Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1964-12-11 · 2094 (11.12.1964) · p. [Seite 5]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2094 (11.12.1964)
Date
1964-12-11
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9614256-9614759--3641-9614764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

Viernes, 11 de Diciembre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No 2094 — 5 Erlebtes Amerika!1" SalzburS vergessen M—JÍM, JL AAAAWa JIJIÄrljV Zum 100. Geburtstag von yen ßf, HANS LAMM! “ult leg,lelt- Dieser ^al¡ Wenn man so zwischen Rösch. Haselianah und Yom Kippur nach New York kam, sah man im hellsten beleuchteten Zentrumsteil dieser Stadt, Manhattan und in der meist belebten Gegend dieses Zentrums Manhattans leuchteten die Buchstaben Kol Nidre. Eine Anzeige ,,Kol Nidre on the stage“, das heisst: auf der Bühne gibt es Kol Nidre. Dies war am Eingang des Radio-City, das jeder Tourist in seinem Programm nicht nur serviert bekommt, sondern wo er auch gern hingeht, denn es ist eines der eindrucksvollsten Gebäude von New York. Ein Saal mit einem Fassungsvermögen von über 3.000 Menschen, wo von Mittag bis nach Mitternacht Vorstellun gen — „Shows“ — gezeigt werden. In diesem City-Radio wurde in der Woche der Hohen Feiertage von einem, auch für amerikanische Verhältnisse stark besetzten Orchester sehr schmalzig Kol Nidre gespielt, wobei die Bühne schummrig verdunkelt war, während an der siebenarmigen Menora die Kerzen leuchteten. Es war sehr eindrucksvoll und der gut besetzte Saal spendete der Kol Nidre - Darstellung reichen Beifall, wobei sicherlich sehr viel Nichtjuden im Saal waren. Ich möchte beinahe so weit gehen zu sagen, dass »richtige“ Juden, swoeit sie zu einer solchen Kol Nidre. Barstellung überhaupt gehen sicherlich keinen Beifall spenden, sondern sich eher über die Profanierung von Kol Nidre entrüsten. Als ich vor 10 Jahren einen Spaziergang in Acapulco durch die exklusiven Lokale und Bars an einem Sylvester- Abend machte, traf ich einen mexikanischen Juden, den ich als sehr ehrenwerten, traditionellen Mann kenne, in einem Lokal. Dies wäre nicht erwähnenswert, aber er sass im Sylvester-Abend in diesem festlichen Sal in Kopfbedeckung mit einer samtenen Jarmelke. In New York würde eine solche Gegensätzlichkeit nicht auffallen, welcher Newyorker achtet darauf, dass in der 7th von M. KILAI Avenue in einem Lokal ein KKL Diplom aushängt für den Inhaber dieses Lokals als Gründer der Ham Eggs- Bar (Eier - Schinken - Bar), oder dass es andererseits koschere Bars, Night-Clubs usw. gibt, die unter Aufsicht des Rabbinats stehen. Dasselbe Gefühl glaubte ich bei den Juden zu beobachten, die, erstklassig gekleidet, die Frauen in den teuersten Stolas, stundenlang auf der Strasse wegen einer Eintrittskarte für irgendwann einmal anstanden. Die Vorstellung war für Wochen im Voraus ausverkauft. Dies war nicht zur Vorsteltung „Deputy“ (Stellvertreter), die in New York zwar ein Erfolg ist; aber man kann zu jeder Zeit und zu jeder Preislage Karten dazu erhalten. Zum „Stellvertreter“ kann man an der Theaterkasse Karten erhalten und die Vorstellungen finden bei halbbesetztem Saal statt. Es ist falsch zu sagen, das Stück sei abgespielt. Wenn nach 6 Monaten alle Vorstellungen ausverkauft gewesen wären, hätten 200.000 Menschen in New York das Stück sich angesehen. Das ist aber bei weitem nicht der Fall gewesen, nicht einmal 150.000 Zuschauer haben das Stück ,,Deputy“ gesehen, d.h. nur 2 Prozent der Bevölkerung. Nicht einmal 10 Pyrozent der Erwachsenen der jiddischen Bevölkerung ha. ben sich den „Stellvertreter“ angesehen. Dabei ist die Aufiihrung erstklassig, viel besser als alle anderen Aufführungen des „Stellvertreters“, auch klarer und eindrucksvoller als die Uraufführung von Piscator in Berlin. Trotz dieser guten Aufführung und der erstklassigen schauspielerischen Leistungen hat sich das jiddische New York den Stellvertreter“ nicht als sein eigenes Stück adoptiert, dies wohl nicht nur wegen der Problematik, sondern wegen des Misstrauens zu diesem Stück, ob man wirklich so die Wahrheit von damals darstellen kann. 1 Richard strauss eine Gedenk ausstellung zusammenzustel len — die Strauss-Städte München und Wien haben es in grossem Umfang getan, Dresden und Salzburg in kleinerem — war im Jahr 1964 keine ganz einfache Aufgabe. Strauss war ja nicht nur ein begnadeter Komponist, sondern liess sich auchi jahrelang von den National-\ Sozialisten vor ihren Karren spannen. Dass es dafür Er Man hat bei dem „Deputy“ auch nicht in den Anfangstagen diese gutgekleideten Massen stundenlang in der Reihe stehen sehen, um sich eine Eintrittskarte zu sichern, wie man es einzigartig zu Sukot vor dem Imperial-Theater am Broadway beim Stück „Fidel on the roof“ erlebt hat. Es handelt sich um eine Darstellung von „Tewje der Milchhändler“ von Scholem Alejchem. ¿järungen gab — Entschuldi- Der überfüllte Saal ergötzte sich an seinem Tevje. der von dem gottbegnadeten Schauspieler Zero Mostei originell und echt dargestellt wird, obzwar alle, die im Saal sind, Ja wissen, dass Tevje kein Englisch gesprochen hat, und auch nicht sein Weib Golda und seine fünf Töchter haben dies getan. Alles in dieser Darstellung von „Tevje dem Milchhändler“ ist ernst, obzwar Scholem Alejchem sich bestimmt niemals in seinen kühnsten Träumen gedacht hat, dass sein „Tevje“ ein Musical sein wird, das die Masse gleich stellt mit der Aufführung von „Fair Lady“. ES ist sicherlich das erste gungen vielleicht sogar (er glaubte durch seinen Flirt mit Goebbels & Co., seine „nichtarische“ Schwiegertochter schützen zu können' — ist nicht zu bestreiten. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt doch — denn niemand wird zu behaupten vermögen, dass der „Präsident der Reichskulturkammer“ so viel mannhaften Charakter wie künstlerischen Genius besass. Die Ausstellung im münchner Stadtmuseum hat das Problem mutig bei den Hörnern gepackt, hat das Dritte Reich in seiner Barbarei und in seinem Banausentum gezeigt und auch unverhohlen dargetan, wie zwiespältig der greise Komält es für richtig, in seinem Vor. biert. Gab es wirklich kein j fort zum Ausstellungstag einziges Bild von Reinhardt! log aavon zu sprechen, hass und Strauss? Keine Zeile von diesem an jenen? SCHWEIGEN UEBER „DIE SCHWEIGSAME FRAU“ Noch weit skandalöser ist die Behandlung, die Stefan Zweig sich gefallen lassen muss. Seine Beziehung zu Strauss und zu Salzburg war sein Textautor, Hugo von Hofmannsthal, in Salzburg bereits vor fünf Jahren (1959t durch eine Ausstellung gehrt“ wurde und er. weckt damit dreist den Eindruck, dass es nur diesen ei. nen Librettisten gegeben habe. Et verschweigt, dass Zweig nach Hofmannsthals ebenso innig wie die des I Tod der Textautor von Mal, dass ein Stück von ponist sich verhielt. Scholem Alejchem nicht als literarisches Drama aufgeführt wurde, sondern als Musical! Aber in diesem Musical sind alle echten Seiten des Dramas erhalten geblieben, alle Nigunim, alle Lieder, die Musik, die Mimik, als wenn er nicht Englisch, sondern Jiddisch sprechen würde. Als nach dem Pogrom die Juden ausgewiesen wurden, und die eure Frau erzählt, dass ihr seliger Mann ihr im Traum erschienen sei und ihr gesagt habe, nach Erez Israel und nicht nach Amerika auszuw'andem, da erscholl orkanartiger Beifall, weil sie nicht nur von der Palästinaromantik erfüllt waren, sondern weil für jeden Juden Erez Israel die Erlösung und die Lösung aller Die Salzburger Ausstellung, die ausdrücklich den Titel „Richard Strauss und Salzburg“ trägt, fällt mehr durch das auf, was sie unterdrückt als durch das, was sie zeigt. Dass sie sich nicht im Umfang mit denen der grösseren Städte messen kann, ist begreiflich und wird ihr nicht zum Vorwurf gemacht Dass aber eine derartige Ausstellung, die gerade Salzburgs Verhältnis zu Strauss zu illustrieren vorgibt, nicht von Lücken strotzen darf, die selbst einem Laien provozierend ins Gesicht starren, versteht sich wohl von selbst, und dieser Misstand ist hier anzuprangern. |; Wer wrar — neben und mit i § Hugo von Hofmannsthal — der führende Geist der Salz burger Festspiele von 1920 Theatermannes Reinhardt. Zweig hatte sich ein geliebtes Haus auf dem Kapuzinerberg hoch über der Stadt eingerichtet, in dem er 15 Jahre wohnte; der Weg dorthin trägt heute seinen Namen. Für Strauss schrieb Zweig das Libretto der Oper „Die schweigsame Frau“ und der Komponist setzte durch, dass bei der Uraufführung am 24. Juni 1935 im Dresdner Opernhaus der Name des Dichters nicht verschwiegen wurde. Die Beziehungen der beiden zueinander erstreckten sich — wie der 1957 bei S. Fischer erschienene Briefwechsel dartut — mindestens von 1931 bis Ende 1935. All dies wurde in Salzburg verschwiegen. Man kann zugunsten der Provinzhauptstadt leider nicht annehmen, dass die Verantwortlichkeit dies einfach nicht wussten (was schon unverzeihlich genug •wäre). Es muss