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Jüdische Wochenschau · 1964-11-06 · 2089 (6.11.1964) · p. [Seite 6]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2089 (6.11.1964)
Date
1964-11-06
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German, Spanish
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Ein Freispruch haette auch nicht geholfen Dem Qekumenischen Konzil lag ein vom verstorbenen Papst Johannes XXIII. inspirierter Antrag vor die Juden von der Beschuldigung, Jesus Christus gekreuzigt zu haben, fieizusprechen. Ein Teil der Judenheit in der Welt setzte grosse Hoffnungen darauf und es gab leider jüdische Kreise, die würdelos genug waren, die Kirche zur Annahme dieses Freispruchantrages zu drängen. Einige Reformrabbiner waren sogar bereit, den Erlöser der Christenheit als einen bedeutenden Rabbi ins Judentum ein. zubauen, weil sie glaubten, dadurch die Annahme des Antrags erleichtern zu können. Dann kam allerdings das Kesseltreiben einiger unter arabischem Druck stehenden Kirchenfürsten gegen die „Entlastung der Juden“, der gütige Papst Johannes XXIII., von dem die judenfreundliche Idee ausging, schied inzwischen aus dem Leben und ein neuer P-pst trat an die Spitze der Chri stenheit. Der Antrag, wenn er überhaupt noch vorgelegt wird, hat inzwischen — wie es allgemein heisst — eine wesentlich abgesc.hwächte, dem ursprünglichen Text kaum noch ähnliche Formulierung erhalten. Es fragt sich nun. ob der Antrag, selbst wenn er sofort in der ursprünglichen Textierung angenommen worden wäre, in Wirklichkeit eine Aenderung in der Einstellung der Kirche und ihrer Vertreter zu dem jüdischen Volke äm allgemeinen und zu den Juden als Einzelpersonen zur von Dr. YOMTOV LUDWIG BATO Präsident Graf Taaffe nahm an einer Sitzung des österreichischen Reichsrates teil, als ihm sein Sekretär ein dringendes Telegramm überreichte. Er griff mechanisch nach der Depesche, aber kaum hatte er sie gelesen da war er auch schon wie elektrisiert. Das Telegramm kam aus dem Vatikan mit der kurzen Meldung, dass der Papst den Domherrn Dr. Theodor Kohn zum Fürsterz. bischof von Olmiitz ernannt habe. Die Fama erzählt, Graf Taaffe habe das Telegramm einem Ministerkollegen mit folgender Bemerkung weitergegeben: „Hoffentlich ist Seine Eminenz schon getauft!“ Die gesamte Weltpresse brachte am nächsten Tag die Meldung, die damals als eine riesige Sensation galt, was wir uns heute, da wir an ganz andere Sensationen gewohnt sind, kaum vorstellen können. Der Vater des neuernannten Kirchenfürsten stammte aus Ungarisch.Brod. einer alten, frommen Gemeinde in Südmähren. Er war ein richtiger Vetter meines Urgrossvaters, Johann Kohn. der nach einer in meiner Wohnung aufbewahrten, im Stil der Zeit mit Kreuzstichen gestickten J hrzeittafel im Jahre 1843 verschieden ist Der Vetter verliess Ungarisch.Brod ging aufs Land, hatte einen Streit mit der jüdischen Gemeinde Lundenburg und nahm kurzerhand die Taufe. Er wurde Bauer; als ihm im Jahre 1845 ein Sohn, Theodor, geboren wurde, liess er ihn — wie sagt nur ein altes jüdisches Sprichwort: „Wenn man schon Chasir isst, soll’s einem beim Bart herunterrinnen" — zum Priester erziehen. Der aufge. weckte Junge machte rasch Karriere in der Kirche, 1875 wurden ihm die Weihen erteilt. ein Jahr später w;ar er schon Professor des Kirchenrechts und in rascher Aufeinanderfolge wurde er Kanz ler des Erzbistums und Domherr. EIN LYRISCHES LANDSCHAFTSBUCH Folge gehabt hätte. Im Leute der Geschichte kam es auch schon früher vor, dass ein Papst eine judenfreundliche Stellung einnahm, allein die durchführen den Organea ein grosser Teil der Geistlichkeit sorgte schon