Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2070 (26.6.1964)
- Date
- 1964-06-26
- Page
- [Seite 4] (sequence 4)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 26 de Junio de 1964 A IM MASS: LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2070 Viele Leute hegen eine tiefe religiöse Ueberzeugung — auch solche, die nach aussen hin ganz und gar nicht als ,,religiös“ gelten. Andere •wiederum sind abergläubisch, was ja auch eine gewisse Form eines primitiv-religiösen Glaubensbekenntnisses ist. Die wenigstens Menschen sind so „rational“ veranlagt, so „fortschrittlich“ nach au. ssen und innen, dass sie sich den Zeugnissen eines spontan erscheinenden Mystizismus verschliessen können. Auch ich gehöre zu den Vielen, welche mystischen Regungen, die über das menschlich Erfassbare hinausgehen, zugänglich sind. Von der Annahme ausge. hend, dass es solche* gibt, muss ich mich, zuweilen, vor ihrer niederschmetternden Realität inmitten des offensichtlich Irrealen beugen. Es sind dies Momente im Leben, die einem äusserst selten wi. derfahren. TRANSPORT NACH LUBLIN Meine Mutter ist inmitten der Kriegsjahre in einem kleinen polnischen Städtchen bei Lublin umgekommen, dessen Namen ich vorher nie gehört hatte. Ueber die Umstände ihres Todes habe ich erfahren, dass er einen Tag nach ihrer Deportation aus dem Ghetto von Theresienstadt nach dem Osten eintrat. Meine Mutter war mit einem Transport Brünner Juden zuerst nach There. sienstadt verschleppt worden. Nach wenigen Monaten hatte man sie in einen weiteren Transport von tausend Deportierten in Viehwagen verfrachtet und in die Umgebung von Lublin zur Verga. sung geschickt. Der Dachverband der Israelitischen Kultusgemeinde in der Tschechoslowakei, der mich davon in Kenntnis setzte, hatte mir auch das genaue Datum dieses Abschubs und die Kennbuchstaben des Transports mitgeteilt. Das Datum hatte ich vergessen, den Kennvermerk hatte ich im Gedächtnis behalten. Wie könnte man auch vergessen, DATUM dass die eigene Mutter mit einem Transport unter dem vielsagenden Zeichen ,,AB“ in den gewaltsamen Tod abgeschoben wurde? Weshalb aber sollte man sich das geneue Datum merken oder gar notieren? Solcher Pedante. rien waren zwar die Nazis fähig; die Notierung des Datums hätte jedoch nichts an der Tatsache geändert, dass meine Mutter, laut bestätigten Aufzeichnungen, am Tage nach ihrer Abreise aus Theresienstadt, in jenem pol. nischen Städtchen bei Lublin — Izbica — oder in dessen unmittelbarer Nähe zweifellos mit deutscher Gründlichkeit aus der Welt geschafft wurde. Von Zeit zu Zeit taucht das Andenken an meine Mutter in meinem Bewusstsein von neuem auf. Der Gedan. ke an sie ist mir nicht weniger qualvoll als ihr im blühendsten Alter verursachter gewaltsamer Tod, vor dessen unmittelbarem Eintritt ihr ganzes Denken und Fühlen sicherlich auf ihr einziges Kind, das sich damals schon geborgen im Asyl von Erez . Israel befand, gerichtet war. i Ich kann mir das grauenerj regende Bild lebhaft in meiner Phantasie vorstellen, bin 1 aber immer wieder bemüht, j es zu verdrängen. Es gelingt mir nicht, so wenig es meii ner armen Mutter gelang, ihrem Tode zu entrinnen. j Mitunter gibt es Momente, j in denen ich meiner Mutter | und ihres Todes absichtlich gedenken will. Das geschieht bei Trauerfeiem für die Ermordeten wie auch bei der Lektüre von Büchern und Artikeln, die dem Gedenken an das Geschehen geweiht sind. Selten vermischt sich der Rückblick in die trostlo. se Vergangenheit mit Gefühlen der Genugtuung und Hoffnung, die von Ereignissen der Gegenwart im Hinblick auf eine freudigere Zukunft ausstrahlen. Ein sol. eher Augenblick ergab sich für mich, als mir am 18. März 1962 in Jerusalem ein