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Jüdische Wochenschau · 1964-04-17 · 2060 (17.4.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2060 (17.4.1964)
Date
1964-04-17
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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AEGYPTISCHEN BLITZ« Der Stabschef entwaffrete mich sofort. Er setzte sich mir gegenüber in ßeinen schwarzen Drehstuhl, wäh rend ich begann: „Ich habe mir hier viele Fragen notiert: aber, natürlich, sollten es solche sein, die Sie nicht . .. “ Raw Aluf JizcnaK Rabin unterbrach mich mit gewinnendem Lächeln: Seien Sie ganz unbesorgt — was mir passt, werde ich beantworten. alles andere — nicht...! Bitte, machen Sie es sich bequem, Tasse Kaffee gefällig? ja. Das is| recht. tHebt den Hörer): Bitte zweimal Kaffee! Rauchen Sie? Dort sind Zigaretten und rechts ein Feuerzeug. Wie nennt man so etwas? „Schon hat er mich einge wickelt!“ Erste Frage: Seit dem Befreiungskrieg traten die Araber jetzt zum ersten Mai zu einer allarabischen Gipfelkonferenz zusammen — mit dem ausgesprochenen Ziel der Vernichtung Israels. Was halten Sie von dieser neuen Konstellation? Rabin (bi'.cr.i mich mit seinen blauen Augen an): Ich glaube, Sie sind da im Irrtum. Seit Israels Unabhängigkeitskrieg gab es schon eine Gipfelkcnferenz. In Stoura im Libanon, 1957, wenn ich nicht irre. Damals hatte übrigens Aegypten nicht die Oberhand. Man könnte es so sagen: Trotz allem, was sich dort in Stoura ereignete, ist Nasser tonangebend geblieben, dieser „Hohepriester“. Zur Sache' Schon die Tatsache, dass eine solche arabische Konferenz stattfinden konnte, beweist, dass sie heute zu gemeinsamer Aussprache fähig sind. Und das ist in gewisser Hinsicht als eine Wende zu betrachten. Bisher gipfelten solche Zusammenkünfte in gegenseitigen Schmähungen und Beschimpfungen. Das ist jetzt irgendwie anders geworden. Hussein, z. B., war in der letzten Zeit bereits zweimal in Kairo, und zwar einmal in Begleitung seines Stabschefs Ob allerdings diese Gespräche bereits zu panarabischer Zusammenarbeit geführt haben, ist heute natürlich noch schwerlich festzustellen. Man muss bei alldem sehr wohl zu unterscheiden wissen. Ausspra.- chen brauchen noch nicht unmittelbare Ergebnisse zu bringen, aber — Möglichkeiten können sich daraue durchaus ergeben; wir jedenfalls — schlafen nicht! Ich: Wenn aber das gemeinsame arabische Kommando dennoch praktisch zu operier.n beginnt? R.: Ohne Zweifel kennt jede engere militärische Zusammenarbeit seitens der Araber ein einziges Ziel, nämlich die Liquidierung Israels. Aber wiederum gilt es hier zu unterscheiden, in welchem Masse der blosse Beschluss bereits zur Realisierung führen kann. Vor allen Dingen ist zu untersuchen, inwieweit ein Zentralkommando die ver echiedenen arabischen Heere tatsächlich in seine Gewalt bekommt. Zu Ihrer Frage, was geschehen würde, falls die Sache tatsächlich sprach, reif werden sollte (mit feinem Lächeln): da möchte ich wirklich kein Prophet sein! Aber diese Sache will sorgfältig beobachtet wer den. Waffen sind bis ins letzte auszuwerten Frage: In welchem Masse haben sich die Aegypter mit der Fülle des sowjetischen Kriegsmaterials vertraut gemacht? R.: Ich würde sagen — im allgemeinen wiesen sie mit dem russischen Material umzugehen oder sind auf dem Wege dazu. Das gilt für alle Arten von Flugzeugen, sowohl für die Kampfflugzeuge vom Typ Mig 21 als auch für TU Bomber. Transportmaschinen und