Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2084 (2.10.1964)
- Date
- 1964-10-02
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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i — Vientes, 2 de OeWbre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Afio XXV. — No. 8684 Dir soll vergeben werden Aaffo rderwtf zum Boykstt (Schluss von Seite 1) £ls Volk dafür „ent‘‘-schuldigen, dass die Juden vor 2.000 Jahren Christus gekreuzigt haben sollen, wenn dies wirklich den Tatsachen entsprechen würde. Wir wollen über diese, durch nichts bewiesene, in Wahrheit widerlegte Behauptung nicht polemisieren, weil wir diese Art der .Verteidigung als solche ablehnen. Immerhin sei gesagt, dass es keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass die Juden die Vollstreckung der Todesstrafe an Christus vollzogen haben; im übrigen waren alle Personen, die ihm beistanden, auch Juden. Wir halten wie gesagt diese Art der Auseinandersetzung für abwegig, zumal alle jüdischen Geschlechter in diesre Frage bis zum heutigen Tag die gleiche Auffassung vertreten haben. III. Die Differenz Es gibt zwischen der jetzigen Fassung des ..Freispruches“ zugunsten der heutigen Juden von der Schuld an einem Todesurteil^ das — ob man nun an den historischen Prozess .glauben“ will oder nicht — vor zweitausend Jähren vollstreckt worden sein soll, und der ursprünglichen Fassung einen gewaltigen, fundamentalen, geradezu den Sinn ändernden Unterschied: denn in der ersten Fassung sollten nicht die ,.Juden von heute“, sondern das jüdische Volk der alten wie aller Zeiten von dieser Blutschuld oder Blutanklage befreit werden. Mit anderen Worten wollte die Katholische Kirche auf Verlangen des Papstes Johannes XXIII. mit der tatkräftigen Unterstützung des Kardinals Bea ihre Behauptung berichtigen, dass es die Julien gewesen seien, die Christus getötet haben! Von den heutigen Juden zu Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDÖN 21.90 1* ixq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. 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Nur religioes Kardinal Bea betonte in seinen weiteren Ausführungen, dass die Deklaration, mit der die Juden von der Anklage ,.gereinigt“ werden, am Tode Christi schuldig zu sein, einen streng religiösen Charakter tragen würde: sie sei auch völlig unpolitisch und habe mit Zionismus oder mit dem Staate Israel nicht das Geringste zu tun. Dann fügte Kardinal Bea die sicherlich mutigen Worte hinzu, dass die Bedeutung der Resolution jedes Risiko rechtfertigen würde, welches man vielleicht auf politischem Gebiet mit dieser Erklärung eingehen könnte. Der Kardinal führte aus: Wer auch immer für die Kreuzigung verantwortlich gemacht werden müsste, die Kirche solle sich auf den Standpunkt Christus stellen, als er sagte: ..Verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. — Wenn aber Jesus Christus, der Heiland der Christenheit, erklärt hat, man solle vergeben, warum war es dann überhaupt erst notwendig, dass 2.000 Jahre verstreichen, und ein Mann wie Kardinal Bea kommen musste, um hierzu aufzurufen? Wer hat sich also in Widerspruch zu den Worten Christi gesetzt und eine Blutschuld auf sich geladen? — Wir? Warum haben die .modernen“ Juden verlernt, sich zu verteidigen? V. Unhaltbares Argument? Der ehrliche Judenfreund — Judenfreund deswegen, weil er gegen Unrecht kämpft? — Kardinal Bea erklärte in seiner Rede das Argument für unhaltbar, die Anklage des Gottesmordes , sei die Ursache des Antisei mitismus. Br fügte hinzu, ' auch Anschuldigungen sozialer und wirtschaftlicher Art : hätten den Antisemitismus | verursacht. Trotzdem sei nicht zu bestreiten, dass die I Juden auch wegen der Anklage des Gottesmordes mitunter verfolgt und gedemütigt worden seien. Deshalb müsse das von Kardinal Bea vertretene Dokument einen klaren Wortlaut erhalten. Bea geht dann tiefer auf die vergangene Zeit ein. Obwohl uns diese Ausführungen j und Gedankengänge fremd sind, weil wir den Begriff des „Gottesmordes“ gar nicht anerkennen können, seien , sie hier erwähnt. Da Gott nach jüdischem Gedankengut nicht sichtbar und nicht vorstellbar ist, kann er weder menschliche Gestalt annehmen noch als Gott getötet werden. (Wenn hier von Mord gesprochen wird, ist offensichtlich Justizmord gemeint.) „Haben die Führer der Juden in der Epoche Christi, so fragte Kardinal Bea, wirklich seine Göttlichkeit begriffen?