Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2094 (11.12.1964)
- Date
- 1964-12-11
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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s™R.r;r fó. Año XXV. BUENOS AIRES. VIERNES U DE DICIEMBRE DE 1964 Nm 2094 DEBATTE IM SICHERHEITSRAT Vereint« Nationen. — Die Sowjetunion richtete im Sicherheitsrat einen der heftigsten Angriffe gegen Israel, die jemals während Vieler Jahre in diesem Forum gehört wurden. Sie beschuldigte Israel des „provokativen Vorgehens und direkter Aggression" gegen Syrien am 13. November. Die USSR forderte, dass der Sicherheitsrat zur Aktion schreite, nicht nur um Israelzu verurteilen, sondern auch um die Möglichkeit einer Wiederholung derartiger „Aggressionen“ auszuschalten. Der Angriff wurde von dem ständigen sowjetischen Repräsentanten Nikolai Fedorenko geführt und fand auf der fünften Sitzung des Sicherheitsrates über die ge. genseitigen syrisch - israelischen Klagen wegen des Zwischenfalls vom 13. November statt. Fedorenko führte aus, dass der direkte Angriff zu diesem Zusammenstoss die israelische Hartnäckgikeit gewesen sei, einen „einseitigen Entschluss“ zur Wiederherstellung eines Grenzweges durchzusetzen, der einige wenige Meter durch syrisches Gebiet führt. Er wies darauf hm, dass sich die Kämpfe in einer „höchst empfindlichen“ Zone abspielten, da „hier die Quelle des Jordanflusses liegt“, und griff einige Satze aus dem offiziellen UN-Berioht über den Zusammenstoss vom 13. November heraus um zu beweisen, dass Israel die ganze Schuld treffe. Der sowjetische Delegierte klagte Israel an, einer von den militärischen Beobachtern der ÜN-Organisation für die Ueberwachung der Waffenstillstände vorgesciila. genen Abmachung über die Feuereinstellung auszuweichen und seine Jets zu Flügen über Syrien auszuschikken, wati „eine gröbliche Verletzung des syrischen Luftraums“ bedeute. Die Operation in der Luft stellte seiner Aussage nach nicht einen gewöhnlichen Flug da*-, sondern „eine Serie von Angriffen, die im Rahmen ei. nes vorbedachten Plans von Aggressionen in grösserem Miasstab durchgeführt werden.“ Israel und nicht Syrien sei der Feuereinstellung aus dem Wege gegangen, so behauptete er und fügte hinzu: „Israel unternimmt einseitige Aktionen und handelt nach dem Prinzip der Vergeltung, das bei zwei früheren Gelegenheiten in diesem Sicherheitsrat verworfen worden ist.“ Fedorenko vertrat den Standpunkt, dass der Zusammenstoss vom 13. November Teil eines israelischen strategischen Plans gewesen sei Papst begrüsst Bombay. — Eine jüdische Delegation wurde von Papst Paul VI. während seines Aufenthalts in Indien empfangen. Die Delegierten begrüssten den Papst im Namen der indischen Judenheit, die seit 2.000 Jahren in Frieden in diesem Lande lebt. Pius VI. dankte den Delegierten in lateinischer Sprache für die Grüsse der Juden Indiens und bat sie, diesen mitzuteilen, dass der Besuch ihn erfreut habe. (ITA) und dass „Israel wohl gewusst habe, dass es hiermit als Angreifer gelten würde.“ Um diese Behauptung zu untermauern, zitierte er Teile der antiisraelischen Deklaration, die kürzlich auf der arabischen Spitzenkonferenz in Alexandrien zur Annahme gelangte, und die Israel anklagt, als „Vorkämpfer für den Neokolonialismus“ zu handeln. Den Vorschlag des Generals Odd Bull, neue topographische Karten des Geländes anzufertigen. unterstützte der Delegierte der Elfenbeinküste, Arsene A. Usher. Ebenfalls in versöhnlidhem Ton sprach der brasilianische Delegierte, Aussenminister Vcsco Leitao da Cunha. MAROKKANISCHE ANKLAGE Nach der sechsten Sitzung des Sicherheitsrates wurde die Debatte über die bewaffneten