dafür, dass die Feindschaft gegen die Juden auch weiterhin bestand — trotz der ei. sernen Disziplin der Kirche EIN JUDE WIRD ERZBISCHOF Eis war im Dezember 1892. Der österreichische Minister- „Lieder über die Schönheit unseres Landes“ heisst ein hübsch ausgestatteter, mit vielen Landschaftsfotos illustrierter Band von Gedichten und Prosa, der vor einiger Zeit in Haifa erschien. Sein Verfasser ist Josef Flamm, Taxichauffeur und diplomierter Fremdenführer, alter Sportler und Naturfreund. mehr als 15 Jahre lang Meisterringer-Champion und Mitbegründer der zuständigen Sportsektion im Verband der „Naturfreunde“ OLAMENU“ TEL AVIV POB 3002 ISRAEL NEUERSCHEINUNGEN DES VERLAGES GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina I., Groesoktavformat — 180 Textseiten — 42 Bildertafeln 239 Illustrationen GOLD: Geschichte der Juden in der Bukowina II., Grossoktavformat — 232 Textseiten — 51 Bildertafeln 457 Illustrationen Ganzleinenband S 20.00 — Luxusausgabe $ 35.00 SUBSKRIPTIONS-EINLADUNG GOLD: Geschichte der Juden in Wien I., Hauptredaktion: Dr, Y. L. Bato, Dr. N. M. Gelber ERMAESSIGTER SUBSKRIPTIONSPREIS: Vor Erscheinen $ 15.—. nach Erscheinen $ 25.— BILDPROSPEKT KOSTENLOS DURCH: Edition „OLAMENU“ TEL AVIV. P.O.B. 3002. ISRAEL Alle Publikationen erscheinen in deutsener Sprache Die Preise sind in U$A Dollar angegeben. Ganzleinenband $ 20.00 — Luxusausgabe $ 35-00 und im „Hapoel". Um seiner grossen Lieoe zum Lande Ausdruck zu geben, das er so gut Kennt w>e seine „Maschine" bei der Taxigesellschalt 2525, hat Josef E laram seine Eindrücke in hebräische Verse gebt acht. Und dies trotz der Totsache, dass der 1933 eingewanderte „fahrende Sänger“ eigentlich aus Oesterreich stammt und daher das Hebräische keineswegs als seine Muttersprache bezeichnet. Vielleicht weil das der Fall ist, haben seine Gedichte den einiachen, unprätentiösen Klang des Liedes aus dem Volke. „Beautiful Israel A guide's adventure“ nennt Flamm sein Buch auf Englisch; und englisch liess er auch die „Hauptgeschichte“ in Prosa drucken. Sie behandelt ein wahrhaft fabeimässiges Abenteuer, das aber auf Wahrheit beruht und Flamm seinerzeit nicht wenig öffentliche Aufmerksamkeit eintrug. Auf einer Wanderung mit einigen anderen Naturfreunden, im unruhigen Februar 1943, stiess J. Flamm in unwegsamer Galiigegend, mitten in der von Räubern damals oft bedrohten Wildnis, auf einen gefährlichen. schwerbewaffneten arabischen Banditen. E3r bedrohte die Gruppe, die schon glaubte, ihr letztes Stündchen sei gekommen. Durch mutige Geistesgegenwart und wie durch ein Wunder gelang es Josef Flamm, den Banditen in einem gün- . stigen Augenblick zu überrumpeln, noch bevor dieser die jüdischen Wanderer mit seinem Gewehr oder Colt anschiessen konnte. Flamm erschoss den gefährlichen Banditen mit dessen eigenem, mit Dum-Dum-Munition geladenen Revolver. Wie es sich später heraussteilte, handelte es sich um einen langgesuchten Mörder, auf dessen Kopf die Mandatspolizei 500 Pfund ausgesetzt hatte. Dieses Erlebnis konfrontiert Flamm mit einem vorangegangenen „prophetischen“ Traum von einem schwarzen Panther. Die übrigen Studien und Gedichte zeigen, dass der vielseitige Haifaer nicht nur vielerlei Metier, sondern auch sein Land gründlich kennt und auf seine Weise zu besingen liebt. & A. Theodor Kohn wurde Fürsterzbischof. A dein der neugebackene Kirchenfürst batte nicht viel Freude an seiner glanzvollen Position. Er führte ein strenges Regiment, was ihm im Kreise der Geistlichkeit wenig Sympathien eintrug. Aus. Im Jahre 1892 kamen die Domherren der Diözese in Olmütz zusammen, um einen neuen Fürst-Erzbischof zu wählen. Die Wahl, die vom Papst