“ Die Antwort auf diese Frage sei der Schlüssel für die formalen Anschuldigungen gegen die Juden, Gottesmord begangen zu haben. Dann fügte Kardinal Bea die Frage hinzu: In jedem Fall, wie dem auch sei, ,,mit welchem Recht kann man dem jüdischen Volk von heute die Schuld für das auferlegen, was damals geschehen ist?“ Es ist eindeutig, dass die von Kardinal Bea vorgeleg. j te Entschliessung schwächer | als die vorjährige, nicht ak-; zeptierte Resolution ist. Das haben selbst vatikanische Kreise zugegeben. Ob durch diese Erklärung eine Quelle des Antisemitismus in Wegfall gerät, kann wohl niemand mit Sicherheit Voraussagen. Aber dass hier ein Motiv für den Judenhass Jahrhunderte hindurch vorhanden war, kann kaum ernsthaft bestritten werden, auch wenn es noch andere Ursachen für den Antisemitismus gegeben hat. Jahrhundert um Jahrhundert hat die christliche Kirche im Abendland bereits den kleinen Kindern die These von der Schuld der Juden am Tode Christi eingeträufelt. Das dürfte wohl niemand in Abrede stellen, umso weniger deshalb, weil dieselbe Anklage auch heute noch überall gegen die Juden erhoben wird. Die Bezeichnung der Juden als Gottesmörder entspricht auch noch der jetzigen krichiichen Praxis. Damit wird die „Sonderstellung“ der Juden in den abendländischen Gesellschaften von vornherein belastet. Das Stigma des Gottesmordes wird von den Priestern JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tafilsbeutel - Käppchen - Mar zot-Taschen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 M0HEL N. PLAKSIN Superí 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIA MONTE 2037, 4» B. 46-1716 und 48-2124 | Casablanca. — Der „Tstij qlal“ hat die Regierung Marokkos ersucht, die Schiff- | fahrtslinie Transatlantic Na- : vlgation Co. auf die Sch war - ■ ae Liste zu setzen, da dies j Unternehmen seit Anfang des Jahres in Frankreich j zwei israelische Gesellschafi ten vertritt. (ITA) ■ und Lehrern der christlichen Religion unsichtbar, aber bej wusst jedem Juden eingej brannt. Wer das leugnet, macht sich selbst etwas vor.! Dass es Ausnahmen in der j Priesterschaft gibtbestätigt doch nur die allgemeine Re- I geh In dieser Hinsicht können wir den Vorschlag des Kardinals Bea nicht begrüssen. Er verlagert nur das Problem. Dass die Juden der Gegenwart Christus nicht ermordet haben, ist unbestritten. Aber wir wollen auch nicht die Nachfolger von Gottesmördern sein. Jedenfalls ich will es nicht. VI. Die Geschichte lehrt Die Geschichte lehrt, dass die meisten Judenverfolgungen nach Aufpeitschung der Massen mit dem Hinweis darauf erfolgten, dass die Juden Christus erschlagen haben. Man braucht nicht nur an die Zeit der Kreuzzüge zu denken. Selbstverständlich haben die Verfolger sich auch bereichert. Neid und Konkurrenz im wirtschaftlichen und sozialen Leben spielten stets eine Rolle. Aber die Grundursache war die kirchliche Lehre von der Schuld der Juden am Tode Christi. Aus welchem Grunde gäbe es sonst nur in den christlichen Ländern einen Antisemitismus? Die Geschichte kennt keinen Fall von Christenverfolgungen durch die Juden, selbst dort nicht, wo die Juden in der Mehrheit waren oder sind. Warum hätten die Juden ¡Jamals ,,unbewusst“, — wie Kardinal Bea das interpretiert — einen Gottesmord begehen sollen, die Anhänger dieses Gottes aber gewähren lassen? Dass die Erzählung im