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Jüdische Wochenschau · 1964-10-30 · 2088 (30.10.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2088 (30.10.1964)
Date
1964-10-30
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, SO de Octubre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — N? 2088 — 3 Gleiche Brüder — gleiche Kappen Kurz vor dem sowjetischen Ministerpräsidenten Krutschew hatte ein Pilger besonderer Art den Staat am Nil besucht. Es war der Herausgeber der rechtsradikalen ..Deutschen Nationalzeitung und Soldatenzeitung“ Dr. Gerhard Frey, der seinen Lesern Erkenntnisse aus dem : Reiche Nassers bringen wollj te. Der Präsident des westdeutschen Bundestages Dr. Gerstenmaier hatte bei seinem Besuch in Israel noch versucht, die „Nationale«! tung‘‘ als bedeutungslos abzutun. Aber in Aegypten schien man anderer Meinung zu sein, denn Dr. Frey fand dort offene Türen, die führenden Männer des Staates empfingen ihn mit grösster Herzlichkeit und äusserten sich vor ihm über alle Weltprobleme. Diese Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber dem prominenten Rechtsradikalen aus Deutschland ist nicht verwunderlich. Die Texte der Interviews, die Dr. Frey hatte, zeigen fast in jedem Satz, dass sich echte Gesinnungsgenossen zusammenfanden und die Politiker Aegyptens einmal frei und offen ihre Meinung sagen konnten. DEUTSCHE WISSENSCHAFTLER Schon mit der Frage der deutschen Wissenschaftler fing es an. Der ägyptische Ministerpräsident Ali Sabri versicherte Dr. Frey sofort, dass Aegypten die Wissenschaftler imbedingt braucht, und der Generalsekretär der Arabischen Liga Hassouna bezeichnete ein Gesetz gegen die Wissenschaftler als einen ,¡Schlag ins Gesicht der Welt und der Freiheit“. Frey griff das Problem auch in seinem Interview mit Nasser auf, das der Höhepunkt seiner journalistischen Erfolgsreise in Aegypten war. Nasser meinte: „Wir wenden nicht jene erpresserisichen Methoden wie Israel ME DEPORTATIONEN IN UNGARN Schon anderthalb Jahre vor der Besetzung Ungarns hat Himmler dem Reichsaussenminister von Ribbentrop 1942 einen Deportationsfachmann für die deutsche Gesandtschaft in Budapest empfohlen. Das geht aus Dokumenten hervor, die im Hunsche-Krumey-Prozess vor einem Frankfurter Schwurgericht verlesen wurden. ln diesem Parallel - Verfahren zum Frankfurter Auschwitz- Prozess geht es um die Vernichtung von über 400.000 ungarischen Juden. Wie aus den vor dem Schwurgericht verlesenen Dokumenten ferner hervorging, hat der deutsche Gesandte in Pressburg (Slowakei) im Mai 1944 beim Auswärtigen Amt gegen Uebergriffe der SS-Bewacher in Transporten von Juden aus Ungarn protestiert. In diesem Telegramm wird geschildert, wie Juden beim Aufenthalt der Transportzüge in der MOEBELHAUS WATERMANN Das Hans der 3 Gesehaf te mit der grossten Answahl. SARMiENTO 1147 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Trionvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fach männlsche Bedienung. Slowakei mit der Waffe gezwungen wurden, Schmuck und Geld herauszugeben. Solche Vorgänge erregten die slowakische Oeffentlichkeit, heisst es in dem Telegramm. Der Gesandte bat das Auswärtige Amt, solche Uebergriffe bei der Durchfahrt der Transporte in Richtung Auschwitz zu unterbinden. Das Schwurgericht verlas Telegramme des ehemaligen Reichsbevollmächtigten für Ungarn, Dr. Veesenmayer, die dem Auswärtigen Amt über den jeweüigen Stand der ungarischen Judendeportationen berichteten. Vee«enmayer spricht in seinem Telegramm vom 29. Juli 1944 von sich mehrenden Interventionen des Auslandes. Die Schweiz habe eine Ausreisegenehmigung für 10.000 Kinder unter zehn Jahren nach Palästina beantragt. Ribbentrop telegrafierte daraufin an Veesenmayer „Ich bitte Sie, der ungarischen Regierung mitzuteilen, dass es nicht opportun ist, auf die Interventionen einzugehen “ Aber wenige Tage später hat nach Ribbentrop ,,der Führer“ entschieden, die ausländischen Interventionen seien entgegenkommend zu behandeln, wenn die Deportationen aus Ungarn abgeschlossen seien. an“, und beruhigte sich anscheinend mit der wiederholten Behauptung: ,,Uns wurde von kompetenter Seite verbindlich zugesichert, dass es zu einem derartigen Gesetz niemals kommen wird.