Zusammenstösse an der syrisch-israelischer. Grenze für einige Tage unterbrochen. Wie der Präsident des Sicherheitsrats Bot schafter Fernando Ortiz Sanz aus Bolivien erklärte, wollte er mit anderen Mitgliedern über die weiteren Verhandlungen beraten: Wie man glaubt, hatten die drei Grossmächte des Westens, — USA, Grossbritannien und Frankreich — den Wunsch geäussert, eine Resolution zu umgehen und eine allgemein gehaltene Formulierung zu finden, um beide Parteien aufzufordern, ihre Feindseligkeiten einzustellen und enger mit der UN-Organisation für die Ueberwachung der Waffenstillstände zusam menzuarbeiten. Nunmehr trat der Sicherheitsrat -wieder zusammen. Marokko reichte ein Resolu tionsprojekt ein, in dem die energische Verurteilung Israels gefordert wird, weil es, wie es darin heisst, zu „Terror und Zerstörung“ greift, um seinen politischen Konflikt mit Syrien zu lösen. Der marokkanische Botschafter Dey Oul Sidi Baba wies darauf hin, dass der von Israel gegen Syrien geführte Luftangriff „einen gefährlichen Präzedenzfall“ darstelle. Israels Delegierter Michael S. Comay bemängelte, dass der marokkanische Vor schlag keinen Hinweis auf die von den UN befürwortete Untersuchung der Grenzzone enthält, was beweise, dass die arabischen Staaten sich dieser Massnahme widersetzen. Die Sitzung wurde aufgehoben, ohne dass es zur Ab Stimmung über den von Marokko gestellten Antrag kam. Wie man annimmt, ist eine für Iärael günstige Resolution nicht zu erwarten, weil die Sowjetunion ihr Veto einlegen würde. WIE ICH ES SEHE Mit tiefer i Beschaemung von JEHUDA GOTTHEIMER I. Kontakte „Kontakte“ ist der Name der „Allgemeinen Jüdischen Jugendzeitschrift“, die ein Sonderheft zur Ausstellung Monumenta Judaica Ende des vergangenen Jahres mit einer Reihe interessanter Abdrucke von Reden und Vor- I trägen herausgegeben hat. | So werden auch Referate : wiedergegeten, die über das; Thema „Christlicher Antisej mitismus“ von einem Rabbi. I ner (Dr. Salzburger, London), einem Repräsentanten der Katholischen Kirche (Prof. Dr. J. M. Nieten, Köln) und einem Protestanten (Prof. Dr. H. J. Kraus Hamburg) gehalten worden sind und nichts an Aktualität verloren haben. Diese Gespräche haben aber nur einen relativen Wert, weil sie von Men. sehen geführt werden, die den ehrlichen Willen haben, das Gemeinsame zwischen den „Glaubensbekenntnisi sen“ oder — wie man zu sagen pflegt —, zwischen den „drei grossen Religionen“ zu betonen und anzuerkennen. Es sind keine echten „Streitgespräche“ denn das Trennende, das zur Existenz von drei verschiedenen Religionen führte, bleibt unerwähnt und wird nicht diskutiert. Wenn wir deswegen von einem .relativen' Wert sprechen. so soll darin keine Herabsetzung der Bedeutung solcher Darstellungen durch die Repräsentanten der drei gro. Der „Schlaechter von Paris“ Karl Oberg, ehemaliger höherer SS- und Polizeiführer in Frankreich, lebt heute in Flensburg. Erst im Jahre 1954 ist der SS-Obergruppenfiihrer von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt worden. Der „Schlächter von Paris“ war gemeinsam mit seinem Adjutanten, SS- Standartenfiihrer Dr. Helmut Knoche, für die Deportation von fast 200.000 Franzo. sen verantwortlich. Nur 50.000 von ihnen blieben am Leben. Zahlreich Geiselerschiessungen und Gefangenenmisshandlungen kamen hinzu. Im Jahre 1958 wurde Oberg zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt und im Februar 1963 von Staats Präsident de Gaulle freigelassen — eine Art Vorleistung auf die deutsch.französische Freundschaft, Doch nicht nur der Bundeskanzler, auch Bundesverteidigungsminister Kai Uwe v. Hassel ist sehr bemüht um das Wohlerge^ hen des „Schlächters von