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Jüdische Wochenschau · 1965-01-15 · 2099 (15.1.1965) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
26 (1965)
Issue
2099 (15.1.1965)
Date
1965-01-15
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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In den seltensten Fällen stehen sie zu ihren Untaten und zeigen Reue. Die Angeklagten leugnen schon deswegen, weil es meist ausserordentlich schwierig ist. ihnen heute nach so vielen Jahren noch ihre Verbrechen naohzu weisen. Aus den Konzentrationslagern und Ghetti sind nur wenige Juden zurückgekehrt. Die überwiegende Mehrzahl der Verfolgten wurden .liquidiert“. Die Verbrecher besei tigten ihre Tatzeugen, was man die Ekidlösung der Judenfrage nannte. Die wenigen Ueberlebenden kannten die meisten ihrer Schinder nicht mit Namen. Wenn ihnen heute die Verbrecher ge gen über gestellt werden, kön. nen sie ihre früheren Peiniger häufig nicht wiedererkennen. Damals waren es junge, in Uniformen geklei dete SS-Männer, heute sind es alte Leute, jedenfalls um mehr als 20 Jahre älter geworden und in Zivilkleidung, die sich als Biedermänner aufspielen. Dem Rentner Willi Mentz aus Brotnberg kamen im Düsseldorfer Treblinka-Pro aess die Tränen. Weinend, mit erstickender stimme, berichtet der heute sechzig Jahre alte ehemalige SS-Un. terscharführer über seine Tätigkeit in diesem Vernichtungslager: „Meine Aufgabe war, die Juden im Lazarett zu erschiessen. Ich wusste, was ich tat. Das war eine schaurige Sache.“ Als diese Sätze heraus sind, wird Mentz wieder ruhig und schildert die Einzelheiten. Br habe auf Befehl des SS - Hauptscharf ührers Kütfcner im „Lazarett“ ar beiten müssen, da« nichts anderes als eine getarnte Er- MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Ge sc hat te mit der grössten Auswahl. SARMiENTO 1147 T. E. 35 1033 CABIL00 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvlrato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung von JAKOB KATZ-ROGASEN sohiessungsstätte war. Anfangs habe er die Technik der Genickschüsse noch nicht beherrscht, weil er als Melker von Beruf vor seiner Verpflichtung zur SS in Lublin keine Schiessausbildung erhalten habe. Im Herbsf 1942 seien die kranken und gebrechlichen Juden, die mit den Transporten kamen, einfach in eine grosse Grube getrieben worden. Die ukrainische Wachmannschaft ha. be von einem Wall aus in die Grube geschossen, bis die Häftlinge tot waren Später habe der Lagerinspekteur Wirth den Ukrainern und den SS-Männern die Methode der Genickschüsse vorgemaobt. Die Häftlinge mussten sich auf eine Erdbank setzen, wurden mit der Pistole erschossen und fielen in die Grube. Chlorkalk kam über die Leichen, die später verbrannt wurden. Mentz — die Häftlingen nannten ihn Frankenstein — weiss nicht mehr, wie viele Juden er auf diese Weise erschossen hat. Einmal seien es zwei- bis dreihundert gewesen, häufig auch kleine Gruppen von zwei bis drei Häftlingen. Sie wurden ihm „ins Lazarett überstellt“. Da habe er nach dem Grund nicht zu fragen brauchen; er habe einen allgemeinen Befehl gehabt. Noch schauriger kann man sich ein Geständnis und die geschilderten Mordtaten nicht vorstellen. Ich weiss, was ich tat, sagte der Angeklagte. Seine Aufgabe war, die Juden zu erschiessen. Er selbst hatte niemals nach seinen eigenen Darstellungen einen Zweifel daran, dass er mordete. Aber zu morden war seine Aufgabe... Es war eine schaurige Aufgabe, fügte er hinzu. Ek hat so viele Juden ermordet, 'dass er nicht mehr imstande ist, die genaue Zahl anzugeben Er hat nicht gezählt; er hat nur gemordet. Hierfür hatte er einen allgemeinen Befehl. Das genügte ihm. Er mordete... Der mltangeklagte frühere Unterscharführer August Miete gibt ebenfalls zu, im „Lazarett“ auf diese Welse bis zu zweihundert Juden getötet zu haben, die aus Transporten aussortiert wurden. Oft seien ihm auch einzelne Juden zur Erschlessung gebracht worden, „insgesamt etwa fünfzig“. Falls er Fleckfieberkranke erschossen habe, meint Miete, so könne er das ebenfalls nur auf Befehl getan haben. Miete zeigt im Gegensatz zu Mentz keine Anzeichen von Rührung. Er kann sich auch nicht erklären, wie er zu dem Spitznamen „Malchamowes“ (Todesengel) gekommen sei. Ausser Mentz und Miete erklären alle Angeklagten, die schweren Vorwürfe der Anklage auf