beglückendes Töchterlein geboren wurde, dem ich den Namen meiner ermordeten Mutter gab. Offen gestanden, hatten meine Frau und ich nach unseren beiden Söhnen keinen weiteren Familienzu. wachs erwartet. Als dann schon klar wurde, dass ein Kind unterwegs war, hatten wir mit Bestimmtheit mit einem dritten Sohn gerechnet. Nicht, dass wir keine Toch. ter gewollt hätten. Es schien zu schön, um wahr zu sein. EINE TOCHTER WIRD GEBOREN Die Vorsehung war dennoch wohlwollend. Sawiona (der Name ist die hebräische Version des Namens meiner Mutter, Sabine) kam am 18. März 1962 um acht Uhr früh in der Hauptstadt des unab. hängigen jüdischen Staates zur Welt. Als ich anfangs Dezember 1963 eine Einladung zur Eröffnung einer Ausstellung in der Gedenkstätte „Jad Wa. schem“ in Jerusalem zum Andenken der vernichteten Juden von Böhmen und Mähren erhielt, war ich — abgesehen von meiner journalistischen Pflicht, dieses Ereignis wahrzunehmen — von einem irrationalen Wunsche durchdrungen, der Eröffnung« - Feier beizuwohnen. Zwar sind mir Zeremonien, Reden, Nachrufe — selbst die bestgemeinten — ein Odium und eine seelische Qual. Doch in diesem Falle dachte ich meine Teilnahme den teuren Umgekommenen, darunter meiner Mutter, schuldig zu sein. Vielleicht erhoffte ich mir auch, weitere bisher unbekannte Einzelheiten über das grauenhafte Geschehen bei dieser Gelegenheit in Erfahrung zu bringen. Ich hatte gehört, dass die Ausstellung vornehmlich aus Photos aus dem Ghetto Theresien. stadt bestehen sollte. Spielte ich vielleicht mit der schaurigen Hoffnung, auf einem der Photos meine Mutter am Vorabend ihres Todes zu entdecken? Schliesslich bemelt, Leidtragende wie ich, die kamen, um ihre Liebsten zu betrauern. Auf einem leer gebliebenen Stuhl lag ein Katalog der Ausstellungsobjekte. Während ich Platz nahm, überflog ich ihn interessiert. Ich schien etwas zu suchen — was, darüber war ich mir nicht im klaren. Plötzlich blieb mein Zeigefinger auf einer Zahl haften. „37 — Liste der Deportier, ten aus Theresienstadt in den Osten“, stand dort geschrieben. Der Hinweis liess mir keine Ruhe. Verstohlen aufstehend, schlich ich mich auf den Zehenspitzen wieder aus dem Raume, in dem die Anwesenden den Reden der Persönlichkeiten auf der Tribüne lauschten. Pochenden Herzens eilte ich die Treppe hinab, zu den Photos. Bald stand ich vor dem reproduzierten Originaldokument, das die Deutschen mit bürokratischer Genauigkeit aufgesetzt hatten. Namen den Strahlen unserer hellen Sonne mit ihrer ein dreivierteljährigen Unschuld die Welt betrachtet. Diese Welt, auf der es, trotz allen Unrechts, auch ei. ne Gerechtigkeit gibt, oder — war es nur ein Zutall? gann ich, die angesagte Gevon Orten und Buchstaben denkfeier als eine Art symbolisches Begräbnis der Juden Böhmens und Mährens und unter ihnen zahlreicher Verwandter zu betrachten. DAS KENNWORT HIESS AB Zm Saale der Bibliothek des Instituts hatten sieh viele meiner Landsleute versam. Musik in Buenos Aires RAQUEL-INES GIESBERG JOMA MOSES grussen als VERLOBTE. Correa 2333 Sahores 2675 Florida FCNGBM Empfang am Sonntag, den 5. Juli in Sahores 2675 von 16—18 Uhr ERWIN FENNER SYLVIA FENNER geh. ORLANSKI grüssen als VERMAEHLTE. Buenos Aires, 25. Juni 1964. Helguera 1323 dto. 3. z. Zt. auf Reisen LÜACH — (KALENDER) Freitag, den 26. Juni 16- Tamus Sonnabend, den 27. Juni 17.. Tamus Parschat BALAK 4. B. M. XX 2 — XXV 9 Haftara Micha V 6 — vl 8 Sonntag, den 28. Juni 18- Tamus Fasten SCHIWA ASSAR BETAMUS Montag, den 29. Juni 19. Tamus Dienstag, den 30. Juni 20. Tamus Mittwoch, den 1. Juli 21. Tamus Donnerstag, den 2. Juli 22. Tamus Freitag, den 3. Juli 23. Tamus Sonnabend, den 4. Juli 24. Tamus Parschat PINCHAS 4. B. M. XXV 10 — XXIX 39 