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Jüdische Wochenschau · 1964-10-16 · 2086 (16.10.1964) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2086 (16.10.1964)
Date
1964-10-16
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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Año JÚSX. N» 3001 ô — Viernes, 16 de Octubre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Der Wert eines Lebens ( Schluss vor Seite 1) lieber der Massenverbrechen jUisst man lauten. Der Ruf nach einer Verurteilung der „Schreibtischmdrrier“ wird gerade in der Bundesrepublik immer vernehmlicher und beweist, dass man dort in einigen Kreisen begriffen hat. dass die wirklichen Kriegsverbrecher durchaus nicht allein die mordenden Wachmannschaften und KZ-Aerzte sowie deren unmittelbaren Gehilfen sind, sondern auch diejenigen, die all das schreckliche Geschehe® unmittelbar veranlasst haben. Letzteren des trifft der Begriff .Kriegsverbrecher garnicht auf die SS-Leute und sonstigen Gehilfen zu, die mit der Waffe oder durch Gas oder auf andere Weise an der „Lösung der Judenfrage“ Anteil genommen haben. Das sind ganz gewöhnliche Mörder, die nach dem klaren Wortlaut der Strafgesetze verurteilt werden müssen, wenn ein Land als ein Rechtsstaat angesehen werden will, worauf die Bundesrepublik immer wieder den grössten Wert legt. Derartige Mordtaten. wie sie in den KZ-Lagem ausgeführt wurden, sind keine Kriegs-, sondern gemeine Verbrechen. Mit dem Kriege hatten alle diese greulichen Taten nichts zu tun. Audi das müsste zunächst einmal mit aller Klarheit fest gestellt werden. wenn man wirklich ernsthaft von deutscher Seite an eine Bewältigung der Vergangenheit schreiten wollte. Der Sinn dieser, reichlich spät durchgeführten Verfahren kann kein politischer sein. Soweit diese Prozesse eine politische Bedeutung bekommen sollten, um die Schuld einzelner zu sühnen und damit eine Entsühnung des deutschen Volkes zu bewerkstelligen, kann man schon heute sagen, dass dies ein untauglicher Versuch ei- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219« 1’ isq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Speñalgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 ner sicherlich gutwilligen, aber unfähigen Demokratie ist, ihre eigene Integrität unter Beweis zu stellen. Ein solches Bemühen belastet vielmehr ein Land, da man derartigen politischen Aktionen, um das Wort Schachzüge zu vermeiden, nur mit Befremden gegenüberstehen kann. Dem Recht zum Sieg zu verhelfen, ist kein politisches Unterfangen. Die Politisierung der Justiz war vielmehr eines der typischen Merkmale des faschistischen Regimes. Die Rechtsfindung und die suche nach Gerechtigkeit sind ebenso menschliche wie rein rechtstaathche Funktionen einer demokratischen Gesellschaft. die geradezu erst dann dieses Attribut erhalten kann, wenn die Justiz von politischen Veberlegungen und Zielsetzungen absolut unabhängig ist und zu einer objektiven Reife heran wächst. Die Unabhängikeit der Justiz offenbart sich mit anderen Worten erst dann, wenn das höhere staatliche Interesse' ■— jener moderne, unheilvolle, unklare und belieb:g zu missbrauchende Begriff — bei der Urteilsfindung unberücksichtigt bleiben darf. Recht muss also nach rechtlichen und nicht nach politischen Begriffen und Interessen gesprochen werden. In diesem Zusammenhang wäre erneut auf den bekannten Pall Globke hinzuweisen, der allen Regierungen — ähnlich Meissner — gedient hat und das Dritte Reich als Staatssekretär' von Dr. Adenauer überlebte, in-; zwischen jedoch pensioniert j worden ist. Der Fall hat da- I mit durchaus nicht seinen | Abschluss gefunden, denn! Globke bezieht im Gegensatz; zu vielen seiner Opfer eine nette Pension, wie überhaupt viele Ehemalige und einst Einflussreiche riesige Pensionen von der Bundesrepublik erhalten, obwohl an ihrer intellektuellen Täterschaft nicht gezweifelt werden kann (z.B. der frühere Generalstaatsanwalt beim Volksgerichtshof!) — Die Schweizer haben übrigens kürzlich sich geweigert. Herrn Globke Niederlassungsrechte einzuräumen, was hier nur nebenbei bemerkt sei. Ein weiteres Problem der in Deutschland durchgeführten Prozesse ist das Strafmass. Die Todesstrafe wurde abgeschafft. Wir sind auch Gegner der Todesstrafe. Es wurden jedoch wieder einige Stimmen in der Bundesrepublik laut, die eine Wiedereinführung der Todesstrafe verlangten. Interessant ist der Anlass, der zu solcher Forderung geführt hat. Niemand hat die Todesstrafe für