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Jüdische Wochenschau · 1964-10-09 · 2085 (9.10.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2085 (9.10.1964)
Date
1964-10-09
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 9 de Octubre de 1964 Jj A SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2085 — 3 JE#* íebie sechzehn Jahr® Verhandlung im Frankfurter Auschwitz-Prozess: Der Zeuge Josef Glück, jetzt Kaufmann in Haifa, früher Textilfabrikant in Klausenbürg, ist am 10. Mai 1944 verhaftet worden; „Weil ich Jude war“. Mit dem letzten Transport verliess er am 11. Juni Klausenburg mit 2.800 Leidensgenossen, vierhundert davon wurden in Auschwitz zur Arbeit selektiert, die anderen gingen ins Gas. Mit ihm waren seine Frau, seine zwei Kinder, seine Mutter, seine Schwester und deren zwei Kinder, sein Bruder, seine Schwiegermutter, seine Schwägerin. „Sind Sie der einzige von all denen, die Sie genannt haben, der übriggeblieben ist?“ Des alten Mannes Antwort Ist Erinnerung, Trauer, verwehte Spur derer, die einst das Leben mit ihm teilten: „Ja.“ Einen Augenblick lang steht das Wort noch im Saal, unwiderruflich urteilend und doch unschlüssig, wohin und an wen es sich wenden solle. damit es nicht nur gehört, sondern auch begriffen werde. Der alte Mann sitzt reglos. Langsam schlägt der Vorsitzende ein Blatt seiner Akten um. Ja, der Zeuge hat den Apotheker Capesius auf der Rampe von Birkenau bei Selektionen gesehen, und zwar handelnd. Glück hat, wie er sagt, den Capesius gleich erkannt und den Mithäftlingen gegenüber erwähnt: „Der Capesius ist ein Landsmann von uns, ich kenne ihn aus Klausenburg.“ Aber Capesius habe nur gefragt, ob man arbeiten wolle, ja oder nein. Die Neinsager habe er nach links geschickt in den Tod, die anderen nach rechts in das Lagerleben. Der Zeuge belastete den Angeklagten schwer. Glück bekundet, dass er den ehemaligen Lagerapotheker mehrmals auch „bei Selektionen im Lager, und zwar in Begleitung des Dr. Mengele, gesehen habe: so Anfang Oktober 1944. Mengele kam mit drei Offizieren, „darunter war auch Capesius“, zur Baracke Nr. 11. Jüdische Kinder im Alter zwischen sech- MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäf te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO (147 T. E. 35 ■ 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. I zehn und achtzehn Jahren seien dort untergebracht ge-! wesen, „sie waren alle gesund“. | „Sie haben wohl geahnt, I was ihnen bevorstand, und I flohen. Da hat sie der La- 1 gerfiihrer mit Hunden wie- | der zusammengetrieben. Das ' war an einem jüdischen Fei- | ertag. Nach zwei Tagen sind j dann Lastwagen gekommen,! auf die Lastwagen hat man j diese Buben herauf gesetzt und ins Gas geschickt. Dabei j hat man gelacht. Man hielt! es wohl für sehr komisch, 1 dass die Kinder nach ihren 1 Müttern schrien.“ Den Zeugen iibermannt die | Erinnerung. Erregt ruft er : aus, er habe der Zeitung ent- I nommen, „dass diese Herren | nicht wüssten, was in Ausch- : witz geschehen sei“. Sie, die Häftlinge, hätten es schon nach zwei Tagen gewusst, ja I selbst die Kinder. Dann greift I er in sein Jackett, entj nimmt der Brieftasche ein I kleines Foto, reckt es mit starrem Arm den Richtern entgegen und ruft weinend: „Kinder haben sich die Arme aufgeritzt und mit Blut an die Barackenwände geschrieben: wie mein Neffe hier, dieses Kind: Andreas Rapaport — lebte sechzehn Jahre.