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Jüdische Wochenschau · 1964-03-20 · 2056 (20.3.1964) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2056 (20.3.1964)
Date
1964-03-20
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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r 4 — Viernes, 20 de Marzo de 1964 LA SEMANA ISRAELITA — lío. 2086 ri™ HeKl fistlUâfsS ,v 2190 1 St. T. E. 83-2613 Leopold Kessler (1864-1944) Eines Tages erhielt Leo-, pold Kessler ein Schreiben j von einem Studienkollegen, den er 25 Jahre nicht gesehen hatte. „Skid Sie derselbe Kessler, dessen Namen ich öfters in den Zeitungen \ über Zionistenkongresse ge. j lesen habe?“ Wer war dieser Mann, über den Herzl von JOSEF FRAENKEL und ohne Sentiment. ,,Wirin Südafrika sind praktische Menschen“, meinte er und berichtete über die dortige zionistische Tätigkeit. Herzl gefiel sein bescheidenes Auftreten, und in seiner Schlussrede lobte er die Zionisten geschrieben hatte: „Kessler j aue Südafrika, die gefällt mir durch seine Ruhe sehr gut als Leiter.“ Kessler entstammte einer Familie in Gleiwitz, Ober (Schlesien, die sich hier vor etwa 250 Jahren niedergelassen hatt. Durch einige Generationen waren sie Kupferschmiede. Ein Kessler wanderte nach Palästina aus,- um dort zu sterben. Jakob Keslere, der Vater von Leopold, iibeisiedelte nach Tarnowitz, nicht weit von Gleiwitz, heiratete Johanna, die Tochter von Ja ..aus unerwarteten Gegenden und aus unerwartetem Kreise“ für den Zionismus arbeite, ten. Kessler, der sich auch durch praktische Anträge in der Finanzkommission Sympathien erworben hatte, wurdevom Kongress als Mitglied des Grossen Aktionseomites gewählt. Bald darauf, im Jahre 1900, machte er eine Studienreise nach Palästina. Er blieb hier einige Monate, besuchte alle Kolonien und interessierte eich für die geographischen. Das Resultat war, dass England El Arisch (Sinai-Halbinsel) für jüdische Kolonisation angeboten hatte. Mit Zustimmung der englischen Regierung sollte die Zionistische Organisation eine Expedition nach El Arisch schicken, um dort die Möglichkeit einer Kolonisation zu prüfen. So hatte Herzl die Verbindung mit der englischen Regierung hergestellt, die später zur Bal. four-Deklaration führte. Noch während der Verhandlungen dachte Herzl an Kessler und schrieb an Cowen, um Kesslers Zustim. mung für die Expedition zu gewimen. Oskar Marmorek. stinas. als Mitglieder der Expedition eingeladen. Ferner nahmen teil: O. MarmOrek, Col. Albert Goldsmid (ein ehemaliger Führer der Chovvere Zion in England, der in den Jahren 1892—1893 Leiter der Kolonien von Baron Hirsch in Argentinien war), Ingenieur G. H. Stephens (ein Expert in Bewässerungsproblemea), Professor Laureat, vom landwirtschaftlichen Institut in Gembloux. und Th. Humphreys, j ein Vertreter der ägypti. j sehen Regierung. Leopold Gremberg sollte die Ver-: handlungen in Kairo führen, und Kessler wurde als Leij ter der Expedition, wie auch als Kassierer und Fachexperte für Geologie bestimmt. Herzl gab Kessler eine Au. Die jüdische Erziehung im Namen der Zionistischen j ter.'c-ation am 28. Januar Exekutive appellierte an I 1902, zählte seine Aufgaben Kessler: ,Ich weiss niemankob Feig, der zu den ersten landwirtschaftlichen und po’! dender sie .Turio« oohiirlp d)b Rftph? I ka:_1_ . . : VAnn+nic*cö Vxxsi und Ihre Juden gehörte, die das Recht erhalten hatten, hier zu wohnen. Leopold Kessler 'geh. am 4. Februar 1864 in Tarnowitz — gest. am 3. Januar 1944 in New York) besuchte das troleum mit genauen Anga litischen Verhältnisse des i Kenntnisse bei unserer Ex- Landes. In einem ausführli- I pedition ersetzen konnte, alchen Bericht an Herzl bei so müssen Sie a.s