die Verbrecher von Auschwitz oder anderen Todes- und Vernichtungslagern gefordert, , obwohl diesen Leuten immer •^'“¡'hlreichere Verbrechen narhcewiesen werden. Das Motiv für das Wiederaufleben dieser Diskussion um die Todes- ■ strafe ist die Zunahme von Lust- und Raubmorden, die von meist anormalen Tätern begangen werden, denen man ,nur‘ ein Verbrechen zur Last legt. Diese Feststellung und Be-; obachtung ist üiteressant. ob I sie für eine bestimmte Situa- : tion kennzeichnend ist, vermag hier nicht entschieden! zu werden. Allerdings dürfte eine solche Vermutung naheliegen. | Häufig ergehen in diesen j Prozessen Urteile, die hini sichtlich der Höhe der ausj gesprochenen Strafe in einem ' solchen Missverhältnis zu den Straftaten stehen, dass man : 29fr Annahme gezwungen wird, es wäre besser, diese , Prozesse garnicht zu führen. I Die Nazis haben durch Erziehung und Propaganda den Wert des einzelnen Meni schenlebens gleich null ange- ' setzt. Werthaft war nur die , Volksgemeinschaft, die nazi- | stische versteht sich. Juden! waren wie Slawen, Zigeuner i und andere Völker als Unge- | ziefer zu betrachten, das man tot tritt. Nach diesem Rezept . wurde auch verfahren. Die i Franzosen waren keine Wanzen. sie waren nach Hitlers .Mein Kampf* ein Affenvolk, also auch nur Tiere. Diese Tendenz, das Menschenleben als wertlos anzusehen und zu behandeln, spiegelt sich in manchen Urteilen wider. | In München wurde dem j ehemaligen SS-General Karl Wolff, dem Vetrauensmann! Himmlers, der Prozess ge-! macht. Ihm wurde Beihilfe ' an der Ermordung von 300.000 Juden zur Last gelegt. Man kann es sich schwer vorstellen, . welches Leid, welches Elend, welche Schicksale hinter diej ser furchtbaren Ziffer von | dreihunderttausend ermordeter Juden steht. 3-0-0.-0-0-0! I Beihilfe zur Ermordung von | 300.000 Menschen geleistet zu haben, dürfte eines der i schwersten Verbrechen sein, | das jemals in der Geschichte j des Verbrechens überhaupt | einem einzelnen Täter zur Drastische Massnahmen gefordert Jerusalem. — Im weiteren Verlauf der Knesset-Debatte über die Deutschen verlangten verschiedene Abgeordnete, die israelische Regierung solle zu drastischen Mitteln greifen, um die deutsche Bundesregierung zu veranlassen, die Wissenschaftler zurückzurufen, die an Nassers Rüstungsprogramm mitarbeiten. Es steht zu erwarten, dass Levi Eshkol zu diesen Interpellationen in der nächsten Woche Stellung nehmen wird. Bis dahin, so glaubt man, dürfte er eine Antwort von Bundeskanzler Erhard erhalten haben, den er vor einigen Tagen in einem Schreiben von der Besorgnis Israels unterrichtete, dass Westdeutschland in dieser Frage untätig bleibt. Einer der Debattenredner, I. Galili von der Achdut Awoda, ersuchte die Regierung, sich unumwunden zu äussern, ob die Arbeit der deutschen Wissenschaftler für Nasser die Vorteile überwiege, die Israel durch die Zuwendungen aus Westdeutschland geniesst. (ITA) PB0PIEDADES FRANKENBERG s. r. l. >erät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHÄRFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN YIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLFWSKI KtTLTUSSTICKEREIEN Schabbosdecker? - TaiJifibeutel Käppchen Maz zot-Taschen Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I- RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, ewj. CONDE 76-0286 73-1049 Transjordanische Visen Jerusalem. — Die transjordanische Regierung erwägt die Aufhebung des Verbots von Touristenvisen für Juden, wie transjordanischen Zeitungen zu entnehmen ist. Diese Einstellung ist dem Druck des transjordanischen Botschafters in Washington zuzuschreiben, der darauf hinweist, dass das Verbot mehr Schaden als Nutzen verursacht, da eine steigende Zahl von nordamerikanischen Juden Interesse an einem Besuch Transjordaniens zeigt. — (ITA) Last gelegt worden ist. Wir stehen hier vor einem Verbrechen unvorstellbaren Ausmasses, das dieser Wolff begangen hat. Der Staatsaiwalt hat dies auch verstanden und als Höchststrafe lebenslängliches Zuchthaus beantragt. Das Gericht verurteilte Wolff zu 15 Jahren Zuchthaus. Sicherlich kann es uns gleichgültig sein, wie lange der ehemalige General und Herr über Leben und Tod unzähliger Menschen nun absitzen muss. Es geht hier nicht um den einzelnen Uebeltäter. Hier spielt eine grundsätzliche Frage eine entscheidende Rolle: wird durch ein solches Urteil das durch die Nazis bewusst zertrümmerte Rechtsbewusstsein wiederhergestellt oder nicht? Wenn ein Mann, der von einem Gericht der Beihilfe am Mord an 300.000 Juden für schuldig gefunden wird, nur 15 Jahre Zuchthaus erhält, unterstreicht ein solches Urteil nicht erneut die Wertlosigkeit des menschlichen Lebens? 