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Jüdische Wochenschau · 1964-11-20 · 2091 (20.11.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2091 (20.11.1964)
Date
1964-11-20
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 20 de Noviembre de 1964 L A semana israelita Año XXV. — N? 2991 — 3 Das war einmal charakteristisch In den Kriegsverbrecher- Prozessen treten mitunter Zeugen auf, die nach dem festen Eindruck aller Anwesenden nicht auf den Zeugenstand, sondern auf die Anklagebank gehörten. Da waren jüngst im Auschwitz Prozess zwei ehemalige SS-Männer als Zeugen «-schienen, — der eine arbeitet heute als Autoschlosser, der andere als Gerber irgendwo in Deutschland... —, die Jahre hindurch in Auschwitz stationiert und als SS-Männer tä. tlg waren. Hierzu schreibt ein deutscher Berichterstatter, dessen Ausführungen wört lieh wiedergegeben seien: „Damals, nach der Machtvon JAKOB KÍTZ-ROGASEN ren Zeugenaussagen, ob sie nun auf der Anklage- oder auf der Zeugenbank sitzen. Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass sie direkte Anweisungen oder Hilfsstellungen erhalten haben, denn man soll nicht anehmen, dass die alten Drähte zerschnitten sind, und wo sie es waren, hat man sie wieder repariert. Eines Tages wird es noch klarer werden wer die Hintermänner sind, und welche Parolen im einzelnen herausgegeben wurden. j Eines Tages aber erschien I in Auschwitz ein Mann, der! nicht Autoschlosser oder Gerergreifung, zählten sie zu ei-; ber> sondern offensichtlich ner neuen Elite der Nation, j ein qualifizierter Intellektuel von der Himmler gesagt hatte: „So sind wir angetreten und marschieren nach unabänderlichen Gesetzen als ein soldatischer, nationalsozialistischer Orden nordisch-bestimmter Männer und als eine geschworene Gemeinschaft ihrer Sippen den Weg in eine ferne Zukunft und wünschen und glauben, wir möchler ist, was man eigentlich seiner Laufbahn entnehmen müsste. Herr Gerhard Wiebeck ist heute in Deutschland als Rechtsanwalt tätig, früher war er Staatsanwalt und Richter, allerdings in Angelegenheiten der SS... Der Rechtsanwalt von heute war als Ehemaliger nämlich auch in Auschwitz, nicht als ten nicht nur sein die Enkel, I Häftling und nicht als Aufdie es besser ausfochten, sondern darüber hinaus die Ahnen späterer für das ewige Leben des deutschen germanischen Volkes notwendiger Geschlechter.“ Heute sitzen die „Ahnen“ etwas weniger aufwendig auf dem Zeugenstuhl, aber der zweifelhafte Halt, den ihnen die Uniform gegeben haben mag und das germanische Leitbild und der „Gehorsam, der nicht ein einziges Mal zaudert, sondern bedingungslos den Befehl befolgt, der vom Führer kommt oder rechtmässig von den Vorgesetzten gegeben wird“ (Himmj 1er), in diesem Korsett von I Blut und Zucht und Auslese scheinen sie noch heute zu i stecken. Der eine war knapp j vier Jahre in Auschwitz und; weiss von nichts, der andere; ist dreister und lügt, dass I sich die Balken biegen; der; Vorsitzende muss es ihm sagen. Den Zeugen berührt es ■ nicht." — Aber sie folgen alle einer bestimmten Richtlinie in ih. Seher, sondern zur Einleitung von Untersuchungen über Korruptionen und über andere Vorkommnisse, die „nicht in Ordnung“ waren. Da meldet sich ein Ange. klagter zu Wort, der als kein grosses Kirchenlicht geschildert wird, aber offensichtlich schlau ist und fragt den ehemaligen Staatsanwalt- Richter und heutigen Rechtsanwalt: „Sie waren doch in Auschwitz. Warum haben Sie denn das nicht gesagt den Leuten, was da geschehen ist. Da sind doch Tausende von Menschen umgebraoht worden. Warum haben Sie denn j das nicht gesagt, dass das I Unrecht ist?