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Jüdische Wochenschau · 1964-06-19 · 2069 (19.6.1964) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2069 (19.6.1964)
Date
1964-06-19
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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/ 4 — Vienne«. 19 rte Junio de ISM LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. _ No. 2069 Jüdische Probleme im Theater Der rührige IFT hat einen , langen ESnakter uraufge- 1 iührt, „Kaddiseh am Freitag Abend“, der soiort lebhafte Diskussionen hervorgerufen hat. An dieser Stelle hat Rab. feiner Dr. Meir Rosenberg ■ darüber geschrieben. Vor Bej bandlung der Probleme sei : löber die Aufführung gesprochen. Sie war hervorragend und riss das sehr zahlreiche ¡Publikum (ein ausverkauftes Haus am Wochentag!) zu lebhaftem Beifall hin. Der israelische Regisseur Yirair Mossian hat grossartig gearbeitet. Man erlebte die Spannung mit, die von? ersten Augenblick an die Stube des Kantors bewegte. Grossartig trotz zweier störender Fehler. Vom ersten Augenblick an weiss man, dass ein „Tallith“ eine Rolle spielt; denn er hängt gross an der Wand als zweifelhafter Schmuck, anstatt wohl, verwahrt im Beutel zu sein. Wesentlicher: man hatte die Partie des Chasan einem, übrigens hervorragenden, christlichen Schauspieler anvertraut, der nicht Hebräisch konnte, da man den Kaddisch nicht ins Spanische Musik in Buenos Aires TRIPTYCHON IM COLON Seit einigen Lustren glänzten die drei ungleichen Schöpfungen von Maurice Ravel im Colon durch Abwesenheit. Die Neueinstudierung der lyrischen Phantasie „Lenfant et les sortileges“ (1925>, des choreographischen Poems „lg valse“ 1920) und der musikalischen Komödie ,,L’- toeure espagnole“ <1907) erfolgte in der den Entstehungsdaten entgegensetzten Reihenfolge. Die entzückende und reizvolle Oper ,,Das Kind und die Zauberwelt“ wurde von Georges Sebastian überlegen und diaphan dirigiert; das Colön-Orchester gab sich nur unwesentliche Blossen. Die Regie (von Louis Erlo) der Kindergeschichte, deren Text von Colette stammt, trug der infan. tilen Simplizität des Sujets ebensowenig Rechnung wie öie von Jean Renoir entworfenen Kostüme und Bühnenbilder. Die Szene war überwiegend in lästiges Dunkel gehüllt, und der projizierte Garten erschien stilwidrig und geschmacklos. In diesem Rahmen bewegte sich und sang Olga Chela- ■vine in der Titelrolle erstaunlich elastisch. Ihre 19 männlichen und weiblichen Kollegen. zum grössten Teil durch das von Serge Lifar konventionell emstudierte Ballet- Corps „gedoublet", machten ihren kurzen Rollen alle Ehre. Tullio Boni hatte den Colön.Chor vollendet vorbereitet, und der von Valdo ßciamarella geleitete Kinderchor bemühte sich, es dem „eoro estable“ gleichzutun. Das Resultat des „l’enfant“ war ebenso mittelmässig wie jenes des zauberhaften Balletts „La Valse“, dessen Reposition hauptsächlich durch die grossartige Einzelleistung der „prima ballerina“ Nina Vyroubova ein ansehnliches Niveau erklimmen konnte, wenngleich sie, wie auch die korrekt tanzenden Solisten ■und das „eorps de ballet“ durch die unlogische und partiturfremde Choreographie Lifars gehemmt waren. (Kostüme und Dekorationen: Robert Osvald). Auf erfreulich hoher Ebene dagegen bewegte sich „die spanische Stunde“, deren Text (Franc Nohain) ebenso spritzig ist wie Ravels geistreich . delikate Schöpfung. Georges Sebastian, welcher das Ballett schwungvoll, jedoch recht wenig transparent konzertierte, liess dieser Ko-! mödie eine durchsichtige j Wiedergabe angedeihen, sodass sich der Musikliebhaber ¡ wirklich delektieren