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Jüdische Wochenschau · 1964-09-04 · 2080 (4.9.1964) · p. [Seite 16]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2080 (4.9.1964)
Date
1964-09-04
Page
[Seite 16] (sequence 16)
Language
German, Spanish
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M — M de Septiembre de 1MI LA SEMANA ISRAELITA A*» MW. — Ne. MM Teuerungszulage und Wirtschaft In der Zeit der galoppie. renden Inflation wurde das System der Bindungder Lohne und Gehälter an den Lebenshaltungsindex festgelegt, und man hielt bis heute daran fest, obwohl wir heute ei. ne gewisse Stabilisierung der Preise erzielt haben und höchstens noch von einer schleichenden Inflation in Israel sprechen können. Immerhin wurde man sich darüber einig, dass solche Teuerungszulagen nur gezahlt werden sollten, wenn der Lebenshaltungsindex um mindestens 3 Prozent gestie. gen ist und auch dann nur zweimal im Jahr. Im Interesse der Stabilität des Preisniveaus wurde auch die Industrie gezwungen, die se Zuschläge in den letzten zwei Jahren selbst auf sich zu nehmen und sie nicht durch Preiserhöhungen auf den Konsumenten abzuwälzen. Die Industrie erklärte bereit? seit geraumer Zeit, dass sie dazu aber nicht mehr in der Lage ist, da sie schon jetzt in einem schweren Kampf um die Absatzmärk. te steht und keine zusätzlichen Kosten auf sich nehmen kann, will sie ihre Wettbe. werbsfähigkeit auf den Märkten nicht verlieren. SOLL EINETEUERUNGS. ZULAGE GEZAHLT WERDEN? Finanz, wie Handels- und Industrieminister Pincha? Sapir hat nicht nur Verstand, nis für diese Haltung der Industrie, sondern bestärkt sie noch, da er die Zahlung einer Teuerungszulage im gegenwärtigen Zeitpunkt nur als die Quelle einer weiteren Konsumsteigerung ansehen kann. Gerade dies aber muss im Interesse der Gesamtwirt. Schaft vermieden werden, da im letzten Halbjahr die israelischen Importe stark an. stiegen. Aber es hat sich auch die Frage erhoben, ob dieses System überhaupt noch am Platze ist und man sich nicht mehr nach der Produktions, leistung ausrichten sollte, wie sich diese aus den entsprechenden Statistiken über das Brutto - Nationalprodukt ergibt. Hierfür hat die Regie, rung eine eigene Kommission eingesetzt, die auch für alle Lohnfragen überhaupt zuständig sein soll. Dazu kommt noch, dass vtfl Df. KURT OTTENSOOSER (Israttj man sich keineswegs sicher ist, ob der Index im ersten Halbjahr 1964 überhaupt um 3 Prozent oder mehr gestiegen ist, wenn man seine nötige Rektifikation vornimmt, aus dem besonders der An. teil herausgenommen werden sollte, der eine Folge der Bodenspekulation darstellt, der aber die Löhne nicht beeinflussen kann und darf. Es wurde von Arbeitgebern (Industriellen-Verband) und Arbeitnehmern (Histadrut. Gewerkschaften) eine gemeinsame Kommission aufauch bereit, der Einführung der Zwangsschlichtung mit Zustimmung der beiden Sei. ten, der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, einen grösseren Spielraum zu geben. Dieses Prinzip wurde bei den Auseinandersetzungen über eine Neuordnung der Gehälter der Regierungsbeamten auch praktisch durchgeführt, nachdem vorher ein. zelne Gruppen der Regierungsbeamten versucht hatten, auf dem Wege des Streiks sich Sondervorteile zu sichern. Hier muss besonders gestellt, die zunächst die Fra. j der „Geh langsam“ - Streik ge klären soll, ob die Zah. j der Postbeamten und der lung einer Teuerung:zulage 1 Steuerbeamten hervorgehoiiberhaupt gegeben ist.! ben werden, der zu ernsten Man versucht Finanzmini- : Wirtschaftsstörungen geführt ster Pinchas Sapir aber auch! hatte. von Seiten der Histadrut den I Mehr und mehr werden Vorwurf zu machen, dass er i jetzt in den vom Gesetz gesich in eine Angelegenheit j schützten Kollektiv-Arbeits. einmischt, die nicht Sache , _ der Regierung sondern der; Arbeitnehmer und Arbeitgej ber allein sei. Sapir konnte dagegen dar- , auf hinweisen, dass er den grössten Arbeitgeber im; Staate, die