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Jüdische Wochenschau · 1964-11-06 · 2089 (6.11.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2089 (6.11.1964)
Date
1964-11-06
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 6 de Noviembre de 1964 la semana israelita Año XXV. — N* 2089 — 3 Die Goldwater-Story Im Spannungsfeld zwischen den beiden „Neureichen“, Kalifornien und Texas, entwik kelte sich in den USA eine konservative Ideologie in der sich der schrankenlose Individualismus der neuen Industriekapitäne mit den anarchisch-missionarischen Traditionen des Wilden Westens zu einem Nationalismus verbinden, der sich die USA nur als Gottes eigenes Land vorstellen kann. Ihre Adepten glauben an die wirtschaftliche und weltpolitische Allmacht der USA im 20. Jahrhundert, aber im Kern der Ideologie lebt der alte amerikanische Traum vom ,Hap py Valley“ der Pionieraeit weiter, der Traum vom glücklichen Tal, in dem die Frauen nur sauber, die Männer nur stark und die Lebensformen nur unkompliziert sind. In dieser Welt wuchsen Barry Goldwater und Lyndon Johnson auf. Ihre Aehnlichkeit ist unverkennbar. Beide sind Liebhaber des Freiluftlebens, beide kommen mit einem Mindestmass an Lektüre aus, beide kopieren in ihrem Lebensstil die Pioniertradition der Alten Grenze, beider Denken kreist um ein Farmhaus, dessen Dach vom flatternden Ster, nenbanner überragt wird. Ihre Aehnlichkeit geht bis in kleinste Details. Die Familiengeschichte der beiden Männer kennt eine Grossmutter, die sich in der Pionierzeit vor heranheulenden Indianern in einer Tonne verkriechen musste. Beide lieben schnelle Autos, beide haben reiche Frauen geheiratet. Jedoch: Die andersartige soziale Herkunft hat Goldwater und Johnson zu Gegnern werden lassen. Der reich gewordene Farmerssohn Johnson (Gesamtvermögen neun Millionen Dollar) fand nach einer langen Berührung mit dem liberalen Osten den Weg zum moder. nen Sozialstaat, der Kaufmannssohn Goldwater (Gesamtvermögen: 2,5 Millionen Dollar) blieb dem stockkon¬ MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäf te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO H47 T. E. 35 - 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fach männlsche Bedienung. servativen Denken verhaftet. Präsident Johnson verkörpert heute, was am amerika nischen Konservativismus fortschrittlich ist, Goldwaters Ideologie aber kommt über die frühkapitalistische Sozialphilosophie des Wilden Westens kaum hinaus. Diese altvaterische Art des Konservativismus spiegelt eine Trotzreaktion jener Amerikaner wider, die sich vor dem Altwerden der Nation fürchten und verzückt der Botschaft Goldwaters lauschen, dass Amerika trotz aller weltpolitischen Enttäuschungen doch noch immer herrlich jung sei. liams (1607 bis 1684), den Gründer des Staates Rhode Island zuriickgeht. Am 1. Januar 1909 gebar Josephine Goldwater geb. Williams ihren ersten Sohn und nannte ihn Barry Morris. Barry wurde im Glauben der Episkopalkirche, dem Glauben der Mutter, erzogen, weil Phoenix noch keine Synagoge besass. Goldwater hat seine jüdische Abstammung nie verhehlt und spricht über das Judentum noch heute mit fast spöttischer Gelas. senheit. Er spielte einmal auf dem exklusivsten Golfplatz von Phoenix, als ihm ein Klubdiener diskret aufmerk¬ Gegen den Antisemitismus Melbourne. — Die Weltjudenheit muss erneut den Kampf gegen den Antisemitismus aufnehmen, den einige Juden „in ihrem Optimismus zu früh begraben haben“, erklärte der Vizepräsident der Knesset, Josef Serlin, der zu einem Besuch in Australien weilt. Serlin, der auf einer Gemeinschaftsveranstaltung des Board of Jewish Deputies, der Exekutive der australischen Juden - heit und des Zionistenrates das Wort ergriff, stellte fest dass das Wiederaufleben des Antisemitismus in der ganzen Welt auf die „arabische Propaganda“ zurückgeführt werden müsse, die mit sämtlichen neonazistischen und neofaschistischen Gruppen die Verbindung aufgenommen hat. „Die Zeit für eine neue Stellungnahme des jüdischen Volkes und der zionistischen Bewegung ist gekommen“, führte Serlin aus. „Die Weltjudenheit muss wieder zum Kampf gegen den Antisemitismus antreten. Es liegt in den Händen der Juden, den Gegenangriff einzuleiten.