Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2085 (9.10.1964)
- Date
- 1964-10-09
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes, 9 de Octubre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2085 Die Religion der Gottlosen (Schluss von Seite 1) j ton Rahmen eines Zeitungsi artikels noch schwieriger als in einer Zeitschrift ist. Dirks geht von seinem ¿Standpunkt — vielleicht mit Recht — von dem Anspruch auf Ausschliesslichkeit der christlichen Kirche aus. Dieser Auffassung muss von jeder geistigen Gemeinschaft ■widersprochen werden, schon ■weil jede gegenteilige Meinung das Recht der freien Meinungsäusserung aufhebt oder aber jede andere Anj schauung deklassiert. Den Bol-1 schewismus als eine Frucht des Christentums zu bezeichnen. erscheint reichlich gewagt, auch wenn Dirks wertend hinzufügt, es sei eine I bittere Frucht. Dass es kein menschliches Denken gibt, das von anderen Ideen oder j geistigen Vorstellungen völlig, unabhängig, sozusagen au- I tochthon, wäre, dürfte als selbstverständlich unterstellt j werden. Denn jeder denkende j Mensch, Jeder schöpferische! Mensch baut auf dem auf, j was andere vor ihm geschaffen und erdacht haben, auch wenn er sich mit früheren Anschauungen oder Lehren in Gegensatz bringt. Karl Marx als Vorbild Lenins und Lenin als Vorbild des von Dirks erwähnten Kaiser-Papstes Stalin wurzelten in der europäischen Gedankenwelt, die zu einem guten Teil eine christliche war, wenn auch nicht ausschliesslich. Marx baute auf dem System Hegels auf, und Lenin führte die Gedanken Marxens weiter. Ob man deswegen schon das Recht hat, wie Dirks es tuf, den Bolschewismus mit seinen Lehren und Theorien als eine ' (bittere 1 Frucht des Christentums zu deuten, muss be-; zweifelt werden. Hierzu wäj ren ganz andere Quellenstudien erforderlich als diejeni-\j gen, die hier sehr summa- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1izq. naehm. 16—19 Uhr Telefon: -6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PR0PIEDA0ES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSEEN VIRRET DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 risch angestellt wurden, zumal auf den eigentlich sozialistischen Inhalt des Bolschewismus oder des Kommunismus überhaupt nicht hingewiesen worden ist. Hierbei gelangen wir zu einem sehr ernsten Thema, das allerdings mit dem Christentum als der organisierten Kirche nichts oder wenig zu tun haben dürfte. Zweifellos haben die Forschungen auf dem Gebiet des Urchristentums und der vorchristlichen Sekten, die man der Wahrheit entsprechend als jüdische Sekten zu bezeichnen hat, mit aller Deutlichkeit starke kommunistische Tendenzen ergeben, die freilich mit dem politischen Kommunismus des 19. und 20. Jahrhunderts nichts gemein haben. Diese jüdischen Sekten hatten sich gebildet, nicht um Neuerungen zu schaffen, sondern um mit den im jüdischen Gesetz verankerten sozialen oder sozialistischen Postulaten ernst zu machen. Da sie nicht innerhalb des von einer fremden Macht okkupierten Landes bestehen konnten, zogen sie sich in die Einsamkeit, in geschlossene Gemeinschaften zurück, innerhalb deren unsichtbaren Mauern sie einem ihrem Gott und seinem Gesetz ergebenen Leben nachgehen konnten. Das haben die Funde und Forschungen der letzten Jahrzehnte eindeutig bewiesen. Alle Ideen der Menschheit sind geschlichtlich geworden*. Es dürfte ein unmögliches Unterfangen sein, hier einen Anfang und eine absolute Unmittelbarkeit bis in die letzten Ursprünge zu verfolgen. Hierfür fehlen, jedenfalls bis heute, die notwendigen Voraussetzungen. Vielleicht haben in Zukunft die vielfachen Forschungen grössere als die bisherigen Erfolge. Vielleicht gelingen neue Funde, die in die Enstehungsgeschichte der menschlichen Kultur ein helleres Licht hineintragen und zu neuen Einsichten und Erkenntnissen führen. Solange dies aber nicht der Fall ist. darf man sich nicht in Spekulationen verlieren und Tatsachen durch Mutmassungen ersetzen. Sicherlich gab es auf einer Art Kommunismus beruhende Gemeinschaften längst , vor dem theoretischen Mar-! xismus. Den sozialen oder sozialistischen Charakter der J altjüdischen Gesetzgebung1 wird niemand in Abrede stelj len. Dass es auch viele Grup-' pen