Helikopter. Gleichfalls für SA.2- Boden-Luft-Raketen und sicherlich für Geländewaffen wie Tanks und Kanonen, sowie für Marinewaffen — Schlachtschiffe und Raketenboote. Natürlich muss zunächst einmal definiert wer en. was es mit diesem Aus¬ Risiko für Nasser Frage: Aus welchem Grunde, meinen Sie, droht Nasser die ganze Zeit über. oh. pe einzugreifen? Worauf wartet er? R.: (ohne Umschweife): Weil er, im Grunde genommen. n:cht seiner Sache sicher ist. Was könnte ihm nämlich bevorstehen? Ein Angriff ohne Erfolgt:aussich, len. Komplikationen und auch eine Niederlage. Das hefßst, die Rolle des besiegten Angreifers würde er sp’elen. (Ironisch): Nun. ei. nen solchen Luxus kann sieh Ein israelischer Reporter interviewt den G*1* Stabschef der Zahal, RAW ALUF JIZCHM U- Kampf in geordneten Operationen grossen Masstabes, mit Flankendeckung von links und rechts, mit Panzerunterstützung und Fliegerdeckung von oöen (nach langem Nachdenken): Abge. sehen von einigen Fallßchirm- und Kommandotruppen lag, meiner Mei. nung nach, das Kampfni¬ SÄ* Israel empfing im vergangenen Jahr seiner Unabhaengigkeif zahlreiche Staatsvisiten. Ínter diesen Gaesien waren der Koenig -und die Koenigin von Belgien, der Koenig und die Koenigin von Nepal, der Koenig von Burunoi, der Praeüdent des Kongo, der Erste Vizepresident von Perú, ein ehemaliger Praesident Mexikos, der Praesident des Parlaments von Venezuela und Minister aus Afiika, Europa und Asien. wir uns grosse Mühe geben, damit ein solchec- Ansinnen von vornherein vereitelt wird. Unbestritten ist das Hauptproblem — was zu tun ist, um nicht überrascht werden zu können — kurz, auf welche Weise wir stetß kampfbereit bleiben können. Es hängt von uns selber ab. Wenn alleß Erdenkliche, alles Erforderliche getan wird, so wird Nasser keinen Erfolg haben. Angenommen, die Aegypter besehliessen, uns aus der Luft anzugreifen. Die Frage hat allerdings nicht zu lauten, ob die Aegyptei zu einem solchen Entschluss fähig sind, sondern, welche Resultate sie damit erzielen können. Wenn wir täglich, stündlich, jeden Moment bereit «ind, wird das Wagnis für sie nicht verlohnend sein. Darüber hinauß ist ein Angreifer, der den Vorteil der Ueberraschung nicht erfolg, reich ausnutzen kann, sicherlich später viel leichter zu überwältigen. Der Mann Rabin Für einen „zünftigen“ Oberbefehlshaber ausländischer Armeen gehört es sich von jeher, dass seine Brust mit einem ganzen „Klempnerladen“ von Orden, Ehrenzeichen. Medaillen, bunten Quaßten und Schnüren behängen ist — je mehr, desto besser. Auf Raw Aluf Rabins Brust ist lediglich das Flügel-Abzeichen der Fallschirmspringer angeheftet, und auf den Achseln — Der Generalstabsehef ist das, was man einen gutaussehenden Mann nennt _ breitschultrig, stämmig gebaut und ron gewinnendem Wesen: mit hoher Stirn, blonden Haaren mit einem Anflug ins Rötliche. Ein paar Sommersprossen geben dem 42-Jährigen etwas von jungenhaftem Charme. Seine Ausdruckswe'ee ist sparsam, manchmal etwas getragen, doch stets ruhig, sachlich und prägnant. Rabin besitzt die Fähigkeit des ßchnellen, übersichtlichen und gründlichen Kalkulie. renß. Und nun etwas Uber seine Augen: Jizchak Rabin hat ganz hellblaue Augen mit einer besonderen, heute seltenen Eigenschaft: sie blicken einen stetß direkt an. Er besitzt das Lächeln eines Menschen, der viel weiss. doch immer bereit ist, etwaß Neues hinzuzulernen. Phrasen und grosße Worte gibt es nicht bei ihm. Aber alte, abgedroschene Begriffe, wie