Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2070 (26.6.1964)
- Date
- 1964-06-26
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 26 de Junio de 1964 L A SEMANA ISRAELITA Año XXV_No. 2070 — 3 Immer wieder: Dr. Globke In den verschiedensten Teilen der Bundesrepublik finden Kriegsverbrecher-Prozesse statt. Im allgemeinen stehen nur die ausftihrenden Organe vor Gericht und nicht die Hauptverantwortlichen, aber es lässt sich nicht ganz vermeiden, dass es immer wieder wenigstens ankiingt, wer tatsächlich die Hauptschuld für die ungeheuerlichen Verbrechen trägt: Industriekonzerne werden ge- .nannt und — immer wieder — Hans Globke, bis 1963 Staatssekretär in Adenauers Bundeskanzleramt. Allen Vernebelungsversu. chen der Verteidiger zum Trotz werden im Auschwitz- Prozess zu Frankfurt a. M. täglich mehr und mehr die Zusammenhänge sichtbar, die die zentrale Planung sämtlicher Vernichtungsaktionen - der Nationalsozialisten und die Mitschuld der ,.Schreibtischtäter“ offensichtlich wer. den liessen. Es war daher nicht allzu überraschend, dass in Auschwitz auch der Name Globke fiel. Erschütternd sind die Aussagen der Zeugen: „Die Mordmaschinerie in Auschwitz hätte nicht funktionieren können, wenn sich nicht Zehntausende bereit gefunden hätten, sie zu bedienen. Das ist die Hauptschuld der Angeklagten, dass sie diese Maschine betrieben haben. Ohne sie hätte das nicht funktionieren können.“ Das sagte in Frankfurt der 60. jährige Wiener Arzt Dr. Otto Wolken, der es nur einem Zufall zu verdanken hat, dass er dem Grauen des KZ leben, dig entkommen ist. „Nach 20 Jahren bin ich frei von Hass und Rachegefühlen“, sagte der Zeuge. Die Toten könnten keinen be. stimmten ihrer Peiniger mehr anklagen, wohl aber das System. Ueber dieses System, genauer gesagt, über ,,die Verflechtung wirtschaftlicher ln teressen und der Interessen der SS“ soll der Ordinarius für Wirtschaftswissenschaf¬ MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschät te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO fl47 T. E. 35 - /033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. ten an der Beniner Humboldt-Universität, Professor Jürgen Kuczinski, vor dem Frankfurter Schwurgericht ein Gutachten abgeben. So jedenfalls beantragte e' zwei mal der Nebenkläger Professor Dr. Friedrich Kaul, (DDR). Während die Staatsanwaltschaft gegenüber der Vernehmung des ostberliner Professors keine Bedenken äusserte, protestierten unverständlicherweise mehrere Verteidiger gegen diesen Antrag Warum wohl? Das Gericht hat über den Antrag noch nicht entschieden. Auch beim Limburger Euthanasie-Prozess gegen den Arzt Hans Hefelmann wurde der langjährige Staatssekretär Adenauers schwer belastet. Hefelman selbst berichtete, dass sich zu Beginn der Euthanasie-Massnahmen der zuständige Dezernent im Reichsinnenministerium, Dr. Linden, und Globke getroffen und über den Aufbau der sogenannten „Gnadentodaktition“ gesprochen hatten Globke war damals Vorsitzender des „Reichsausschusses zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“. In dieser Funktion sei Globke direkt an der Regi. strierung der später ermordeten Kinder beteiligt gewesen. . Aber nicht nur Kinder und Kranke, sondern auch Alte und Gebrechliche, Kriegsve. teranen und -krüppel“, und „natürlich“ Juden, Halbjuden und politisch Unbequeme starben in den „Heil, und Pflegeanstalten“ eines grauenhaften Todes. „Da kommt wieder die Mordkiste“, riefen die Kinder in Hadamar, wenn wieder ein Omnibustransport neue Opfer herbeischaffte. Das war in Hadamar genauso wie in Grafeneck, Brandenburg, Bernburg, Hart heim bei Linz und Sonnen- ] stein bei Pirna. Gleichzeitig j erfüllten diese „Heil- und Pflegeanstalten“ die Funkj tion von SS.Mörderschulen! zur Vorbereitung auf den 1 Dienst an den Vergasungsanj lagen und Krematorien in ' den KZ, wie kürzlich enthüllt wurde. In Hadamar bei- I spielsweise