“ Das Kind habe ihm zugerufen : „Onkel, ich weiss, dass ich sterben muss. Sag meiner Mutter, dass ich bis zum letzten Moment an sie gedacht habe.“ | „Dieser kleine Bub, er wusste, dass er sterben muss I nach zwei Tagen. Er wusste | nicht, dass seine Mütter I schon vergast war.“ I Der Zeuge namens Glück ist erschöpft zusammengesunken. Weinend sitzt er an seinem Tisch, in der Hand das Bild seines Neffen Andreas Rapaport — „lebte sechzehn Jahre.“ Behutsam dreht Landgerichtsdirektor Hofmeyer das Rad des Prozesses weiter. Josef Glück hat eine weitere Selektion erlebt, am 13. August 1944, im Frauenlager, wo er an einer Wasserleitung arbeitete. Mengele und Capesius seien. dabei gewesen. Bei dieser Selektion sei seine Frau in den Tod geschickt worden. Auch bei der Vernichtung des Zigeunerlagers habe er Capesius gesehen; er habe sich bei den wenigen kräftigen Zigeunern aufgehalten, die nicht ins Gas gegangen seien. „Wissen Sie bestimmt, dass Sie sich nicht täuschen können? Haben Sie den Dr. Capesius verwechselt mit Dr. Klein?“ „Nein.“ „ES ist kein Zweifel daran, dass Sie Capesius im Lager gesehen haben bei verschiedenen Selektionen?“ „Nein.“ „Und Sie können sich auch gar nicht irren?“ „Nein." Verteidiger Dr. Laternser macht dem Zeugen einige Vorhalte. Der Zeuge Ehrenfeld habe im Gegensatz zu Glück diesen und jenen Mithäftling auf der Rampe nicht mehr gesehen; ob denn der Dr. Capesius Ungarisch oder Deutsch gesprochen habe oder aber ob er, Glück, es nicht mehr wisse. „Herr Advokat, das sind so Kleinigkeiten. Jedes Jahr, das ist mehr und mehr (Abstand), ich kann mich nicht erinnern.“ Ob denn erst die Frauen und dann die Männer oder erst die Männer und dann die Frauen auf der Rampe selektiert worden seien, oder aber ob der Zeuge es nicht mehr wisse? Was denn stimme von diesen drei Einlassungen? „Wahrscheinlich alle drei. Ich kann mich nicht mehr erinnern.“ Wer denn die Frauen selektiert habe? „Capesius.“ Laternser bezweifelt, dass der Zeuge es überhaupt gesehen h'ben kann, Josef Glück bleibt dabei. Capesius möchte eine kur-! ze Erklärung abgeben: I „Ich kann nur wiederho- | len, ich war auf der Rampe, habe aber nie selbst selektiert. Der Transport war j nach den Bekundungen die- ' ses Zeugen in aller Frühe angekommen, die Lampen haben nöch gebrannt. Zu dieser Zeit war ich nie auf der Rampe, sondern immer nur zu normalen Dienststunden. Ich habe niemals im Lager geschlagen; ich habe niemals im Lager mit Dr. Mengele irgendeine Tätigkeit ausgeübt.; Mengele war immer mit Dr. Klein zusammen gewesen, der aus meiner Heimat stammt und Ungarisch sprach. Der Vorsitzende fasst es zusammen un<j wendet sich an den Zeugen: „Sie sagen, Sie haben ihn gesehen, und Sie bleiben dabei?“ „Sie bleiben auch dabei, dass Sie ihn im Lager (dem Zigeunerlager) gesehen haben?“ „Ja.“ Der Zeuge Dr. Walter Loebner ist Gynäkologe in Haifa. Vor dem Einmarsch der deutschen Truppen floh der praktische Arzt und Kurarzt nach Prag, dort wurde er am 18. April 1939 festge- I nommen, „wegen des Verdachtes des Hochverrats ge- ' gen das deutsche Volk.“ j „loh fragte, wie kann ich! als Tscheche Hochverrat ge- | gen das deutsche Volk begehen? Das wurde mit Ohrfei- 1 gen beantwortet, und es blieb | dabei.