Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2069 (19.6.1964)
- Date
- 1964-06-19
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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TW Vier ne«, 19 de Junto de t964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 306# — fr Der Zeuge Thadeus Paczula Es wird schon 50 Tage im Auschwitz-Prozess verhandelt, der in Frankfurt am Main abläuft, der Stadt Goethes, einem Zentrum der deutschen und der Weltkultur. Nichts bringt dem Betrach, ter die Vergangenheit so lebendig und eindrucksvoll in Erinnerung wie die schlichte Tatsache, dass im gleichen Frankfurt jetzt gegen Kriegsverbrecher zu Gericht gesessen wird. Das „Volk der Dich, ter und Denker“ war eben zum Volk der Massenmörder geworden... Die wenigsten lesen die ausführlichen Berichte, die in einigen deutschen Zeitungen tagtäglich (soweit das Gericht tagt) veröffentlicht werden. Was dort vor dem Tribunal gesagt wird, ist meist so schrecklich und beeindruckend, dass die Tribünen nicht ruhig bleiben kön. nen. War denn das alles wirklich , möglich?, fragen sich auch solche, die von den Grausamkeiten hören und keine Zweifel hegen. Solche Verbrechen, wie Zeugen diese gesehen haben, konnten überhaupt von Menschen und dann noch von sogenannten „gebildeten“ Menschen wie den Aerzten begangen werden Und dann sieht man noch diese Uebeltäter vor sich, wie sie in bequemen Stühlen zuhören, grinsen, reagieren oder unbeweglich dasitzen. Man hört ihre Stimmen, wie sie leugnen, bestreiten, schweigen; wie feige sie doch sind, die einmal selbst, ohne irgendjemanden zu fragen, über das Leben von ungezählten, ihnen willkürlich ausgelieferten Opfern bestimmten. Man braucht nicht lange zu überlegen, welcher , Ge ist“ in einem Land geherrscht hat, dessen Volk zu solchen Untaten fähig wurde Diese Schande wird niemand mit einer Handbewegung weglö sehen können, was auch immer geschehen möge. — Mehrere Male wurde der Zeuge Dr. Tnadeus Paczula von JAKOB KATZ-ROGASEN MOEBELHAUS WATERMANN Das Haus der 3 Geschäf te mit der grössten Auswahl. SARMIENTO 1147 T. E. 35 - 7033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten. Zahlungserleichterungen Zuvorkommende fachmännische Bedienung. vernommen, ein ehemaliger polnischer Widerstandskämpfer, der bereits 1940 von der Gestapo verhaftet und in ein Konzentrationslager verschleppt worden ist. Heute übt der Zeuge seine Tätigkeit als Chirurg aus. Im KZ tätowierte man ihm die Nummer 7725 ein, vom Sommer 1942 ab führte er ein Toten, buch in Auschwitz, wozu er abkommandiert war. 130.000 Namen hat er eingetragen, j befohlen wurde, konnte ich i sie nicht tragen und brauchte einen Handkarren.“ j Aber Paczula durfte in die se Bücher nicht eintragen, . dass seine Schicksalsgenossen erschossen, gehenkt, erschlagen, vergast oder durch | Phenol - Injektionen getötet worden oder einfach verhun. ’ gert waren wenn sie nicht ’ den Selbstmord vorgezogen hatten. Die Opfer deren wahre Todesursache er jeweils ERFOLGE ESHK0LS New York. — Nach seiner 12tägigen, erfolgreichen Reise durch die Vereinigten Staaten begab sich der israelische Premier Levi Eshkol auf einen kurzen Erholungsurlaub in die Schweiz. Als positives Resultat seines USA-Besuches wird ein Abkommen betrachtet, das regelmässig Zusammenkünfte auf hoher Ebene vorsieht, die der Besprechung der jeweils auftauchenden Probleme dienen sollen. Diese Zusammenkünf. te werden es Israel ermöglichen, auf realistischer Grundlage die Fragen der Sicherheit zu besprechen und Vergleiche zu ziehen Auch der nun hergestellte, persönliche Kontakt zwischen Eshkol und Johnson darf nicht unterschätzt werden. So ersuchte Johnson den israelischen Premier, auch weiterhin seinen Rat in regionalen Fragen einzuho. len. Dadurch wird eine Verbindung auf lange Sicht hergestellt, die die eventuellen, verzweifelten