pflicht schäftigte sieh Kessler mit i treuer Genosse und Zionist der Möglichkeit des Vorhan-! das schler Unmögliche doch denseins vcn Kohle und Pe. 1 möglich uid Pflichten auf und verlangte, dass die Mitglieder der Expedition tägliche Beratungen führen sollten. „In diesem Rate haben Sie den Vorsitz, geben Ihre Stimme Jerusalem: — Die israelische Regierung bekundete ihr “höchstes Interesse” an der jüdischen Erziehungsarbeit der Zionistischen Weltorganisation, das sie in einem Comuniqué zum Ausdruck brachte, welches nach einer gemeinsamen Sitzung des Kabinetts und der Exekutive der Organisation veröffentlicht wurde. Darin wurde, „die Bemühung zur Stärkung des zionistischen Geistes und des jüdischen Lebens als eine Frage v«n lebenswichtiger Bedeutung für den j vidisehen Staat und die ZWO“ hervor gehooen, der vonseiten der Regierung volle Unterstützung ver sorochen wird. Das Thema der gemeinsamen Sitzung bildeten die Gefahren der Assimilation, von der viele Gemeinden bedroht sind und zu denen sich das Fehlen kultureller, religiöser und anderer Freiheiten gesellt. Besonderes Gewicht wurde auf die Notwendigkeit gelegt, die Identität des jüdischen Volkes zu erhalten und die Bande mit Israel zu stärken. Realgymnasium und studierte an der Bergakademie in Freiberg, wo er Mitglied der deutschen Studentenverbindung „Teutonia" wurde. Aehnlich wie bei Herzl, der der wiener Verbindung „Albia“ angehört und sie wegen eines antisemitischen Vor. falles verlassen hatte fühlte sich Kessler fremd in der „Teutonia“. Obzwar er sich als Deutscher betrachtet hatte, genügte ihm eine an. tisemitische Bemerkung, um aus der Verbindung auszutreten. Auch besuchte er ein Jahr die Bergakademie in Berlin, und nach Beendigung der Studien in Freiberg. verliess er Deutschland. Er wollte hier nicht bleiben, da die Juden als Bürger zweiter Klasse behandelt wurden. Antisemitismus nahm Deutschland Inter seine Fittiche und bewegte den jungen Kessler, über die Judenfrage, über Assimilation, sogar über ein jüdisches Palästina nachzudenken. ohne zu einem Resultat zu gelangen. Er hielt sich für einen Weltbürger und hatte dann wenig Interesse für jüdische Probleme. Als Ingenieur ging er zuerst nach Rhodesien und dann nach Transvaal, wo er im Jahre 1896 Leiter verschiedener Grubenunternehmungen wurde. Als im selben Jahre „Der Judenstaat“ von Herzl erschien. weilte er in Johannesburg, und in der Broschüre fand er die Antwort zur Judenfrage, die ihn in der Studentenzeit bewegt hatte. Von nun zn trat er als Zionist auf und gehörte zu den ersten zionistischen Pionieren Südafrikas. Im Jahre 1899 wurde er Präsident der Transvaal Zionist Association und erschien im selben Jahr zum ersten Mal, in Basel. ' Kessler, wohlhabend und unabhängig, hatte eine vielwöchentliche Reise unternommen, und sein Erscheinen auf dem III. Zionistenkongress erregte Aufsehen. Juden aus aller Welt, sogar aus Johannesburg, folgten dem Rufe Herzls. Leopold Kessler, „stürmisch begrüsst“^ sprach auf dem Kongress, wie Immer ruhig, ohne Pathos, sachlich ben der Stellen. Kessler, der sich auch mit der Frage der Araber befasst hatte, schlug vor. eine arabische Zeitung zu fördern. Er war dafür, dass Herzl bei der Türkei vorsprechen sollte, um die Einwanderungsschwierigkeiten zu beseitigen. Optimismus, jüdische Energie, Ausdauer, Intelligenz, gemeinsam mit einer ständigen Einwanderung würden zur tatsächlichen Anerkennung des historischen Anrechts der Juden auf Palästina führen, so erklärte er. Der Bericht Kesslers wurde bei einer Sitzung der Zionistischen Exekutive diskutiert aber Herzl war der Ansicht, dass eine Masseneinwanderung nicht vor der Erreichung des Charters beginnen soll, te, Kessler