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Jüdische Wochenschau · 1964-08-28 · 2079 (28.8.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2079 (28.8.1964)
Date
1964-08-28
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 28 de Agesto de 1904 SEMANA ISMAELITA Año XXV. — No. 2079 — S L A Europäische Menschen, die i vor der Jahrhundertwende geboren sind, haben mindestens vier Leben geführt: die Zeit der Ahnung ilosigkeit, j vor dem ersten Weltkrieg, die zweite Periode seit 1914, die dritte seit 1933 und schliess. lieh die Nachkriegswelt des Atomzeitalters und der afroi asiatischen Revolutioren. In diesem Rahmen gibt es na. ' tiirlich eine Fülle von Variationen und Einzelsoh cksale, aber für die ständ;g enger zusammenrückende Mensch, heit wird der allgemeine geschichtliche Hintergrund im. mer mehr gemeinsorn. Seit 1914 stehen wir Ln einer Weltrevolution mit lan. gern Atem, sie ist nrch längst nicht abgeschlossen, und es ist nicht zu verwundern, wenn die Menschen verwirrt' und unruhig nach einer Qrientierung suchen. Diese ru geben, versucht in dankens- ' werter Weise der ame-ikan'- j sehe Historiker Hans K/~hn in j eir ein kleinen, erregenden von ROBERT WELTSCH MOEBELUAUS Das Haus der 3 Geschäf te mit d*r grösste« Auswahl. SARMIEKTO H47 T. E 35 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triuuvirato Eigene Werkstätten Zahlungserleichteraneen Zuvorkommende fachmännische Bedienung Ein neuer TRIUMPH der CARLTON-Kleidung Supersix CARLTON bringt ab 1. Sep. tember einen neuen, exklusiven Anzuglyp heraus, den Supersix, mit 6 entscheidenden Vorzügen: 1. Carlton . Spitzenqualität garantiert durch seine Marke. 2. Reine Schurwolle. 3. Carlton getestet: knitterfrei und scheuerfest. 4. Formbeständig durch Stabiloformverarbeitung. 5. Ideales Gewicht, unserem Klima angepasst. 6. Modisch richtig, in Schnitt und Dessin. Diese Vorzüge machen den Supersix zum guten Anzug für alle Gelegenheiten: Für Büro, für die Reise und natürlich für festliche n Gelegenheiten. 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Rein persönliche Dinge, die schliesslich zu einer Autobiographie gehören, werden mit einer charmanten! Mischung von Offenheit un 1 Diskretion berichtet; die eigene Lebensgeschichte ist für den Autor vor allem das Material, an dem die Wirkung der grossen politischen und geistigen Erschütterungen in einem Einzelfall gezeigt wer. den kann. So mei schlich nahe und ergreifend diese Lebensgeschichte ist, wichtiger sind dem Autor die Ideen und Erkenntnisse, die sich in ihr spiegeln, und die Lehren, die daraus gezogen werden kön. 1 nen. Hars Kohn ist ein Bürger vieler Welten. In seinem | Wandeideben hat er sich, wie er sagt, nirgends als Fremder gefühlt. Vielleicht darum, weil er überall die gleichen Gesetze des Menschlichen beobachtet und eine besondere Gabe besitzt, sich in neue Verhältnisse hineinzu versetzen, ohne den kritischen Sinn zu verlieren. Er hat auch ei. ne innige Beziehung zur Literatur aller Völker, besonders zur Lyrik; das mit Zitaten reich gespickte Buch ist ein Zeugnis dafür, wie sich hier die Welt des Geistes ver. mischt mit den Erfahrungen des Lebens. Hans Kohn ist in Prag 1891 geboren, und bis 1914 hatte er niemals gedacht, dass er sein Leben anderswo als in Prag verbringen wird. In der Jugend körnte er noch aus den Quellen des geistigen Lebens im alten Oesterreich schöpfen. Piag war ein literarisches Zentrum, auch war dort das