Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2084 (2.10.1964)
- Date
- 1964-10-02
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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4 — Viera««, g de Octobre 4e 1964 IA SEM*** NRAKllt A Abo XXV. — No. 3M4 Ereignisse der Woche CENTRA-TAGUNG IN SAN PAOLO Vor acht Jahren wurde die CENTRA als Dachverband der in Lateinamerika befindlichen Gemeinden und Organisationen unseres Sprachkreises aufgrund der Initiative des inzwischen leider »erstorbenen Georg Neuländer und von Dr. Hardi Swar- Bensky gegründet. Beide hatten schon auf der anderen Seite des grossen Meeres im Deutschen Makkabikreis zusammengearbeitet und auch auf diesem Kontinent Jahre hindurch in engem Kontakt gestanden. Neuländer war ein sehr aktiver Mann, der in seinem neuen Wirkungs kreis in Montevideo trotz grosser Anfangsschwierigkeilen seiner Emigration seine ganze Arbeitskraft seiner Gemeinschaft zur Verfügung stellte, im Mäkkabi, in der Gemeinde, in der Zionistischen Organisation mit allen ihren Neben- und Sonderorganisationen (vor allem dem KKL). — Die vielen Gemeinden und Vereine zentraleuropäischen Ursprungs in irgendeinen engeren Kontakt zu bringen, •war der Anlass, den ersten Centra-Kongress vor nunmehr acht Jahren nach Montevideo zusammenzuberufeu. Der Gedanke zündete und das gemeinsam aufgestellte Programm verpflichtete. Die Leitung wurde nach Monte- Vileo gelegt, zum 1. Vorsitzenden Rudolf Hirschfeld und zum Sekretär (und Vizevorsitzenden) Hans Leschnitzer gewählt. Sie sind in ihren Aemtem geblieben, sie wurden von allen vier Kongressen gewählt, ihre Tätigkeit fand Anerkennung und Beifall. | Jetzt wird der 5. Centra-' Kongress, diesmal in Sani Paolo (Brasilien) stattfinden,; der von der ausserordentlich I aktiven und glänzend orga-! nisierten und arbeitenden i Gemeinde Congtegacao Is-' raelita Paulista vorbereitet wurde. Centra-Probleme i Der Kongress hat den Zweck, zu berichten, zu ori-1 entieren, zu debattieren, Be-, Schlüsse zu fassen und Riehtj linien für die künftige Arj beit herauszu arbeiten und der Leitung zu erteilen. j Zu berichten gibt es viel,; denn die Leitung war riihj rig, hat manche Initiative ergriffen, eine Reihe von Jugendlagem gemacht, Vorj tragsreisen für die Erwachj senen veranstaltet, vor a’lem 1 mit besonderem Eifer und I Nachdruck das bonaerenser Rabbiner-Seminar mitgescaitet, was sowohl in organisatorischer wie in finanzieller Hinsicht besonders wichtig war, sowie manche anderen Tätigkeiten entfaltet. Bei der von der Centra geleisteten Arbeit am Rabbiner-Seminar haben sich einige M.tarbeiter besonders beteiligt und verdient gemacht, vor allem Ullrich Lewinskv und Fritz Sommer sowie die Damen Ilse Sadler und Julia Jacoby, die auch als ehrenamtliche Sekretärin der Centra für Buenos Aires lobend erwähnt werden muss. Da die Aufzählung von Namen für einen Berichterstatter immer mit der Gefahr verbunden ist, jemanden zu vergessen, sei betont, dass auch andere, unter ihnen der Delegierte der ACIBA für die Centra, Herr Silbermann, fleissig für das Seminar mitgearbeitet hat. Hier kam es aber nicht darauf an. einzelnen für ihre uneigennützige Tätigkeit zu danken, sondern das grosse Werk her vorzuheben, das von der Centra mit dem Rabbiner-Seminar begonnen und durchgeführt worden ist. — Das Rabbiner - Seminar schafft grosse Sorgen, vor allen Dingen die Finanzierung. Es gab keine Sitzung der Leitung, in der nicht diese komplizierte und schwere Frage debattiert worden ist. Die Centra hat noch mindestens zwei Partner beim Rabbiner Seminar, deren Ansichten alle auf einen Nenner zu bringen sind, zumal der Direktor un-d geistige Leiter des Seminars, der Rabbiner Mnrshall Meyer, in seinem ju gendlichen Elan, seiner grossen Begeisterung und aueli kraft seines Könnens kein .einfacher“ Partner ist. Aber alles zu harmonisieren, einen für alle gangbaren Weg zu finden, ist in erster Linie das Verdienst von Herrn U. Lewinsky, was von dem Vorsitzenden Hirschfeld bei jeder Gelegenheit immer wieder anerkannt worden ist.