille ist der Kern, um den sich die Anschauungen bilden und ausgleiehen. Die Masse ist eine Heide, die sich ohne Hirten nicht zu helfen 1 weise.“ — Sind die Gesetze, denen die Menschen in ihrer psychischen Prädisposition folgen. wirklich so primitiv, dass man hierin eine Brklä rung des Geschehenen finden könnte? Es ist möglich, dass eine Herde dem Leithammel nachrennt, auch ln ihr Unglück. Aber ein Kulturvolk? Und zu solchen Schreckenstaten? Wie war es aber möglich, dasß plötzlich alle Hemmungen die durch Kultur, Religion und Erziehung eine Schranke gegen den Rückfall in Massenschlächterei bilden sollten, ins Nichts ge sunken und verschwunden waren? Eine mehr als tausendjährige christliche Erziehung zeigt sich als wirkungslos. Was blieb, war Mord. Heute stehen selbst die Deutschen vor dem Rätsel A fie XXVI. — N* 31M LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 1* izq, T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ f>00.— pro Jahr Ausl. $ 800,— jährl. das ist ein Kreis .gebildeter-, j lange auf den Toiletten aufstudierter, vorbereiteter Men. '■ hielten, vertreiben müssen, sehen. Kaufleute. Handlungs- Franz habe die beiden als gehilfen, Vertreter, Facharbeiter sind unter den Angeklagten anzufinden. Die Anzahl der ungelernten Ar bei ter, Bauern, Knechte und Angehörige anderer einfacher Beruf skategorien ist sogar verhältnismässig gering. Die Frage wird immer rätselhafter, wie es möglich war, diese vorgebildeten Menschen zu finden, die bereit waren, ihre Aufgabe kl der Ermordung anderer Menschen zu erblicken. Man sich mit der Antwort nicht abfinden, da» blinder Hase das einzige Motiv für dieses Verhalten war. Denn es wurden zwar in der Mehr heit, aber durchaus nicht nur Juden in dieser Weise behandelt und getötet. Auch eine beträchtliche Anzahl Deutscher befindet sich unter den Opfern dieses Wiitens, unter ihnen viele Geistliche, Bibelfreunde, Pazifisten, politische Gegner. - Zu welchen Ergebnissen : die krankhafte Quälsucht gekommen ist. ergibt sich aus ' einem Zeugenberioht, der j ebenfalls im Treblinka-Pro- \ zess gegeben wurde: j Ueber Boxkämpfe zwi- | sehen jüdischen Häftlingen im Vernichtungslager Treblinka. die der stellvertretende Lagerkommandant Franz Kantoren gekleideten Häftlinge mit der Peitsche gezwungen. den Boxkampf trotz Ermüdung fortzuführen. Anschliessend habe er beide ins La-zarett „überstellt“, wo sie erschossen wurden. Der Angeklagte habe auch zwei Lageririseure ln der gleichen Weise miteinander zum Boxen gezwungen. — Wie soll man derartige Peinigungen aueiegen? Handelt es sich um einen perversen, also kranken Meneeben, der das onordnet? Aus welchen Gründen haben alle anderen derartige Bestialitäten mitgemacht? Warum hatte keiner den Mut, solche Exzesse anzuzeigen? Das war den verantwortlichen stellen nicht bekannt? Man hat versucht, diese Massenmorde und Massenmörder mit den Begriffen der Massen Psychologie zu! erklären. Man beruft steh! auf Gustave Le Bon und seine .Psychologie der Massen“, sowie die späteren Schriften und Erkenntnisse ihrer Schande. Die Einsichtigen sprechen von einer unbewältigten Vergangenheit. Aber sie tun sehr wenig, um aus die sein moralischen Tief punkt ihrer Geschichte herauszukommen. Das Problem als solches ist unerkannt und ungelöst. Man will — gewiss auch psychologisch erklärbar — die drückende Last einer Mitverantwortung von steh abwälzen. Man will das was geschah, überwin. den. am besten aus der Erinnerung streichen. Aber das ist kein Weg und keine Lösung. Der verstorbene Bundespräsident Prof. Heuss sprach von einer .Gesamtseham“. Das ist jedoch wenig mehr als eine entschuldigende Redensart. Damit wird nichts gesagt, nichts getan und nichts überwunden. ENFERMEDADES DE LOS HUESOS y ARTICULACIONES — RADIOGRAFIAS Prof. Dr. BLUMENFELD Pr«í. de la Facultad, Jefe del Servicio de Ortopedia y Traumatología del Hospital Israelita. Trasladó su consultorio a ]. E. URIBURU 285 T. E. 47 5875 — 41-2331 y 41 2240 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO APARATO CIRCULATORIO ENFERMEDADES CARDIOVASCULARES Médico del Hospital Fernández CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montag bis Freitag. 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr PR0PIEDADES FRANKENBERG 8. R. L. jerät Sie kostenlos und »verbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAFFTEN WOHNUNGEN HABUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KXTLTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaJJiebeutel Käppchen Maz zot-Taschen - Hand- und Maschkienstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T, E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76 0286 73-1049 M0HEL N. PLAKSIN Su per í 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 Dr. J. 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