Pflichterfüllung, Verantwortung, Berufung, erhalten in seinem Munde ihr wirklicheß. ureigenes Gewicht. Rabins Redeweise ist keineswegs aalglatt und diplomatisch ausweichend. Wenn er nicht antworten will, bekommt man unumwunden zu hören: Auf diese Frage gebe ich keine Antwort. Hat er aber beschlossen, etwas zu erwidern, dann kommt eine völlig präzise formulierte Antwort, ohne Umschweife. unmittelbar zur Sache. Seine Persönlichkeit ben mit ten und umgwetrf hi geflügelten „Es ist 2war dennoch m« anderes: können wir Jansen wir« Aegypter.“ Unbestritt Rabin gen wohnlich« Armee. Mi seltene an; hung, ¿eine persönliche ne unbedingt den gegenüt bei Komman bei den Sold Rabin beliet offenen, k chen Weser Feind oder haben wohl d sehen: das Oberbefehls! Rabin jedo wohl kaum Ein Rei mit Na Ein Kurio! raitstabsche Nasser zusa zu freundech haltung und Obstessen, sehen Truppx in ägyptisch« drangen war< des bekannt der zuriiekg war Jizchak tions.Offiziei Lassen w druck „Kenntnis der Waffen“ auf sich hat. Sicherlich ist das ein recht dehnbarer Begriff. In einem gewissen Stadium ist man, sagen wir. imstande zu schie. ssen. Motoren anzulassen. Fahrzeuge in Gang zu brin gen, Flugzeuge zu starten. Das ist eine Sache. In der Folge aber gilt es. das Material maximal auszunutzen, alle objektiven technischen Eigenschaften der Waffe bis ins letzte zur Wirkung zu bringen. Kein Zweifel, dass die Aegypter in der Lage sind, mit dem sowjetischen Material umzugehen. Sehr fraglich bleibt, ob sie mit diesem guten Material ein Maximum an Effekt herausholen können. Und das ist ein himmelweiter Unter, schied! Ich: Eine etwaß hypothetische Frage erlaube ich mir, an Sie zu richten. Ge. setzt den Fall, Zahal würde plötzlich sowjetisches Kriegsmaterial erhalten — würden es unsere Leute schneller und effetklvoller als die Aegypter zu verwenden wissen? R."(sofort, mit absoluter Sicherheit): Ganz bestimmt. In der Beziehung besteht für mich nicht der geringste Zweifel. Zahals Fähigkeiten übersteigen, meiner Ansicht nach, bei' weitem das Operationsvermögen der ägyptischen Armee. Um ein Beispiel zu nennen: Die Methode, mit der sieh Zahal, im Vergleich zu hochqualifizierten europäischen Armeen mit den ,,Hawk“.Raketen vertraut gemacht hat. Wie machen es die Europäer? Sie schicken ein hohes Kontingent ihrer Leute zu Trainungß-Zwecken in die Vereinigten Staaten. Bei uns ist es etwa ein Drittel des in Europa Ueblichen. Warum nur ein Drittel? Ganz ein. fac — aus Gründen der Sparsamkeit. selbst ein Nasser nicht gestatten. Und das in einer Situation. da drei Fünftel seiner Geländetruppen im Jemen gebunden sind. Das wäre, meiner Meinung nach, ein geradezu unlogisches Risiko. Ich: Sie erwähnten gerade den Jemen. Welche Lehren sollten wir aus dem ägyptischen Feldzug im Jemen ziehen? Erwiesen sich die Aegypter dort stärker oder schwächer? R, (erwägi objektiv): Im grossen und ganzen, würde ich sagen, wurde das ägyptische Heer im Jemen vor völlig andere Kampfaufgaben gestellt als solche, die ihm durch seine Ausbildung zum Kampf gegen Israel bekannt sind. Warum ich das behaupte? Nun. im Jemen hatten es die Aegypter mit keiner regulären Armee sondern mit Guerilla-Truppen zu tun. Was das für uns bedeutet, wollten Sie wisßen? Genauso könnte man fragen: Welchen Nutzen könnte man aus den britischen Kampfmethoden von 1936 gegen die arabischen Banden für einen Krieg gegen — Deutschland ziehen? Da bestehen keinerlei Vergleichs - Masstäbe, nicht wahr? Was ist aber im Jemen passiert? Dort kämpften die A-gypter gegen Partisanen. Gruppen, in schwierigem Felsgelände, in dem die Vorteile von Panzertruppen, Luftwaffe und Artillerie überhaupt nicht zur Geltung kommen können. Anderer seits aber zeigen sich gerade unter solchen Bedingun. gen die Fähigkeiten des Individuums, die Führerqualitäten der Offiziere, der Ge.