Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2090 (13.11.1964)
- Date
- 1964-11-13
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 13 Je Noviembre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2099 Ein Afrikaner iiberwindet Komplexe Unter den vielen jungen Leuten, die während der Sommerferien und der Zeit des Obstpflückens in Ness-ha-nissim eintreffen, fiel mir ein Junger Aethiopier auf, der eines Abends zum Tee kam; ein freundlicher junger Mann, bronzefarben und von der Schlankheit einer Pappel, auch beweglich. Seine Hände begleiteten jede Hede oder tanzten auch nur auf der Sessellehne. Seine sehr ausdrucksvollen Augen „rollten“, wie von einem geheimen Mechanismus bewegt. Natürlich war ich interessiert, was ihm Israel bedeutet. Er erzählte mir, er wolle Psychologie studieren, nachdem er das Sprachstudium hinter sich habe. Er hat noch einige Schwierigkeiten in der hebräischen Unterhaltung, aber ich bin überzeugt, dass sie sehr bald gewandter, flüssiger werden wird. Wir wechselten oft ins Englische um, und Englisch spricht er fliessend. Israel als „Staatsganzes“ besagt ihm nicht viel, nicht etwa weil er Antipathien hegt, — davon ist gar keine Rede — sondern weil er „prinzipiell“ gegen Nationalisten Ist, egal welcher Färbung. Er meint, die Staatsgrenzen in der Welt hätten in der Vergangenheit nichts als Uebel gebracht. Gerade das sei das innerste Anliegen seines kommenden Psychologiestudiums, all jene Hemmungen und Clichés zu erkennen, in denen der moderne Mensch denkt, fühlt und handelt, um sie abbauen zu lernen, das Bindende und nicht das Trennende zu betonen. Also: ein junger Weltbürger. (Es ist gut Weltbürger zu sein, wenn man ein schönes Vaterland als Rückendekkung hat, dachte ich mir). Er ist auch gegen „Konfessionen“, obwohl er den Papieren nach koptischer Christ ist. Aber auch das, so betonte er. besage ihm nichts; eine Gottesgewissheit habe er, worunter er nur das „Unbe. greifliche“, das „Höhere hinter uns“ verstehe. Doch könnte wohl ein Mohammedaner, ein Buddhist, ein Jude diese sehr wenig präzisierte „Gottheit“ anerkennen, da sie zwar keine religiöse Bedeu- MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Gescliäf te mit der grössten Auswahl. SARMüENTO 1147 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. von Dr. N AFT ALI C. ROSENSTEIN tung habe, aber wohl eine Psychologie Wahrheit ausspreche, dass jeder Mensch, unabhängig von Lehrmeinungen, seine Unzulänglichkeit bekennen müsse und also ein Schutzflehender sei. Er sei also gottgläubig, aber antikonfessionell. Die Kirchen hätten nur Schaden gestiftet, meint er. Wie er mit uns Juden auskomme, fragte ich ihn. „Aus die Mama lege den Zeigefinger auf den Mund und flüstert, bestenfalls — „Pst, das sagt man nicht!“ „Aber damit sage ich Ihnen ja nichts Neues! Es soll Länder geben, wo auch Kinder auf Juden zeigen: „Guck mal, Mutti... ein Jude!“ Und die Mama: „Pst, das sagt man nicht...“ Doch leugne ich gar nicht, dass ich ein „Kusehi“ bin, so wie sie wohl nicht leuggezeichnet“, meinte er, doch! nen werden, ein Jude zu sein. Es kommt jeweils auf die entscheiwolle er auch damit nichts Generelles über die Juden sagen, sondern die Menschen, denen er näher kam, waren freundlich, einige sogar echte Freunde. Doch er glaube nicht, dass die Juden prinzipiell humaner seien als viele andere Völker; sie hegen die gleichen Rassenvorurteile, die man auch sonst an so vielen Plätzen der Welt beobachte, und besonders peinlich sei es, mit schelen Augen betrachtet zu werden, wenn man mit einem israelischen Mädchen spazieren gehe. Kinder flüstern „Kusehi“ und Nuance an. Sie det.“ — Glauben Sie, dass es auch bei Ihnen Diskriminationen gibt?, fragte ich weiter. — „Ganz gewiss! Glauben Sie, weil wir eine andere Hautpigmentierung haben, wären wir vor Vorurteil gefeit? Das ist garnicht denkbar! Der Grossteil unserer Bevölkerung ist auch heute noch analphabetisch weiss nichts von der Welt. Wie kann man da erwarten, dass eine solche Bevölkerung „auf. geklärt“ sei! Es kommt für uns darauf an, zu reisen, die Welt kennen zu lernen, den Horizont zu erweitern und vor allem Schulen zu gründen.” Aber es fehlt uns an Lehrern, und bäten wir Lehrer zu uns zu kommen; Briten, Amerikaner — so wäre das Dilemma nicht gelöst. Sie könnten „Lehrstoff“ geben, aber sie können sich doch nicht mit uns und unseren Problemen identifizieren! Das ist der grosse Vorteil Israels: zu Ihnen kommen Analphabeten in Fülle, aber Sie haben Lehrer, und _diese Lehrer identifizieren sich mit Ihrer Sache.