oder Sekten im alten Palästina gegeben hat, wissen i wir. Die Essener und die jetzt durch die neueren Entdeki kungen stärker hervorgetrene Qumran-Sekte sind lebende Zeugen hierfür. Die die- I senlLebensgemeinschaffen zu- : grundeliegenden Gedanken, i die von ihnen auch verwirk- JUDITH SGHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tailiebeutel Käppchen Maz zot-Taschen ■ Hand und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 licht wurden, und welche im jüdischen Gesetz ihre Wurzeln haben, sind vielleicht frühe Vorläufer der sozialistischen Kommunen, haben aber mit ihnen in der alltäglichen Realität nichts mehr zu tun. Die Qumran-Sekte lebte in einer gewollten Welt-Abgeschiedenheit, in einem Kloster, also auf einem absichtlich begrenzten Raum. Dass auch urchristliche Gemeinschaften ncc-h solchen sozialistischen, im jüdischen Gesetz verankerten Prinzipien ihr Dasein gestaltet haben, dürfte sicher sein. Die späteren Mönchs- und Ordensgemeinschaften zeigten ähnliche Merkmale, wie z. B. den Verzicht auf persönliches Eigentum oder das Gesamteigentum an bestimmten, lej benswichtigen Sachen. Dies I entspricht sehr deutlich den! alten jüdischen Gesetzen und i Vorstellungen, z. B. vom Ge! samt- oder Volkseigentum am i Boden. I Dennoch ist es höchst ein- I seitig betrachtet, den moder- : nen Kommunismus oder Bolj schewismus als eine Frucht j des Christentums ansehen zu wollen. Die kommunistischen! Klassiker bestreiten dies sehr I energisch. Sie stellen sich be- | wusst in Gegensatz zur Reli- | gion überhaupt und beson- J ders zum Christentum, mit I dem sie als erstem zusam- ' mengestossen sind. Hierüber I kann man nicht einfach hin- I wegsehen und von sich aus einseitig konstatieren, dass alle diese Theorien und Anschauungen nur auf dem Boden der Abtrünnigkeit vom Christentum erwachsen konnten. Im übrigen ist auch mit dieser Behauptung nichts getan und vor allem nichts erreicht worden. Stalin schrieb deutlich: „Der Marxismus ist nicht nur eine Theorie des Sozialismus, sondern eine ganzheitliche Weltanschaung, ein philosophisches System, dessen natürlicher Ausfluss der proletarische Sozialismus von Marx ist. Jenes philosophische Spstem heisst .Dialektischer Materialismus*.** _ Schon lange vor ihm hatte N. Bucharin (1921) kategorisch erklärt: „Die Sowjetregierung hat jeden Gedanken über die Ausnutzung der Kirche zur Konsolidierung des proletarischen Staates in irgendeiner Form abgelehnt'*. Nun mag dies bei der sehr wendigen kommunistischen Politik nicht das letzte Wort auf diesem Gebiet gewesen sein, zumal ein anderer sowjetischer Regierungsvertreter, G. Karpow, im Jahre 1945 ausführte, dass Kirchenbeschlüsse wichtige Ausgangspunkte für die Entwicklung der Kirche und zum Nutzen des Volkes sein würden, weil sie zur Erfüllung der vor der Sowjetunion stehenden „gewaltigen historischen Aufga- Weniger arabische Flüchtlinge Jerusalem. — rae transjordanische Zeitung „El Yijud“ veröffentlichte die Nachricht, dass Lawrence Michelmore, der Generaldirektor der UNRWA, des UN- Büros für die Betreuung der arabischen Flüchtlinge, in seinem nächsten Bericht für die Generalversammlung der Vereinten Nationen, den Vorschlag macht, die Namen von 55.000 arabischen Flüchtlingen von den Listen der Hilfsempfänger zu streichen. Wie die Zeitung schreibt, heisst es in dem Bericht, dass fast 20 Prozent der arabischen Flüchtlinge sich heute selbst ernähren und nicht mehr die Unterstützung der UNRWA brauchen, und dass annähernd 40 Prozent imstande sind, teilweise ihren Unterhalt zu bestreiten. Aus arabischen Quellen verlautet, dass diese Feststellung heftige Proteste in der arabischen Welt auslösen wird. Dagegen erklärte die Hilfsorganisation der UN, ■ dass mit der Aufstellung neuer Listen begonnen wurde und dem scharf kritisierten Missbrauch der UN- Hilfe für die arabischen Flüchtlinge ein Ende gemacht werden soll. (ITA) ben“ beitragen könnten. Aber diese Ansicht macht die Kirche zu einem Hilfsmittel des Kommunismus, jedenfalls in der Wunschvorstellung oder im Programm der Kommunisten. Noch deutlicher äusserte sich Lenin, als er die Position des Kommunismus gegenüber der Religion umriss. Ar sagte: „Der Atheismus ist ein organischer, untrennbarer