Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2084 (2.10.1964)
- Date
- 1964-10-02
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viera«*, 2 de OoWta1* de 1M4 LA SEMANA ISRAELITA Ado XXV. — No. 3084 — S Pias hatte die Koffer gepacktiDk Kirche and die Jaden Ji W Ö ■ •» M Rom. — Kardinal Joseph i ohne Umschweife von d« Einen Tag nach dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg, am 11. Juni 1940, schrieb Kurienkardinal Eugene Tisserant einen zornigen Brief. „Seit Anfang Dezember“, so klagte er seinem Landsmann Suhard, dem Erzbischof von Paris, „habe ich den Heiligen Vater (Pius XII.) inständig gebeten, eine Enzyklika zu veröffentlichen — über die Pflicht des einzelnen, allein den Befehlen seines Gewissens zu gehorchen. Ich fürchte, die Geschichte wird dem Heiligen Stuhl vorwerfen, er habe eine für ihn selbst bequeme Politik gemacht.“ Betroffen kritisierte der Kardinal, was ihm als „eine Schmach“ der Kirchenoberen im Vatikan erschien: „Nachdem Rom zur offenen Stadt erklärt worden ist, vertrauen hier alle darauf, dass kein Angehöriger der Kurie Schaden nehmen wird.“ Die Veröffentlichung des Tisserant-Briefes in der italienischen Presse löste unter den höchsten Würdenträgern der katholischen Kirche einen heftigen Konflikt aus. Er drang so deutlich durch die Mauern des Vatikans, dass es der greise französische Kirchenfürst für opportun hielt, seinen Brief öffentlich abzuschwächen. In einem Interview mit der römischen Wochenschrift «Vita“ beteuerte Tisserant: ,,Das Verhalten des Papstes war von jeher makellos; meine Vorwürfe richteten Sich nicht gegen seine Person, sondern gegen ein Mitglied der Kurie“. Der Papst- Kritiker vermied freilich, den Namen dieses „Mitglieds“ zu nennen. Mit seinem Interview griff der Kurienkardinal in die Polemik um das Hochhuth- Drama „Der Stellvertreter“ ein, die erst jetzt in Italien entflammt ist und der Frage gilt, ob Pius XII. durch sein Schweigen mitschuldig an den Judenmorden war. Kaum war Ende März bekannt geworden, dass ein italienischer Verlag eine Ausgabe des „Stellvertreters“ vorbereite und das umstrittene Drama in Rom auf die Bühne gebracht werden solle, da erhob sich eine vielstimmige Anti - Hochhuth- Fronde. Der christlichdemokratische Abgeordnete und „Vita“ - Chefredakteur Luigi d’Amato fragte im Parlament den Minister für Fremdenverkehr, Theater und Sport, was er zu tun gedenke, „um zu verhindern, dass in Rom oder irgendeiner anderen italienischen Stadt ein Stück aufgeführt wird, das die öffentliche Meinung in nichtkatholischen Ländern bereits verdammt hat und dessen Aufführung eine Beleidigung und Provokation des italienischen Volkes darstellen Würde, das stolz darauf ist, sich katholisch zu nennen.“ Obwohl in Italien jede Zensur von Bühnenstücken gesetzlich untersagt ist und der Theaterminister mithin gegen das Hochhuth-Stück nicht einschreiten könnte, pflichtete die katholische Presse dem christlichdemokratischen Eiferer d’Amato lebhaft bei. „II Tempo“ berichtete, Papst Pius XII. habe nicht nur Anweisung gegeben, jedem Naziverfolgten Schutz zu gewähren, er habe kurz vor der Kriegserklärung Italiens an Deutschland im September 1943 auch ein Schiff nach Cannes entsandt, um die dort von italienischen Truppen beschützten einheimischen Juden vor dem Zugriff der SS zu bewahren. Andere Zeitungen zitierten DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY « % STAMPS CENTER M Allenby M- TEL AVIV P. O B. 