“ — Wie stehen Sie zu den Rasseproblemen in den USA? — „Ich muss Ihnen sagen, dass ich Vertrauen habe. Gewiss wollen die Plantagenbesitzer der Südstaaten nicht auf billige „schwarze“ Arbeitskräfte verzichten, wollen sie möglichst sozial unten halten, intellektuell begren. zen. Aber die Zahl der intellektuellen Schwarzen wird grösser, wächst rapide. Der soziale Fortschritt ist immens. Doch gibt es natürlich noch andere, primitivere Aversio- Die israelischen Briefmarken Es gibt wohl kaum einen amtlichen Zweig in Israel, der sich solcher Popularität erfreuen kann, wie die philatelistischen Dienste des Post, ministeriums. Sie tragen den Namen Israels in die entferntesten Winkel unseres Erdballs und bringen dem Staat Millionen Dollar im Jahre ein. Jüngste Export-Statistiken des Statistischen Zen. tralamtes Hessen erkennen, dass Staaten, die fast keine Handelsbeziehungen zu Israel unterhalten, dennoch wegen des Imports israelischer Briefmarken genannt werden. Die israelische Briefmarke kann seit Staatsgründung auf eine ausserordentliche Wertschätzung auf dem internationalen Markt zurückblicken, doch sei hier bemerkt dass ihr Vorgänger, die Keren Kajemet.Marke, die in der Uebergangszeit der Staatsgründung von November 1947 bis Mai 1948 als Briefmarke im Inland verwendet wurde, heute ebenfalls Seltenheitswert geniesst und von Spezialsammlern in aller Welt gesucht wird. Im abgelaufenen Jahre erschienen 24 Briefmarken, die acht verschiedenen Themen gewidmet waren, darunter die Levanon.Marke gewidmet dem 100jährigen Jubiläum der hebräischen Presse; die „Schnat Harischonim“- Marke und die Marke anlässlich des Stapellaufs der „Schalom“. Wunderschön jedoch und die Aufmerksamkeit in. ternationaler Fachleute erregend waren die Marken, die die Fische des Roten Meeres und Vögel in buntesten Farben geschmackvoll darstellten. Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKITUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichternngen MASCHINEN TEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GHOESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 8—19 Uhr im Ausstellungshaus Calle ANDONAEGUI 2083 Tel.» 52-2993 4 Quader von Station Urqoiza Vielleicht verwendete das Postministerium im Jahre 1964 zu viele Sonderstempel. Jedoch erklärte ein Sprecher des Postministeriums die bestehenden Schwierigkeiten bei der Frage der Menge neu herausgegebener Marken trage die Schuld daran, dass die philatelistischen Dienste zahlreiche wichtige Ereignisse im Lande durch Sonderstempel und nicht durch Marken verewigen mussten. Im abgelaufenen Jahre erschienen 10 Propaganda Stempel und 33 Sonderstempel. Wohl die prominentesten Sonderstempel, nach denen in aller Welt gefragt wurde, waren die beiden Sonderstempel, die am 5. Januar in Jerusalem und in Nazaret anlässlich des Besuches des Papstes Paul VI. herausgegeben wurden. Die philatelistisohen Dienste nahmen im Jahre 1963 an internationalen philatelistischen Ausstellungen in neun Ländern teil. Den grössten Erfolg erzielten sie in einer Ausstellung in Italien, die dem Thema der Untergrundbewegung gewidmet war. Dort wurde dem philatelistischen Dienst Israels die Goldmedaille verliehen. Im Lande selbst beteiligte sich der philatelistische Dienst an zwei Ausstellungen. In der „Jugendstadt“ (Ir Hanoar) in Tel Aviv und an der Jugendausstellung in Jerusalem. Dieser Tätigkeit an internationalen Ausstellungen ist hinzuzufügen, dass der philatelistische Dienst in englischer Sprache eine Bro. sohüre über die bisher erschienenen Briefmarken herausgegeben hat, welche nicht nur im Ausland, sondern auch im Inland reissenden Absatz fand un¿ besonders von Touristen gekauft wurde. Im Februar 1964 erschien in hebräischer und englischer Sprache der siebte Katalog des Philatelistischen