ßt der Formation. Hier stand der ägyptische Mensch im Rampenlicht der Oeffentlichkeit. Das ist ja eine weitaus schwerere entscheidendere Prüfung als ein veau des ägyptischen Soldaten im Jemen unter dem Durchschnitt. Dazu kommt noch ein anderer Umstand: das Prahlern eine Expeditionsarmee, weit entfernt von ihrer Basis zu verßor. gen. Ich möchte jedoch bemerken, dass die Aegypter im Jemen ein nicht zu verachtendes Organisationstalent bewiesen haben. Zusammenfassend aber ist zu sagen, dass die ägyptische Inter, vention im Jemen ein Fiasko auf der ganzen Linie war. Ein politisches Regifne haben sie mit militärischen Mitteln erzwungen, und dennoch — nach eineinhalb Jahren Intervention sitzt Sallal immer noch nicht fest im Sattel. Und wenn die ägyptischen Truppen eines Tages den Jemen räumen werden, dürfte das ganze Kartenhaus zusammenfallen. Was also profitierte Nasser von der ganzen Jemen- Affäre? Nichts! Im Gegenteil, einen riesigen Prestige- Verlust kann er für sich buchen. Und noch etwas: Je länger die ägyptischen Soldaten im Jemen verbleiben müssen, unter schweren Bedingungen und ohne sichtbare Erfolge, umso bedeklicher dürften die Rückwirkungen auf Offiziere und Soldaten zu Tage treten. Welche Bedeutung das für künftige Entwicklungen haben kann — ist nicht ohne weiteres abzuschätzen. Durch keinen Blitzkrieg zu besiegen Ich: Nasser erklärt wie derholt, er beabsichtige, Israel auf einen Hieb zu erledigen. Was meinen Sie dazu? R. (gelassen): Ich bin sicher, dass Israel nicht durch einen Blitzkrieg zu bezwingen ist. Sicherlich müssen Blick auf die Rednertribüne bei der IS. Konferenz neuer Handel vm Oktober vergwngenen Jahres unter Beteiligung ¡o« ¡¡q , aus 62 Laendem in Israel stattfand. w_ mm la mm y V I mm lÄti / ÜliP das Rangabzeichen, das ist alles. Die Kleidung des Genera.’ctatßchefs: Zahal.Uniform tadellos gebügelt, mit offenem Kragen. Der ganze Mann keine Spur von generalhafter Eitelkeit und Angeberei. ‘ Genauso sieht es in seinem Arbeitszimmer aus — einfach und zweckmässig ist alles: ein Schreibtisch, drei kleine Sessel für Gäste, Landkarten an den Wänden, in den Bücher.Gestellen — Enzyklopädien, strategische Werke und kupferne Flugzeug-Modelle. In der Ecke ein kleineß Tischchen mit ei ner Vase voller Rosen, fri. scher Rosen, wie ich feststelite. Als einzige „Trophäe“ bemerkte ich: einen silbernen Schild, ein Ge schenk deß Vize-Stabschefs von Thailand. strahlt die innere Ausgeglichenheit eines Mannes aus, der mit Bich selbst im Reinen ist. Ungewoehnliche Popularitaet Diejenigen, die ihn von der Palmach her kennen, wissen um einige Grundzüge seines Charakters: Aeusserst logisches Urteilsvermögen, ein ungewöhnliches Talent des Aufeinander-Abstimmens militärischer Zusammenhänge, eeibständiges, originelles Denken, Intuition bei schwierigen Kampfhandlungen, und ein Soldat, der zum Kommandanten herangewachsen ist. Einer von denen ist er, die die Palmach Theorie erdacht und geschaffen ha- £ts ^ration$ tose Zeit ***1 des} “en> Treff, ftdenel kLPter lan. 5Llertei< T i,"1»«* ft1 US« 2$ vf;

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