— Tagungsprogramm Ein umfangreiches Programm soll auf dem 5. Oentra-Kongrses behandelt werden. Die Referate stehen unter dem allgemeinen Motto: „Die Aufgaben unserer Gemeinden für die Erhaltung eines südamerikanischen Judentums“. — Ueber die Umwelt spricht (politisch und sozial) der Mitarbeiter des Joint, Dr. I, Kleinbaum, bisher San Paolo, jetzt Buenos Aires, über die institutionellen Probleme dieses Themas wird Dr. Alfred Hirschberg (San Paolo) referieren. Zwei weitere Asspekte des gleichen Grundthemas sollen anschliessend behandelt werden und zwar: religiös und kulturell, worüber die Herren Rabbiner Dr. Meir Rosenberg (Buenos Aires) und Rabbiner Prof. Dr. Fritz Pinkuss (San Paolo) ihre Auffassungen mittellen werden. Abschliessend wird dann ein letztes Referat mit dem Thema ,,Israel und wir“ von Dr. Hardi Swarsensky (Buenos Aires) gehalten werden, an das sich die Generaldebatte (über alle Referate) anschliessen wird. Begrüssenswerterweise sind für die Generaldebatte vtele Stunden reserviert, damit genügend Gelegenheit besteht, dass wirklich alle Delegierten, die etwas zu sagen haben, auch zu Worte kommen können. Besuch von Dr. Bamberger Auf Einladung der Centra- Leitung wird an diesem Kongress auch Professor Dr. Fritz Bamberger teilnehmen, der in den dreissiger Jahren bereits eine wichtige Rolle innerhalb des deutschen Judentums als Träger grosser kultureller Forderungen gespielt hat. Die Lebensgeschichte dieses wichtigen und interessanten Menschen werden wir zur gegebenen Zeit, d. h. kurz vor seinem Eintreffen in Buenos Aires, wiederholen. Soviel sei gesagt, dass Bamberger auch in den Vereinigten Staaten bedeutende Arbeiten durchgeführt und wichtige Aufgaben gelöst hat. Auf sein Wort darf man mit Recht gespannt sein. Dr. Bamberger wird das einleitende Hauptreferat auf dem 5. Kongress in San Paolo halten, dessen Thema alle angeht und zu aller, spricht: „Neues Denken im religiösen Judentum“. Dieses Problem geht uns stark an. zumal einige Aussenseiter den Versuch machen, durch eine Anbiederei an andere Glaubensgemeinschaften das Judentum zu verwässern und auf eine gefährliche Bahn MARC CHAGALL* Jn <fcr Sukka der Zerstörung und Selbstauflösung zu locken. Wir warten mit höchstem Interesse auf das Wort Barnbergers in der Hoffnung, dass seine Ausführungen die Grundlage einer fruchtbaren Aussprache werden können, oder — wie Buber zu sagen pflegte — das Gespräch zur Begegnung von Mensch zu Mensch erhebt. — Ueber den Verlauf des Kongresses werden wir berichten. Der Kongress beginnt am 9. Oktober und wird am 14. Oktober in San Paolo abgeschlossen. Die Kongressteilnehmer besuchen dann anschliessend, — schon nicht mehr im Rahmen des Kongresses —, die Gemeinde Rio de Janeiro, die ein schönes Festprogramm vorbereitet hat. — Abteilung: MUSIK Vor einigen Monaten hatte Rabbi Marshall Meyer angekündigt, dass geplant sei, eine Musikabteilung dem Rabbiner-Seminar anzugliedern. Jetzt wird mitgeteilt, dass die Abteilung geschaffen worden sei. Es ist wohl’.uend zu wissen, dass nicht nur gesprochen, sondern auch getan wird. Zunächst wird ein Chor gebildet werden, der