Haftara Yirmeyahu II — II 3 Neumondankündigung AV Sonntag, den 5. Juli 25. Tamus Montag, den 6. Juli 26. Tamus Dienstag, den 7. Juli 27. Tamus Mittwoch, den 8. Juli 28. Tamus Donnerstag, den 9. Juli 29. Tamus DURCH DIE KONZERTSAELE „Amigos de la Música“ eröffneten ihre Spielzeit mit einem Orchesterkonzert unter Leitung von Simon Blech, welcher sich hierbei zum er. sten Mal als gediegener, über der Sache stehender Dirigent erwies. Er musizierte mit dem gut klingenden „amigos“-Orchester eine ausgewogene „King Arthur“_Suite von Henry Purcell und eine spritzige Jlaydn-Symphonie (Nr. 96 d.dur) sowie das originell und gemässigt modern komponierte „Preludio, Adagio y Fuga“ von Roberto Caamaño. Blech zeigte sich auch als guter Begleiter im selten gehörten Mozart-Klavierkonzert b.dur K. V. 456, als dessen vorzüglicher, oft ein wenig überschwenglicher, jedoch in alle Feinheiten eingehender Solist Fou Ts’Ong sein applaudiertes „Rentrée1* machte. Es gab allerseits viel Beifall. In den Gratiskonzerten des Nationalen Rundfunks . erschien nach mehrjähriger Abwesenheit Frieder Weissmann am Pult, der früher im argentinischen Musikle. ben eine bedeutende Rolle gespielt hat. Der sich als gewiegter Routinier zeigende Dirigent leitete mit dem „Radio Nació nal“-Symphonie_Oröhester diesmal nur zwei Abende. Der ausgezeichnete Solist Guelfo Nalü hatte einen grossen Erfolg. Auch die selten gehörte Symphonie Nr. 3 c-moll, opus 78 von Camil le Saint-Saens erfuhr unter Weissmann sichere Ausdeutung und eine schöne Interpretation. Der in Frankreich gehöre ne und seit langem in USA wirkende Dirigent Vladimir Golschmann leitet gegenwärtig im Colón einen Zyklus mit dem Philharmonischen Orchester, welches sich unter seinem erfahrenen Taktstock obstinat und unwillig zeigt. In den beiden ersten dieser Abende war es dem erfahrenen, zuweilen in rasende Tempi geratenen Künstler nicht vergönnt, seinem Wunsch gemäss das Be. ste aus seinen Untergebenen herauszuholen. Die „Asociación Wagneriana“ gab ein Kammerkonzert unter Direktion von Isaac Weinstein mit Werken von Vivaldi (Vier Jahreszeiten) mit dem Dirigenten als Violin-Solisten, Gianneo, und dem bezaubernden Konzert für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo (glän. j zender Solist; Alirio Diaz). — Auf demselben Podium de- ] butierte das Duo Noel Lee I (Violine) und Paul Makano- | witzky (Piano). Platzmangel verbietet uns leider, eines der grössten musikalischen Ereignisse nicht nur dieser Saison, sondern der letzten Jahre überhaupt gebührend zu würdigen Un. ter den Auspizien des USA- State Department befindet sich der weltberühmte „Robert Shaw Choräle“ auf einer lateinamerikanischen Tournée. Die „Wagneriana“ zu. sammen mit dem Teatro Colón waren Protektoren zweier in unserem Musentempel stattfindenden Konzerte, die ihn restlos füllten. Der nordamerikanische Dirigent grün, dete dieses in der Welt seinesgleichen suchende Ensemble 1948. Es besteht aus 36 Sängern, aus denen sich auch die Solisten rekrutieren, und etwä 20 Instrumentisten. Die Künstler sind zu einer selten erreichbaren innigen Einheit verschmolzen, so. dass man das oft missbrauchte Wort „perfekt“ füglich anwenden darf. Der erste Abend war einem eklektischen Programm gewidmet, welches mit Victoria, Schütz, Di Lasso (u. a.) be gann, die reizvolle Schubertmesse in g-dur und das noch tonale „Frieden auf Erden" von Schönberg enthielt, und über Ives, Ginastera „lamenj taciones de Jeremias profe.! ta“, R. Hallfter bis zu Gershwin, Negrospirituals und Jazz reichte. Spalten würden wir benötigen, um jeder Wiedergabe auch nur einigermassen gerecht zu werden. Das zweite Konzert stand im Zeichen der h.moll-Messe von Johann Sebastian Bach, jenem