Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2094 (11.12.1964)
- Date
- 1964-12-11
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Sh — Viem«*, 11 de Diciembre de 1S64 LA SEMANA ISRAELITA Arfvu XXV. — N? 2«M it tiefer Beschaemung (Schluss von Seite 1) abwegig sein, wofür die Worte „die Geschichte des Heils“ sprechen. Bekanntlich hätte es niemals für die Kirche ei. ne Judenfrage gegeben, wenn die Juden sich hätten taufen lassen. ij. ...und Politik Dass die Kirche Politik betreibt — und betreiben muss —. kann nicht in Frage gestellt werden. Jede Kirche hat auch ihre politische Geschichte und eine bestimmte Einstellung zu den Problemen der Gegenwart. Nicht immer haben die Kirchen ihre Prinzipien mit dem politischen Geschehen und ihrer eigenen politischen Li. Eie in Einklang zu bringen vermocht. Wie weit sich die Russische Orthodoxe Kirche zum Vorspann kommunistischer Pläne machen liess, ist oft und heftig kritisiert worden. Aber die Tatsache als solche, als eine historische Erscheinung, bleibt trotz aller entsprechender Vorwürfe bestehen. Hiervon zeugt ein Schreiben des Oberhauptes der bulgarischen Kirche an den Moskauer Patriarchen, in ■welchem es u. a. heisst: „Heute sehen wir gemeinsam mit unserer christlichen Herde, dass die Beziehungen zwischen der von Eurer Heiligkeit geleiteten Orthodoxen Kirche und dem Sowjetregime in Ihrem Land nicht nur friedliche und normale, sondern enge und herzliche sind. Dies dient dem Wohle Ihrer Kirche, des Russischen Reiches und des Sowjetregimes, dem ilie Orthodoxe Kirche eine treue Mitarbeiterin und zuverlässige Helferin bei der Pflege des Volksge- ■wissens und der Festigung des höchsten patriotischen Pflichtgefühls der Sowjetbürger ist“. — Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2J90 1« izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Man soll nicht sagen, dass die Orthodoxe Kirche in Russland zu solchen Stel. lungnahmen gezwungen ist, wie sie aus dem zitierten Schreiben des Repräsentan ten der bulgarischen Kirche zu entnehmen sind. Man könnte diesen Brief als eine scharfe Kritik an dieser Haltung betrachten, obwohl er nicht in diesem Sinne geschrieben wurde. Von der Unterdrückung anderer christlicher Gemeinschaften im Sowjetbereich ist mit keinem Wort die Rede, obwohl sogar heute noch hohe christliche Wiir den träger als Gefangene leben. Wo bleibt der Dienst an der Wahrheit? m.! Kleine Bahnstation Seit einigen Wochen wird in Düsseldorf ein Prozess gegen Kriegsverbrecher durchgeführt, der durch den Auschwitzer Monster-Prozess in den Hintergrund gedrückt wird, dennoch aber Schrek. kenstaten der Nazis und Leiden der Juden zum Gegenstand hat, die ebenso entsetz- ) lieh sind wie diejenigen, die , j in Frankfurt abgeurteilt werj den. |! In Treblinka, einer kleinen j I östlich von Warschau gele. | genen Bahnstation sollen j vom Juli 1942 bis zum Oktober 1943, also in 18 Monaten, etwa 700.000 Juden systematisch getötet worden sein. Eine polnische Dokumentation, herausgegeben von der „Zentralkommission zur Untersuchung der Naziverbrechen in Polen“, geht über diese Zahlen noch hinaus und spricht von 800 000 in Treblinka ermordeten Juden. Nimmt man eine zwischen diesen beiden Zahlen. ¿.ngaben gelegene Todesziffer, so bedeutet das nicht rnelir und nicht weniger, als dass während einem und einem halben Jahr in Treblinka jede sechzig Sekunden ein Mensch ermordet worden ist. Von den vierzig Mitgliedern der SS - Wachmannschaft sitzen elf nach fast genau 21 Jahren auf der Anklagebank. Der stellvertretende Lager - Kommandant Kurt Hubert Franz aus Düsseldorf, der später Komman. dant wurde, und sechs Mitglieder seiner Mannschaft haben sich wegen vielfachen, teils gemeinschaftlich begangenen Mordes zu verantworten. Sie zeigen, dass die Zeit immer mehr zugunsten derjenigen arbeitet, die an der „Endlösung der Judenfrage“ beteiligt waren. Die ersten Hinweise stammen aus dem Hirtreiter-Prozess, der 1950 in Frankfurt verhandelt wurde. Im Verfahren