Matthäi-Evangelium über die Verhandlungen von Pontius Pilatus nicht richtig sein können, ergibt sich schon daraus, dass kein Volk sich selbst und dazu alle seine künftigen Geschlechter verflucht. Denn angeblich soll das Volk dem Statthalter geantwortet haben: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder. Ein solches Verhalten wi- 1 dersprlcht jeder gesohichfcli- I chen Erfahrung. Dies kann | umso weniger beim jüdischen ■ Volk jener Zeit der Fall sein,; das einen grossen nationalen Stolz bewiesen hat und selbst der Macht des römischen Imperiums trotzte. I .. ™ Die Kollektivschuld Zwei Jahrtausende hindurch hat man das jüdische Volk angeklagt, Christus ermordet zu haben. Man hat nicht : nur die Kollektivschuld aufj recht erhalten, sondern j auch die Kollektivhaftung. Weil die Juden zur Römerzeit den Tod Christi verlangt 1 haben sollen — und selbst die Evangelien sagen nicht, j dass die Juden Christus ver- I urteilt und gekreuzigt haben — wurden sie für das vermeintliche Vergehen einzel-; ner in „Ewigkeit“ verantwortlich gemacht. Hieran ändert auch der jetzt vorgelegte Text für eine Resolution des Konzils nichts. Als aber die Juden das deutsche Volk kollektiv für die ungeheuerlichen Verbrechen verantwortlich machen wollten, die vor einigen Jahren begangen wurden, lehnten die deutschen Christen, vor allem die regierenden Katholiken, jede kollektive Schuld ab, obwohl Tausende, wenn nicht Millionen Deutsche sich an diesen Verbrechen mitschuldig und nicht nur mitverantwortlich gemacht hatten. Aus welchen Gründen ist die Kirche hier nicht eingesprungen und hat den Finger auf diese deutsche Gesamtschuld gelegt? Man hätte dies umso eher erwarten dürfen, nachdem man jetzt die noch immer aufrecht erhaltene Beschuldigung gegen die Juden vor zweitausend Jahren durch die von Kardinal Bea vorge- LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparee* los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Director: Amoldo W. B. Swarsensky Pueyrredón 2190, V> izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise* Argentiniern $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800.— jährl. Dr. J. P. Krtll Bieber INNERE MEDIZIN U. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo.. Mitt., Frei., 15—19 Uhr Samst. 14—16 Uhr. OLÄZABAL 2512 - 76-7980 Privat 52 7734 Dr. B. Schwarcz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG legte, verwässerte Resolution indirekt (oder gar direkt?), bestätigt. Denn wenn man uns frei, spricht, das jüdische Volk von heute, hält man nach den Gesetzen der Logik die Beschuldigung gegen die Juden von damals aufrecht. Auf einen solchen Freispruch aber, gegen den wir uns nicht wehren können, dürfen wir keinen Wert legen. Das ist jedenfalls der Sachverhalt, wie ich ihn sehe..„ KOSCHERER MITTAGSTISCH für einen älteren Herrn GESUCHT, Unter Chiffre E. L. 140 Pueyrredön 2190 GESUCHT wird MIGUEL, KATZ, cftlle Chile (?), für den ein Brief der Landesrentenbehörde Nordrhebi-Westfalen, Düsseldorf, in der Administ. der Jüdischen Wochenschau, Pueyrredön 2190, 1? iaq. abgegeben wurde. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardi«l«gia — Hospital Fernandel ELECTROCARDIOGRAMME CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-6817 Consulta» Montag bis Freitag: 15—18 Uht Sonnabend: 14—18 Uhr Enfermedades Cardiovasculares Aparato Circulatorio Dr. SAUL UMANSKY Sarmtatto 3116 T. E. 87-IH2 AUF STUDIENREISE BIS 15. OKTOBER Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTRAHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Vereinbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76-8673 u. 73-0500 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 Dr. L. KLEIN - Medico Magen- und Darmkrankheiten Roentgen-Untersiichnngen SPRECHSTUNDEN: Montag, Dienstag, Mittwoch u- Freitag von 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44-9493 u. 44-1542