Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2072 (10.7.1964)
- Date
- 1964-07-10
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 14 de Julia de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2672 — 3 Ludwigsburger Zentralstelle (FAZ) — Schwerfällig schwingt das Tor in dem Gitter vierkantiger Stahlstreben nach innen, fällt zurück und schliesst sich wieder, kaum dass der Knopfdruck des Wachhabenden es geöffnet hatte. Ein Gefängniseingang wie jeder andere, für Unbefugte gesperrt. In Ludwigsburg aber sichert er nicht nur den Strafvollzug, sondern auch die Strafverfolgung. Unweit der Zellen, in denen Häftlinge für Fahrerflucht, Diebstahl, Körperverletzung büssen, befassen sich Staatsanwälte mit Anklagen, die in dem Vorwurf der Teilnahme am organisierten Massenmord des nationalsozialistischen Regimes gipfeln. Die Akten in ihren Büros nen. nen noch Tausende von Verdächtigen. Es gilt, sie aufzuspüren, zu überprüfen, Beweise zu suchen, damit millionenfache Schuld nicht ungesühnt bleibe. Die Zentralstelle der Länderjustiz - Verwaltungen zur Aufklärung von NS.Verbrechen besteht seit sechs Jahren. Erst 1958, nach den Enthüllungen im Ulmer Prozess gegen das Einsatzkommando Tilsit, hatten die Justizminister aus der Erkenntnis, dass nur eine Koordination der Ermittlungsarbeit die zahllosen strafrechtlich noch nicht erfassten Mordtaten der unseligen deutschen Vergangenheit ans Licht bringen könnte, die Schlussfolgerung gezogen. Seither wird in Ludwigsburg die Verfolgung der Helfer bei der „Endlösung“ und den anderen Schrek. kenstaten der Nationalsozialisten systematisch fortge. setzt. Die Notwendigkeit dieser Aufgabe, die noch drei Jahre in Anspruch nehmen wird, dokumentiert sich in der jüngsten Bilanz der Zentralstelle: Bis zum 31. Januar 1964 wurden 463 ihrer insgesamt 672 „Vorermittlungssachen“ erledigt und den zuständigen Staatsanwaltschaften übergeben, was in siebzig Fällen zu Gerichtsverfahren und Verurteilungen führte. Nach der letzten Urteilsstatistik (Juli 1963) sind von 152 Beschuldigten neunzehn mit lebenslangem Zuchthaus bestraft worden; 94 erhielten zeitlich begrenzte Zuchthausstrafen, sechs Gefängnisstrafen; in 32 Fällen gab es Freispruch, einmal wurde ein Verfahren eingestellt. Die Ermittlungen der zehn Staatsanwälte, die in Ludwigsburg unter Leitung von Oberstaatsanwalt Dr. Erwin sen. Die Schergen von einst, angeklagt jetzt des Massenmordes oder der Beihilfe dazu, waren in der Wirrnis des Zusammenbruches untergetaucht und hatten sich, getarnt oder nicht, in der Wohl. Standsgesellschaft gutbürgerlich eingerichtet. Vor manchem Tribunal of-1 fenbarten sich erstaunliche Nachkriegs-Karrieren. Kürz. . lieh in Braunschweig zum Beispiel, als das dortige , Schwurgericht den Hauptan- : geklagten im Prozess um die Ermordung von 5.200 Juden JABOTINSKY RUHT IN ISRAEL New York. — Die Särge des Zionistenführers Vladimir Seev Jabotinsky und seiner Gattin Johanna wurden in Farmingdale Long Island exhumiert und nach Israel überführt, wo sie endgültig begraben werden. Hunderte von Personen defilierten in New York an dem Sarg Jabotinskys vorbei und in einer Gedenkfeier, die die Zionistische Organisation gemeinsam mit dem nationalen Gedächtniscomite für Jabotinsky veranstaltete, sprach unter anderen der israelische Botschafter in den USA, Abraham Harman, der die Bedeutung der von Levi Eshkol angeordneten Überführung der Leiche Jabotinskys nach dem Herzl-Berg in Jerusalem unterstrich. Die Särge wurden vor dem Abtransport in die Synagoge Young Israel gebracht, wo ein Gedenkgottesdienst stattfand. Der Sohn des grossen Toten, Dr. Eri Jabotinsky, sagte Kaddisoh und der New Yorker „Chasanim“-Chor sang liturgische Lieder. Vom Tempel aus begleiteten hunderte von ausländischen Delegierten die Särge auf ihrer Fahrt nach dem internationalen Flugplatz Kennedy, von wo aus sie nach Paris gebracht -wurden, wo Levi Eshkol das Flugzeug mit den Resten des grossen jüdischen Führers empfing. (ITA) MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäi te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO 1147 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvlrato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. * ANZIEHENS ANGEZOGEN mit CARLTOMKIeidung in Fertigkleidung die Gesamtlinie Stabiloiorm m. r. in Massarbeit das Be* ste an Stoffen und Verarbeitung. ® Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen. Auch Junioren kaufen gern bei CARLTON. Schule tätig sind, dürften die im Dezember vergangenen Jahres vom Bundesjustizministerium veröffentlichte Uebersicht um manche Zahlen bereichert haben. Das