vielfachen Mord und Beihilfe zum vielfachen Mord seien unzutreffend. Nur Mathes, der das „obere Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANÖGEKTÜPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM, Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus Calle ANDONAEGU1 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urquiza Lager“ mit den Gaskammern leitete, räumt ein, dass er vielleicht einmal eine Ohrfeige ausgeteilt habe. Freilich habe er Fleckfieberkran, ke auf Befehl des Kommandanten Stangl aussortiert, aber das sei ausdrücklich ein Befehl gewesen. Auch dieser frühere SS- Mörder gesteht, aber es geht ihn kaum etwas an, was er getan hat. Ja, er habe auch einzelne Juden erschossen, „insgesamt etwa fünfzig“, wobei die Betonung auf das Wort .etwa“ gelegt' werden sollte. Er hat so viele Menschen erschossen, dass er garnicht mehr genau weiss, wie viele es waren. Dieses ge. ringschätzende, gleichgültige Wort .etwa“ bezeichnet die Einstellung und Mentalität dieser Leute. Alle anderen aber leugnen, trotzdem die beiden Mitangeklagten klar ausgesagt haben. Was in Treblinka befohlen wurde, ob die Angeklagten mögliche Befehle mit zusätzlichen Grausamkeiten vollzogen oder ob sie versuch ten, von diesem Vernich tungslager fortzukommen, will das Gericht von jedem einzelnen erfahren. Bei dieser Befragung stellt sich heraus, dass Sturmbannführer Wirth der Vorgesetzte gewesen sei, vor dem die Angeklagten damals gezittert haben wollen. Der stellvertretende Lagerkommandant Franz sagt, Wirth habe ihm früher einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der „Spiess“ des Lagers, Stadie, erklärt, Wirth habe ihn gar nicht recht zu Wort kommen lassen, als er um Versetzung bat. Mathes will einen Zusammenstoss mit Wirth erlebt haben. „Ich wurde als Schlamper, schlaf, mütze und Hasenfuss beschimpft“. Mente sagt, der Sturmbannführer habe ihn bei der Bitte um Ablösung angeschrien: „Sie haben dort zu stehen, wo der Führer Sie hingestellt hat.“ Fortan, meint Mentz, habe er - Angst vor einer' Befehlsverweigerung gehabt. Auch Miete will von Wirth angeschrien worden sein: „Hier gibt es kein Zurück mehr.“ Der für die Werterfassung kn Lager zuständige Schneidermeister Suchomel schildert ähnliche Erfahrungen. Ihm habe Wirth mit dem Standrecht gedroht, von Strafversetzung zu einer Bewährungseinheit gesprochen. Der Angeklagte Münzberger weiss sich an eine weitere Drohung des Sturmbann, führers zu erinnern: „Wenn du dem Führerbefehl nicht folgst, werde ich den Befehl des Führers an dir vollziehen.“ Lambert, der die Gaskammern baute, und Horn, der das Leichentransportkommando führte, sohliessen sich an. Mit Wirth habe man nicht vernünftig sprechen können, nur der Angeklagte Rum, von Beruf Kellner aus Berlin, sagt: „Ich habe gar nichts unternommen, um dort wegzukommen. Ich wussste, dass es zwecklos war.“ Einem SS-Mann, daran erinnert sich Rum, sei es aber gelungen, versetzt zu werden. Ein anderer, das trägt Suchomel in seiner Aussage bei, habe aus Verzweiflung Selbstmord ver übt. Der Vorsitzende forscht nach den genauen Anlässen, die den SS-Mann Erwin Keiner zum Freitod trieben 9uchomel berichtet: „Das war in der Zeit, als die Gaskammern tagelang in Arbeit waren. Die Arbeitsjuden waren schliesslich so erschöp.t, dass sie die Leichen nicht mehr schnell genug fortsebaffen konnten Da musste Keiner auf Befehl von Wirth selbst die Toten aus den Le folie über gen hervorziehen.“ Suchomel will den SS-Mann noch gewarnt haben. „Mach keine Dummheiten, habe ich gesagt.“ Aber Keiner habe gesagt, er werde entweder Wirth oder sich selbst erschiessen. Wenig später war Keiner tot. Wie sich aus dieser Vernehmung ergibt, war ein gewisser Wirth der Vorgesetzte der Angeklagten. Warum er. fährt man dies erst aus der Befragung durch den Vorsitzenden. Hat man dies dem - Staatsanwalt und dem Untersuchungsrichter verschwiegen? Und warum hat man dies verschwiegen? Sofort konzentrieren sich alle Beschuldigungen der Angeklagten gegen diesen Wirth, durch dessen Bela stung sie sich vielleicht mildernde Umstände erhoffen. Mit welchen primitiven Argumenten arbeiten sie bei ihrer Verteidigung. Alle Ausreden und die vermeintlichen Drohungen gegen sie, die Wirth ausgesprochen haben soll, zerfallen ins Leere, denn es gab doch einen, der seine Versetzung erreicht hat. Warum sollten nicht auch die anderen ihre Versetzung hätten erzwingen können? Die Antwort hierauf ist garnidht schwer. Einer der Angeklagten gibt zu, er habe es nicht erst versucht. Zur Entschuldigung fügt er hinzu, weil es zwecklos gewesen wäre. So zwecklos ¿.her w;ar es wiederum nicht, denn ein anderer wurde versetzt. Sicherlich gab es auch Menschen mit Charakter, die in dieser Mordatmosphäre nicht leben konnten und Selbstmord verübten, wenn sie keinen anderen Ausweg sahen. Aber der jetzt weinende Mente fand sich damit ab: „Meine Aufgabe war es, Juden zu erschiessen!