15 Jahre für Beihilfe zum Mord an 300.000 Menschen heisst eine Verurteilung zu 26,28 Minuten für jeden Fall. Knapp sechsundzwanzig und eine halbe Minute ein Menschenleben... Irgendwelche Milderungsgründe dürften in einem solchen Kriminaliall nicht angeführt werden können. Wolff selbst hat während des ganzen Prozesses behauptet, von den Mordtaten nichts gewusst zu haben, obwohl das Gericht ihm Dokumente vorlegen konnte, aus denen sich das Gegenteil ergab. Die Leugnung der Mittäterschaft und eine geradezu groteske Feigheit all dieser Angeklagten — von wenigen Ausnahmen abgesehen — ist geradezu für die ehemaligen nazistischen Gewalthaber charakteristisch. Man verfolge nur die Haltung der Angeklagten im Frankfurter Auschwitz- Prozess, die auch dann noch Sire Untaten in Abrede stel- MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 JACOB LAPIDUS dipt. Mohel NEUE ADRESSE VI AMONTE 2637 4» B. 46-1716 und 48-2124 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN 9. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt., Frei., 15—19 Uhr Samst. 14—16 Uhr. OLAZABAL 2512 - 76-7980 Privat 52 7734 Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG BERNARDO STERN Ausführung saemtheher MALERARBEITEN len, wenn sie durch Zeugen oder Dokumente überführt sind. Diese erbärmliche Haltung derjenigen, die von sich behaupten, zur Herrenrasse zu gehören, die beinahe ganz Europa zertreten haben und sich anschickten, die Welt zu erobern, wird hoffentlich nicht auf die Jugend demoralisierend wirken. Auf diesem Wege erscheint es ausgeschlossen, dass die Vergangenheit bewältigt werden kann. Im Angesicht des von Wolff begangenen Verbrechens wäre eine dreissigjährige Zuchthausstrafe auch noch nicht die Sühne von einer vollen Stunde für jeden Ermordeten gewesen... Noch befremdender als die Festsetzung des Strafmasses ist die Zusatzstrafe der Aberkennung der bürgerlichen Rechte auf die Dauer von nur 10 Jahren. Nach einem Jahrzehnt kann also ein Mann wieder wählen, der sich der Beihilfe am Tode von 300.000 Menschen schuldig gemacht hat. Hierzu dürfte jeder Kommentar überflüssig sein. Zufällig las ich nach Abschluss dieser Darstellung in einer in Deutschland erscheinenden Zeitung eine kurze Nachricht, die folgenderma- HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee* los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Lida. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 1» Izq. T. E. 83-2613 Abono-Preiseí Argentinien« $ 500,— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährl. ssen lautet: „Im vergangenen Monat wurde der 24 Jahre alte Hilfsarbeiter Hans Peter Rieh wegen Ermordung eines Taxifahrers vom Schwurgericht Freiburg zu lebenslänglichem Zuchthaus und dauerndem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.“ Wir wollen gegenüberstellen: ein Hilfsarbeiter ermordet einen Menschen und beraubt ihn. Ein General leistet Beihilfe zum Mord von 300.000 Menschen. Der Hilfsarbeiter, also ein Mann ohne jede Ausbildung, der einen Menschn totgeschlagen und beraubt hat, muss dafür lebenslänglich sitzen. Ein General aber, also sicherlich ein Mann von gewisser Bildung, bei dem man auch ein Mindestmass von Kritik über Recht und Unrecht voraussetzen müsste, der 300.000 Menschen zu ermorden half, bekommt 15 Jahre. Dem Hilfsarbeiter werden die Ehrenrechte auf Lebenszeit abgesprochen, der General erhält sie nach nur 10 Jahren wieder, also noch während seiner Gefangenschaft, — wenn er nicht — wie so viele dieser Sorte — vorher auch noch begnadigt, wird. Unter solchen Umständen ist es schwer, an die deutsche Justiz zu glauben und zu deutschen Gerichten Vertrauen zu haben. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiolegia — Hospital Fernandez ELECTROCARDIOGRAMME CUBA 2141 — T. E. 73-8782 n. 73-6817 Consultas: Montag bis Freitag; 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmienta 3111 T. E. 87-1382 AUF STUDIENREISE BIS 15. OKTOBER Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76-8673 u. 73-0500 Dr. L KLEIN - Médico Magen- und Darmkrankheiten Roentgen-UntersHchtingen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u- Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1381 T. E. 44-9496 u. 44-13+2

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