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Jüdische Wochenschau · 1964-08-07 · 2076 (7.8.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2076 (7.8.1964)
Date
1964-08-07
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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8 — Vie*!»«*, T de Agosto de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. _ N* 3076 Ein interessantes modernes Werk Das Deutsche Schauspiel, haus gab als Studio-Auffüh-1 rung „Ehe Ehe des Herrn Mississippi’“, die durchaus verdient hätte, im Abonne- > ment herausgebracht zu wer. i den. Der moderne Dramati-! ker Dürrenmatt, ein Zyniker i mit Witz und heissender Schärfe, zeigt geistreich an; Hand einer Revolverhan-dlung den Unwert der heutigen Welt und ihrer „ewigen Werte“ auf, ais da sind: Gerechtigkeit, Religion, Gleichheit und Liefe. Nicht nur die idealen Werte fallen seiner Kritik zum Opfer, auch ihre Institutionen, Staat, Kommunismus, Kirche, Regierungen und die Menschen von heute. Für den Zyniker gibt es nur noch Idealisten, die im Bordell hausen oder wahn, sinnig sind. Als Ein- und Ausrichter, Ausdruck der Bereinigung der deutschen Sprache von , landläufigen Fremdworten, lässt Hannes Holze von Sarudiansky „ein Zimmer in spät, bürgerlicher Pracht und Ver. gänglichkeit, die zum Himmel stinken sollte“, aufstellen. Holze befolgt das gesunde Prinzip, die Phantasie der Zuschauer anzuregen, ohne etwas im Unklaren zu lassen. Döshalb geben Plakate an, was jede Scheusslichkeit vor. steilen soll. Ausserdem bläst er den Mimen seinen originellen Geist ein, soweit, dass der Kommunist seinen höchst persönlichen, aber durchaus unrussischen Bart ohne Schnurrbart kopiert. Am wesentlichsten, er sorgt für sau. bere Sprache und getreue Wahrung von Dürrenmatts Geist und Stil. Finger wickelt mit ihrer absoluten Lieblosigkeit, sie ist; das lügenhafte, nur ihrem Egoismus lebende herzlose , Biest und wirkt dennoch ' sympathisch, nicht von Diir- , rematts, sondern von Herta; Kravinas Gnaden. Das ist viel, sehr viel. : Traugott Buhre hat von Natur ein zu gutmütiges Antlitz für den in Todesurj teilen wütenden sittenstrengen Fanatiker, der in dieser Form unmögliches „Gesetz! Mosis“ verwirklichen will; doch seine kluge gepflegte I Sprache lässt ihn Dürrematts | Sentenzen überzeugend dar legen. Horst Keitel, als Type . überzeugender als etwa Mar. , tin Held im Film, verkörperte als kommunistischer Ideai list und besonders als niich. tern scharfer Ansager wohl am vollkommensten den makabren Cie ist von Dürrematts Dichtung. Michael Burg als der arme verzweifende Narr der Liebe bot seiue, in Buenos Ahes, bisher weitaus be. ste Leistung. Karl Ewald als Minister verkörperte höchst eindringlich das kalte rück, sichtslose Begehren nach Macht, doch nicht den diabolisch schleimigen Weg, der zur Macht führt. Beate Umbricht war das immer wieder graziös knixende Dienstmädchen. Porstner und Kramer spielten ihre „Ein Herr _ 6 Sätze--Rollen. Das Publikum wurde trotz Morden und grausamem Geschehen unterhalten und zum Nachdem ken angeregt. Zum Schluss gab es viel Beifall. I>r. Karl Kost Ereignisse der Woche Musik in Buenos Aires Holze sind in seinem Original itätsstreben einige Vorsilben entgangen. Etwa: die „die Aus- und Aufführenden“ an-führende Herta Kravina ist eine erblassenmachende Modellkleider vor .führende, ihre finsteren Pläne zielbewusst durch-führende und die Männer, die auf der Büh. ne und die im Zuschauer, raum, ver-führende Frau Mississippi. Sie ist das kaltblütige Biest, dem man jeden Mord zutraut, sogar den aus — von Dürrematt nur sehr schwach motivierter — Eifer, sucht, das bestrickende Biest, das ihre Liebhaber um den „DON RODRIGO“ VON ALBERTO GINASTERA; Uraufiiihrung im Colon Alberto Ginastera hat sein j erfolgreiches Operndebut ge- | macht. I>as äusserst biihnen- wirksame