Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2095 (18.12.1964)
- Date
- 1964-12-18
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Viernes, 18 de Diciembre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Ado XXV. — VP 2095 — ¿ Ein Blick in die G erichtssaele von JAKOB KATZ-ROGASEN Nicht gewehrt Ein Beispiel für die Schicksalsergebenheit, mit der sich Juden in Mittelrussland den SS - Schützen auslieferten, gab ein Zeuge im Essener Schwurgerichtsprozess gegen den des 3.000fachen Mordes angeklagten ehemaligen SS-Standartenfiihrers Albert Rapp. Der Kaufmann Gustav Rommel. ein ehemaliger Waffen SS-Mann aus dem zeitweise von Rapp geleiteten Sonderkomando 7a, berichtete über eine Exekution, die sich im Frühjahr 1942 am Rande von Klinzy ereignete. „Wir standen zu Dritt als Wachtposten an der Lageplatte eines Lastwagens, in dem etwa 20 bis 30 Opfer zusammengetrieben waren. Es waren Männer und Frauen. Ich habe damals bei mir gedacht: Die brauchen uns jetzt nur einen Sohubs zu geben, und wir drei wären weggewesen.“ Die Juden hätten sich jedoch nicht gerührt. Vor Beginn der Exekution seien allerdings zwei Gefangene, vermutlich russische Kommissare, entflohen. „Wir haben hinter ihnen hergeschossen. aber nicht getro* fen“, sagte Rommel. Juden hätten den SS Leuten sogar noch zugerufen: „Rennt den beiden nach, wir laufen schon nicht weg “ Dann seien die Opfer ruhig und gefasst an die Exekutionsgru be getreten. Rommel bestritt energisch, dass auch die Angehörigen der Waffen-SS im Sonderkommando 7a bei Exekutionen mitgeschossen hätten. Der Zeuge vergass nur zu erklären, was diese Angehörigen der Waffen-SS überhaupt dort zu tun hatten, wenn sie* nicht sohossen... Oder ist in der Festhaltung der Opfer geplanter Morde nicht auch eine Be,h''fe- Handlung zu erblicken, selbst wenn sich die Waffen-3Snieht an der Erschiessung beteiligt haben? II. Generäle unschuldig Ueber den Widerstand von Wehrmachtsoffizieren gegen die SS Massenmorde an Juden in Polen berichtete der bekannte Historiker und Experte, Dr. Hanns von Krannhals von der Ostdeutschen Akademie in Lüneburg als Sachverständiger. Danach haben Wehrmachtsoffiziere im „Generalgouvernement“ gefordert, die während des Polen fei dzuges an den Grausamkeiten beteiligten Polizei- und SS-Leute vor Kriegsgerichte zu bringen. Hitler habe aber schon im Oktober 1939 durch einen Gnadenerlass diese Bemühungen der Wehrmacht torpediert Daraufhin verboten die einzelnen Armeebefehlshaber die Teilnahme von Wehrmaohtsangehörigen an den Exekutionen. Allein .“cm Widerstand der Wehrmacht schreibt es Dr. von Krannhals zu, dass das Vorgehen der Einsatzgruppen im September und Oktober 1939 noch nicht den Massenmordoharakter der späteren Jahre annahm. „Von einer Vertierung der polizeilichen Kräfte“ sprach, im Februar 1940 der Obersind. Als das Gericht die Zeugenaussage des inzwischen gestorbenen Tischlers Sewek Warszawski aus Hannover verlaus, der 1961 vor dem hannoverschen Landgericht besonders grausame Kindestötungen der deutschen Wachmannschaft geschildert hatte, brach der Mann zusammen. Der Zeuge, der in Treblinka zu den privilegierten sich manchmal, und wenn Kaduk dies sah, war es für ihn eine hübsche Unterhaltung, sie zu erschiessen.“ „Wie oft erschoss Kaduk Frauen?“ „Achtmal; dies ist eine genaue Zahl. Es war im März/ April 1943.“ Dann berichtet der Zeuge über seine Begegnung mit dem Angeklagten Boger. der als besonders grausam bekannt war. Boger habe ihn im Sommer 1944 einmal zum LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — FUEYREDON 2190. 1? izq. — T. E. 83-2613 13. Tewet 5725 18. Dezember 1964 WACHT IN ISRAEL MAENNER UND FRAUEN — TAG UND NACHT befehlshaber im Grenzabschnitt Süd, General der Infanterie Ulex, in einem B’-ief an den Oberbefehlshaber Ost. Die Stellung der Truppe zur SS und Polizei habe zwischen Abscheu und Hass geschwankt. Es ist erstaunlich, wie begrenzt die Macht der deutschen Armee gewesen ist, und besonders zu dem Zeitpunkt, als sie ganz Europa unterwerfen konnte Nur einige wilde SS-Hetzer vermochte sie nicht zu beseitigen ... Auch wenn die Wehrmacht nicht an den Massen morden beteiligt war, kann dieser dunkle Fleck ihr nicht abgenommen werden. Denn die hohen Generäle wussten, was geschah, un<j schwiegen dort, wo sie hätten sprechen müssen, weil dies sowohl der Ehrenkodex des Soldaten wie das menschliche Gewissen verlangt hätten. Aber offensichtlich war nichts davon übrig geblieben. — in. Nervenschock Einen Nerverschock erlitt im Düsseldorfer Treblinka- Prozess ein etwa 40jährger Zuhörer, dessen Eltern 1542 in dem polnischen Vernichtungslager umgekommen Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKUÜPpTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN «TJER JEDES GEMUETLICHE HEIM. 