“ Im Verlauf des Interviews spielte Frey dem ägyptischen Diktator die Bälle zu und meinte, Aegypten könne doch als „Druckmittel die Anerj kennung Ostberlins“ benut- ■ zen. Darauf Nasser: ,,Das ha- 1 ben aber ganz offensichtlich Ihr Bundestagspräsident Gerstenmmaier und die beiden Vizepräsidenten Schmid und Dehler noch nicht erfasst. Ist Gerstenmaier eigentlich Zionist?“ Frey: „Ich kann nur sagen, dass seine Sympathien für Israel recht ausgeprägt sind.“ WIEDERGUTMACHUNG Die Gesinnungsverwandtschaft, die sich beim Kom-; plex ,.Deutsche Wissenschafti ler“ ergab, springt auch bei j der Frage der Wiedergutma- ' chung ins Auge. Dr. Frey, der in seiner Zeitung seit Jahren über den Wiedergutmachungs - Vertrag mit Israel Klage führt, brachte seine Sorgen zu diesem Thema auch bei seinen Freunden in Aegypten an, und dort fand er volles Verständnis. Ueber die deutschen Wiedergutmachungsleistungen regte sich der Generalsekretär der Arabischen Liga Hassouna besonders auf, der erklärte: „Es besteht kein Zweifel, dass die deutsche Wiedergutmachung Israel geholfen hat, bewaffnete Angriffe gegen die arabischen Länder durchzuführen. Wir Araber glauben und erwarten, dass es 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg an der Zeit ist, dass das deutsche Volk nicht länger den ständig wachsenden Wiedergutmachungs-Forderungen mit blindem Gehorsam begegnet.“ Und Ministerpräsident Ali Sabri zu diesem Thema, nachdem Frey auf die Kriegsverbrecher - Prozesse hingewiesen hatte: „Ja, das schafft die Atmosphäre für weitere deutsche Tribute ohne Ende Aber ich muss Ihnen sagen: „Wenn das deutsche Volk mit der ständigen Verlängerung seiner Zahlungen einverstanden sein sollte, wir sind es nicht, denn wir sind die Hauptbetroffenen... Alles. was Deutschland an Israel gibt, kommt im letzten dessen Kriegsmaschine zugute. ..“ Auch im Interview nflt Appel Israels an die UNESCO Paris. — Israel ersuchte die UNESCO um Intervention angesichts der Diskriminierungen, von denen die Juden in Russland im besonderen durch das Fehlen von Schulen für die jüdischen Kinder betroffen sind. Vor der Gene ralversammlung der UNESCO appellierte der Chef der israelischen Delegation, Mo- Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKITUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. E*tre*e Fabrikat!«« — HaraabfaidKake Vorfiihrtmg Auf Wunsch Zahlunggerleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private our Saaateg u»d Sonntag von 9—19 Uhr in Ausstellungshalle Calle ANDONAEGUI 2083 Tel.-: 52-9998 4 Qaatfar von Station Urqufea sehe Avidor, „im Geist der Prinzipien der UNESCO, die Regierung und das Volk eines grossen Mitgliedstaates aufzufordern, diesen Uebelständen abzuhelfen“. Der israelische Delegierte erwähnte an erster Stelle die antijüdischen Diskriminierungen auf dem Gebiet der Erziehung, die sich gegen schutzlose Kinder richten und schliesslich zu Unleichheit, Unglück und Misere führen“. Inzwischen werden die Vor. bereitungen für die ange-künligte französische Nationalkonferenz beendet, die sich mit dem Schicksal der russischen Juden befassen will An dieser Konferenz nehmen über 50 nichtjüdische Delegierte teil, die aus sozialistischen und fortschrittlichen Kreisen Frankreichs linker, jedoch nicht kommunistischer Orientierung stammen. Dies wird den sowjetischen Machthabern zeigen, dass die Besorgnis um das Schicksal der russischen Juden nicht eine Form des Kalten Krieges sondern ein Interesse ist, welches einige der besten Freunde Sowjetrusslands empfinden. (ITA4 Nasser kam diese Frage zur Sprache, und Nasser gab bei dieser Gelegenheit einige aufschlussreiche Erklärungen von sich. Frey warf den Köder aus: „Die Zahlungen werden mit den Judenmorden begründet.“ Dazu Nasser, der Freund Krutschews: „Aber die Lüge von sechs Millionen ermordeten Juden nimmt doch kein Mensch ernst, nicht einmal der einfachste Mann hier im Lande. Wie ist das bei Ihnen?“ Frey sah sich hier zu einer vorsichtigen Distanzierung veranlasst und erklärte: „Die Tatsache der Judenmorde bestreitet niemand, jeder fühlende Mensch bedauert sie ausserordentlich. Aber die meisten Deutschen haben längst erkannt, dass hier mit Zahlen Schindluder getrieben wurde.