“... Da steht er nun, der Zeu- 1 ge und Rechtsanwalt, der da-! mals nichts zu Ende ermittelt und w’enig gesehen und j — schweigend gebilligt hat"! da steht er nun, konfrontiert mit jenem, der die Hand an einem kleinen Hebel der Tötungsmaschine hatte, während er, der SS Untersuchungsrichter, nach kurzem Aufenthalt unberührt und mit weisser Weste der „riesigen, weisslich-gelblichen Wolke und dem penetranten, widerlichen Geruch — meiner Ansicht nach der Geruch von Leichen Verbrennungen“ —wieder den Rücken kehrte — in einer Zeit, da die Mordmaschine mit ihren höchsten Touren lief. Der Zeuge - Rechtsanwalt schweigt; ihm fällt nicht die rechte Antwort ein. Gewiss hat der Gerichtsvorsitzende recht, der dem Angeklagten entgegenhält, dass er allein hätte wissen können und auch tatsächlich gewusst hat, dass dort nur Unrecht geschieht. Aber die Antwort des Vorsitzenden ist unbefriedigend. Hier war einer der intellekutuellen Mittäter vor Gericht erschienen, der noch immer frei herumläuft, obwohl sicherlich seine Schuld nicht geringer ist als die Schuld derjenigen die selbst mit Hand angelegt haben. Dieser Mann war in Auschwitz als ein qualifizierter Ju. rist mit der angeblichen Aufgabe, gegen Korruption einzuschreiten. Da waren Aerzte und Zahnärzte mit der Aufgabe, die Menschen auszusortieren, wer ermordet wird und wer nicht. Und da waren wieder andere, die das Gold aus den Zähnen entfernen mussten einsammeln, lagern, wegschicken sollten zur Grösse des Vaterlandes... Und d'jzu gaben sie sich her die deutschen Intellektuellen, Anwälte, Aerzte, Richter, Apotheker usw. Warum läuft der Rechtsanwalt Wiebeck frei herum? — LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO independiente Bs. Aires — PUEYREDON 219« 1» izq. — T. E. 83-2613 2«. November 1964 15. Kislew 5725 WER HAT BILDER? Der Council of Jews from Germany benötigt — leihweise — für das von ihm heratisgegebene Gedenkbuch: „Bewährung im Untergang" Fotos der folgenden Opfer des Nazismus, die während des letzten Krieges in verantwortlicher jüdischer Gemeinde-, Organisations- und Institutionsarbeit in Deutschland verblieben und später umgekommen sind: Dora Silbermann, Jüdische Gemeinde Berlin Herbert Finkeischerer, Rabbiner in Offenburg und Stettin. Leo Kreindler Jüdische Gemeinde Berlin. John Hausmann, Israel. Tempelverband, Hamburg. Dr. Arthur Spanier Preuss. Staatsbibliothek Berlin Dr. Siegmund Stein Rabbiner der „Ada*s Jeshurun“_Gemeinde Köln. Rückgabe wird zugesichert. Zuschriften werden eiligst erbeten an den Council of Jews from Germany, 183/189 Finchley Road, London N. W. 3. Der SS-General Wolff SS General Karl Wolff, langjähriger Chef des p«sönlichen Stabes des Reichsführers SS Heinrich Himmler, zuletzt Höchster SS-Führer im besetzten Italien, ist vom Schwurgericht des Landge. richts II in München wegen Beihilfe zum Mord an Juden in tausenden Fällen zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslänglich beantragt. Mit diesem Urteil wurde endlich einmal ein Angehöriger der höchsten Führungsschicht der SS wegen seiner MGEBELHAUS WATERMANN Das Hatis der 3 Gesehaf te mit der grossten AuswahI. SARGENTO 1147 T, E. 35 - 7033 CABILD0 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten - Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. Mitwirkung an der „Ekidlö rer Verteidigüng und"bri ihsunS der Judenfrage“ verurteilt nachdem in den letzten Jahren meistens mittlere und untere Chargen, wie SS- Offiziere und KZ-Schergen vor deutschen Gerichten gestanden hatten. Dass Wolff erst fast 20 Jahre nach dem Kriege angeklagt worden ist, hatte mannigfache Gründe. Als höchster SS Führer in Italien (seit 1943) hatte er zusammen mit einem Armeegeneral durch Verhandlungen mit dem damaligen europäischen Chef der amerikanischen OSS Allan Dulles und dessen Mitarbeiter Gero von Schultze Gaevernitz einen vorzeitigen Waffenstillstand in einer Seevilla in Ascona am Lago Maggiore mit den Alliierten abgeschlossen. Es wurde von amerikanischer Seite anerkannt, dass damit auf alliierter Seite ebenso wie auf der Gegensei- Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. 