wurde das Perso- 1 nal für die Vernichtungsanlagen in Polen ausgebildet. I Zum dritten Mal fiel der | Name Globke im Braunschweiger Prozess gegen fünf j ehemalige SS-Offizier, denen vorgevorfen wird, von Ende I Juli bis Anfang August 1941 | in Pinsk (Weissrussland) bei! der Ekschiessung von 5.200 Juden Beihilfe geleistet zu I haben. Rassenkommentator : Globke soll hier als Zeuge dafür geladen werden, dass i bei Sondereinsätzen jede Be-! fehlsvc Weigerung mit der Todesstrafe geahndet wurde, j Der Aizt Dr. Wolken hatte ' beim Auschwitz-Prozess aus eigenem Erleben das Gegen- ] teil ausgesagt. | Die Massenmörder werden heute von der Justiz mit j Samthandschuhen angefasst:! Nur acht Kilometer von der Hölle und Mörderschule Ha- | damar entfernt, in Limburg, I sitzt der ehemalige Amtslei. | ter der sogenannten Gnaden-! tod-Abteilung der Berliner I Mordzentrale, Dr. Hefelmann, seinen Richtern im beque. > men, eigens für ihn gebau-; ten Sessel gegenüber. I In Kiel, wo der ehemalige; SS-Hauptsturmführer Graalfs aus Neumünster wegen i Erschiessung von 1.550 rus- ■ sischen Zivilisten angeklagt ist, stürzt der als Zeuge gei Iadene ehemalige SS-General Otto Bradfisch mit erhobenen Händen wutentbrannt auf die Pressefotografen zu und schnauzt: „Hier wird nicht fotografiert! Ich verbitte mir das!“ Bradfisch ist zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er als Führer des Einsatzkommandos acht für Massenerschiessungen von jüdischen Männern und Frauen und Kindern <6.800 an der Zahl) für schuldig be. funden wurde. In Kempten schliesslich sprach ein Gericht den ehemaligen Oberfeldwebel Leonhard Scherer frei. Scherer war beschuldigt worden, im Gebiet von Brjansk 15 Männer, Frauen und Kinder, die er bei der Durchkämmung eines Waldstückes angetrof. fen hatte, in einen Holzschuppen gesperrt und diesen dann angeziindet und mit Handgranaten beworfen zu haben. Das Kemptener Gericht begründet seinen unbegreiflichen Beschluss mit dem Zau. berwörtchen „Befehlsnotstand“. Er wurde in seiner Haltung bestärkt durch ein Gutachten des Leiters des Bundesmilitär - Archivs (!), Oberarchivrat Beske aus Bonn, der von widersprechenden Befehlen in der Par. tisanenbekämpfung zu berichten wusste, und von Professor Maurach von der Universität München, der die ungeheuerliche Ansicht vertrat” bei der Urteilsfindung müsse auch die „kochende Erregung der Soldaten“ berücksichtigt werden. Die Tötung der Frauen und Männer hielt er für „nichtrechtswidrig“. (aus DVZ) LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEYREDON 2190, 1? izq-T. E. 83-2613 26. Juni 1964 16. Tamils 5724 ,UEBERTRIEBEN“ SAGTE PAPST PIUS XXil. I Washington. — Papst Pius XII. meinte im Jahre 1943, I dass die Berichte über die! judenfeindlichen Ausschreitungen der Nazis von den Alliierten „übertrieben“ würden und setzte hinzu: „Wenn I man schon von Atrozitäten spricht, kann man nicht nur! von den Nazis sprechen, ohi ne gleichzeitig auch die Bol- | schewiken zu erwähnen.“ 1 Diese Erklärung wurde | kürzlich von der Archiv_Sek- I tion des State-Department : in offizieller Form gemacht. I Harold H. Tittman, der! dem persönlichen Repräsentanten des Präsidenten Rooj sevelt vor dem Vatikan, My_ ron C. Taylor, als Assistent : beigegeben war, zitiert in ei- [ nem vom 5. Januar 1943 daj tierten Bericht an den Mini- | ster Leland Harrison den I Papst, der gesagt haben soll, er befürchte, dass „etwas j Wahres“ an den Berichten 1 der Alliierten über die NazL i verbrechen sei, doch liess er i durchblicken, dass er diese Berichte, „die propagandistischen Zwecken dienten“, für i „übertrieben“ halte. Man könne, so meinte der Papst noch, schwerlich von Atrozitäten der Nazis sprechen, ohne gleichzeitig auch jene der Bolschewiken zu erwähj nen, doch das, so setzte er | hinzu, würde den Alliierten ' nicht konvenieren. (ITA)! „Falken“-De!egation besucht Israel ' Bonn. — Als