Nationalitätenproblem besonders fühlbar, das für das nächste halbe Jahr, hundert so entscheidend werden sollte. Wie in allen Teilen des Buches, gibt Kohn auch bei dieser Betrachtung des alten Oesterreich eine präzise Ana. iyse der politischen Probleme, die zur Zeit des ersten Weltkrieges nicht deutlich er. kannt wurden, später aber zur Verschärfung der europäischen Krise beigetragen haben. Er erweist sich dabei als echter Histor.ker, der die Marksteine der Entwicklung in der Vergangenheit ebenso wie die verhängnisvollen Irr. tümer der Politiker scharf beleuchtet, aber auch das rech, te Gefühl für die innere Logik der historischen Vorgiin. ge hat. Er enthüllt auch die Relativität von Erkenntnissen und Axiomen, die massgebende Deuter der Geschichte aufgestellt haben, wie etwa Karl Marx, oder J A. Hobson (in „Imperialism“); ihre Gültigkeit war beschränkt auf eine kurze Periode und auf eine bestimmte Schicht. So kommt es, dass viele Entwicklungen der neuesten zeit eine Ueberraschung bedeuten, wie z. B. die Tatsache, dass der Verlust der Kolonien kei. neswegs zur Verarmung der früheren Kolonialmächte '”hrte. Warme und gütige Worte widmet der Autor dem a’.ten Prag und dem jüdischen Milieu, dem er ent:tammt. sowie seinen Lehrern — dankbar für alles Empfangene, auch wenn so manche Erfah. rung der Frühzeit später im Feuer der Revolution umgeschmiedet wurde. Er gedenkt seiner Studentenzeit im Pra ger zionistischen Studentenverein Bar Kcchba mit den dama’s so revolutionär wirkenden „Drei Reden Martin Bubers“, der Herausgabe des Buches „Vom Judentum“ (19131, das er redigierte, der Maifestspiele in Prag, der jungen Lyrik jener Tage, bis zu dem dramatischen Wendepunkt vor nun genau 50 Jahren, als die Ermordung des österreichischen Thronfolgers den Krieg heraufbeschwor. Hans Kohn geriet schon 1915 in rassische Gefangen. Schaft, er kam erst nach Samarkand, dann nach einem missglückten Fluchtversuch auf Irrfahrten in verschiede, re Teile Sibiriens, wo er die russische Revolution, die Anabasis der tschechischen Legionen und den Bürger, krieg miterlebte, bis er 1920 über Japan und Indien nach Europa zurückkehrte. In den folgenden Jahren spiegelte sieh sein äusseres Leben im Rahmen zionistischen Beamtentums in Paris, London und Jerusalem ab, seine geistige Tätigkeit aber war vor allem auf das Studium des Nationalismus gerichtet. Be. reits 1922 erschienen seine ersten Eücher („Sinn ui d I Schicksal der Revolution“, „Nationalismus“ etc.) sewie zahlreiche Aufsätze in Zeitungen und Zeitschriften I über literarische ebenso wie j I über verfassungsrechtliche Probleme. 1928 lag sein erj stes grosses Werk vor, die „Geschichte der Nationalen; Bewegung im Orient“. Er i wurde auch ständiger Korrespondent der „Frankfurter i Zeitung“ und der „Neuen Zürcher". | Elin völlig neues Kapitel begann 1934 mit der Ueber-! Siedlung nach Amerika, wo I Hans Kohn zuerst an der New School for Social Research in New York über eu. ropäisce Geschichte und Politik las; schon in den Gej fangenenlagern Sibiriens war er ein leidenschaftlicher Leht rer und D~zent geworden. Nun sah er seine Aufgabe, den Amerikanern, die oft völ.! lig irrige oder gar keine Vorstellungen von Europa hatten, die europ“ ische Welt und [ ihre Probleme ebenso wie die Abhängigkeit Amerikas j vom Schicksal Europas zu erklären. Bald wurde er ein anerkannter und gesuchter Redner, während er seine Lehrtätigkeit in Smith College, in der