“ 1 Im Oktober 1942 kam Loebj ner mit allen Juden aus S chsenhausen nach Auschwitz I (nur die Graveure und Graphiker wurden zurüclcbehal- ' ten. Später habe ich erfahj ren: zum Zwecke der Pfund- ' Fälschungen). Loebner hat j Capesius ein einzages Mal ge- ‘ sehen, in der Lagerapotheke, 1 als er für die Bekämpfung ' einer Malaria-Epidemie tausend Tabletten Chinin ange- I fordert habe. (Der Zeuge! wird „natürlich nur von Er-; kältungskrankheiten“ gespro- I chen haben, denn man habe : gewusst, dass Epidemien j meist mit radikaler Ausrot- 1 tung bekämpft worden seien.) Capesius habe gesagt: .Wozu brauchen Sie diese Riesenmenge Chinin. Die brauchen Sie doch nur für Ihre Huren irp Lager zu Abtreibungszwecken.‘ „Sonderbarerweise hat er sich auf eine Diskussion eingelassen.“ j Zum Schluss wmrden die I tausend Tabletten aber doch I gestrichen. Der Zeuge bestä- I tigt, dass Capesius nicht ge- I wusst habe, dass sie der Ma- I laria-Bekämpfung hätten diej nen sollen. Die Verteidigungslinie, hin-! ter der sich Capesius bisher I bewegte, dass er nämlich von I allen Belastungszeugen mit; dem Lagerarzt Dr. Klein ver- I wechselt werde, von solcher! Abwehr hält der Zeuge Loeb- I ner wenig. I „Eine Verwechslung ist meiner Meinung nach unmöglich.“ Er schildert beide. Den Apotheker Capesius als breitschultrig, mit starken Bakkenknochen. breitem Gesicht, den Arzt Klein als „klein, so wie der Name, schmächtig, ich glaube weisshaarig. — Ich habe sie miteinander gesehen, es hat ein grosser Un- Unterschied bestanden “ (FAZ) LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 219«, 1» izq. — T. E. 83-2613 3. Marcheschwan 5725 9. Oktober 1964 Vertrauen in das Kirchenkonzil Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTtJPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrik«*«* — tfoverMnäliehe Vorführung Ai*f WiMtaeh ZaWu«gserleickter»mgen MASCHINEN TEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND QRDESSEN. AUBLEGEN VON APPARTEMENTS MIT rein WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private aux Samstag und Sonntag yo* V—1$ Uhr hm Ausatellungshaua CaÄ« ANDONAEGUI 2083 *•*•* 9S-DM8 4 «Mfer ven SMtm Ur«*fea Gegen Voelkerzwietracht Bonn. — 17 Söhne französischer und deutscher Kriegsopfer haben kürzlcih am Ehrenmal im Bonner Hofgarten einen Kranz zum Gedenken an die Opfer der Kriege unu der Gewaltherrschaft niedergelegt. Die Jungen sind zwischen 13 und 17 Jahre alt. Sie wollten mit dieser Aktion geloben, gegen die Völkerzwietracht und für den Frieden zu kämpfen. (AWZ) Treblinka-Prozess in Düsseldorf Düsseldorf. — Der Staatsanwalt in Düsseldorf kündigte einen Prozess gegen 14 Angehörige des SS.Kommandos an, das in Treblinka die Massenerschiessungen durchführte. Hauptangeklagter ist der 50jährige Untersturmführer Kurt Franz. Der Prozess wird j fünf Monate dauern. Zeugen aus Amerika, Kanada, j England und Israel wurden | dazu vorgeladen. Synagoge ohne Beter Melbourne. — Eine der ältesten Synagogen Australiens musste während der Hohen Feiertage geschlossen bleiben, weil-zum ersten Mal in der Geschichte nicht genügend Beter vorhanden waren. Die Synagoge, die 1864 eingeweiht wurde, liegt in der Stadt Launceston in Tasmanien, dem