erste Delegation der Sozialistischen Ju- , gend Deutschlands flogen kürzlich 30 „Falken“ aus Nordrhein-Westfalen zu ei. I nem 14tägigen Besuch nach Israel. Die Delegation will die Partei- und Jugendarbeit 1 in Israel studieren und bei einem mehrtägigen Kibbuzaufenthalt Kontakte mit jun.; gen Israelis finden. In Tel i Aviv, Jerusalem und Haifa; wird man politische Gespräi ehe mit der Mapai, der sozialistischen Jugend Israels, führen. Ferner sind Besieh. I tigungsfahrten zu Sozialeinrichtungen und Industrieanlagen in verschiedenen TeL; ien des Landes vorgesehen. Die „Falken“-Delegation wird während ihres Aufenthaltes von der israelischen Gewerkschaft betreut. (AWZ) Von den Juden in Kanada ANZIEHEND ANGEZOGEN mit CARLTON-Kleidung in Fertigkleidung die Gesamtlinie Stabiloform m. r. in Massarbeit das Beste an Stoffen und Verarbeitung. Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen. Auch Junioren kaufen gern bei CARLTON. Ernst Koppel Maipu 982 TeL 31-7845 Board of Deputies | London. — Der Stadtrat Abraham Moss, früher Inten- | dant von Manchester, und; aktiver politischer Führer des britischen Judentums, wurde | zum Präsidenten des Board i of Deputies gewählt Sein Vorgänger war Sir Barnett : Jänner, Deputierter der La.! bour-Partei, der neun Jahre I lang dieses Amt innehatte. I Moss, der heute 64 Jahre alt ist, stellte sein ganzes Leben . in den Dienst der jüdischen \ Sache. Wenn auch kein aktives Mitglied der zionistischen Bewegung, ist er sehr an Israel interessiert und durch enge Bande mit dem jüdischen Staat verknüpft. 1 Mit seiner Wahl wird sich die Politik des Board nicht ■ ändern: Moss ist, genau wie sein Vorgänger Jänner, für eine Zusammenarbeit mit den; Internationalen jüdischen Or_ I ganisationen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Man l nimmt deshalb nicht an, dass ■ der Board sich während sei- , ner Präsidentenschaft dem Jüdischen Weltkongress anschliessen oder sonstige radikale politische Beschlüsse ' fassen wird. (ITA) Kanada ist ein zweisprachiges Land. Es gibt aber nicht viele Kanadier, die französisch und englisch sprechen. Bei den Juden sind es immerhin 18 Prozent, bei den Italienern 10, bei den Polen 5,5, bei den Engländern 4 und bei den Deutschen 2,6 Prozent. In der Provinz Que. bec können 36,2 Prozent der Juden beide Sprachen, weitaus mehr als bei anderen ethnischen Minoritäten- In den letzten Jahren hat der französisch sprechende Teil der jüdischen Bevölkerung durch die Einwanderung aus Nordafrika erheblich zugenommen. In Montreal al. lein sind über 3.000 sefardisehe Juden, und wenn die neuen Einwanderungsgesetze erlassen werden dürften es bald über 10.000 sein. In Quebec, wo die Staatsschulen Katholisch sind, entstehen für die neuen Einwanderer er. hebliche Probleme. Quebec ist mit seiner französisch sprechenden Bevölkerung an sich ein geeignetes Auf na hmefeld für die Einwanderer aus Nordafrika, die ebenfalls bisher im französischen Kulturbereich gelebt halen. Es geht nun darum, Schulen für die Kinder dieser neu. en Einwanderer zu gründen, die der Sprache nach französisch, aber dem religiösen | Inhalt nach jüdisch sind. In I Montreal ist ein solcher Verstehen Schwierigkeiten, weil die Kosten der Privatschulen für die neuen Einwanderer zu hoch sind. Der Kanadiscn. Jüdische Kongress hat sich der Sache angenommen und führt jetzt Verhandlungen mit der Regierung, um ein für beide Teile befriedigendes Schulsystem zu finden, such geglückt, in Quebec be- WIR ZAHLEN DIE BESTEN PREISE Man spricht Deutsch Teppichhaus - M. Hochberg JNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTOPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN EUER JEDES GEMUETL1CHE HEIM. Eigen« Fabrikation — Unverbindliche Vorführung Auf Wunsch Zahlung-serleichterongen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. 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