und der österreichischen Regierung bestätigt werden musste, erwies sich indes als überaus schwierig. Es gab nämlich zwei Kandidaten die sich punkto An hängerschaft so ziemlich die Wage hielten, doch keiner der Domherren brachte es über sich, dem gegnerischen Kandidaten seine Stimme zuzuwenden. Endlich schrieb jeder auf dem Stimmzettel den Namen des Domherrn auf, der wegen seiner jüdischen Abstammung und seines prononziert jüdischen Namens ohnedies nicht in Betracht kam. Das Schicksal wollte es aber anders, und schlaggebend war jedoch seine jüdische Abstammung*;die ihn im Volk geradezu verhasst machte. Die tschechische Oeffentlichkeit konnte sich mit dem Gedanken nicht befreunden dass eine der hervorragendsten Stellungen der Geistlichkeit mit einem Juden besetzt wurde. Und so begann — unter Missachtung der harten Disziplin der Kirche -— ein arges Kesseltreiben im Klerus gegen den neuen Erzbischof. Es kam so weit, dass 1903 in der Zeitung „Pozor“ anonym eine ganze Artikelserie mit heftigen Angriffen auf Dr. Kohn erschien. der sich hierauf ans Gericht wandte und einen tschechischen Geistlichen namens Oceska der Urheberschaft beschuldigte. Als nach, her der angeklagte Priester tatsächlich verurteilt wurde, entstand eine furchtbare Aufregung im Volke und eine aufgehetzte Menge drang mit Gewalt ins fürsterzbischöfliche Palais ein wo sie alles kurz und klein schlug. Der Skandal wurde immer grösser, und der Erzbischof selbst gelangte zur Ueberzeugung, dass seine Lage umsomehr unhaltbar wurde als ihm weder der Vatikan noch die österreichische Regierung zur Seite standen. Im Gegenteil: er wurde nach Rom berufen, wo ihm der Papst Leo XIII. nahelegte, zurückzutreten. In den Zeitungsmeldun. gen hiess es freilich, dass er freiwillig Verzicht leistete. Eir zog sich verbittert, gebrochenen Herzens auf sein Gut in Steiermark zurück, wo er 1915 einsam und vergessen aus dem irdischen Leben schied. Wer weiss, ob er in seiner Abgeschiedenheit nicht auch über das Schick, sal eines Juden nachdachte, der fremden Göttern und einem fremden Volke diente. ESscheint zu keinem befriedigenden Resultate gelangt zu sein, denn er hielt Treue dem Volkes, das ihn nicht mochte. Er stiftete sein bedeutendes Vermögen zur Gründung einer tschechischen Hochschule in Brünn. Offenbar begehrte der alte Mann keine Gegenliebe. Das war vor etwa siebzig Jahren. Ist das uns zugekehrte Antlitz inzwischen freundlicher geworden? TIROL MAG DIE JUDEN NICHT Der hochherzige Papst Johannes XXIII. traf die Verfügung, dass alle Bilder und Bildwerke aus dem Bereich der Kirchen zu entfernen sind die geeignet seien, den Hass gegen die Juden zu schüren oder gar zu entfachen. Diese Anordnung traf auch das Städtchen Rinn bei Hall in Tirol. In der Kirche von Rinn stand nämlich noch vor wenigen Jahren eine figurale Ritualmorddarstellung, die nun auf päpstlichen Befehl in den Abstellraum verbannt wurde. In Rinn soll nämlich vor 500 Jahren ein Kind, das später seliggesprochen „Änderte von Rinn“ von Juden geschändet worden sein. So erzählt eine „fromme“ Legende die in Tirol freilich auch heute noch als historische'Tatsache gewertet wird Das Bild wurde aus der Glauben Sie an c Vorbemerkung: Die . Freiburger Zeitschrift „Kontraste“ gab kürzlich ein Heft unter dem Motto: „Wohin ist Gott?“ heraus, das einer Rundfrage über die religiöse Situation in Eieutschland gewidmet war. In diesem Heft findet ach auch ein Abschnitt: „Wohin ist der Teufel?“ Heinz Schweden stellte die Frage: „Glauben Sie. dass es einen Teufel gibt?