4444 ISRAEL-BRIEFMARKEN AN WKDERVERZAJCVFBH - ALLE NEVAVSGA- BEM ZUM OrriZ HELLEN PREIS Afencía PHatéiies oficial del Made de kr sel, VIAMONTE SM, 1/1 — lv«Mt Mm, Rep. Arginll« JUAN JULIUSBUR 6 MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 AUTfî - REPARATUR . WERKSTATT „BENO* BINO H*JTSCMNE€IER Avda. CONSTITUYENTES 4802 '(Ecke Monroe) T. E. W - 2205 ausführlich eine Aeusserung des päpstlichen Delegierten in den USA, Monsignore Vagnozzl: „Der Vatikan hat damals wohlfundierte Nachrichten erhalten, nach denen Hitler beabsichtigte, das Papsttum abzuschaffen“. Man habe alle Mitglieder der Kurie, und möglicherweise auch den Papst, deportieren wollen. Vagnozzi: „Auch ich habe über ein Jahr lang einen gepackten Koffer in meinem Zimmer stehen gehabt.“ Die linken und auch ein Teü der bürgerlichen Blätter aber stellten sich auf die Seite des deutschen Protestanten Hochhuth. In mehreren „Dokumentationen“ trug die kommunistische „Unitä“ zusammen, was Pius nach Meinung namhafter Politiker und Historiker vor und nach dem 30. Januar 1933 für den Nationalsozialismus getan habe. Auch sei dem Stellvertreter Christi, behauptete das KP-Organ, sehr wohl bekannt gewesen, dass in den Konzentrationslagern gewaltige Verbrechen begangen wurden. Nicht umsonst rühme sich der Vatikan, den besten Nachrichtendienst der Welt zu haben, und nicht ohne Grund habe Vatikan- Botschafter Ernst von Weizsäcker im Oktober 1943 nach Berlin berichtet: „Der Papst hat sich, obwohl dem Vernehmen nach von verschiedenen Seiten bestürmt, bisher zu keiner demonstrativen Aeusserung gegen den Abtransport der Juden aus Rom hinreissen lassen.“ Die „Unitä“-Berichte riefen das offiziöse Vatikanblatt „L’Osservatore Romano“ auf den Plan, das sich nur selten herablässt, mit den Kommunisten zu fechten. In einem 260-Zeilen-Artikel geisselte der stellvertretende Chefredakteur Alessandrini „das fast krankhafte Interesse“ an dem Drama des deutschen Protestanten, der den Feinden der katholischen Kirche eine Waffe in die Hand gegeben habe. Die Kommunisten hätten, kein Recht, das Andenken des verstorbenen Papstes zu besudeln, zumal bisher kein Kommunist den Hitler-Stalin-Pakt, „die entscheidende Ursache des Zweiten Weltkrieges“, verurteilt habe. Auch Papst Paul VI. bescheinigte dem toten Vorgänger, er habe „in Wort und Tat die Prinzipien der Gerechtigkeit verkündet, die Schwachen verteidigt, den Leidenden geholfen und dem Frieden den Weg geebnet.“ Da musste selbst der Papst- Kritiker Tisserant einspringen, so gut er konnte. Der Kardinal: „Mehrfach war Pius XII. drauf und dran, die Tragödie (der NS-Verbrechne > anzuprangern, von der übrigens auch er nicht das Ausmass kannte, das wir nach dem Krieg erfahren haben. Jeder weiss, dass er gesagt hat. er sei bereit, ins Konzentrationslager zu gehen.“ Die im Vatikan wohlgelittenen „Vita“-Redakteure ergänzten noch den Bericht des Kardinals: 1942, als die ersten Nachrichten von den Untaten des Hitler-Regimes den Vatikan erreichten, habe Pius für eine bevorstehende Audienz eine Rede in deutscher Sprache vorbereitet, in der er die Unmenschlichkeiten scharf verurteilte. „Vita“ erzählte: „Es war eine sehr kraftvolle Rede. Br las sie zunächst einer ihm nahestehenden Person mit zitternder, erregter und zorniger Stimme vor. Ehe er einen endgültigen Einschluss fasste, ging er noch einmal in sich. Plötzlich zerriss er den Text mit den Worten: ,Ich habe die Pflicht, die Dinge zu vereinfachen, nicht zu komplizieren’.