Libretto das Wahlargentiniers Alejandro Caso. na („Bäume sterben auf-; recht“), der sich hiermit; ebenfalls als Novize dieses; Genre vorstellt, macht sich : mit dichterischer Freiheit die; Historie des im 8. Jahrhundert zum spanischen König! gekrönten Westgoten Roderich zunutze, welcher Florinda, die ihm auf seinen : Wunsch zur Obhut anvertraute Tochter von Don Julian, Gouverneur in Afrika, , verführt und ihrer vergisst. ' „Don Rodrigo“ fällt einer von ihm selbst heraufbeschwore-! nen düsteren Prophezeiung zum Opfer, er werde der Letzte seiner Dynastie sein. Der rächende Vater desertiert mit seinen spanischen Trup- I pen zu den Mauren, welche; dann Iberien für viele Jahrhunderte besetzen sollten. | An diesem Vorwurf, der unter Alberto Ginasteras Mitarbeit feste Formen annahm. : inspiriert sich der bekannte argentinische Komponist, dessen impressionante, für ein gewaltiges Orchester geschriebene Partitur (Streicher, vierfach besetzte Bläser, 6 Hörner, 10 Schlagzeuger, £ 8 m n I f¡2 I j) ü ö f?. r* P. ■ o v, <><? AM j CICLO 1 CULTURAL 1964 TODOS LOS DOMINGOS A LAS 12 lis. POR TV CANAL 7 auspiciado por el BANCO COMERCIAL te_BUENOS_AJRES_ V.NSNVAV.*.* JUAN JULIUSBURG ALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 [ dazu 12 Jagdhörner im Saal verteilt und 8 Tx-ompeten hin- [ ter der Bühne) ausser den; handelnden Personen noch den lOOstimmigen — von Tul. ■ lio Boni grossartig einstudierten — Colón-Chor benötigt,; der mittels Chor.Eleven und : Komparserie auf die doppelte 1 szenische Masse verstärkt wird; sie findet ihren Höhei punkt in der Traumszene. Ginastera bedient sich bei \ „Don Rodrigo“ der seriellen Schreibweise unter eindrucks- 1 voller Benützung der Raummusik: Im Interludium nach der Jagdszene im ganzen; Haus verteilte Horngruppen ■ (Tristan.Rhythmen) und im Schlussbild überall im Saal erklingende Glocken als Erlösungs-Symbol seien nur | Beispiele der auf „al fresco“-; Wirkungen basierenden Kom. Position, in der er sich weit i weniger revolutionär gibt als in der früher entstandenen : „Cantata para América Mágica“. : In Struktur und Konzept! von ,,E>on Rodrigo“, die Gi- I nasteras Theater - Spürsinn 1 unter Beweis stellen, „woz-! zeckt“ er gewaltig. (Er macht : sich Singstimme, Sprechge-; sang und Sprechstimme zunutze, und auf dem 12-Ton. . Pentagramm finden sich vie- I le Vergleiche mit der atonalen Berg.Oper). Das dreiaktige Opus ist in je drei Szenen mit bezugnehmender Zwischenakts-Musik unter, teilt. Die 9 Bilder stehen in krebsartiger Beziehung zueinander: Das 1. (Sieg) ent. spricht dem letzten (Tod), das 2. (Krönung mit mancherlei .„Boris“-Gleichnissen) dem vorletzten (Niederlage) etc. Die zentral plazierte Schändungsszene ist die Ach. se, um die sich das gesamte Geschehen di’eht. Das Lyiische hat kein Aequivalent mit dem Dramatischen, sondern gibt dem letzteren eine betonte Vormachtstellung. Im Orchester herrscht „fortissimo“ und „tutti“ vor. Die orchestrale Opulenz wurde von dem bemerkenswert über der Sache stehenden und restlos mit ihr vertrauten Dirigenten Bruno Bartoletti mit dem hervorra. gend spielenden Colon-Orchester eher noch unterstrichen als zugunsten der hierun. ter leidenden Sänger abgeschwächt. Vier der besten Argentinier, zum Teil in Uebersee bekannt und anerkannt, waren Träger der Hauptrollen: Carlos Cossuttas prachtvoll geführter Tenor behauptete sich als Titelheld. Sofía Bandín lieh ihren dramatischen Sopran der schwer zu verkörpernden „Florinda“ ideal auch in den lyrischen Stellen. I>er Bariton Angel Mattiello: ein stimmschöner „Don Julián“, Und Viktor De Narké sang den Beschützer des Königs, „Teudiselo“, mit seinem sonoren, voll entfalteten Bass. Ausgezeichnete Regie spe. ziell in den Massenführungen: Jorge Petraglia, welche die Massiven, ganz in Gold (Fortsetzung der Ereignisse der Woche von