Versuche einer plötzlichen Fühlungnahme in Momenten der periodischen Krisen überflüssig macht. Man misst auch dem Verständnis des Präsidenten Johnson für Israels Friedenswillen und seiner Entschlossen, heit, die territoriale Integrität der mittel östlichen Staaten zu schützen, grosse Bedeutung bei. Eshkol erklärte in Washington, dass Israels wirtschaftliche Schwierigkeiten mit der Notwendigkeit Zusammenhängen, ungewöhnliche kostspielige Massnahmen für seine Verteidigung ergreifen zu müssen. Es war nötig, dies zu erklären, um eine Fortsetzung der Unterstützungen, die immer wieder reduziert wurden, zu erzielen. Es gelang Eshkol, in den Vereinigten Staaten einen generellen, guten Eindruck von Israel zu hinterlassen. In der Fühlungnahme mit dem nordamerikanischen Judentum ergab es sich, dass die Unterscheidung zwischen zionistischen und nichtzionistischen Juden sich langsam verwischt. Eshkol sah erfreut, dass die Aufforderung zur Alija heute auf viel weniger Widerstand stösst, wie etwa vor 10 Jahren. Er verliess Nordamerika in der Ueberzeugung, dass man die jüdische Jugend der USA, insbesondere die befähigte und gebildete Jugend, in erhöhtem Mass für Israel interessieren mus Auch die Zusammenkünfte mit den religiösen Führern der jüdischen Gemeinden Nordamerikas verliefen zufriedenstellend und fanden ihren Höhepunkt in der Verleihung eines Ehrendoktorats der Jeschiwa-Universität. (ITA) solchen „amtsärztlichen Bericht“ über ihren „natürlichen“ Tod. | Die SS befasste sich mit diesen Berichten nur wenn i es bei einem ermordeten deutj sehen Häftling Aerger mit | der Versicherung gegeben hatte. Wenn nämlich zum Beispiel mit dem „amtsärztlichen Bericht“ der Versicherung mitgeteilt worden war, dass der Versicherte einer am linken Bein aufgetretenen Sepsis erlegen sei, obwohl man ihn bereits als Beinamputierten ins Lager verschleppt hatte. „Am 11. Oktober 1943 wurde mein Freund Kasimierz \ Kowalchzyk, Häftlingsnummer 353, erschossen", erin. nert sich Dr. Paczula mit mathematischer Genauigkeit. — „Stimmt“, bekräftigt Ergänzungsrichter Hümmerich nach einem Blick in das ihm vorliegende Bunkerbuch Und Paczula weiss auch ganz ge. nau, warum Kow'alchzyk erschossen wurde: er hatte eine von Boger gewünschte Karteikarte nicht gefunden. Das gleiche Schicksal erlitt nach den Bekundungen Paczulas Henryk Sokolowski, Häftlingsnummer 13.239, weil; er Boger nicht „zackig ge. j nug“ Meldung gemacht hatte. Boger sei wie eine Katze I durch die Zimmer geschli-! chen, unerwartet aufgetaucht t und habe die Häftlinge mit [ plötzlichen Fragen erschreckt. Deshalb hatte Paczula den I Pförtner des Krankenhaus! angewiesen, jedes Auftau- | eben Bogers auf der Lager. Strasse sofort zu signalisieren. So konnte Paczula seinerseits Boger konsternieren, wenn er ihm sofort beim Betreten des Zimmers die Meldung entgegenbrüllte. „Lassen Sie die Meldung!“ habe Boger dann freundlich abgewinkt und gesagt, er ha. be ganz vergessen, weshalb er gekommen sei. So habe ihn der Pförtner i aucli sofort aufmerksam gemacht, als Boger etwa Anfang Sommer 1943 zwei ältere, grosse und kräftige hö. here sowjetische Offiziere zum Hof mit der berüchtigten Schwarzen Wand führte. „Gleichzeitig sah ich hinter LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUEVREDON 319«, 1? i*q-T. E. 83-2613 19. Juni 1964 9. Tamus 5724 ’ den Offizieren zwei Leichenträger laufen. Sie trugen einen Trog. Das Tor ging auf, und nach vier, fünf Minuten habe ich zwei Schüsse gehört. Kurz darauf kam Bo. ger allein heraus, und die Leichenträger liefen sehr schnell zum Block 28. Ich lief ebenfalls zum Block 28. Eis war ja mein Ressort, mich mit Leichen zu befassen. Dort sah ich die beiden erschossenen russischen Offiziere nackt zusammen in einem Sarg liegen. Ihre Körper w'aren noch warm. Ich habe sie selbst berührt.