unter der Leitung von Maestro Walter Rosemberg stehen Nitschke schwer belastet Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN; Nr. 41: PAER LAGERKVIST: Gast bei der Wirklichlichkeit (Roman) Nr. 42/43: HERMANN WEBER, Konflikte im Weltkommunismus (Eine Dokumentation zur Krise Moskau-Peking) Nr. 44/45: WILHELM v. SCHRAMM, Aufstand der Generale (Der 20. Juli in Paris) Nr. 46: MARQUIS DE SADE: Verbrechen der Liebe (Ausgewählte Erzählungen) Nr. 47: LEONHARD FRANK: Bruder und Schwester (Roman) Nr. 48: Nach dem Tauwetter, Neueste Russische Erzählungen. Nr. 49: ALDOUS HUXLEY: Affe und Wesen, Roman Nr. 50/51: RUMER GODDEN: Immer und einen Tag, Roman. Nr. 52/53: ARNOLD ZWEIG: Erziehung vor Verdun. Roman. Nr. 54: HERMANN KESTEN: Meine Freunde die Poeten. Essays. — Es kosten: Einfachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80; Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München Hannover. — Im Prozess vor dem Schwurgericht Hannover wurde der Hauptangeklagte ehemalige SS-Untersturmführer Richard Nitschke schwer belastet. In den Prozess geht es um die Vernichtung von etwa 7.000 Juden aus der ostpolnischen Stadt Wlodawa. Der 52 Jahre alte Holzkaufmann Josif Kahan aus Toronto schilderte die verschiedenen Vernichtungsaktionen in Wlodawa. Der Chef des SD in Wlodawa und heutige Hauptangeklagte sei bei allen Aktionen gegen die Juden dabei gewesen, so erklärte der Zeuge. Eis kam zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Staatsanwalt und dem alte Holzkaufmann Nil Grunhaus aus Maracaibo (Venezuela) den ehemaligen Gestapochof schwer belastet. Grunhaus gehörte zur reichsten Familie in Wlodawa. Er schilderte minutiös die einzelnen Phasen der Vernichtung von Juden in seiner Heimatstadt. Der Zeuge, de? seine ganze Familie verloren hat, bezeichnet» Nitschke als einen Teufel. Er habe sich vom Judenrat Gold und Schmuck für die Rettung einzelner Juden geben lassen. Es sei aber alles umsonst gewesen. Vier Bluttaten warf der 44 Jahre alte Schneider Abraham Chojna aus Haifa dem Hauptangeklagten Richard Hauptangeklagten Nitschke: \ Nitschke^ vor. ^Der^Zeuge er- Wo ist das Gold geblieben, klärte. Nitschke habe an eidas Sie in Wlodawa von den; ner . sogenannten Grossakjuden bekommen haben?“,, tion m Wlodawa leitend mitfragte der Staatsanwalt den , gewirkt. Tausende von Jud-n Angeklagten. „Sie haben: seien zusammengetrieben doch immer Pakete nach Hause geschickt. Zwei Juden waren bei mir und haben ge-! 8®f. transportiert worden. hätten das Gold ■ Chojna fugte hinzu: „Dabei seien und nach Sobibor, dem benachbarten Vernichtungslasagt, Sie und die Juwelen irgendwo versteckt.“ Nitschke stammelte auf diese Attacke nur: „Ich habe kein Gold bekommne. Dies ist alles nicht wahr, was die Zeugen sagen.“ Vorher hatte der 60 Jahre habe ich gesehen, wie Nitschke vier Menschen erschoss.“ Unter den Getöteten sei auch ein Ehepaar gewesen. Der Mann habe sterben müssen, weil er seine gehbehinderte Frau gestützt habe. wird. Meldungen: Montag und Mittwoch im Club Oriente, Cangallo 1878, wo die Prüfungen und Uebungen stattfinden werden. Wer nähere Informationen zu erhalten wünscht, rufe an: 76-2009 und 76-6550, dort wird er alles erfahren, was ihn in diesem Zusammenhang interessiert. Feria pro Ayuda Eine ,Feria pro Ayuda ai Enfermo“ wird von der Liga Israelita Argentina contra la Tuberculosis am Sonnabend, den 14. und Sonntag den 15. November durchgeführt werden. Es wird empfohlen, die Tätigkeit dieser wichtigen Hilfsorganisation zu stützen. Luach der Achduth Jisroel Wie in jedem Jahr hat auch jetzt die sehr rührige