Paris“. Durch seinen persönlichen Referenten Siebe setzte sich der Bundesverteidigungsminister beim Kieler Sozialministerium dafür ein, dass Oberg als Spätheimkehrer anerkannt und ihm die entsprechenden Summen ausgezahlt werden. Auch der evangelische Kirchenpräsident Stempel hat sich dafür eingesetzt, dass Oberg die Eigenschaft eines Spätheimkehrers und entsprechende Beträge erhält. , Oberg klagt bereits vor den Verwaltungsgerichten wegen seiner 131er-Beziige. Und da seine Frau während der Haft lediglich Bezüge nach dem Unterhaltsgesetz erhielt, verlangt Oberg Nachzahlungen. Er beansprucht für Vergangenheit und Zukunft Generalspension, schon jetzt sollen von der Landesregierung weit über 100.000 DM an den Kriegsverbrecher gezahlt worden sein. Die Klage des Kriegsverbrechers ist ei. ne Art Musterprozess im Interesse der geh -f samte SS.Prominenz. Auch SS-Sturmbannf (ihrer Bieberstein, zuerst zum Tode verurteilt, dann begnadigt und schliesslich freigelassen, führte Klage wegen seiner 131er-Bezüge. Bieberstein klagt, weil seine Frau „erst“ 14.900 DM als Vorschuss auf seine Beamtenbezüge erhielt. Ueber seine Beamtentätigkeit hat Bieberstein in Nürnberg folgende Aussagen gemacht: „Während meiner Dienstzeit als Chef des Einsatzkommandos VI vom September 1942 bis Juni 1943 sind in dem mir zugeteilten Raum zirka 2.000—3.000 Hinrichtun. gen vom Einsatzkommando VI vorgenommen worden. Ich selbst beaufsichtigte eine Exekution in Rostock, die mit Hilfe eines Gaswagens vorgenommen wurde.“ (Aus einer deutschen Zeitung) Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ PAPST PAUL VI. nahm am Eucharistie hen Kongress in Bombay (Indien) teil, wo er auch Gespräche mit Staatspräsident Sarvali Radhakrishnan führte und einen Appell an alle Völker zur Abrüstung und Einstellung des Rüstugswettlaufs richtete. — PARTEISEKRETAER LEONID BREZHNEV, einer der neuen Moskauer Machthaber, richtete einen wütenden Angriff gegen zahlreiche westliche Politiker. — PRAESIDENT „OHNSON jrahnte den Westen zur Einigkeit und warnte vor einem verfehlten Nationalchauvi. nismus. — GUSTA VO BI AZ ORDAZ, 53 Jahre alt, übernahm die Präsidentschaft Mexikos, nachdem er siegreich aus de« .Wahlen hervorgegangen war. — RUSSLAND und CHINA waren über das Vorgehen im Kongo nicht einig, sodass es zu neuen Diskussionen zwi sehen beiden Ländern kam. — GROSSBRITANNIEN bestritt, die Absicht zur Verminderung der in Deutschland stationierten Truppen zu haben. — ENVER HOXHA, ALBANIENS kommunistischer Chef, meinte bei einer Pressekonferenz, die Wiederherstellung der kommunistischen Einheitsfront sei nahe; sie sei nur von der Erfüllung .gewisser Bedingungen' abhängig... WILLY BRANDT, der Parteivorsitzende der bundesdeutschen Sozialdemokraten erklärte, die Aussichten der SPD für die Wahlen 1965 seien ausgezeichnet. — DIE KONGO-KRISE ist trotz der Intervention fremder Mächte nicht behoben. Noch immer gibt es weisse Geiseln und blutige Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen. — Die UN-KOMMISSION in Genf stellte mit Besorgnis das starke Anwachsen des internationalen Handels mit Narkotika fest. — DIE AUSSENMINISTER Amerikas. Dean Rusk, und Russlands, Andrej Gromyko, hatten eine lange Aussprache, in der sie u. a. auch über die Möglichkeiten einer allgemeinen Abrüstung konferierten. — TAUSENDE INDONESIER griffen die amerik (tusche Bibliothek in Yakarta (Hauptstadt Indonesiens) an und steckten sie in Brand. Der Grund war die amerikanische Kongo-Intervention zur Rettung von weissen Geiseln... — URUGUAYS AUSSENMINISTER, Alejandro Zorilla de San Martin, protestierte vor der brasilianischen Regierung, weil brasilianische Militärflugzeuge mehr