gegen den SS-Mann Hirtreiter, der als „Kindertöter von Treblinka“ bekannt wurde, fielen Namen wie Franz, Frankenstein, Krimine, Kepel Ehe malige Häftlinge kannten unter diesen Bezeichnungen Mitglieder der SS in Treblin ka. Waren es Spitznamen Vor- und Zunamen? Die' Häftlinge wussten es nicht mehr. Die Ludwigsburger Zentralstelle zur Ermittlung von NS-Verbrechen stellte ■ zahllose Nachforschungen an. | Am 9. Juli 1959 wurde eine Akte angelegt, ln der alle) Hinweise auf die SS-Mann, I schaift des Vernichtungsia- | gers gesammelt waren. Am! 2. Dezember 1959 wurde in j der Augustastrasse 25 in I Düsseldorf der damals 55 1 Jahre alte Koch Kurt Hu. j bert Franz verhaftet. Er, so 1 bestätigte die Voruntersu.! chung, war der Komman-! deur der SS-Mannschaft. Die I Häftlinge nannten ihn „Lai.! ka“ (Puppe). Franz soll mit! Maschinenpistole, Peitsche ' und seinem auf die Häftlin- I 8« scharf gemachten Hund! „Bari“ ein unvorstellbares i Schreckensregiment im La- I ger geführt haben. Er soll; Häftlinge zu Boxkämpfen 1 animiert haben, um sie dann mit einer im Boxhandschuh verborgenen kleinen Pistole während des „Kampfes“ zu erschiessen... Von Franz führte der rote Faden zu anderen ehemaligen SS-Leuten, die bis zu I ihrer Verhaftung ein gutbürj gerliches Leben führten. Den Spitznamen Krimme Kepel (Schiefhals) führte der 1960 in der Nähe von Tecklenburg im Münsterland verhaftete Geschäftsführer Augunst Wilhelm Miete. Als „Frankenstein“ — ebenso ein Häftlingsspitzname — wurde im gleichen Jahr der Rentner Willi Mentz in Niedermeien bei Lemgo identi. fixiert und verhaftet. 1962 wurde der Oberpfieger Arthur Mathes, SS-Oberseharführer in Treblinka, festgenommen. Weitere Festnahmen erfolgten. Man ist mehreren Verbrechern aus Treblinka auf der Spur. Ein zweiter Trebiinka-Prozess wird bereits vorbereitet. Alle Angeklagten sind nicht vorbestraft. Alle führten bis sm ihrer Verhaftung ein gut bürgerliches Leben. Ihr Gewissen quälte sie offenbar nicht. Die Wahrheit über Trebiinka zu ergründen, ist aus zweifachem Grunde schwierig. Es sind nicht nur 21 Jahre seit der Schliessung des Lagers vergangen. Die SS hat vielmehr das Lager im November 1943 abreissen und . das Gelände umpfiügen las- I sen. Auf SS-Anordnung wur den über der Vernichtungs. stätte Blumen gepflanzt und Getreide gebaut. Die Polen haben nach 3945 dort Gedenkstätten errichtet. Aus Dokumenten, die dem Ge- Treffen »n Amsterdam Amsterdam. — Hier fand ein dreitägiges Treffen der Delegierten von 60 europäischen Widerstands Bewegungen statt, die die Wiedergeburt von Nazi-Organisationen in der ganzen Welt feststellten. Als besonders gefährdet durch die Verbreitung des Rassenhasses wurden Aegypten, Deutschland, Oesterreich, Japan, die Vereinigten Staaten und Südamerika bezeichnet. (WJC) rieht vorliegen, lässt sich jedoch ein hinreichend konkreter Ueberblick gewinnen. Schon im Sommer 1941 wurde ein sogenanntes Strafarbeitslager Treblinka eingerichtet. Polnische Häftlinge — nicht ausschliesslich Juden — wurden gezwungen, in einer nahegelegenen Kiesgrube zu arbeiten. Die Einöde inmitten ausgedehnter Wälder mag mitbestimmend für den Entschluss des Distrikts Gouverneurs von Warschau, Ludwig Fischer, gewesen sein neben diesem Arbeitslager ein Vernichtungslager bauen zu lassen. Treblinka sollte die gleiohe Funktion wie die Lager Sobibor, Chelnmo, Belzec und Majdanek erfüllen. Am 7. Juli 1942 meldete der SS-Untersturmführer Dr. med. Irmfried Ebel dem Kommissar des Warschauer Ghettos, Auerswald, in Treblinka sei „die Anlage bereits bis Sonnabend behelfsmässig arbeitsfähig.