Gemeinde .Concordia Israelita“, allgemein Achduth Jisroel genannt, einen gut aufgemachten, handlichen und belehrenden Luach veröffentlicht. Man muss die Gemeinde für diese Arbeit beglückwünschen. Denkmal für Hirsch Im Oktober jährt sich der 75. Jahrestag der jüdischen Kolonisation in Argentinien. Vor 75 Jahren wurde auch die Stadt Moisés Ville gegründet. Im Rahmen der Festlichkeiten, über die wir bereits bei verschiedenen Gelegenheiten berichteten, wird in Moisés Ville das Denkmal des Baron Hirsch enthüllt werden, des „Baumeisters der jüdischen Kolonisation“ in diesem Lande. Empfang bei der Hebraica In der Hebraica fand ein Empfang für argentinische Parlamentarier statt, der durch die Teilnahme des Vizepräsidenten der Nation, Dr. Perette, besondere Bedeutung erhielt. In seiner Rede unterstrich der Vizepräsident die von der Verfassung garantierten gleichen James MacDonald gestorben New York. — James Mcuo. nald, der erste USA-Botschafter in Israel, ist im Alter von 77 Jahren in einem hiesigen Hospital nach langer Krankheit verschieden. Der Verstorbene war auch Hochkommissar der UN für die Flüchtlinge gewesen. Er war stets akitv für Israel tiu tig, und noch vor Beginn seiner Krankheit hatte er eifrig für die Israel-Bonds-Aktion geworben. (ITA) Wahl jüdischer Mitglieder Ottawa. — Der Rideau-Clutt gab die einstimmige Wahl von sieben Mitgliedern bekannt, unter denen sich vier bekannte jüdische Persönlichkeiten befinden. Der Klub pflegt sonst nicht, die Namen neuer Mitglieder mitzuteilen und wird es auch.in Zukunft nicht tim, wie die Leitung betonte. Dieses Mal sei es nur geschehen, weil über die Wahl der vier Juden Gerüchte im Umlauf waren. Die peuen Mitglieder sind: Louis Raminsky, Gouverneur de» Bank von Kanada, Lawrence Friedman, Leiter eines grossen Warenhauses und Präsi* dent der Kanadischen Zionistischen Organisation, Bernard Aleander, ein Rechtsanwalt, und David Golden, ehemaliger stellvertretender Industrie-Minister. (ITA) Schutz für KZ- Graeber gefordert Stuttgart. — Gleichen Schutz und damit dauerndes Ruherecht für alle Kriegsgräber in der Bundesrepublik, auch für die Gräber der Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, fordert die Hilfsstelle für Rassenverfolgt© bei der Evangelischen Gesellschaft in Flugschriften. Es sei bekannt, so heisst es darin, dass die ersten Gräber ziviler Kriegsopfer bereits eingeebnet wurden. Die Hilfsstelle fragt, ob nun die Grabstätten der in Konzentrationslagern umgekommenen NS-Opfer ebenfalls ve®* schwinden sollen. (AWZ) Rechte aller Bürger. Den Antisemitismus bezeichnet» ec als nicht argentinisch. Gemeinsame Vereinigung Wie an dieser Stelle bereite berichtet wurde, ist in der Stadt Rosario — der zweitgrössten Stadt der Republik — eine Vereinigung von Arabern und Juden gemeinsam gegründet worden. Unter dem Motto ,JPaz par» nosotros, la patria en que vivimos y paa para 1§¡ huma» nidad‘‘ (Frieden für uns, für das Vaterland, in dem wir leben, und für die Menschheit) soll die Vereinigung da« Gemeinsame zwischen zwei Kollektivitäten hervorheben, die bisher in Argentinien immer freundschaftlich und friedlich zusammengelebt haben. Die Initiative ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Gründung ähnlicher Vereinigungen in anderen Orten der Republik steht be* vor. ri " a Felix Weisbraun und Frau Edith geb. Gluckin Raquel Hamú de Guinzburg beehren sich, die HOCHZEIT ihrer Kinder MARTA ESTER und PEDRO RODOLFO anzuzeigen, die s.G.w. am Sonntag, den 11. ds. Mts., in der Chaim Weizmann. Synagoge um 20 Uhr stattfindet. Julian Alvarez 513, I® dp. A, Capital