war auf dem V. Zionistenkongress (1901) anwesend, wurde als Sekretär bestimmt und gehörte der Kolonisators - Kommisssicn an. Er war sicher, dass die grosse Mehrheit der Juden Südafrikas der Zionistischen Organisation beitreten würden, denn das zionistische Interesse dort war proportio., nell grösser als in anderen Ländern. Herzl betrachtete Kessler, der sich unterdessen in London niedergelassen hatte, als Freund und Berater. Er sprach mR ihm vertraulich über Aktionen die er plante, wollte seine Meinung hören und beachtete seine Anregungen. In einem persönlichen Brief an Josef Cowen und Israel Zangwill erklärte Herzl, dass er zur Erhaltung des Charter vom Sultan die moralische und finanzielle Hilfe von Sir Cecil Rhodes, dem einflussreichen englischen Staatsmann in Südafrika, benötigte. Herzl hatte sich darüber mit Kessler unterhalten. In dem Brief vom 20. Januar 1902 schrieb Herzl: ..Kessler machte sich anheischig, mit Sir Francis Montefiore die grossen Südafrikaner zu ge. winnen.“ Aber nichts wurde daraus, denn .Rhodes starb kurz darauf, im März 1902. Im Oktober 1902 wurde Herzl vom Koloirtalminister Chamberlain empfangen. den bei Stimmengleichheit. Jedes Mitglied sollte ein Ta. gebuch führen und sieh über alle Vor- | auf Ehrenwort verpflichten, verständigen; nichst über die Expedition machen." Herzl dankte Kessler für seine Zusage und versprach ihm, dass er ihn kommnisse würde. Am 22. Dezember 1902 erhielt Herzl :n Wien das „historische Dokument“ über El Arisch von Lord Landsdowne, dem Aussenminister. und am selben Tag trug er in sein Tagebuch ein, dass er Marmorek, den Architekten, Kessler, den Ingenieur, und Prof. War. bürg, den Agronomen, für die Expedition ha/ben wollte. :—’ -- -. i Joanne uuo als letzter ab und eatschei- I GIeiCjhzettig wurde betont, rinn Kol Cf i m wvr' » -1 rtl/si n K KrtW* H ¡ .. . __ dass eine jüdische Erziehung und der Unterricht in den Anfangsgründen der hebräischen Sprache die Vorbedingungen für die Ali ja sind. In seiner Rede auf der Eröffnungssitzung des Zionistischen Zentralrats warnte Dr. Nachum Goldmann vor der Gefahr der Assimilation, die heutzutage weitaus ernster sei als zur Zeit der Begründung des Zionismus. Der Augenblick sei gekommen, so führte er aus, in dem die zionistische Bewegung nicht mehr ausschliesslich für Israel arbeiten sondern ihr Augenmerk darauf richten müsse, für den Fortbestand des jüdischen Volkes in der ganzen Welt zu kämpfen.- Dies sei möglich, weil Israel heute stark genug ist, um der Zionistischen Bewegung eine derartige Verlagerung ihrer Arbeit zu gestalten, wobei natürlich die Unterstützung der Absorption, Einwanderung und Kolonisation in Is. rael nicht vernachlässigt werden dürfe. Die Verwirklichung der Aufgabe, die Diaspora zu retten und sie an Israel zu binden, häorge jedoch von der Hilfe de« jüdischen Staates ab, der sich zu diesem Zweck der zionistischen Bewegung als Instrument bedienen müsse. Im Januar 1903 besuchte Herzl wieder London, um mit dem Aussenminister zu verhandeln. Die Kälte und Ruhe der englischen Staatsmänner gefielen ihm. Auch in Kessler sah er dies« Eigenschaften, und er notierte in seinem Tagebuch: „Kess, ler gefällt mir durch seine Ruhe sehr gut als Leiter“ der Expedition. Er wollte von ihm dann einen Bericht über die Besiedelbarkeit von El Aris-ch erhalten, damit er dadurch den Charter bekommen sollte. Auf Vorschlag von Kessler wurden Dr. S. Soskin. der junge Agronom, und Dr. Hillel Joffe, ein Arzt in den Kolcnien Paläohne Zustimmung von Herzl zu veröffentlichen. Ein Unikum ist der Brief der Zustimmung an Herzl, unterschrieben von allen Teilnehmern; sie anerkannten Kessler als „Chef“ und wollten sich