“... Darin liegt das Verscnulden der Angeklagten, diesem Befehl des .Führers“ keinen Widerstand entgegengesetzt zu haben. Passive Resistenz hätte die „Endlösung der Ju- . denfrage“ unmöglich gemacht. Nur der Vollständigkeit halber soll vermerkt sein. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE lis. Aires — PUEYREDON 319«, lw i«). — T. E. 83-2613 15. Januar 1965 18. Sch wat 5785 Gerichtliches Nachspiel London, — Colin Jordan, Fühier der Bewegung englischer Nationalsozialisten, und seine Frqu erschienen vor dem Gericht in Marylebone, wo die Verhandlung gegeu einen jüdischen Taxich-tuffeur wegen Beleidigung der Frau Jordan stattfand. Ein Polizeiinspektor hatte gesehen, dass Frau Jordan ein Taxi bestieg, dessen Chauffeur Wolf Buseil sie erkannte und schrie: .Ich fahre Sie nicht ich bin ein Jude und Sie die Frau eines stinkenden Nazis“ Als Frau Jordan sich weigerte das Ta. xi zu verlassen, sammelte sich eine Menschenmenge an. Buseil stieg dann aus und riss FYau Jordan eine Kette mit einem Hakenkreuz Anhänger vom Hals, indem er der Menge zuschrie: „Sie ist die Frau von Colin Jordan und eine stinkende Nazi “. Ein Polizist beobachtete, wie Buseil das Hakenkreuz auf die Strasse warf. Der Anwalt Busells führte an, dass sein Mandant den besten Ruf geniesse, dass er im Zweiten Weltkrieg im Mittelosten und in der Normandie gedient habe, wo er verwundet worden sei. Er sei gewiss in Wut geraten, aLs er das Hakenkreuz bemerkte. Busell sagte aus, Frau Jordan habe ihn gedrängt, ihr den Grund zu nennen, warum er sie nicht fahren woll. te, und als er ihr gesagt habe dass er Jude sei, habe sie geantwortet: „Nun gut, wenn Sie Jude sind, was machen Sie dann hier statt dass Sie in den Krematorien verbrannt worden sind“. nur die Angeklagten der Kriegsverbrecher - Prozesse trifft. Hierin ist die Gesamtschuld des deutschen Volkes zu erblicken. Hierüber können Beteuerungen und Redensarten, wir haben das dass dieser Vorwurf, einfach! nicht gewusst, nicht hinwegmitgemacht zu haben, nicht i täuschen. Buseil gab zu, dass er sich, beleidigend verhalten und die Kette mit dem Hakenkreuz, im Wert von einem Pfund Sterling, zerrissen hatte, erhielt eine Strafe von. drei Pfund. Der Richter Walter Frampton sagte in seinem Urteil, er könne zwar die Gefühle Busells bis zu einem gewissen Grade verstehen, doch seine Reaktion gereiche weder ihm noch seinen Glaubensbrüdern zum Nutzen. Jordan und seine Frau posierten beim Verlassen des Gebäudes mit zum Naaigruss erhobener Hand den Pressefotografen. (ITA) Hetze gegen Juden Bamberg. — Ein Prozess wegen antijüdischer Propaganda ist vor dem bamberger Landgericht anhängig. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 26jährigen kaufmännischen Angestellten Wolfgang Kirscbstein wegen Einfuhr und Verbreitung staats gefährdender und Volks verhetzender Schriften erhoben. Unter dem Pseudonym „Wotan, der Freiheitskämpfer“ -schrieb er in der amerikanischen Zeitschrift „Der internationale Nazi-Faschist“ Artikel, in denen er Hitler verherrlichte und die Juden beschimpfte, deren Vernich tung er forderte. Diese Pamphlete hatte er in Deutschland verteilit. (AWZ) Für SOfaehräge Verjaehrungsfrisf 1 Hamburg. — Der hawtRirger Senat trat dafür ein, die Verjährungsfrist für Mord generelle von jetzt 20 auf 30 Jahre heraufzusetzen und hat sich auch bereit erklärt, nach Abstimmung mit anderen Ländern die Initiative im Bundesrat zu ergreifen. (AWZ) ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHÄEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung 6UER0STUNDEN] DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS ¥ SUDAMERICANOS verreist vom 1.-4. und vom 16.-31. Januar T. E. SO - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HER AS i

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