Regierung, ver. i tritt, dass er aber auch die t Verantwortung für die Wirtschaft des Landes trägt, die zusätzliche Lasten einfach nicht mehr tragen kann. täten als Mann der linken Achdut Awoda noch an der überholten Theorie des unbe. dingten Streikrechte der Arbeiter festhält. Die Lohnsteigerungen der letzten zwei Jahre gingen weit über die Teuerung und selbst über die beträchtliche Produktionssteigerung hinaus und zeigen einen realen Anstieg der Löhne um mehrere Prozent. Dies führte zu einer recht beträchtlichen Konsum. Steigerung, die bei weitem das übersteigt, was wir uns lei. sten dürften. Die weitere Folge ist eine erneute Verschlechterung der israelischen Handelsbilanz durch eine starke Zunahme der Importe mit einem Defizit von 216 Millionen Dollar im ersten Halbjahr 1964, d. h. um 95 Millionen Dollar mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres. Die Industrie konnte zwar ihre Exporte HISTADRUT UND MAPAI Das Prinzip, dass die Regierung sich nicht in Lohnkämpfe einzumischen hat, ist i ein Prinzip geworden, das man in weiten Krei:en für fast ebenso sakrosankt an. sieht wie das Prinzip des Streikrechts des Arbeiters. Nun setzt sich in immer weiteren Kreisen das Verständnis dafür durch, dass bei den heutigen Gegebenheiten das Streikrecht doch kein unbeschränktes mehr sein kann, sondern man den Weg der Schlichtung gehen muss. Fs ist eine Unmöglichkeit ge. worden, dass irgendeine Ar. beiter gruppe ganze lebenswichtige Zweige der Wirtschaft des Landes lahmlegen kann und darf, um auf diese Weise auch Dinge zu erpres sen, für die es praktisch kei. ne Berechtigung gibt. Die Mapai ist sich ihrer Verantwortung für den Staat und seine Wirtschaft voll bewusst und ist gewillt, auch in ihrem Interesse auf altgewohnte Traditionen zu verzichten. So ist man denn Antisemitismus ist unchristlich Auf einer Veranstaltung des American Jewish Committee nahm der Erzbischof von New York, Kardinal Francis Spellman, das Wort. Er nannte es ein Verdienst der Juden, dass sie durch die ungerechten Verfolgungen, unter denen sie gelitten haben, nicht blind geworden seien für die leiden ihrer Brüder, für die sie stets einzutreten sich bereit zeigen. Er bezeichnete diese Haltung als ein Beispiel für die ganze Welt in einer Zeit, in der das Ue. berleben der Menschheit aüf dem Spiele stehe. Daher sei es notwendig, so betonte er, für die Beseiitgung der Vorurteile und Intoleranz zu kämpfen, und dieser Kampf müsse im besonderen von den Bekennern Christi geführt werden, der gelehrt habe. „Liebe Deinen Bruder wie dich selbst“. Kardinal Spellman wandte sich gegen die Auffassung vieler Christen, die die Juden für die Kreuzigung Christi verantwortlich machen und hiermit ihre antisemitischen Gefühle begründen. Er bestritt, dass der Antisemitismus seine Wuizeln in der katholischen Religion habe, die weit entfernt davon sei, die Unterschiede zwischen Juden und Christen zu vertiefen, sondern vielmehr den gemeinsamen Ursprung und die einigenden Bande anerkenne. Er ermahnte jene, die die Schuld am Tode Jesu auf die Juden als Volk abwälzen, nicht zu vergessen dass Christus selbst gesagt habe, er sterbe, um die Sünden der ganzen Menschheit zu sühnen. Er wies auch auf die Botschaften verschiedener Päpste hin, die immer wieder betonten, dass „der Antiemitismus unvereinbar sei mit den Lehren Christi und niemand Gott lieben könne, der seinen Bruder hasse“. Es sei an der Zeit, so schloss der Kardinal, diese Wahrheiten klar auszusprechen. Verträgen Bestimmungen eingebaut, die die Austragung von Arbeitsdifferenzen einschliesslich Lohnverordnun. gen auf dem Wege der freiwilligen Schiedsgerichtsbarkeit vorsehen. Die Regierung hatte bereits vor geraumer Zeit eine eigene Kommission aufgestellt, die Untersuchungen über die Höhe de? Brutto.Nationaleinkommens, wie auch über die Rentabilität der Industrie aufstellen soll. In dieser Kommission sitzen neben Regie- Tel Aviv. — Ministerpräsident Levi Eshkol warnte j