Seite 5) Breslau, s. A. gedachte und ein Gebet sprach. Vorangegangen war das Absingen der argentinischen Nationalhymne und dieser folgte der 150. Psalm, den der Chor unter Leitung des Maes. tro Jasha Galperin in vollendeter Weise vorgetragen hatte. Die Seminarhörer Israel Monakier und Samuel Winter teilten sich in die Gesänge beim Ausheben der Thora, rolle und deren Lektüre. Man hatte hierfür den ersten Abschnitt des Sch’ma-Gebetes aus dem 5. Mosebuch gewählt und die hierin enthaltenen jüdischen Grundforderungen ins Spanische übersetzt. Die Ansprachen Rabbiner Mashall Meyer zi. tierte bekannte weltvernei- | nende und pessimistische! Worte von Friedrich Nietz- | sehe, um daran die Berner j kung zu knüpfen, dass die so j gezeichnete verwirrte und versteinerte Welt verlernt habe, die Stimme Gottes zu hö. ren. Unser jüdisches Ideal, „ein Reich von Priestern und ein heüiges Volk zu sein“ ha. be es uns ermöglicht, alle alten Zivilisationen zu überdauern. Das Rabbinerseminar werde ein Arsenal religiöser Kraft sein und zugleich die Verantwortung der Juden vor ihrer Geschichte teilen. Dieser Ansprache folgte ein Zwigespräch zwischen den Studenten Algazi und Mirel. mann über grundlegende Auffassungen des Judentums. Und klar wurde hierbei ausgesprochen, dass Staatstreue und Hingabe an das jüdische Volk niemals im Widerspruch; zueinander stehen könnten. Danach ergriff Monsignore Segura das Wort, um daran zu erinnern, wie der verewig, te Papst Johannes XXIII. einmal eine Rabbiner-Delegation mit den Bibelworten begrüsst habe: „Ich bin Josef, Euer Bruder“, Hiermit sollte der Neubeginn christlich.j üdischer Verständigung angedeutet werden. Der hohe Geistliche verwies auf die drei Stammväter des jüdischen Volkes, die auch die Patriarchen des Christentums seien und auf das „Zehnwort“ und die Propheten, auf die sich der christliche Glau be gleichfalls berufe. Indem Papst Paul VI. die Heiligen Stätten in ganz Palästina be. sucht habe, hatte er hiermit die Notwendigkeit des Weltfriedens unterstrichen. Der Antisemitismus, so endeten diese mit Begeisterung gesprochenen Worte, sei etwas „Unargentinisches“. Rede des Vizepresidenten Diesen eindrucksvollen Ausführungen folgte eine Rede des Herrn Vizepräsidenten der Nation, Dr. Carlos Perette. Der Redner zeigte sich ins. besondere von den Worten des Rabb. Marshall Meyer beeindruckt, der zum Ausdruck gekommenen profunden Religiosität und der Vision von einer Zukunft, die sich in ih. nen darbot. Der Mensch von heute bedürfe einer solchen „Injektion“, weil nur Glaube, Friedenswille und brüderliche Gesinnung eine neue Basis für das Zusammenleben der Völker schaffen könnten. Im Laufe sehr bedeutsa mer Ausführungen kam der Staatsmann auf die 6 Millionen Märtyrer der Juden im letzten Kriege zu sprechen, gehaltenen und auf Drehbühnenwechsel abgestellten Bühnenbilder von Leal Rey be. lebte. Die Oper war vom Studioleiter Roberto Kinsky minutiös und korrekt, auch in den Nebenrollen, vorbereitet worden. Das Publikum, unter dem man namhafte argenti. nische und internationale Persönlichkeiten des Musiklebens bemerkte, teilte sich in negative, pfeifende und zischende Eifei'er und zustimmende Enthusiasten, deren Applaus die Oberhand be. hielt. FERDINAND LEITNER DIRIGIERT BEI „AMIGOS“ | Der fünfte Besuch des Stuttgarter Generalmusikdi-; rektors bedeutet gleichzeitig j sein erstes Exklusiv-Auftre.! ten als Konzertdirigent in Buenos Aires. Bisher verdanken wir Leittier unvergängliche Eindrücke, die er uns als Opernleiter im Colon hin. terlassen hat, bei welcher Ge. legenheit er natürlich stets Kontakt mit unseren besten Orchestern aufnahm. Diesmal ist er ausschlieslich von „Arnigos de la Müsica“ für einen Zyklus von vier Symphoniekonzerten engagiert worden, bei dessen Premie. ren-Abend er einen besonders herzlichen „Rentree“-Applaus