“ Gemeint waren die Gaskammern, in denen vom 23. Juli jenes Jahres an mehr als 700.000 Menschen sterben sollten. Nicht durch Zyklon B, sondern durch Verbrennungsgase von Motoren, die durch Rohrleitungen in die Kammern geleitet wurden. An Hand von Fahrplananordnungen und Wagenlaufzetteln der Reichsbahn lässt sich der Leidensweg der Juden verfolgen, die aus allen Himmelsrichtungen, aus Oesterreich, Belgien, der Sowjetunion und dem Warschauer Ghetto nach Treblinka transportiert wurden. Wenn diese Berichte in. Deutschland veröffentlicht werden, — und sie werden laufend von den grössten bis zu den kleinsten Zeitungen gebracht —, müsste dies der „heutige Christ nur mit tiefer Beschämung vernehmen“. Obwohl wir hieran nicht zweifeln, sind wir umso mehr verwundert darüber, dass die Deutschen keinen Weg fin. den, um die Verjährungsfrist für Kriegsverbrechen zu verlängern. Auch über manche anderen Erscheinungen und Entwicklungen in der Bundesrepublik müssen wir nach all dem, was geschah und jetzt allgemein bekannt ist, erstaunt seinl IV. Wer schützt wen? Zu den Tatsachen, die unverständlich sind, wenn man die Haltung der westdeutschen Regierung analysiert, gehört die halbe Arbeit, die auf dem Gebiet der Verfol. gung von Kriegsverbrechern geleistet wird. Die sogenannten Schreibtisch-Mörder werden nicht a «gerührt. Es ist schon langweilig, die Namen herzuzählen. Unbeantwortet geblieben ist bisher die Frage, aus welchen Gründen die sonst so rührige und pflichtbewusste Staatsanwaltschaft der Zentralstelle zur Bekämpfung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg vor diesen Leuten zurückschreckt. Liegt eine entsprechende Anweisung höheren Orts vor? „Leider ist es so, dass die wirklichen Anstifter zu diesen Morden nicht . auf der Anklagebank sitzen und zum Teil heute in der Industrie und in der Wirtschaft wieder führende Positionen einnehmen, Diese wären es, die in erster Linie zur Verantwortung gezogen werden müssten". Dies schrieb ein Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Chemie in Bayern zum Auschwitz-Prozess vor einigen Monaten in einer Düsseldorfer Zeitung. Die Arbeitsgruppe der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz beim Comité der Antifaschistischen Widerstandskämp-! fer in der Deutschen Demo-! kratischen Republik hat eine Dokumentensammlung über IG-Farben . Ausehwitz- Mlassenmord herausgegeben. Sind die dort abgedruckten Dokumente deswegen falsch, weil sie von diesem Comité in der DDR veröffentlicht worden sind? Die politische Gegnerschaft der Bundesre- LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee« los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 1? Izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährl. publik hat doch mit de* Echtheit der vorgeiegten Do» kumente nichts zu tun. Schliesslich ist doch auch Prof. Dr. Kaul als Nebenkläker aus Ostdeutschland beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt zugelassen worden. Das veröffentlichte Material reicht zumindest aus* um den dringenden Tatverdacht gegen mehrere frühere IG-Farfaendirektoren zu begründen. Bekanntlich hat diese Firma in einer geradezu unerhörten Form die „Zwangsarbeiter“ als Sklaven benutet. An dem Tatbestand als solchem kann überhaupt kein Zweifel sein. Dar. über hinaus steht die Belieferung mit dem berüchtigten Gas .Ziklon B“, das für die Gaskammern benutzt wurde* in engstem Zusammenhang mit den IG-Farben. Dass die Leitung dieses Industriekonzerns genau über die Vorgänge unterrichtet war, kann ebenfalls nicht zweifelhaft sein. Dass gegen die namentlich bekannten, ehemaligen Direktoren der IG-Farben ebenso wenig wie gegen ander© Schreibtischmörder etwas unternommen wird, ist auch dazu angetan, den heutigen mung“ zu erfüllen. Oder nicht? Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández ELECTROCARDIOGRAMME CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montag bis Freitag; 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von CJESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaiJiebeutel Käppchen Maz zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. 1. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE -0286 73-1049 M0HEL N. PLAKSIN Superí27ir T. E. 76-6784 n. 76-2312 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN «. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. 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