“ Männern und Frauen aller Berufe und Altersklassen in mehreren Grosstädten sowie in einigen Dörfern. Das Ergebnis war: Gott ja, Teufel nein. . * * * Und bei uns? Diese Frage stellte ich mir und Juden der verschiedensten Herkunftsländer und Bildungsstufen. Hier nun das Ergebnis dieser Rundfrage in Israel. Teufel, hebräisch: Satan, der Widersacher Gottes und der Menschen, ist der öffentliche Ankläger vor Gott, der das Recht gegen die Menschen geltend macht. So wird er in unserer Bibel zuerst erkannt. Dann erscheint er als Kirche entfernt, aber die Erinnerung an den Ritualmord wird auch weiterhin wachgehalten. Die Legende genügt, um nach’ den Schrecken von Auschwitz und Treblinka und der Ermordung von sechs Millionen Juden — mit alljährlichen Prozessionen und makabrem Devotionalhandel Hass zu säen. Der Ritualmord geistert nach wie in den Köpfen, in den Schulen dient er als Aufsatzthema. Da schreibt ein Schüler: „Einmal kamen Juden vorbei. Das Änderte gefiel ihnen so gut, dass sie es haben wollten... Sie holten es nach einigen Tagen um einen Hut voll Geld. Im nahen Birkenwald marterten sie es auf einem Stein bis er tot war. Dann hängten sie es auf eine Birke.“ Der Kult um den Änderte verlangt auch, dass man Kinder in Kostüme zwängt, die sie als kleine Märtyrer darstellen sollen und erzählt ihnen dazu eine unwahre und grausame Geschichte. Dies geschah noch im Jahre 1962; es ist kein Grund anzunehmen, dass in der Zwischenzeit das Ritualmordfest in Rinn abgeschafft worden ist. Was Wunder, wenn dann eines Tages die so erzogenen Kinder, nachdem sie erwachsen sind, antisemitische Parolen verkünden und Untaten begehen. In ganz Tirol wohnen wohl kaum hundert jüdische Seelen. Rinn ist nicht etwa ein verschlafenes kleines Dorf, sondern ein ansehnliches Städtchen mit 46 Telefonanschlüssen und unter seinen Bewohnern befindet sich auch ein ordentlicher Universitätsprofessor! Der formelle Beschluss des Oekumenischen Konzils hätte in Rinn und in zahllosen anderen Orten ähnlicher Gesinnung herzlich wenig genutzt. Da wäre schon eine kontinuierliche EJrziehung von Jahrhunderten erforder lieh. EPHRAIM KISHON: ARCA DE NOE FSn geeignetes Geschenk fiir jeden Freund ist dieses neue Buch des anerkannten israelischen Humoristen. von SCHALOM BES CB Versucher, der das Verhält, nis der Menschen zu Gott und das Verhältnis Gottes zu Israel und der Welt zu stören versucht, um den Menschen zu verderben. Er tritt als Schlange in Tätigkeit beim Sündenfall und reizt den König David zu einer Volkszählung auf. Der Satan erscheint mit den „Söhnen Gottes“ im Prolog zum Buch Hiob, beim Propheten Sacharja erscheint der Satan mein« schling. De®1 ueswegt sn c stellte sich heu niJ, 11T eigentlich ® Hierorts ®cht Zusagenloh mit den Dai din)". Sie ant Verrückte gib' Sie stellte a. kranken mit 1 gleich, in „en hausen, di .. . f* ' •' '' Die kostbaren alten Thotarol^ Nur ungern erlauben di( jn(j€n Touristen einen Blick h ae Al Seghira. (BiM UluJ zur Rechten des Hohepriesters Josua, um ihn zu verklagen, und im Psalm 109 wird dem Satan der Platz zur Rechten der Gottlosen EDITORIAL CANDELABRO — PASTEUR 341 angewiesen. Recht viel mehr ist im Tenach über den Satan nicht zu finden, aber in der Agada spielt er eine gewaltige Rolle. Eir will Abraham dazu veranlassen, die geplante Opferung Isaaks zu unterlassen, er verführt Israel beim Goldenen Kalb, er verklagt Israel Tag und Nacht vor Gott und wird mit den Tönen des Sehofar vertrieben. Während sich der Satan in der hebräischen Bibel mit einer bescheidenen Nebenrolle begnü. gen muss, spielt er in Talmud und Midrasch einen beachtlichen Part. Wie aber steht es heute um den Glauben an den Satan? Rh wandte mich zuerst an eine sehr alte Jemenitin. Sie

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