“ (ITA) Wie der Glaube, so sein Prophet: Der liebenswerte, lausbübische und alt gewor. dene Junge, der sich Barry Goldwater nennt, erscheint seltsam unerwachsen. Als Pu. blizist Alsop das Haus Goldwaters zum erstenmal sah, stellte er sich als Bauherrn „einen geschickten zwölfjährigen Jungen“ vor, „der ein bisschen zuviel in der technischen Zeitschrift .Populär Mechanics“ geschmökert hat.“ Die Abenteuer und Schnurren des Barry Goldwater üben eine Faszination aus, der sich selbst seine Gegner nicht entziehen können. Ein Gewerkschaftsboss grummelte: „Das Schlimme an diesem Hundesohn ist, dass die Leute, die ihn hassen, ihn so gut leiden mögen.“ Barry Morris Goldwater entstammt einer jüdischen Familie aus dem damals preu. ssischen Posen, deren Geschichte sich wie ein Wildwest-Roman liest. Der Miit. zenmacher Michael Goldwasser — er nannte sich später anglisiert Mike Goldwater — gründete nach einem Abenteurerleben in den kalifornischen Goldminen in dem Ort Ehrenburg in Arizona ein Geschäft, das zum ersten Glied einer Kette von Goldwater- Warenhäusern wurde Eines seiner acht Kinder, Baron Goldwater, zog in das Verbrecher. Eldorado Phoenix, eröffnete dort ein neues Warenhaus und heiratete in eine berühmte Pionier-Familie, die auf Rodger. Wil. Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Aussteliungshaus Calle ANDONAEGUI 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urquiza sam machte, Juden sei der Zutritt verboten. „Ich mache Ihnen ein Vorschlag“, gab Goldwater zurück, „ich spiele statt der notwendigen 18 Löcher nur neun. Ich bin ja nur Halbjude.“ Mutter Josephine hatte schon früher die guten Leute von Phoenix schockiert, weil sie als erste Frau der Stadt ein Automobil fuhr. Ihr Sohn erbte die Freude an Technik und Ueberraschungen. Barry konstruierte eine Miniaturkanone, zog mit ihr vor die Methodistenkirche und zerschoss deren Turm. Ein anderes Mal erfand er eine elektrische Toilette, die beinahe das Hans der Goldwaters in Brand gesetzt hätte Die Eltern konnten sich seiner Streiche kaum noch erwehren und steckten ihn in die Kadettenanstalt von Virginia. Doch die Berichte der Lehrer waren wenig tröstlich: Auf den Schiess- und Reitplätzen der Anstalt, meldeten sie, sei der junge Mann stets anzutreffen, von einem Interesse für Lehrbücher indes sei nichts bekannt. Nicht anders lauteten die Auskünfte der Universität von Arizona, die Barry ein Jahr lang besuchte. 1929 starb der Vater, und Barry, damals 20jährig, musste die Leitung der Goldwater-Läden übernehmen; Die erste Frage des Heimkehrers: „Muss ich wieder auf die Uni zurück?“ Er musste nicht. Goldwater verwaltete das väterliche Erbe, übernahm nach dem Tode seines Onkels Morris alle Warenhäuser der Familie und erweiterte das Geschäft von Jahr zu Jahr: 1929 verkaufte er Waren im Werte von 700.000 Dollar, 1941 im Werte von einer Million, zehn Jahre später von zwei MiL | lionen — heute beläuft sich der Jahresumsatz des (inzwischen an einen anderen Besitzer übergegangenen) Konzerns auf zehn Millionen. Die Goldwater-Warenhäuser wurden 1962 an den Konzern „Associated Drygoods“ verkauft. jedoch behielten sich Barry Goldwater und sein Bruder Robert die Firmenleitung vor: Robert ist Präsident der Firma, Barry Vorsitzender des Aufsichtsrates. Goldwater wurde wegen seiner geschäftlichen Erfolge 1937 von der amerikanischen Junioren - Handelskammer ausgezeichnet, aber ihn langweilte die Bearbeitung kaufmännischer Details. Ei' überliess seinem Bruder Bob die Kleinarbeit, ihn zog es hinaus. E3nde der dreissiger Jahre rüstete Goldwater ein Kanu aus, mit dem er als erster Weisser auf einer St-ek. ke von 1100 Kilometern die gefährlichen Stromschnellen des Colorado River befuhr. Er entdeckte bis dahin unbekannte Naturschönheiten, forschte nach verschollenen Indianerstämmen und beschrieb alles in zwei Büchern, die ihm den Ruf eines Heimatforschers von Arizone sicherten. Er bildete sich zum Fotografen aus und suchte wieder die Indianer auf. Er lernte an den Lagerfeuern den Schlangentanz; noch heute verrät eine Tätowierung an Goldwaters linker Hand, dass er mit lebenden Schlangen den Indianertanz zur höhe, ren Ehre des stets um Geld verlegenen Indianer - Museums von Prescott aufführen darf. Goldwater machte so gute