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I Karl Wolff blieb jahrelang , von der deutschen Justiz uni behelligt, lebt« als Kaufmann 1 in günstigen finanziellen Ver. hältnissen in Bayern, bis er j vor zwei Jahren durch Artikel in der Neuen Illustrierten von sich reden machte. Der sehr tatkräftige Münchner Staatsanwalt B. Huber griff zu, fand nach schwierigen Bemühungen weitere belastende Dokumente und i Zeugen über Besichtigungen Wolffs an Vernichtungsstätten im Osten. Der Münchner Landgeriohtsdirektor Mann, hart Hess sich von Wolffs widersprechenden Erklärungen, er habe mit den Judenmorden nichts zu tun und wisse kaum davon, ebensowenig bluffen wie von dem Verteidigungseinwand, Juden seien mest im Kampf gegen die Partisanen und als kommunistische Feinde auf Befehl des „Führers“ aus militärischen Gründen erschossen worden. Hätte Karl Wolff ein offenes Geständnis abgelegt, so wäre die Strafe wahrscheinlich geringer ausgefallen. Dass das Gericht dem Antrag des Staatsanwalts auf lebenslange Strafe nicht folgte, hatte u. a. den Grund, dass er während seiner Tätigkeit in Italien besonders am Ende des Krieges, den frühzeitigen Waffenstillstand mitbewirkt hatte. In der Ur- Gehört er nicht auf die Anklagebank? Ist sein Verbrechen nicht noch grösser als das der Menschenschinder, der Henker und Mörder? Warum erhalten wir nicht einmal auf diese klare Frage eine ebenso klare Antwort? Warum bringen die Deutschen nicht den Mut auf, sich von diesen Verbrechen und den Menschen, die in irgendeiner Form mitwirkten, klar und eindeutig zu distanzieren? Wer aber dieser Zeuge- Rechtsanwalt war, ergibt dann die Vernehmung über seine Person; seiltanzend bewegte er sich über den Abgründen seiner Vergangenheit. Er tat Dienst bei den Gestapo-Stellen Kassel und Trier, später bei der Treuhandstelle Posen, seine militärische Ausbildung erfährt er Anfang 1943 beim SS-Ausbildungsregiment Prag, danach wird er versetzt zum teilsbegründung wies der Vorsitzende des Schwurgerichts ¡Hauptamt der SS Gerichtsbarauf die Niedertracht, Gemein- | keit, wird SS-Richter in Bres heit und die fürchterlichen Verbrechen an den Juden hin, für die Wolff als Gehi'fe Himmlers und Hevdrichs mitverantwortlich sei. lau, ist zeitweise tätig in Kattowitz, der Nebenstelle Zweimal hat er von dort Verbindung zu Aushwitz: irgendetwas mit einem Ring, einmal eine ganz normale Leichenschau ein SS-Mann war unter den Zug gekommen. Die Gerichtsbarkeit über die Häftlinge hatte das Reichsjustizministerium. Der Vorsitzende: „Kein Mensch von den deutschen Richtern und Staatsanwälten ist je nach Auschwitz reingekom. men. Das hätte ich auch mal sehen wollen, wie das gewesen wäre.“ Wiebeck kann sich dann eines Falles erinnern, da er gegen einen SS-Mann verhandelte der versucht hatte, eine Jüdin in einer Holzkiste aus Auschwitz herauszubringen. Er hatte ihn angeklagt „wegen militärischen Unge. horsams und wegen Zolldelikts“. Der Zeuge ist auch bei dieser Schilderung höchst versichtig. es bedarf mehrerer Fragen, bis er bekundet: „Ich habe die Todesstrafe beantragt.“ Genug davon, dieser Schmutz und diese Niedrigkeit der Gesinnung sind ekelerregend. Und so einer, der solches tat und der in diese Schändlich keiten verstrickt war. darf und kann in der Bundesregierung Rechtsanwalt sein... ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHÄEDIGUNGSFRÄGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. 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