Ministerium gab damals an, dass vom Zeitpunkt der deutschen i Kapitulation bis zum Ende I des Jahres 1963 gegen drei- | ssigtausend Personen ermit. | telt und in 12.846 Fällen An- I klage erhoben worden sei. i Die Uebersicht erwähnt 5.426 I Verurteilte, von denen 486 | durch die drei westlichen Alj liierten, drei durch die deutsche Justiz (die bis zum Mai i 1949 noch die Todesstrafe | kannte) hingerichtet wurden, und schätzt die Zahl der I Verurteilungen in der Sow. I jetunion auf über zehntau- I send, die der Verfahren im | übrigen Ausland auf etwa j viertausend. | Die Strafverfolgung von Verbrechen, die mit lebenslangem Zuchthaus bedroht sind, verjährt nach deutschem Recht in zwanzig Jah. ren, es sei denn, eine rieh, terliche Handlung hätte die Verjährung unterbrochen. Dem späten Eifer der Justiz, die restlichen NS-Verbrechen zu ahnden, sind Grenzen gesetzt. So kam es an den Gerichten in der Bundesrepublik gerade in letzter Zeit zu einer kaum übersehbaren Folge von Prozessen, in denen sich ehemalige SS- und Gestapo .Leute verantworten mussten. Viele dieser Verfahren wären ohne die Arbeit der Ludwigsburger Zentralstelle nicht möglich gewe- 1941 in Pinsk, Hans-Walter Nenntwich, der nach seiner Verurteilung dank der ihm zur Verfügung stehenden Mit. tel und Freunde entfliehen konnte, zur Person vernahm: Der 1943 über Schweden nach England desertierte SS- Sturmführer wurde in Lon. dön Rundfunksprecher der britischen Gegenpropaganda, nach 1945 in Nordrhein-Westfalen Verbindungsbeamter der Landesregierung zur Besatzungsmacht, später in Remagen Direktor einer Filmgesellschaft und im Juli 1963 Besitzer einer Zylinderschleiferei in Andernach. Gleich ihm brachten es auch mehrere Angeklagte im Frankfurter Auschwitz-Prozess zu Geld und Ansehen. Um nur zwei zu nennen: Dr. Victor Capesius, Lagerapotheker, er- —öffnete nach dem Krieg in Göppingen eine Apotheke, in Reutlingen einen Kosmetiksalon und erzielte in beiden Unternehmen zuletzt Jahres. Umsätze von vierhunderttausend Mai-k; Robert Mulka, Adjutant des in Polen hingerichteten Lagerkommandanten Höss, betrieb Exportgeschäfte in Hamburg und liess sich, Ende 1960 in Untersuchungshaft genommen, gegen fünfzigtausend Mark Kaution wieder auf freien Fuss setzen — was ihn freilich Ende Februar, nachdem die Staatsanwaltschaft neues Be. lastungsmaterial vorgebracht hatte, nicht vor der neuerlichen Verhaftung bewahrte. Oft kam der Zufall der Justiz zu Hilfe. Die Identität Ernst Koppel Maipú 982 TeL 31-7845 Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN rUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichterungen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkaul an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Ausstellungshaus Calle ANDONAEGU1 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urgutea des Gutachters Sawade mit dem Organisator des nationalsozialistischen „Euthanasie" - Programms, Professor Dr. Heyde, wurde erst Ende 1959 nach ärgerlichen Andeutungen eines der Kollegen enthüllt, die den Mediziner gemeinsam mit hohen Behör denvertretem in Schleswig. Holstein jahrelang gedeckt hatten. Gegen den ehemaligen Major der Schutzpolizei Arthur Hennecke aus Mannheim und neun weitere Angehörige eines Gestapo-Einsatzkommandos konnte Anklage wegen Exekution von Fremdarbeitern erst erhoben werden, nachdem spielende Kinder’ in einer Sandgrube bei Euskirchen verweste Leichenteile der Opfer gefunden hatten. Richard Baer, der LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE f Bs. Aires — PLEYREDON 219«, 1? izq. — T. E. 83-2613 10. Juli 1964 1. Av 5724 1963 in Untersuchungshaft; gestorbene letzte Lagerkom-! mandant von Auschwitz, ver. j I barg sich bis zu seiner Ent- :! deckung 1960 unter dem Na- 1 1 men Karl Neumann als Wald- | arbeiter und Hausmeister auf den Bismarckschen Gütern im Sachsenwald bei Ham. bürg. Emil Bednarek, der in Auschwitz gefürchtete und in Frankfurt nun mitangeklagte Lagerkapo, wurde im November 1960 in Schimding festgenommen; er hatte einem früheren Häftling aus Polen, der nach Frankfurt reiste, um der Staatsanwaltschaft bei der Vorbereitung des Auschwitz.Verfahrens' als Zeuge zu dienen, in seiner .Bahnhofsgaststätte Würstchen verkauft. Die Aufklärung von Verbrechen kann nicht dem Zufall überlassen werden. In Ludwigsburg ist man deshalb bemüht, auch verwehte Spu. ren zu sichern. Nachforschungen anzustellen selbst da, wo sie zwecklos oder über, flüssig scheinen. In aller Welt — die Ostblockstaaten ausgenommen — hat die Zentralstelle Schuldbeweise gesucht und gefunden. 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