entgegennehmen durfte Der erste Teil des Pro. gramms bedeutete eine RL chard Strauss-Ehrung anlässlich seines 100. Geburtstages. Als argentinische Erstaufführung bot Leitner die reizen, de, manchmal schon den Rosenkavalier vorausahnenlassende Serenate für 13 Bläser, opus 7, vom 18jährigen Strauss geschrieben, und anschliessend die Metamorpho. sen fiir 23 Streicher, ein wehmütiges, auf einem Thema der „Eroica“ fussendes Alterswerk, womit ein symbolischer Bogen über sein Schaffen geschlagen wurde. Ferdinand Leitner machte beide Kompositionen zum Gegenstand innigen, intensiven und in Wohllaut getauchten Musizierens und wurde von den einzelnen Orchestergruppen hervorragend begleitet, die sich im Spiel der Mozart-Symphonie Nr. 3€ e-dur .Linz), KV 425, zu glücklichstem Zusammenklang vereinigten. Wir kennen Leitner gerade als Mozartianer zu gut, um unseren hier oft ausgesprochenen Lo. besbezeugungen noch neue hinzufügen zu müssen. Alles war perfekt. Als Begleiter im entzückenden Klarinettenkonzert Nr. 1 opus 73 f-moll von Cai’l Ma. ria von Weber war Leitner dem hervorragenden Solisten Mariano Frogioni ein umsichtiger, aufmerksamer Helfer. der das in bester Verfas. sung spielende „Arnigos“-Orchester zusammen mit dem Klarinettisten zu langanhaltenden Beifallskundgebungen führte. Curt B. M. Weissstein das Versagen von Regierungen, die viele Unglücklich« hätten retten können und den heldenhaften Aufstand im Warschauer Ghetto. Alle Religionen hätten die schwere Verantwortung, den verlo. rengegangenen Glauben, dm allgemeine Vertrauen wiederherzustellen. Für ihn, so führte der Vizepräsident aua, gäbe es nicht „reiche und arme Länder“, sondern nur „isolierte und assoziierte“. Seine Regierung kämpfe für echte Demokratie, Freiheit für jedermann und gegen Privilegien. Mit Freude begrüsse er dieses Seminar als eine Stätte der geistigen ET. neuerung zum Wohle aller Menschen und aller Reltgions - Gemeinschaften, die gleichberechtigt seien. Stürmischer Beifall folgte den Ausführungen des Herrn Dr. Perette, der dem ganzen zweistündigen Festakt mit grösstem Interesse gefolgt war. Den Abschluss bildete der gemeinsame Gesang des Adom Olam-Gebetes und ein innig vorgetragenes Gebet von Herrn Rabb. Dr. Winter (Montevideo), das mit dem traditionellen Priestersegen schloss. Monat des Jüdischen Buches Am Sonntag, den 16. ds. Mts., findet die Eröffnung des „Monats des Jüdischen Buches" mit einem Festakt im Teatro Alvear mit einem grossen künstlerischen Programm statt. Die Festrede hält Prof. Dr. Schmueli, der als Gast der Kehilla nach Buenos Aii’es gekommen ist, um Vorträge über jüdisches Erziehungswesen und Literatur zu halten. Prof. Schmue. li war langjähriger Leiter des israelischen Schulwesens und ist jetzt Gastprofessor in Nordamerika. Dr. Schmueli hat seine Universitätsbildung an der Universität in Breslau erhaL ten und jüdische Wissenschaften am Breslauer Rab_ binerseminar studiert. Er ist auch als Uebersetzer und Schriftsteller hervorgetreten. Seine Vorträge im Rahmen des „Monats des Jüdischen Buches“ wird Professor Dr. Schmueli auf jiddisch halten. Aufruf zur Einigkeit Die Exekutive der Gesellschaft für jüdisch-christliche Verbrüderung hat in ihrer letzten Sitzung eine Erklärung angenommen, in der zur Einigkeit und Brüderlich, keit aufgerufen wird. Ohne Unterschied von Rasse und Religion sollen Menschen und Völker Zusammenarbeiten. Die Erklärung wurde von Rabbiner Dr. Schlesinger und Pastor Sosa unterzeichnet. ALFREDO STERN MALERARBEITEN ALLER ART Deparlamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit T.E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 D E P O S I T O : V. de la Plaza 1779 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BEÑO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. 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