rungsvertretern auch unab- Transjordanien, dass Israel die Entwicklung aufmerksam hängige Wirtschaftswissen, verfolgt und jedweder Versuch Ammans, eine aggressive! sehaftler und Statistiker. Die Warnung an Tr ans jordanien Politik einzuschlagen, zu schweren Konsequenzen führen müsse, selbst wenn Transjordanien die von ihm gesuchte Hilfe aus dem Ausland erhalten sollte. Esiikol sprach zu den Absolventen der Offiziersschule. Der Feier wohnten Vizeminister für Verteidigung Shimon Peres, frühere Generalstabschefs und hohe Offiziere bei. Er gab einen ausführlichen Ueberblick über die unsichere Lage im Mittelosten, zu deren Besserung er eine Entspan. nung des Kalten Krieges zwischen Ost und West als we- I Feststellungen dieser Korn- I mission sollen weitgehend bei I künftigen Lohnforderungen! als Unterlage dienen. Auch j der Industriellenverband hat; sich dieser Forderung vollin» I haltlich angeschlossen. I Leider hat diese neue Institution sich bisher noch auch im ersten Halbjahr 1964 um rund 24 Millionen Dollar steigern, aber das reichte gerade aus, um den Rückgang im Export der landwirtschaftlichen Produkte auszugleichen, da der Orangenexport im abgelaufenen Jahre beträchtlich unter den Ergebnissen des Vorjahres lag. Es ist gerade die Tatsache der Konsumausweitung einer, seits, der Verschlechterung der Handelsbilanz andererseits, die Finanzminister und Handels- und Industrieminister Sapir veranlasste, so energisch sich der Zahlung einer weiteren Teuerungszulage und zusätzlicher Lohnerhöhungen zu widersetzen. Ausweisung aus der Türkei Stambul. — Riund 3.000 türkische Juden griechischer Nationalität, die in ihrer Mehrzahl in Griechenland geboren wurden und nicht einmal griechisch sprechen, schweben in Gefahr, aufgrund eines türkischen Erlasses nach Griechenland deportiert zu werden. Die behördliche Verfügung stellt eine Vergeltungsmassnahme für die griechische Politik in Zypern dar, wie in jüdischen Kreisen verlautete. Zu den 12.000 „griechischen Untertanen“, die vor dem 14. September die Türkei verlassen müssen oder deportiert werden sollen, gehören auch die 3.000 Juden. Die griechisch-jüdische Gemeinde lebt in grosser Besorgnis, denn einige Juden erhielten schon Ausweisungsbefehle mit der Mitteilung, dass sie nur ihr persönliches Eigentum und 2.000 Dollar in bar mit sich nehmen dürfen. Ferner sind schwere wirtschaftliche Diskriminierungen gegen griechische Staatsbürger, einschliesslich Juden, verhängt worden, wie Sondersteuern, provisorische Beschlagnahme von Geschäften, Wohnungen und Grundstücken, sowie die Sperrung von Bankguthaben. Die meisten der betroffenen Juden haben den Wunsch geäussert, sich in Israel niederzulassen, und die israelischen Behörden sind bemüht, ihre Auswanderung nach Irael zu erleichtern. (ITA) Israel reagierte negativ Ein inoffizieller westdeutscher Abgesandter, der der Regierung in Bonn nahe, steht, hat sich — wie „Haarez“ meldet — vor kurzem als Journalist in Israel aufgehalten, um die israelische Reaktion auf einen deutschen Vorschlag zu erkunden, in Israel ein „Verbindungsamt“ einzurichten, desen offizielle Aufgabe in Bearbeitung von Entschädigungs _ Angelegenheiten bestehen solle. Das Amt soll aber gleichzeitig auch diplomatischen Status erhalten mit dem Recht der Absendung und des Eknpfangs diplomatischer Kurierpost und einer eigenen Telegraphen-Anlage. Die israelische Reaktion war negativ. Dem „Journalisten“, der Adenauer beson. ders nahesteht, wurde bedeutet, dass sich Israfel unter keinen Umständen mit einem Ersatz für volle diplomatische Beziehungen zwischen Bonn und Jerusalem einverstanden erkläre. Der Beauftragte aus Bonn konnte sich davon überzeugen, dass sich die Beziehungen zwischen Israel und Westdeutschland in der letzten Zeit erheblich abgekühlt haben, vor allem im Hinblick auf die Tätigkeit der deutschen Wissenschaftler in Aegypten und die Untätigkeit der Regierung in Bonn, etwas gegen sie zu unternehmen, sowie im