“ Liberale und konservative Tendenzen Rom. — Die Debatte über die Juden wird im Oekumenischen Konzil nach Abschluss der Diskussionen über die religiöse Freiheit eröffnet werden, wie aus vatikanischen Kreisen verlautete. Die nordamerikanischen Prälaten, die ihre Redner wählten. gaben die Namen dieser Sprecher nicht bekannt, doch weiss man, dass die Kardinale Cushing aus Boston und Ritter aus St. Louis die Forderung nach der klaren Freisprechung der Juden vom Vorwurf des Gottesmordes erheben werden. Die Dauer der Debatte über religiöse Freiheit wird auf zwei bis drei Tage geschätzt Niemand im Vatikan will Voraussagen, wie lange die Debatte über die die Juden betreffende Erklärung dauern kann, aber alle Befragten sind sich einig in ihrer Ihr Begleiter im Beruf, für die Reise und bei Festlichkeiten Carlton-Kleidung ★ MASSKLEIDUNG ★ FERTIGKLEIDUNG ★ LOHNANFERTIGUNG eäeeim Ernst Koppel Maipu 962 TeL 31-7845 Ansicht, dass diese mehrere Tage in Anspruch nehmen dürfte, da die Konzilsväter lebhaftes Interesse an dieser Frage bezeugen, welches aus der Tatsache erhellt, dass 70 Seiten von Abänderungen und Vorschlägen zum Originaltext vorliegen, der im vergangenen Jahr vorbereitet wurde und für die jetzige Sitzung revidiert worden ist. Die Aenderungen, die unter dem Druck der konservativen Geistlichen und Bischöfe aus arabischen Ländern vorgenommen wurden, dürften von Anfang an einer scharfen Kritik unterzogen werden, da sich die Mehrzahl der 2.500 Teilnehmer am Konzil mit den Verbesserungen nicht einverstanden zeigt. Diese Aenderungen haben auch die Unzufriedenheit der Juden in der Welt erregt, weil sie den ursprünglichen Text „verwässern“, der die Juden von der Kollektivschuld an der Kreuzigung Jesu freisprach. Der revidierte Entwurf besagt nur, dass die Juden „unserer Zeit“ nicht mit dieser Schuld belastet werden können, und gibt hiermit zu verstehen, dass die Juden zur Zeit Christi weiter für seine Kreuzigung durch die Römer verantwortlich gehalten werden. Gewinner des Bibel-Wettbewerbs Jerusalem. — Ein Buchhalter aus Australien namens Graham Mitchell gewann die Goldmedaille beim dritten internationalen Bibelwettbewerb. Es ist das erste Mal, dass ein Ausländer diesen Preis gewonnen hat. Der 24jährige israelische Student Jomtow Krasijansky, erhielt den zweiten Preis. Rom. — Kardinal Joseph I Ritter, Erzbischof von San | Louis, gab der Hoffnung und j der Erwartung Ausdruck, dass die dritte Tagung des! Oekumenischen Konzils eine : Erklärung über die Juden | abgeben wird. Ritter, der an | der Spitze des fortschrittlichen Flügels der Kirche steht,! machte diese Aeusserung in | Beantwortung von Fragen, I die ihm Journalisten bei seiner Ankunft im Flughafen von Rom stellten. Der Kardinal bezog sich auf die revidierte Fassung des Entwurfs der Erklärung der Kirche über ihre Haltung zu den Juden, die viele jüdische Führer als beleidigend emp. finden, weil sie Wert auf die Feststellung legt, dass die Hoffnung besteht, die Juden zu bekehren, und wegen ihrer lauen und nicht sehr klaren Freisprechung der Juden von der Schuld an der Kreuzigung Christi. Man glaubte, Kardinal Ritter und andere fortschrittliche Bischöfe dürften eine Aenderung des revidierten Entwurfs in dem Sinne Vorschlägen. dass seine ursprüngliche, liberale Fassung dem Konzil wieder vorgelegt wird, die der zweiten Sitzung unterbreitet wurde, ohne damals zur Abstimmung zu gelangen. Der „revidierte“ Entwurf, der so starken Widerspruch bei den Juden hervorgerufen hat, ist keineswegs definitiv, so erklärten vatikanische Kreise vor Eröffnung der dritten Phase des Oekumenischen Konzils. Man glaubt, dass energische Ein wände gegen die vorgenommenen Abänderungen seitens des liberalen Flügels des Konzils erhoben werden dürften, der die Mehrheit der Prälaten einschliesst. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass es dem konservativen Flügel, der rund 500 Mitglieder zählt, gelingen dürfte, die jüdische Frage nicht zu einer öffentlichen Diskussion gelangen zu lassen und so die liberale Position zu schwächen. Sollte die Debatte jedoch stattfinden, so sind die vatikanischen Kreise der Ansicht, dass das Konzil zu der ursprünglichen, von Kardinal Bea ausgearbeiteten Fassung zurückkehren und die Juden i ohne Umschweife von der Schuld am Tode Christi frei, sprechen und feststellen dürfte, dass Jesus vielmehr sein Leben für die Sünden der ganzen Menschheit hingab. Der revidierte Text stellt fest, dass „die Juden der heutigen Zeit“ nicht für die Kreuzigung Christi durch die Juden verantwortlich gemacht werden können, wo. durch gesagt wird, dass die Juden vor 2.000 Jahren die Verantwortung trugen. Jüdische Führer wiesen im weiteren darauf hin, dass der neue Text die Juden zur Bekehrung auffordert. In vatikanischen Kreisen ist man enttäuscht von dem Sturm, den der „revidierte“ Entwurf ausgelöst hat, und bedauert die Tatsache, dass sein Inhalt zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gelangte, bevor er im Konzil zur Debatte gestellt wurde. Man weiss nicht, wer diese Indiskretion begangen hat. Man glaubt, dass die jüdische Reaktion die Position vieler liberaler Bischöfe stärken wird, die ein für allemal mit dem Antisemitismus aufräumen und die Juden vom Stigma des Gotte smor des befreien wollen. Allerdings bedarf die Erklärung, diö nicht mehr Teil eines Schemas bildet, keiner offenen Debatte im Konzil, und es könnte den konserva. tiven Prälaten gelingen, sie nach den Regeln des Konzils in ihrer heutigen Form durch Manöver hinter den Kulissen, durchzubringen. (ITA) „Friedensfenster“ für die UN Vereinte Nationen. — Bin „Friedensfenster“ aus buntem Glas, das UN-Generalsekretär U Thant als „herrliches Kunstwerk“ bezeichne - te, wurde den UN von dem 77jährigen berühmten jüdischen Künstler Marc Chagall als Geschenk überreicht. Chagall widmete sein Werk dem Andenken von Dag Hammarskjold und der 15 Mitglieder seines Stabes, die mit ihm zusammen bei dem Flugzeugunglück in Nordrhodesien vor jetzt drei Jahren umkamen. (ITA) Kundgebung in Mauthausen Wien — Im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen wollen ca. tausend Gymnasialschüler eine Kundgebung veranstalten, bei der Justizminister Broda in einer Ansprache der in diesem Lager umgekommenen Naziopfer gedenken wird. (ITA) i titiles 4»e ceaperiiaa m prefeNÍ» 1NTROWQCI0N M JWAIStH) 4- Lawisohn \ QUE ES LA i HERENCIA JUDIA? A. J. Bambemi LA BIBLIA . S. H. Bertman (FE V RAZ0M M. Adiar f L MUNDO DEL TALMUD A. J. Heschtl El SHABAT N. N. G latear NILLEL EL SABIO ■£1 presente ideal par» Bar Mitzvá, cumpleaños, fiestas judias. ta colección que no debe .faltar en ningún hogar judia Cada título encuadernado en cuero. íLa colección se presenta en un cómodo portalibros. ^Adquiéralos por sólo $ 1.100 en su Librería o en EDITORIAL PAIDOS CABILDO 2454 Tel. 76-2440 - Bs. 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