Bilder von seinen Indianern, dass ihn Englands Königliehe Photographische Gesellschaft in ihren Reihen aufnahm. Später gehörte er auch dem Indianer.Rat! des Innenministeriums in; Washington und einer Gej Seilschaft zur Förderung der j indianischen Kultur an. ] Indianisch musste denn j auch das Haus sein, das er . sich für 150.000 Dollar am | Rande der Wüste bei Phoenix baute. Indianisch war der Name seines * 1 Heims <, Be. Nun-I-Kin“, zu deutsch: Haus auf dem Hügel), indianisch das Baumaterial (roter Granit und Mammutbaumholz aus einer Navarjo-Reserva. tion am Grand Canyon), indianisch die Aussenfront und das die Räume beherrschende Motiv: ein Pfeilspitze. In seinen Wigwam aber liess er die Welt des 20 Jahrhunderts hinein. Er bastelte sich eine technische Appara. LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«, 1? izq. — T. E. 83-2613 6. November 1964 1. Kislew 5725 tur zusammen, die er vom Bett aus bedienen kann. Wenn gegen fünf Uhr morgens im traditionell wolkenlosen Arizona die Sonne aufgeht, fallen ihre Strahlen auch auf eine Photozelle im Garten Goldwaters, die automatisch das Sternenbanner am Fahnenmast aufsteigen und Musik ertönen lässt. Die Musik pflanzt sich in Goldwaters Schlafzimmer fort, und der Hausherr betätigt einen Schalter. Sofort ertönt in allen Räumen des Hauses aus Lautsprechern das Plätschern eines künstlichen Wasserfalls im Garten. Mit Thermometern, Thermostaten und Fernsehaugen überwacht der Hausherr die Temperatur des Schwimmbassins, den Zustand des Champagner - Kühlschranks im Schlafzimmer, das Licht in allen Zimmern. Jeder Tag brachte Goldwater neue Einfälle. Schon vor der Einführung von Autoradios baute er sich ein Empfangsgerät in seinen Wagen ein. Später ersann er sich die Maschine „Thumper“: ein Trommeln, Pauken, Trompeten und Saxophone zusammenfassendes Ein Mann - Instrument, mit dem er seine Jazzplatten laut zu begleiten pflegt. 1941 eröffnet sich ihm ein neues Betätigungsfeld. Amerika trat in den Krieg ein, und sofort meldete sich der Nationalgardeleutnant Goldwater als Kriegsfreiwilliger zur Luftwaffe. Die Flieger wollten ihn wegen seines Augenleidens nicht an die Steuerung heranlassen, aber ein paar Drinks in „Be-Nun-I. Kin“ sicherten Goldwater die Versetzung zu einem Transportgeschwader. Br durfte Kampfflugzeuge von den USA nach den über, seeischen Kriegsschauplätzen und später Transporte von Indien nach China fliegen. Als Oberstleutnant kehrte er im November 1945 zurück, Aus der Haft entlassen I Kiel. — Der ehemalige Führer des Fünsutzkommandos 8 . in Russland, Heinz Richter, I der seit November 1962 in Kiel in Untersuchungshaft i war, ist wieder auf freiem : Fuss. Wie der Anwalt Richters bekanntgab, hat das : Oberlandesgericht in Schleswig-Holstein den Haftbefehl ■ aufgehoben. Das Ermittlungsverfahren gegen Richter läuft aber weiter. i Richter, der nach dem Kriege in Schleswig-Holstein Oberregierungsrat zur Wie- ■ derverwendung war. st»ht unter dem Verdacht der Beteiligung an Massenmorden. : (AWZ) i Beduinen Tel Aviv. — Die israelische; Beduinenbevölkerung umfasst z. Zt. 20.000 Seelen, daj von 3.500 Arbeiter. Im Be-! sitze der Beduinen befinden sich heute 120.000 Schafe, 8.000 Kamele und 2.000 Kühe.! blieb aber der Fliegerei treu. Goldwater diente sieben; Jalire lang als Stabschef der | Luftwaffe von Arizonas Nationalgarde, wurde zum Ge-! neralmajor der Reserve bej fördert und konnte fortan j die Hand nicht mehr von den Düsenjägern losbekommen. Er schaffte sich ein Flugzeug an und beendete kein Jahr,! ohne mindestens 200 Flugj stunden absolviert zu haben. Da meldete sich eines Ta. ges im Hause der Goldwaters | der Phoenixer Juwelier Harry Rosenzweig und fragte seinen i Jugendfreund Barry, ob er I nicht Senator werden wolle. Goldwaters wusste nichts | Besseres und sagte „All! right!“ Damit begann seine i politische Laufbahn. Ob die- I se mit der Wahlniederlage j aufhört, wird die Zukunft i zeigen. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. L: 83 - 2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege ~ Verwaltun gen - Miets-, Zivil* und Handelssachen. T. L: 80 - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av, LAS HER AS

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