als 30 km tief in uruguayisches Gebiet eingedrungen waren. — ROT-CHINA erklärte, es werde an den Beratungen der UN nicht teilnehrren, wenn die Vertreter des nationalistischen Chinas offiziell anwesend sein könnten. — DER MISSGLUBCKTE VERSUCH des argentinischen Expräsidenten, General Juan D. Perón, in sein Land zu" rückzukehren, hat nicht nur Aufsehen erregt, sondern auch internationale Diskussionen hervorgerufen. — ANTONIO SEGNI, der Präsident Italiens, ist wegen seiner schweren Erkankung von seinem Amt zurückgetreten. —• ssen Religionen erblickt, sondern nur der Tatsache Rechnung getragen werden, dass hierdurch keine grundsätzliche Annäherung erfolgen kann. Meist tragen diese Referate auch einen gleichbleiben. den Grundton. Die jüdischen Repräsentanten sind darum bemüht, den anderen zu beweisen, dass die gegen die Juden erhobenen Vorwürfe unberechtigt sind. Es wird auf die Tatsache hingewiesen, dass die christlichen Religionen aus dem Judentum hervorgegangen seien und hieraus alle Konsequenzen gezogen werden müssen, die zu einer gründlichen Revision des christlichen Stand. Punktes in theologischer und praktischer Beziehung Veranlassung gäben. Demgegenüber versichern die christlichen Sprecher die Juden ihrer Sympathien, distanzieren sich von jeder antisemitischen Regung, und beto nen, dass manches sich tiefgehend ändern müsse und den Juden Gerechtigkeit widerfahren solle. Solche Gespräche und Annäherungen wurden nicht erst in den letzten Jahren aufgenommen. Bereits im März 1848 sprach in Wien am Grabe der für die Freiheit gefallenen 28 Männer, unter denen sich zwei Juden befanden, die gemeinsam mit ihren Kameraden beerdigt wurden, auf Wunsch der christlichen Geistlichen und im Einvernehmen mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde deren Prediger Isak Noa Mannheimer, nachdem auch der berühmte Kantor Salomon Sulaer am Grabe einen Psalm gesungen hatte. Aber an der herrschenden Grundeinstellung der „anderen“ gegenüber den Juden haben alle diese Zeugnisse der Menschlichkeit nichts geändert Das lehrt uns zu unserem Betrüben die Zeit zwischen 1848 und dem Heute In seinem Referat wias ■Professor Nielen u. a. auf die Technische Hilfe Rio de Janeiro. — Die israelische Regierung Unterzeichnete ein Abkommen mit Brasilien, durch das Israel für die Entwicklung von Wasserprojekten in den unterentwickelban Provmzen des brasilianischen Nordens, wie Rio Grande do Norte, technische Hilfe in Höhe von 100.000 Dollar zusagt. Das Abkommen wurde von Botschafter Joseph Nahmis für Israel und vom Gouverneur Alves von Rio Grande do Norte, für Brasilien unterfertigt. (ITA) hasserfüllten Reden des Johannes Chrysostomus, Bischof von Antiochia, gegen, die Juden hin, der im 4. Jahrhundert lebte und eine Strafpredigt gegen die Juden hielt, „für die er heutzutage wahrscheinlich vor den Staatsanwalt käme“. Der Jesuitenpater Browe hat in einem Buch „Die Judenmission im Mittelalter und die Päpste“ (erschienen 1942, also mitten während der nazistischen Judenverfolgungen) u. a. gesagt: „Was in diesem Zeitraum (vonseiten der Kirchte) geschah, das kann, bei aller Zubilligung mildernder Umstände fiir die Zeitgebundenen, der neu. tige Christ nur mit tiefer Beschämung vernehmen“. Nielen sobliesst sein Referat mit der Aussicht darauf, dass „Judenheit und Christenheit einst zur vollen Einheit gelangen werden, nicht durch der Menschen guten Willen, sondern durch den Herrn, der die Geschichte des Heiles der Welt ihrem vollendeten Ende zuführen wird“. — Ob hiermit gemeint war. dass die Juden sich taufen lassen sollen, bleibe dahingestellt. Jedenfalls dürfte diese Interpretation nicht ganz (Schluss auf Seite 2)