monumental-interkonfessionellen Ewigkeitswert der gesamten Musikliteratur schlechthin. Robert Shaw ist ein ernster, allen Aeusserlichkeiten abholder Dirigent, der den — ineinander gefügt plazierten Chor — zusammen mit dem vollendet spielenden Orchester (jedes Mitglied ein ebenfalls vollendeter So. list) mühelos beherrscht und die Messe wahrhaft zelebriert. Dir Wirkung des Robert Shaw Chorale war spontan und nachhaltig. Nur ungern entschloss sich das Publikum, das Colón zu verlassen. Ourt B. M. Weissstein von Kennzeichen der Transporte flimmerten mir in den Augen. Aus ihnen hob sich deutlich eine Silbe ab; das Kennwort AB. Da stand es, schwarz auf weiss, mahnend, aufwühlend, bedeutungsvoll: 'Transport AB nach Izbica — 17. 3. 1942. Fasziniert starrte ich auf das Datum. An diesem Tage war meine Mutter, Sabine Massarik aus Brünn, in den Tod gejagt worden, der sie am nächsten Tage, dem 18. 3. 1942, ereilte. Am gleichen Tage, vielleicht zur gleichen Stunde und Minute, war, zwanzig Jahre später, am 18. 3. 1962, meine Toch. ter Sawiona geboren, die mich mit ihren olivengrüngrauen Augen, und ihrem blonden Haar an meine Mutter erinnert — tagtäglich, oft stündlich, wenn sie unter TEATRO COLON Viernes 26 a las 21 horas; 6ta. fuñe. Gran Abono: “Simone Boccanegra“, ópera de Verdi. (Versión 1961), con: Leyla Gencer, Cornell Mac- Neil, Carlos Cossutta, William Wildermann, Gian.Piero Mastromei. Dir. de orq.: Bruno Bartoletti. Reg. Ernst Poettgen Esc. y vest.: Paul Walter. Nota; para esta fuñe, es obligat. traje de gala para damas y caballeros en plat. y palcos. Orq. y coro estable del Teatro Colón. Sábado 27 a las 17 horas; 3ra. fuñe. ab. 10 grand. solis. tas: Recital de piano Abbey Simón. Sábado 27 a las 21 horas: fuñe, extraor. “Madama Butterfly“, ópera de Puccini. Dir. de orq.; Pedro J. Calderón. Reg. E. Sivieri. Domingo 28 a las 17 horas; 6ta. fuñe. ab. dom. vespert.: “Simone Boccanegra“, ópera de Verdi, con los mismos in. térpretes del día. 26. Lunes 29 a las 21 horas; 4o. conc. Orq Filarmónica de Bs. As.. Dir. Vladimir Golschmann. Martes 30 a las 21 horas: 5ta. fuñe. ab. noet.: “Simone Boccanegra“, ópera de Verdi, con los mism. intérpretes del día 26. Jueves 2 a las 21 horas: fuñe, extraord. “Simone Boccanegra“, ópera de Verdi, con los mismos intérpretes del día 26. DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS BUEMDS AIRES TEATRO LICEO — Rivadavia y Paraná Intendant KURT JULIUS SCHWARZ rr „Robinson soll nicht sterben Spiel in 3 Akten von FRIEDRICH FÖRSTER Inszenierung: MAX WAECHTER Bühnenbild: JORGE LACARRA MIT WIRKENDE: SISSY ADAM, IIANK A DOWINSKA, LILLY RAPP, IRENE RÉE, MICHAEL BURG, KARL EWALD, JACK HERZBERG, HORST KEITEL, HELMUTH KRAMER, ROLF MAEK- TENS, ARTURO MALY, TOMMY MAGNUS, ANDREAS MUELLER-HORN, MARIO PORST- NER, PETER RASENACK, KARL SCHM ID, FOLDI URWAND, MAX WAECHTER. SAMSTAG. 27. JUNI 1964, 15 UHR Wiederholungen: SAMSTAG, 11. JUNI. 15 UHR SONNTAG, 12. JUNI, 15 UHR KARTENVERKAUF (für dieses Jugendstück zu halben Preisen) : werktags 15—19 Uhr, samstags 10—12 Uhr. und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn, DEUTSCHES SCHAUSPIELHAUS BUENOS AIRES TEATRO LICEO — Rivadavia y Paraná Intendant KURT JULIUS SCHWARZ rr ELEKTRA rr Tragödie in einem Aufzug frei nach Sophokles v. HUGO VON HOFMANNSTHAL Inszenierung: K. J. Schwarz Mitwirkende: Cissie Henkell, Herta Kravina, Karin Rasenack, Horst Keitel, Michael Burg, Karl Ewald, Rosemarie Allers, Sissy Adam, Maria Hollmann, Martha John, Lilly Rapp, Beatrize Umbricht. Bühnenbild und Kostüme: J. Lacarra Premiere: Dienstag, den 30. Juni, 21 Uhr Kartenverkauf: werktags 15—19 Uhr, samstags 10—12 Uhr und eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.