sich um bewusstes Verschweigen han- Strauss wurde, von dem dieser sich zu trennen lange nicht bereit war — das sei zur Ehre des Komponisten festgehalten. Heute schweigt! man dies in Salzburg tot, und diese Leichenschändung vollzieht man an einem Mann, der von 1919 bis 1934 erheblich zu dem Ruhm der Stadt beigetrsgen hat. Einzige Erklärung dafür ist, dass Zweig — wie Reinhardt — Jude war! ANTISEMITISMUS IN »ER REINHARDT-STADT? Deutsche Gäste, die zum Beispiel im Zusammenhang mit den Festspielen in Salz, bürg tätig sind, berichteten entsetzt über die Fülle antisemitischer Aeusserungen, die in den verschiedsten Kreisen immer wieder fallen, obwohl natürlich weit und. breit kein Jude mehr zu ent. decken ist. Ist dies der Ton, welchen Dr. Lechner liebt, der im Verschweigen jüdischer Beiträge zur historischen Grösse und Kultur dein: Vor drei Jahren erst | seiner Stadt ein unrühmliveranstaltete man dort eine Gedächtnisausstellung für den grossen Wahl-Salzburger Stefan Zweig, worin seine enge miUrbsitende Beziehung zu Strauss sehr klar gezeigt worden war. Darr als freilich hiess der Salzburger Landesrat Josef Kaut — ches Beispiel gesetzt hat Welcher Partei der Mann angehört. sei hier uner örtert scheint doch das resignierte Wort eines weisen Wieners „In Oesterreich war keiner ein Nazi und jeder ein Nazi — ganz nach Bedarf“ in Salzburg anno 1964 sich wiewährend jetzt Landeshaupti der aufs eindeutigste zu bemann Dr. Ing. Hans Lechner Wahrheiten. Probleme seines Volkes be- bis 1938? Jeder halbwegs ge_ DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER 94 Allenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BEÑO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2205 deutet. Das Musical „Tewje“ wird sicherlich nicht nur viele Monate sondern viele Jhre im Imperial - Theater in New York ein Beweis dafür sein, dass die drei Millionen Juden nach gutem, echtem jiddischen Theater lechzen und dass ein wahres, kulturelles Bedürfnis danach besteht. Gegen Rassenhetze Montevideo. — Aus jüdischen Kreisen in der uruguayischen Hauptstadt ver. lautet, dass der seit dem Jahre 1954 vorliegende Gesetzentwurf, der die Aufreizung zum Rassenhass und auf Rasse, Religion oder Nationalität gegründete Verleumdungen von Individuen oder Gruppen unter Strafe stellt, in Kürze zur Annahme gelangen dürfte. (OJI) Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung ★ MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG ★ LOHNANFERTIGUNG Ernst Koppel Maipü 982 Tel. 31-7845 bildete Mensch weiss es, und der Platz vor dem Festspielhaus verkündet es; Es war der Meisterregisseur Max Reinhardt (der 1943 im amerikanischen Exil starb!) Ein Plan eines Festspielhauses in Salzburg wurde von ihm schon 1917 verfasst (ein grö. serer dann von Hofmannsthal 1919). Mit Richard Strauss und Hofmannsthal sowie zwei anderen Herren sass Reinhardt im Kunstrat der Salzburger Festspiele. In der derzeitigen Ausstellung verspürt man von alldem „kaum einen Hauch“. Ein einziges Mal nur tauchte in der Ausstellung und ihrem Katalog der Name Reinhardts auf: Ein Telegramm von ihm an Hofmannsthal vom August 1920 wird exhi- Warum schwieg der Papst? London. — Ein englischer Verlag veröffentlichte ein „Die Kriegsjahre“ betiteltes Buch, in dem Dokumente über die deutsche Aussenpolitik in den Jahren 1918 bis 1945 publiziert werden. In dem Bericht des deutschen Diplomaten Fritz Menshausen aus Rom heisst es: „Man gewinnt immer wieder die Ueberzeugung, dass Pius XII. in seinem Herzen auf Seiten der Achsenmächte steht“. Obwohl es ihm Deutschland durch seine gegen die Kir. che gerichtete Politik un möglich gemacht habe, öffentlich Partei zu nehmen, so habe sich der Papst auch jeder Kritik an den Verfolgungen der Katholiken enthalten, „um — wie Menshatisen schreibt — Deutschland und seine Alliierten nicht zu desavouieren“. (WJO) - Israel Abfahrten mit K.L.M.: 13. JANUAR 1965 20. JANUAR 1965 ,♦* Su Agencio do Viejos T U C U M A N 978, p. 4 T. E. 35.2567 und 35-2779 HOTEL LAGO "T3 Inhaber: Leo Kahn RIO CEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft in Buenos Aires: 76-2009 v. 8—10 Uhr BEKANNT DURCH AUFMERKSAME BEDIENUNG UND HERRLICHE LAGE ALFREDO STERN MALERARBEITEN ALLER ART Departamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranschläge , für jede Arbeit T,E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 DEPOSITO: V. de la Plaza 1779

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.