Hinblick auf die Verschleppungstaktik bei der Verabschiedung des Entschädigungs- Schi ussgese tzes. Bonn schlug überdies vor, die israelische Einkaufskommission in Köln in eine normale Handels.Delegation umzuwandeln, nach dem Muster der polnischen Handels-Delegation in Westdeutschland. Diese Umwandlung soll anstelle der Errichtung einer is. raelischen Botschaft auf westdeutschem Boden erfolgen und ab März 1965 gelten, wenn die Tätigkeit der Einkaufskommission gemäss den Reparations - Abkommen ihr endgültiges Ende findet. Israelischerseits verhält man sich diesen Avancen Bonns gegenüber höchst reserviert. Dem Abgesandten wurde klargemacht, dass man hier äusserst enttäuscht ist von der Atmosphäre, die jetzt in Bonner Regierungskreisen herrscht, soweit es sich um die spezifischen Israel betreffenden Fragen handelt. Israelischen nichtoffiziellen Emissären, die in der letzten Zeit aus Westdeutschland zurückgekehrt sind und dort Unterredungen mit Fiih. rungskreisen der drei massgeblichen Parteien hatten, fiel durchwegs auf, wie reserviert sich politische KreL se in Bonn gegenüber der Intensivierung der Beziehungen zu Israel verhalten.. In Israel erklärt man sich dies mit der Besorgnis der Deutschen um ihre wirtschaftlichen Interessen in den arabischen Ländern. Das Abtreten Adenauers bedeutete eben doch offenbar einen tiefen Einschnitt in der Gesamthaltung Bonns gegenüber Jerusalem und in dem Bemühen der Deutschen, die Vergangenheit moralisch zu bewältigen. Diese Wendung und dieser offensichtliche Gesinnungswandel in Deutschland beunruhigt die Israel.Regierung bereits seit einiger Zeit, aber nunmehr beginnt auch die Oeffentlichkeit im Lande mehr und mehr dieses Problem zu diskutieren.? sentlich bezeichnete. Er versicherte, dass Israel niemals j jjaum bestätigt. Dies muss seine Versuche eingestellt'habe, mit den arabischen Ländern in Kontakt zu treten, und diese Bemühungen fortsetze.! Mit dem Hinweis, dass die heute zwischen Aegypten und Transjordanien erstrebte Versöhnung von der Regierung als Ausweg aus den inneren Schwierigkeiten ange. | sehen werden könne, betonte Eshkol, dass Nasser sich hiervon die Einbeziehung Transjordaniens in seine Angriffsplane gegen Israel verspricht. | „Der Besuch des Königs Hussein in den Vereinigten j Staaten hat sein persönliches Prestige erhöht“, führte Esh-; kol aus. „Aber er betrügt sich selbst mit dem Gedanken, i dass seine Bitte um die Hilfe des Westens, die die wahren Bedürfnisse der Verteidigung bei weitem übersteigt den; Zusammenbruch seines Regimes verhüten könnte. Jeder | Wandel der Entwicklung in Transjordanien betrifft uns j direkt, und daher müssen wir die Augen offen halten, und j unsere politischen Pläne und unsere Sicherheit erfordern 1 die Berücksichtigung dieses Umstandes.“ < Zu der Situation an der syrischen Grenze äusserte der j Premierminister, dass Israel die Absicht der Regierung in . Damaskus, die Grenzlage in eine politische Frage umzuj biegen, nicht zulassen wird. „Wir werden unsere Grenzen | schützen“, erklärte er, „und Syrien weiss, dass Israel nicht , nur über politische Mittel verfügt, um seine Interessen zu : verteidigen." (ITA) ' auch der Haltung des Arbeitsministers Jigal Alon zugeschrieben werden, der trotz j seiner Jugend und Ausbilj düng an englischen Universi- I Geheime Nazi-Konferenz Johannisburg. — Rechts, j radikale Ausländsdeutsche j seilen nach einem Bericht j der Johannisburger „Sunday Times“ auf einer Geheim-! konferenz bei Pretoria Hilfej leistungen für den aus der; Bundesrepublik entflohenen! SS.Obersturmführer Zech- | Nenntwich und auch andere 1 Flüchtlinge aus der Bundes, republik beschlossen haben.; Der Zeitung zufolge befindet sich Zech-Nenntwich „mit zwei anderen ranglosen Nazis“ auf einer Farm im Distrikt Pretoria. (AWZ) DER GOLEM ist der Namen des neuen elektronischen Gehirns, das für das Weizmann-Institut in Israel gebaut wurde.

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