konnte. | Erlo brachte die genialen i Witze und oft nicht ganz ..stubenreinen“ Andeutungen im Pentagramm gemeinsam i mit der geschmackvollen und! farbfreudigen Uhrmacher.; Werkstatt und ebensolchen Kostümen (Janoir) voll zur Geltung und hatte in der Führung der Personen eine glückliche Hand. Denise Duval (Concepción) sang und spielte eine charmante Uhrmachersgattin, welcher man den auf ihre Prätendenten ausstrahlenden Zauber ohne weiteres glaubte: Georges Shirley, der seinen schönen lyrischen Tenor als absichtlich übertrieben agierender .Schöngeist' Gonzalvo strahlen liess: Robert Massard, kraftstrotzend gleichermassen als Bariton und als Mauleseltreiber Ramiro; Angel Mattiello, um eine Spur zu ernst in der Rolle des prachtvoll gesungenen Bankiers Don Iñigo. Dem philosophierenden Uhrmacher Torquemada lieh Nino Falzetti seinen sauberen Ton. Das gesamte, französisch gesungene „Festival Ravel“ bewegte sich in einem kühlen Klima und wurde freundlich, aber ohne Nachdruck applaudiert. _* Einen Tag zuvor wurde im „Salon Dorado“ unseres Musentempels der 100. Geburtstag von Richard Strauss festlich begangen. Generaldirek. I tor Architekt Juan P. Mon-! tero führte den Redner, Gei orges Sebastian, mit auf desj sen wiederholte und lange I persönliche Zusammenarbeit mit dem Komponisten hinweisenden Worten ein. Der sich der Sprache seiner französischen Wahlheimat bedienende Dirigent plauderte sehr interessant über Werk, eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit dem Schöpfer des „Rosenkavalier“, Anschliessend war er An. gel Mattiello und Mirtha Garbarini ein einfühlender Begleiter am Flügel. Der Bariton und die Sopranistin — gefeierte und anerkannte Künstler — boten einen gutgewäb’/en Durchschnitt aus dem Strauss’schen Lieder-Re. pertoire und ernteten reichen Beifall des überfüllten Saales. Curt B. M. Weissstein LU ACH — (KALENDER) Freitag, den 19. Juni 9- Tamus Sonnabend, den 20. Juni 10. Tamus Parschat CHUKAT 4. B. M. XIX 1 — XXII 1 Haftara Richter XI 1 — 33 Sonntag, den 21. Juni Montag, den 22. Juni Dienstag, den 23. Juni Mittwoch, den 24. Juni Donnerstag, den 25. Juni Freitag, den 26. Juni Sonnabend, den 27. Juni Parschat BALAK 4 B. M. XX 2 — Haftara Micha V 6 — VI 8 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. XXV Tamus Tamus Tamus Tamus Tamus Tamus Tamus 9 Sonntag, den 28. Juni 18’ Tamus Fasten SCHIWA ASS AR BETAMUS Montag, den 29. Juni Dienstag, den 39. Juni 3»- Tamus übersetzen wollt«, verpuffte diese als Höhepunkt gedachte Szene. Von den vier Schauspie, lern bot Jacob Finder als abgetakelter jiddischer Gperettentenor, der mit warmer Stimme jiddische Lieder sang, ein wahres Kabinettsstückchen. Marta Garn war tief menschlich, liebevoll und vermittelnd die jüdische Mut. ter. Hector Sáleme spielte verhalten und eindringlich den Sohn, der seine christliche Freundin heiraten will. José Maria Gutiérrez gab den aufgeregten, um seine Existenz zitternden Kantor, der seinen Sohn so heiss liebt und ihn dennoch aus dem Haus jagt. Eine erschütternd eindrucksvolle Gestalt. Das dramatische Erstlingswerk von Germán N. Rozenmacher ist nicht so gut wie die Aufführung des IFT. Es hat gute Seiten: die Spannung im Haus des Kantors ist wohl getroffen. Die Figur der Mama, die so innig die Ihren liebt, die stets vermitteln und das verstehen will, was sie nicht zu verstehen vermag, ist ebenso menschlich wie der Onkel, der noch von seinen alten Erfolgen träumt und auf Anbeterinnen wartet, die sich nicht melden. Der Kunstgriff, ihn auf Jiddisch die populärsten Volkslieder und Schlager trällern zu lassen, ist von sicherer