Dienstes, der zahlreiche Clichés in ausgezeichnetem Druck brachte. Der philatelistische Dienst unterhält in 45 Ländern 11 Agenturen und begann letztens, den Vertrieb israelischer Briefmarken in afrika nischen Ländern zu organisieren. Zu diesem Zweck wird auch eine Broschüre ln französischer Sprache ver breitet. Um die Philatelisten afrikanischer Länder auf diesem Gebiet Israel näher zu bringen wird eine grosse philatelistische Ausstellung im Zeichen der israelisch-afrikanischen Freundschaft stattfinden. Die Direktoren der Postministerien afrikanischer Länder wurden eingeladen, Marken ihrer Staaten zu der Ausstellung zu entsenden, zu der eine Sonderbriefmarke erscheinen wird. Im Flughafen Lod wurde ein Sonderstand zum Verkauf israeüscher Briefmarken an Touristen eröffnet, sowie Verkaufsstellen in Ti berias. Nathania und Beer Schewa. Mit Recht sieht Postminister Sasson in diesem Dienst den interessantesten Zweig seines Ministeriums, der in Zukunft vielleicht nur von der in Kürze zu errichtenden Television überschattet werden wird. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«, D izq. — T. E. 83-2618 13. November 1964 8. Kislcw 5725 nen: Das „Schwarze“, wissen Sie, ist Symbol der Nacht, der verborgenen Gewalten Primitive Weisse fürchten das „Dunkle“. Doch glauben Sie nur nicht, das es das nicht auch bei uns gäbe. Meine Grossmutter, die natürlich eine beschränkte Bäuerin war, hätte in jeder blondhaarigen, weissen Norwegerin etwas Erschreckendes gesehen, einen Menschen, dem offenbar sehr wesentliche Attribute seines Menschseins fehlen: eine Art Kaltwassernixe. Sie hätte mich gewarnt, eine Norwegerin zu heiraten.“ _ Schwärmen Sie für Norwegerinnen? _ „Gewiss! Gegensätze ziehen sich an! Und Sie glauben, Norwegerinnen hätten etwas gegen gutaussehende Aethiopier? Keineswegs! Infolgedessen bin ich durchaus für „Rassenmischung“. Aber gerade das ist ja etwas, was die Südstaatler in den USA nicht wollen, — von Südafrika ganz zu schweigen — der Weisse begehrt gegen den Geschlechtsgenossen der anderen Rasse auf. Da gibt es „Sexualneid“, ein ganzes Sammelsurium unbefriedigter Triebe, die er in Aggression umsetzen möchte, da er sie in seinem Kreise nicht „sublimieren“ kann. Das Leben der Weissen in den USA ist zumeist flach, oberflächlich. Das Beste ist noch, wenn er Rugby spielt. Und Sport empfehle ich unter allen Umständen auch unserer Jugend: Schwimmen, Fussball.... “ — Und das intellektuelle Training? — „Was wollen Sie, ich lese Baldwin. Ich lese Sartre; vor allem Shakespeare. Ich bin ein Intellektueller. Ich. bin durchaus „Obersctüoht“, lachte er. _ Sagen Sie mal, wie alb sind Sie? — „Einundzwanzig.“ — Was haben Sis bisher getan? — „Ich habe die Highschool besucht und sonst bin. ich Pfadfinder, helfe auch hier beim „Maccabi“. Ich bin ein guter Sportler, den man gebrauchen kann. Der Schwur des Helfenwollens ist echt. Wir ziehen ins Freie, wir entzünden Lagerfeuer, schlafen in Zelten. Wir lieben die Natur, — ich meine damit meine jüdischen Freunde, und mich, — da kommen keine Gelüste von Teddyboys auf; keine Rauflust. A propos, Doktor, haben Sie die Werke von Rousseau? Möchte ich brennend gern lesen. Sie lachen? Nun Sie müssen verstehen: ich bin eben noch menschheitstrunken. Ich glaube an den Fortschritt!“ Sefardische Juden Strassburg. — In Strassburg und dessen engstem Ein. zugsgebiet leben heute rund 2.000 sefardische Juden, die aus Nordafrika kamen. Staatsbesuch aus Island Jerusalem. — Bei Beendigung der Staatsvisite des Ministerpräsidenten von Island, Bjarni Benediktson, gelangte eine ge meinsames Communiqué mit Premierminister Levi Eshkol zur Veröffentlichung. Darin geben beide Staatsmänner ihrer Ueberzeugung Ausdruck, dass „das volle Recht eines jeden Staates auf die Wahrung seiner Unabhängigkeit und territorialen Integrität, ohne der Aggression oder Drohungen der Anwendung von Gewalt ausgesetzt zu sein, die grundlegende Bedingung für einen gerechten und dauernden Frieden ist.“ —■ (ITA) ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUEROSTUNDENt DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. 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