“ Anschliessend wies Frey darauf hin, dass 500 Kriegsverbrecher-Prozesse in Deutschland abrollen werden. Dazu Nassers Kommentar: „Wie ist so etwas möglich?“ Frey erklärte Nasser, Deutschland sei eben total besiegt worden, und er bat seinen Gastgeber, Krutschew auf diese Probleme aufmerksam zu machen, „denn die Sowjets und ihre Gastgeber heizen diese Prozesse mit an.“ KEIN FRIEDEN MIT ISRAEL Natürlich äusserten sich die von Frey befragten arabischen Politiker auch über die Haltung Aegyptens gegenüber Israel. Besonders offen war Nasser, der zunächst erklärte, eine friedliche Lösung des Israel-Problems sei nicht möglich, „weil andere Kräfte hinter Israel stehen“, womit Nasser den „Imperialismus“ meint. Dann fragte Frey: „Exzellenz, erlauben Sie mir, ganz brutal zu fragen: Werden Sie Israel erdrücken?“ Nasser: „Das hoffe ich.“ Frey: „Wie?“ Nasser: „Indem wir auf allen Gebieten vorwärtsmarschieren und immer stärker werden.“ Auf die Frage Freys, ob Nasser hoffe, die LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 2190, 1? izq. — T. E. 83-2613 24. Marcheschwan 5725 30. Oktober 1964 Franco soll jüdisches Blut haben Der französische Schriftsteller Roger Peyrefitte hat ein Buch geschrieben, das den nicht sehr originellen Titel „Die Juden“ trägt. Originell dagegen sind einige Feststellungen, die der Verfasser in seinem Buch macht. So behauptet er u. a„ dass der ehemalige französische Ministerpräsident Pierre Mendes-France aus der gleichen Familie wie der spanische „Caudillo“ General Francisco Franco stammt. Obwohl das Buch noch nicht auf dem Büchermarkt erschienen ist, hat eine französische Zeitung Mendes- France befragt, was er hier- : zu zu sagen habe. Dieser äu-! sserte, er habe schon vor Jah-; ren gehört, dass Franco jü¬ Israel-Frage innerhalb einer Generation in seinem Sinne bereinigen zu können, begnügte sich Nasser mit der kurzen Antwort: „Wenn Allah es wül.“ gemeinsame VERGANGENHEIT Der Höhepunkt und Schluss des Gesprächs zwischen Nasi ser und Frey war die Betonung der gemeinsamen gei- ■ stigen und politischen Ver- ' gangenheit der beiden Völi ker. Nasser versicherte Frey.! dass alle Aegypter Freunde der Deutschen seien, und bej merkte ganz offenherzig: I „Unsere Sympathien waren! auch im Zweiten Weltkrieg | auf deutscher Seite. Der Sprecher unseres Parlaments beispielsweise wurde damals wegen prodeutscher Sympathien inhaftiert.“ Frey reagierte darauf hin noch offenherziger: „Wir hätten gern den Krieg gewonnen und den Sprecher und alle Araber befreit.“ ' Nasser nahm dieses Bekenntdisches Blut habe, doch glaube er nicht, dass sie beide aus der gleichen Familie seien. Er selbst habe niemals, wie Peyrefitte angibt, Men* des-Franco geheissen. Bekanntlich stammt Mendes-F'ranee aus einer nordspanischen seiardischen Familie. Als die sefardischen Juden aus Spanien vertrieben wurden, lebte die grösste jüdische Gemeinde in Galizien. Viele wechselten damals ihren Glauben, doch' viele andere wanderten aus. Auch General Franco wurde in dieser spanischen Provinz geboren und zwar in der Stadt El Ferrol, so dass der Gedanke nicht von der Hand zu weisen ist. dass seine Vor- -fahren Marranen gewesen sein könnten. nis mit „herzlichem Lachen auf“ und endete: „Alle meine guten Wünsche für das deutsche Volk und für Sie persönlich, mein Ueber Doktor Frey, und ihre grossen Vorhaben.“ Gesinnungsgenossen mit gemeinsamer faschistischer Vergangenheit hatten sich gefunden und offen ausgej sprechen. Aber das hinderte den sowjetischen Minister* i Präsidenten Krutschew nicht,! sich 16 Tage bei Nasser aufi zuhalten und in ihm einen i „Fortschrittler und Revolui tionär“ zu sehen. Vielleicht ■ nehmen die Sowjets doch ei- ■ nes Tages davon Kenntnis. , auf welcher Seite in Wahrheit die Sympathien Nassers! und seiner Mitarbeiter liegen. Analphabeten Aus den Ergebnissen der Volkszählung im Mai 1961 geht hervor, dass es zu dieser Zeit in Israel 156.000 Arv. alphabeten gab. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung hr BUEROSTUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG vm 16—18 Uhr T. E.: 83-2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltm» gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. T. L: 80 - 6930 PUEYRREDON 2190 esq. Av. US HER AS

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