Wirkung. Die Kritik fängt bei der Behandlung des Vater.Sohn- Problems an, das der Autor mit dem einer Mischehe verknüpft hat. Nun darf sich auch ein jüdischer Verfasser für eine Mischehe entscheiden, doch nicht in dieser krassen Schwarz- Weiss.Ma. nier. Rozenmacher hat gelernt, dass man auf der Bühne Situationen begründen muss. Deshalb gibt er dem Vater mildernde Umstände und zeigt, dass er (der Sohn ist offenbar autobiographisch gedacht) die Familie mit der Freitag.Abend-Feier warten lässt, am Freitag-Abend in einem frommen Hause raucht, ganz zu schweigen von der christlichen Ehe. die seinen Eltern das Herz bricht. Hier besinnen die Schwächen des Werkes. Rozenmacher verfolgt mit seinem Drama persönliche, nicht laut herausgesagte Absich, ten: 1) will er sich gegenüber seinem Vater öffentlich reinwaschen, 2) will er beweisen, dass er im Gegensatz zu seinem Vater ein nationaler Argentinier ist. Der IFT schliesst sich trotz seines jüdischen Namens bedauerlicherweise öffentlich dieser assimilatorischen Tendenz an, 3) dass Schreiben in argentinischem Sinne seine künstlerische Mission ist und nicht gleich seinem Vater die Ausnutzung seiner herrlichen Stimme. Um diese versteckten Tendenzen, die er nicht beweisen kann durchzudrük. ken, setzt der Autor den Vater öffentlich herab: stempelt ihn zu einem verstand, nislosen Bösewicht, während er den Sohn, also sich selbst, auf ein Denkmal setzt. Er will damit Sympathie für seine Position und sich hervorrufen, was ihm bei vielen Zuschauern gelingt, während er, der „gute“ Argentinier“, damit seinen Vater, diesen typisch frommen traditionellen Juden zu einem Zerrbild macht. Es stört Rozenmacher nicht, dass nichtjüdisches Publikum wieder schlecht über Juden spricht. Er hat sich ja einen Fackelzug gebracht)!). Meine Sympathien liegen auf seiten des so stiefmütterlich gezeichneten Vaters. Ein wahrer Jammer, dass der begabte Verfasser sich persönlich so heiss liebt! Mit wenigen wertverändernden Akzenten wäre nämlich ein wirk, lieh gutes und positiv jüdisches Drama entstanden. Sobald es ihn nicht selbst berührt und seine Position nicht ins Unrecht setzt, ver. leiht Rozenmacher auch dem Vater schöne menschliche Züge, etwa wenn er ihn beim endgültigen Abschied auffor- Bücher - Broschüren - Zeitschriften ¡ ‘’“f"""8 t 1 Washington. — Herbert Dr. Arthur Rappin: Der Aufbau des Landes Israel. — Dieses Werk des ersten grossen jüdischen Soziologen er. schien im Jahre 1919 im Jüdischen Verlag zu Berlin. Es wurde der Redaktion von einer interessierten Leserin zur Verfügung gestellt, was hier dankbar vermerkt sei. — Das Werk Ruppins ist natürlich .überholt“, aber in mancher Hinsicht doch auch noch aktuell. Die Zeiten haben sich seit 1919 gründlich geändert, aus dem Lande Israel wurde der Staat Israel mit seinen neuen, engen Grenzen. Der planende, vorausschauende Geist Ruppins zeichnet in diesem Buch in allgemeinen Strichen eine Zukunft, die aber auch heute noch zu ei nem guten Teil Gegenwart ist... —:o:— Heinrich Heine: Sämtliche Werke, Band IV. Neuausga. be sämtlicher Werke des Dichters durch Hans Kaufmann im Verlag Kindler, München 1964. — Die vorhergehenden Bände wurden an dieser Stelle besprochen. Der letzte, der soeben erschien, bringt Nachlese zu den Gedichten, Almansor und William Ratcliff. Erneut sei auf die Sorgfalt be. der Herausgabe und auf die wichtigen und interessanten Anmerkungen ver. wiesen. — —:o:—• Wilhelm von Schramm: Aufstand der Generäle. — Der 20. Juli in Paris. — Erschienen bei Kindler, München 1964, Taschenbücher 44/45. — Der Historiker v. Schramm (nicht zu verwechseln mit Perey