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Verhandlungstag im Auschwitz-Prozess geht es um die Glaubwürdigkeit des tschechischen Zeugen Alexander Princz, heute 51 Jahre alt, Beamter, mehrere Jahre in Auschwitz, wo er einen Pferdewagen fahren musste. Was der Zeuge zu berichten hat, ist nicht zu glauben, wenn es sich um die Schilderung eines normalen Lebens handeln würde. Aber das, was in Auschwitz geschah, muss man glauben, obwohl es .eigentlich' unmöglich sein sollte, dass Menschen unserer Zeit, Ohri stenmenschen, Angehörige europäischer Völker, vor allem Söhne des Volkes der Dichter und Denker solche Schreckenstaten haben begehen können. So unglaublich diese Verbrechen waren und die Berichte hierüber heute klingen, es ist die traurige Wahrheit, die man dort zu hören bekommt. U. a. sagte der Zeuge Princz, der sich an Mordtaten erinnerte, die der Angeklagte Kaduk unter denan der Kiesgrube arbeitenden Frauen begangen hat: JDie Frauen unterhielten alten Theatergebäude des Stammlagers dirigiert, und dort seien auf seinen Pferdewa,gen Kartons mit dem tödlichen Blausäurepräparat Zyclon B geladen worden. „Ich musste es ins Krematorium nach Birkenau brin gen.“ „War Boger da noch dabei?“ „Er begleitete mich dorthin. Der Posten musste drau. ssen bleiben. Boger rief einen SS-Mann und liess sich eine Gasmaske geben. Die Kartons wurden abgeladen, und Boger nahm die wie Konservendosen aussehenden Blechbehälter heraus. Er öffnete sie und reichte sie weiter. Andere SS-Männer warfen sie in die geöffneten Fenster, aus denen man ein Dröhnen hörte, als ob sich viele Menschen unter der Erde befänden. Die Oeffnungeri — die Fensterchen — wurden wieder geschlossen, und ich musste sofort wieder zurückfahren. „Ich sah Boger nahezu täglich auf vielen Plätzen. Einmal muss ich mich vor ihm ganz nackt ausziehen, als ich unterwegs war. Er suchte nach Briefen, fand aber keine. Wir transportierten oft Briefe von einem Lager zum anderen.“ „Aus dem Juni oder Juli 1944 weiss ich noch eine Sa. che von Boger“, fährt Prmcz fort. „Ich sollte zu einer der offenen Gruben der Krematorien fahren. Es lagen dort noch Leichen, die verbrannt werden sollten. ES standen dort zehn bis zwölf Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren. Oberscharführer Moll nahm ein Kind hoch und warf es ins Feuer zu den brennenden Leichen, und Boger schass auf das Kind. Dann sagte Boger: So haben wir in Warschau alle Juden fertiggemacht, gefällt dir das?“ Princz kommt auf den Angeklagten Mulka zu sprechen: „Ich habe noch eine Sache vom Kommandanten, der Höss vertrat. Zwischen Auschwitz und Birkenau gab es eine Holzbrücke. Wir waren drei Kutscher, und ein SS-Mann begleitete uns. Dreihundert bis vierhundert Meter vor der Brücke überholte uns Mulka im Kommandantenwagen und blieb etwa hundert Meter weiter vor zwei SS-Männern und zwei Häftlingen stehen. Wir beeilten uns und sahen, dass die SS-Männer eine Leibesvisitation Vornahmen. MülkaJ fragte: ,Was ist das?“ — .Das haben sie organisiert', sagte einer der SS-Männer und zeigte etwas. Die Haft«, linge waren von den Schlägen bereits mit Blut besudelt und Mulka rief: ,Erschiesst die Hunde.1 Einer war schlecht getroffen und wollte wieder aufstehen Da zog er (Mulka) die Pistole und gab ihm selbst noch einen Schuss. Er fuhr weg, und wir mussten die Leichen nach Birkenau fahren“ Das habe sich im Januar ,'Feoruar zugetragen. Landgerichtsdirektor Hofmeyer fordert daraufhin die Angeklagten auf, sich zur Gegenüberstellung vor dem Richterpodium im Halbkreis zu formieren. „Wer war der Mann?“ fragt der Vorsitzende den Zeugen. Princz erkennt Broad, Bednarek, Boger und Kaduk; geht drei-, viermal nochmals an allen Angeklagten vor, bleibt dann vor Mulka stehen und erklärt: „Das ist er!“ Vor Stark sagt ert „Den kenne ich auch.“ T. I „Lass sie mir..-** Zeugenvernehmungen im Auschwitz - Prozess; wieder hatte ein Zeuge, diesmal aus Prag, eine ganze Serie von Angeklagten erkannt und konkrete Beschuldigungen gegen sie erhoben. Wie sie die Menschen erschossen, ins Gas geschickt, gequält haben. Unter denen, die der Zeuge erkannt hatte, war auch der Angeklagte Broad. Der Vorsitzende wendet sich an den Zeugen mit den Worten: „Sie erkannten auch Broad.“ „Er stand am linken Flügel der angetretenen Formation. Einmal schoss er nicht mit. Dann kamen noch Frauen, und er sagte. .Lass sie mir. das ist eine junge. Die erschiesse ich“. — ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRÄGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr, T. E.: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. i. E.: 80 - (930 PUEYRRE00N 2190 esq. Av. US HER AS