kleinsten Staat des australischen Commonwealth. (ITA) New York. — Der Kardinal Richard Cushing aus Boston erklärte, er vertraue darauf, dass das Oekumenische Konzil eine „wunderbare Erklärung“ abgeben und die Juden von der Schuld des Gottesmordes freisprechen werde. Diese Erklärung gab er auf einer improvisierten Pressekonferenz im Kenyedy-Flughafen ab. Er versicherte, er glaube, dass in Rom ein energischer Text zugunsten der Juden verfasst und seiner Meinung n"ch bestimmt angenommen werden würde. „Die grosse Mehrheit der Konzilsväter befürworten dies. Ich bin sicher, dass die Juden mit einer günstigen Deklaration rechnen können. Vielleicht werden sie nicht alles erhalten, was sie wünschen, aber sie werden eine wunderbare Erklärung bekommen“, äusserte er. Cushing stand an der Spitze der Bischöfe, die für eine energischere Erklärung eintraten. Inzwischen haben die orthodoxen Bischöfe aus Antiochien versucht, die Tendenz zu einem Freispruch der Juden von der Schuld am Tode Christi zu durchkreuzen. Eine unlängst in syrischen Zeitungen erschienene Information besagt, dass die Bischöfe sich an den Patriarchen Athenagoras, das geistige Oberhaupt der orthodoxen Kirche, mit dem Ersuchen zu wenden planen, bei Papst Paul VI. gegen den Freispruch der Juden zu intervenieren. Dieser Schritt entspringe der Ueberzeugung der orthodoxen Bischöfe, so heisst es, dass „der Vatikan in einer Frage, die die ganze Christenheit angeht nicht für sich allein handeln kann.“ SYRIEN ERHEBT EINSPRUCH Rom. — Das Ansinnen des inzwischen abgetretenen syrischen Ministerpräsidenten Salach Bitar, der an den katholischen Klerus appellierte, seine Zustimmung zu einer Erklärung über die katholisch-jüdischen Beziehungen nicht zu geben, ist hier mit scharfen Kritiken beantwortet worden. Bitar hatte seinem Verlangen in persönlichen Besuchen bei den Häuptern der katholischen Kirche in Damaskus Ausdruck verliehen und zur Begründung angeführt, dass die beabsichtigte Erklärung, welche die Juden von der Schuld an der Kreuzigung Christi freispricht, ais „politisch“ betrachtet werden müsse. Die Kommentare, die die Bischöfe hier zu diesem Argument abgaben, geschahen in Ausdrücken wie „unglaublich“ oder „lächerlich“. Allerdings stammten diese Urteil aus dem Mund von Prälaten aus allen, nur nicht aus den muselmanischen I..ändern, denn deren Geistliche widersetzten sich dieser Deklaration wählend der dreitägigen Debatten über dieses Thema. Israel expediert Kraftwagen Tel Aviv. — Insgesamt 526 Jeeps israelischer Fabrikation im Gesamtwert von 1.250.000 Dollar wurden im Rahmen des von den israelischen Automobilwerken Ulin in Haifa abgeschlossenen multilateralen Vertrages nach Kolumbien ausgeführt. Die Lieferung der Jeeps erfolgte im Austausch gegen kolumbianischen Kaffee, den die Illin-Werke als Gegenwert für eine Reihe von Industrieprodukten und Rohmaterialen nach Ostdeutschland sandten, während die Gesellschaft die aus der DDR erj haltenen Erzeugnisse an 11 I Länder verkaufte. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. E. ¡83-2613 ★ Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Verwaltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. T. L: 80 - 6930 PUEYRRED0N 2190 esq. Av. LAS HER AS

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