E. Schramm) schildert den 20. Juli in Paris. Unterstellen wir, dass einige Offi. ziere reichlich spät bereit waren, gegen Hitler Widerstand zu leisten. Vor uns wird ein Bild der Hilfslosigkeit und Desorganisation gezeichnet, das erstaunlich ist. Das Buch liest sich wie ein Roman; aber leider rollt hier eine zwar versunkene, aber nicht überwundene Wirklich, keit vor dem Auge des Lesers ab. — —:o:— . Rivka Geber: Las Hogueras de Lajish, Verlag Israel Buenos Aires, 1964. Ankündigung als „atención de La Semana Israelita“. — —:o:— Maquis de Sade: Verbre. chen der Liebe, ausgewählte Erzählungen, Kindler. München, Taschenbuch Nr. 46. — Maquis de Sa de (1740 bis 1814), dessen Namen im Begriff „Sadismus“ sozusagen verewigt wurde, war ein interessanter Erzähler, wofür der vorliegende Band 46 der Kindlerschen Taschenausgaben Zeugnis ablegt. — — :o:— Natan Lerner: La tercera Revolución, 6. Heft der Kollektion .Derechos Humanos“, herausgegeben von der DAIA 1964. — Der junge argentinisch-jiidisehe Intellektuelle Dr. Na. tán Lerner, der heute in New York lebt, wo er den Jüdischen Weltkongress in der Kommission für die Menschenrechte neben Dr. Perlzweig vertritt, gilt als einer der grössten Experten auf diesem Gebiete, was durch Friedman, Superintendent der atmosphärischen und astrophysischen Abteilung des Marine-Forschungslaboratoriums der USA wurde als einer der vier Wissenschaft, ler, die den Preis von 1964 für hervorragende Staatsdienste erhielten, vom Präsidenten Johnson ausgezeichnet. Friedman wurde fiir sei. nen Beitrag zur treuen Wissenschaft der Ralcetenastror.omie. die die Menschen in die Geheimnisse des Universums einführt, gewürdigt. — (ITA) die kleine aber inhaltsreiche Broschüre bewiesen wird, die j jetzt dankenswerterweise von der DAIA veröffentlicht worden ist. — —:o:— Joseph Wulf: Martin Bormann, Hitlers Schatten. Erschienen im Sigbert Mohn- Verlag, Gütersloh. — Joseph Wulf ist einer (oder der) bedeutendste Forscher der Geschichte während der nationalsozialistischen Aera. Seine Werke sind die grund. legenden Standard - Bücher für diese zeit, jedenfalls auf dem Gebiet der Politik gegenüber den Juden. Das Buch über Bormann ist das erste, das es über diesen Schatten Hitlers gibt, von dem man bis heute nicht mit Sicherheit weiss, wo er geblieben ist. Sehr viel Material, das bisher nicht bekannt war, wurde von Wulf erforscht und zur Darstellung ge. brach t. — TEATRO COLON Sábado 20 a las 17 horas; Conc. exatrord. Asoe. Wagneriana y T. Colón: Asoc. Coral Robert Shaw, con su orq. Sábado 20 a las 21 horas: 5ta. f. a sab. “L’Enfant et las Sortileges“ (nueva pres. esc.) fantasía lírica de Maurice Ravel, con: O. Chelavine, M. Garbarini, N. Hofmann, Robert Massar, A. Matiello, E Valori, N. Falzetti, Reg.: Louis Erlös, esc..y vest.: Jean Renoir. — “L'Heure Espag. nole“ (nueva repres. esc.) comed, music. de M. Ravel, con: Denise Duval, Robert Massard, George Shirley. An. ge! Mattiello, Niño Falzetti. — “La Valse“, nueva pres. es. cen.), poema coreográf. de M. Ravel. Coreogr.: Serge Lifar, Cuerpo de Baile del T. Colón, nueva pres. escén. Dir. de orq.: George Sebastian. — Orq. y coro estables del Teatro Colón. Domingo 21 a las 17 hs.: “L’Enfant et les Sortigeles“, “L'Heure Espagnole“ de M. Ravel, con los mismos intérpretes del día 20. Domingo 21 a ias 22 horas: Conc. extraord. Asoc. Wagne. riana y T. Colón: Asoc. Coral Robert Shaw con su orq. Lunes 22 a las 21.30 horas: 3er. conc. orq. Filarmónica de Bs. As.. Dir. Vladimir Golschmann. Sol.: Pedro Chiamrabetta (fagot). Miércoles 24 a las 21 horas: función extraordin. Bal. letts. “Fedra“ (Cocteau-Auric), “Romeo y Julieta“ (P. Tschaikowsky), “Suite en Blanco“ (LAlo), “Passion“ (Franck). Dir. de orq.: Juan E. Martini. Coreogr.: Serge Lifar. Orq. Filarm. de Buenos Aires. Cuerpo estable del Teatro Colón. Das neue jüdische Paris dert, den Schal umzutun, um sich nicht zu erkälten. Fazit: ein interessantes, hervorragend gespieltes Stück mit erregenden Problemen, die leider schief gesehen sind und weder vom nationalen noch vom religiösen Juden in dieser Forrr positiv bewertet werden können. Dr. Karl Kost Unter fünf Millionen Einwohnern gibt es 300.000 Juden in Paris. Das ist noch lange nicht das gleiche Ver. hältnis wie 'in New York, wo jeder vierte Einwohner aus der jüdischen Gemeinschaft stammt. Es gibt eine Anzahl jüdischer Sehenswürdigkeiten, wie die Synagoge aus dem 16. Jahrhundert, das Denkmal für den Unbekannten jüdischen Märtyrer und das , .Pietzl“ rund um die Rue des Rosiers, das aber bei weitem nie den Umfang angenommen hatte wie Whitechapel in London oder die East Side in New York. Ent. standen sind aber neue Quartiere, in denen die Juden aus Tunis, Marokko und Algier den Ton angeben. Auf dem Pietzl gibt es zahlreiche jüdische Metzgereien aus Nordafrika, die nunmehr ihre Spezialitäten anbieten und nicht den Tscholent aus den europäischen Zeiten. Auf dem Pietzl besteht im. mer noch die Arbeitsschule, die von französischen Juden im Jahre 1840 gegründet wurde, um der jüdischen Jugend eine berufliche Ausbildung zu sichern und um sie so von den Strassen fernzuhalten, Nunmehr hat der ORT diese Schule iibernom. men, sie modernisiert und in ■ eine den neuen Anforderun- ’ gen entsprechende Handelsschule umgewandelt.! In zahlreichen Vorstädten sind Synagogen entstanden und zugleich auch Läden für; koschere Lebensmittel sowie ■ Fleischereien. Im Quartier . Montmartre befindet sich das Tag- und Nachtasyl, das den Namen von Kardinal Salege; aus Toulouse trägt. In der : Inschrift heisst es. dass der Erzbischof von Toulouse in den schwärzesten Stunden j der Besetzung die Stimme I des menschlichen Gewissens l gegen den Rassissmus Hitlers und den Antisemitismus : habe ertönen lassen. Das Gebäude w’urde vor 40 Jahren den osteuropäischen . Einwanderern zur Verfügung gestellt. Heute ist es ■ von 140 Algeriern belegt.; Hier werden täglich 1.200 Mahlzeiten ausgegeben. Nach dem Essen verschwinden die meisten, um sich Arbeit zu suchen, was nicht so leicht ist, weil die Berufe, die sie in Algerien ausgeübt haben, in Frankreich nicht gesucht sind. Aber sie gehören doch zum ganzen Bild und lernen, dass es ohne Arbeit nicht geht, und nur damit können sie das Trauma ihrer Versetzung in eine andere Umgebung überwinden. ANLAESSLICH DES 150. JAHRESTAGES SEIT DEM JUDENEDIKT VOM 10. JUNI 1813. dem Beginn der Emanzipation des bayerischen Judentums, erschien soeben im Dr. Olzog-Veriag (vorm. Isar Verlag) München und Wien das Werk von: STEFAN SCHWARZ: Judtn in Bayern im Wandei der Zeiten mit einem Vorwort des bayerische»* Ministerpräsiden, ten ALFONS GOPPEL. Es ist ein Buch, welches die Geechichte der Juden in Bayern aufgrund bis jetzt unveröffentlichten Ak tenm ateríais schildert. Namhafte Profeesoren und Historiker schreiben nach Ueberpriifung des Manuskripts: ,,Schwarz kann Anspruch darauf erheben, die erste erschöpfende Gestaltung des Judenedikts geschaffen zu haben“. — „Das Buch verdient ein Standardwerk zur Geschichte der Juden in Bayern zu werden." „Das Werk ist nicht nur lesenswert, sondern auch zum Nachdenken anregend." „Das Werk verdient die weiteste Verbreitung.“

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