“ Zwar habe ich nie selbst gesehen, wie der Angeklagte Boger an der Schwarzen Wand Häftlinge erschoss, sagte der Zeuge weiter, aber die Leichenträger hätten es ihm jedesmal erzählt. Eis sei. en sehr viele gewesen. Auch der Angeklagte Dylewski habe sich an den Erschiessungen beteiligt, aber im Gegensatz zu Boger nur in einigen Fällen. Als Staatsanwalt Vogel wis. sen wollte, wie viele Menschen an der Schwarzen Wand erschossen worden seien, meinte Paczula, es seien Tausende gewesen. ..Am 28. Trinkwasser "" vom Roten Meer Tel Aviv. — Die Bevölkerung der Stadt Elat am Roten Meer trank kürzlich zum ersten Mal das nach der Methode des Dr. Zarjin destit.! lierte Wasser des Meeres. Diese Methode besteht in der i Eänfrierung des Wassers. Die; erste Entsalzungsanlage die- | ser Art produziert 590 Kubik. meter Süsswaser pro Tag. —.! (ITA) | Oktober 1942 — es war mein; Namenstag — wurden 288 1 Personen erschossen, daruni ter dreissig, die meinen Ni*. . men trugen.“ I Das waren die Methoden bei . politischen Gefangenen. Was bei den Treibereien in die Gaskammern geschah, wurde bereits von anderen Zeugen dargestellt. ES herrschte ein Grauen, das niemand sich in seiner Gesamtheit vorstellen, begreifen oder erfühlen kann. Das war Auschwitz. Aber dieses Auschwitz war zwar das grösste, aber nur eines unter vielen Stätten des Todes. — ANZIEHEND ANGEZOGEN mit CARLTON-Kleidung in Fertigkleidung die Gesamtlinie Stabiloform m. r. in Massarbeit das Be* ste an Stoffen und Verarbeitung. Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen. Auch Junioren kaufen gern bei CARLTON. €a\£itm Ernst Koppel Maipü 982 Tel. 31-7845 aber er durfte dort nur dieje. i nigen vermerken, die im Lager eine Nummer hatten, und für die eine Karteikarte angelegt war. Wer aber gleich nach seiner Ankunft vergast wurde, und das waren Millionen, versichert der Zeuge, — wurde nicht einmal der Nummerierung wert befun. den. So könne heute noch nicht einmal eine Nummer die Gewähr dafür bieten, wie viele Männer Frauen und Kinder wirklich in Auschwitz gewesen sind. Im übrigen wurden Frauen una Kinder nicht ins Totenbuch eingetragen... „Es war ein dickes Buch, mit einer schwarzen Hülle. Ich habe mehrere solcher Bücher gefüllt. Als ich einmal mit sämtlichen Totenbüchern zum Standortarzt vom Chef des Leichenträgerkommandos erfuhr, waren nur als gestorben zu registrieren. Lediglich bei den wenigen, die von einem Standgericht zum Tode verurteilt und in Auschwitz durch ein offizielles Exekutionskommando hingerichtet wurden, war eine echte Eintragung erlaubt. Für die „auf der Flucht erschossenen und in den Freitod geflohenen Häftlingen mussten in sechsfacher Ausfertigung amtsärztliche Be. richte gemacht werden, ohne dass es Sektionen gegeben hätte. Ein nach Auschwitz als Häftling verschleppter slowakischer Medizinstudent sah sich nach den Bekundungen Paczulas im Leichenkeller diese Toten lediglich kurz an und verfasste dann einen Teppichhaus - M. Hochberg UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKTUPFTEN TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN FUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. Eigene Fabrikation — UnrerbindHehe Vorführung Auf Wunsch Zahlungserleichternngen MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND GROESSEN. AUSLEGEN VON APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. Verkauf an Private nur Samstag und Sonntag 9—19 Uhr inj Ausstellungshaus Calle ANDONAEGUI 2083 Tel.: 52-2993 4 Quader von Station Urquiza WIR ZAHLEN DIE BESTEN PREISE Man spricht Deutsch CASA PIANO S.A. 34/SAN MARTIN. 128 I ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky 4SUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRÄGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung ★ BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—18 Uhr T. 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