Bestandteil des Marxismus, des theoretischen und praktischen Sozialismus“. Damit ist einer der wesentlichen Inhalte der kommunistischen Doktrin zum Ausdruck gebracht worden. Dirks’ Versuch, jene Satansfrucht des Christentums als ein Produkt einer verfehlten kirchlichen Politik hinzustellen, ein Versuch, der von ihm nicht als dem ersten Beobachter gemacht worden ist, muss als irrtümlich und gekünstelt abgelehnt werden. Dies schon deswegen, weil der Atheismus ein essentieller Bestandteil der kommunistisch-marxistischen Lehre ist. „Hierin liegt eines der wichtigsten Merkmale der geistigen und philosophischen Wesenheit des Kommunismus, einer Wesenheit, die übrigens von Forschern in keineswegs genügendem Masse gewürdigt wird**, heisst es bei einem der Kritiker des modernen Kommunismus (Alexander Kischkowsky). Fanatismus und die Ergebenheit der kommunistischen Theoretiker und Anhänger des marxistisch-leninistischen Weltbildes geben vielmehr Veranlassung, die Frage aufzuwerfen, ob nicht selbst bei diesen nüchternen, kühnen Köpfen von einer religiösen Inbrunst gesprochen werden darf, mit der sie ihre „Religion der Gottlosigkeit“ vertreten. Ist doch der Glauben eines der entscheidenden Merkmale jeder religiösen Ueberzeugung. Die Macht des Glaubens 1st eine der wich- M0HEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4» B. 46-1716 und 48-2124 Dr. J. P. Kroll Bisher INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt., Frei., 15—19 Uhr Samst. 14—16 Uhr. OLAZABAL 2512 - 76-7980 Privat 52 7734 Dr. B. Schwartz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. ' VORANMELDUNG BERNARD Ausführung 0 STERN saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 tigsten Voraussetzungen für religiöses Denken und noch stärker für religiöses Empfinden. Ohne diesen Glauben des einzelnen Menschen wie einer Gemeinschaft kann eine Religion nicht bestehen. Sicherlich ist es auch nicht möglich, Anhänger der kommunistischen Weltanschauung zu sein, ohne an seine Richtigkeit zu ,glauben*. Dieser Auffassung widerspricht auf den ersten Blick die Theorie der atheistischen Kommunisten. Die kühle Analyse, die von Marx, seinen Vorgängern und Nachfolgern gemacht worden ist, besteht aber letztenendes darin, anstelle göttlichen Waltens das Wirken anderer, vom menschlichen Willen unabhängiger Kräfte zu lehren. Diese merkwürdige Glaubenssituation hat ein jüdischer Religionsphilosoph (Max Wiener) in einer sehr feinsinnigen Weise interpre tiert: Der moderne Mensch hat nicht mehr die Kraft an „IHN“ zu glauben, er glaubt an ein „ES“. Diese Deutung dürfte auf das Phänomen ,des Kommunismus ohne weiteres an- LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190 1? izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 500,— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährl. Unterstützung gegen Israel London. — Einer der Vertreter des rotchinesischer Staatspräsidenten Liu Schao- Tschi bekräftigte kürzlich, dass die Chinesische Volksrepublik die Forderung dei arabischen Staaten gegen Israel unterstütze. Diese Erklär rung wurde anlässlich de» Ueberreichung des Beglaubigungsschreibens des neuen syrischen Botschafters in Feping abgegeben. (AWZ) Ermaessigte Steuern in Israel Jerusalem. — Eine Reihe von Abänderungen der israelischen Einkommensteuer-Gesetze, die eine Verringerung von 2 bis 6 Prozent besonders für mittlere und hohe Einkommen vorsehen, wurde von Finanzminister Pinchas Sapir zur Vorlage in der Knesset gebilligt. (ITA) wendbar sein. Die Lehre der Marxisten ist ein solcher Glauben an das „ES“, aber doch ein Glauben. Die kommunistische Theorie des Atheismus ist mit anderen Worten als eine „Religion der Gottlosigkeit oder der Gottlosen“ anzusehen. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández ELECTROCARDIOGRAMME CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 AUF STUDIENREISE BIS 15. OKTOBER Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden-, Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518, T.E. 76-8673 u. 73-0500 Dr. L. KLEIN - Médico Magen* und Darmkrankheiten Roentgen-Untersuchungen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u- Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542