New Yorker City University und ln Gastvorle- ■ sungen und Sommerkursen j an vielen anderen Universitäten fortsetzte (Harvard,! Yale, Berkeley, Princeton I usw.). Mehr als 20 umfangreiche ’ ücher legon Zeugnis i ab von seiner Wirksamkeit. wovon hier nur „The Idea of I Natianalism“ und der zuletzt ' (1963) erschienene Sammel. I band „Reflections on Modern I History“, dem auch eine kurze Brigravlre seiner Werke be'gefög'ist, genarnt werden! sollen. I Wie in allen Werken Hans Kohns, spüren wir auch i.i dieser Autobiographie den leidenschaftlichen Wunsch, realistisch und gerecht zu sein, und — mit Hilfe des Verständnisses für historische Zusammenhänge — den Sinn für Proportion zu wahren. Der Autor wendet sich gegen die moderne Panik und den historischen Pessimismus und LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Ai-es — PUEYREDON 2190, 1? izq. — T. E. 83-2613 28. August 1964 20. EluI 5724 wenn der Leser manchmal ln der Beurteilung abweicht, vielleicht sogar die Tendenz fühlt, manches zu rosig zu sehen, so muss man dankbar anerkennen, dass neben den vielen ui befriedigenden Dingen, die auch Hans Kohn kritiisert, das Gute an der Zeit hervorgehoben wird, das man sonst oft zu gedankenlos hin. nimmt. Natürlich darf man nicht an unerreichbaren Idealzuständen messen; es gibt kein Wundermittel, auch die Vereinten Nationen, eine der grossen positiven Errungeuseshaften, sind keine Garantie für Harmonie und Frieden, aber wenn wir erkennen, dass eine einheitliche harmonische Welt ebenso ein Traum ist wie die Vorstellung einer geeinten demokratischen oder komunisti. Sehen Welt, dann sehen wir den wirklichen Fortschritt mit anderen Augen. Welche tiefgehende Veränderung hat Amerika seit jener Neutralitätspolitik der dreissiger Jahre durchgemacht, gegen die Hans Kohn mit anderen prominenten Gleichgesinnten so tapfer ge. kämpft hat, oder das Papsttum von Pius XI., bis Johannes XXIII! Trotzdem verfallen die Amerikaner von 1964 den Gefahren der Ueberver. einfachung der Probleme, si» verkennen, so sagt der Autor, heute das Wesen von ■ „München" ebenso wie sie vor 40 Jahren Versailles verkannt haben. Wir müssen verstehen, dass es immer ne- \ ben der Freiheit Tyrannei in der Welt gab, aber das Er. | mut'gende ist, dass es heute mehr Freiheit in der Welt als jemals zuvor gibt. Hans Kohn ist ein Feind jedes Extremismus, ein Feind von Kreuzzugs-Ideologien, die 1 nur zu grausamem Fanatismus führen, er gibt uns das Fazit seines Lebens und seiner geistigen Frkenntnis in der Ermahnung zu Mässi. gung urd Toleranz. In den Vereinigten Staaten glaubt er eine übernationale, auf Toleranz begründete Form I des Staates gefunden zu haben, ca diese», wie schon Goe. t.he wusste, von romantischer Vergangenheit frei sind. ■ So ist diese Autobiographie I ein Buch der Hoffnung, ein t'.ef menschliches Buch, das . in dem Leser den Glauben an das Gute bestärkt, besonders, da diese Lehre nicht didaktisch oder predigerhaft vor. j getragen wird, sondern in al-! 1er zurückhaltenden Besehet, j denheit als die Essenz eines Wechsel vollen tätigen und 1 wahrheitssuchenden Lebens. _A EILAT POR EILAT Extraordinaria excursión a laraal Salida', 6 de diciembre, vapor “FEDERICO C'\ DESDE U$S 69ÓY FINANCIADO incluyendo viajes de ida y regreso traslados, hoteles y excursiones durante t5 dias en ISRAEL OTRAS SALIDAS EN AVION JET LAVALLE 1672 Planta baja OÜ56 T. 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