seinen Anordnungen unterwerfen. Kessler hatte auch das Recht erhalten, die Expedition aufzulösen. (Vor einigen Jahren übergab der Sohn von Leopold, David F. Kessler (Vorsitzender und gesehäftsführender Direktor ' des „Jewish Chronicle“) t das gesamte Material über| El Arisch, wie auch Dützen-! de Brief von Herzl. Green, berg, Mamorek, Warburg, einige Hundert photographische Aufnahmen (Palästina und El Arisch), ete. an Dr. A. Behl, Direktor der Zionistischen 'Zentralarchive in Jerusalem). Vom 11. Februar bis zum 25. März durchquerten sie das Gebiet. Aegypten kooperierte und verhielt sich freundlich zum Projekt der jüdischen Kolonisation in El Arisch. Der Bericht von Kessler und seinen Mitarbeitern führte aus, dass der Plan von der Bewässerung abhängig wäre und Aegypten zu einem gewissen Grade Nilwasser bewilligen sollte. Man war eines Erfolges sicher, als neue Schwierigkeiten durch Sir William Cromer, dem englischen Ko- Garstin entstanden. Er war Berater der ägyptischen Regierung und von Lord Cromer, dem englischen Kolonialverwalter Aegyptens, und der Ansicht, dass man fünfmal mehr Nilwasser, als die Expedition berechnet hatte, benötigen würde. Aus diesem Grunde hätte Aegypten das Projekt abgelehnt. Obwohl Kessler in einem Ergänzungsberieht hervorgeho-! ben hatte, dass eine Kolonisation auch ohne Nilwasser möglich wäre, und Stephens seine Ansicht wiederholt Ratte, empfahl Garstin eine Ablehnung, was auch geschah. Als die Verhandlungen diese ungünstige Wendung genommen hatten, betraute Herzl auch Kessler und Goldsmid, diese fortzu- JUEDISCHES LEHRHAUS THG - BET ISRAEL - WIZO PROGRAMM UND KURSE WERDEN IN DER ERSTEN APRILHAELFTE BEKANNT GEGEBEN. OFFIZIELLE EROEFFNUNG ENDE APRIL HEBRAEISCHE KURSE Leitung: Rabb. Dr. MEIR ROSENBERG EINSCHREIBUNG SOFORT CRAMER 2070 Tel.: 73-8922 (Bürozeit: Montag. Dienstag. Donnerstag von 15—19 Uhr) setzen, aber es war vergebens. Kessler, als Leiter der Expedition, fand die Anerkennung Herzls. Auf dem VI. Zionistenkongress lobte er den Mann, der in Südafrika reiche Erfahrungen gesammelt hatte, den Zionisten, der wegen seiner Tätigkeit bekannt wurde, und den Ingenieur, der als sehr tüchtiger Fachman geehrt werde. Kesslers Name macht* die Runde durch die Welt. Der Präsident der Zionisten Südafrikas schrieb ihm, dass die „Südafrikaner“ auf ihn stolz seien und er des Vertrauens und des Ansehens würdig wäre. Nach El Arisch bot die englische Regierung Uganda (Ostafrika) für jüdische Kolonisation an. Für Herzl war Ostafrika eine weitere Station zur Endstation „Zion“. Auf dem VI. Zicnistenkeagress (August 1903) herrschte zuerst Begeisterung, sogar Chaim Weizmann erklärte, dass er zur Ostafrika-Frage „eine positive Stellung“ hätte. Aber dann kam der Sturm, und auch Weizmann änderte seine Meinung. Herzls Antrag, eine Kommission, die die Ensendung einer Expedition zur Erforschung des Gebietes vorbereiten sollte, wurde mit grosser Majorität angenommen. An der Spitze der neun gewählten Mitglieder der Ostafrika - Kommission befand sich Kessler und u.a. waren auch Prof. Warburg, Co wen, Greenberg und Weizmann. Bald darauf machte Kessler Vorschläge über die Zusammensetzung der Expedition, und am 27. September schickte er Herzl einen Bericht über das Projekt, wobei er seine eigene Ansicht erläuterte. Kessler hielt es fast für aussichtslos „im Herzen von Afrika eine rein europäische Kolonie begründen zu wollen“. Herzl war Kessler dankbar für seine „instruktiven Ausführungen“, die er „beniit. Z«n will, sobald der Moment hierzu eintritt.“ 40 Jab« JMa K#s Die tung « B*si riña", g* rigen Juh*la „„amer te ¡otereseante über das I I Biene yermi chenzeibiaS jiddische?u halb von als einzige." len früher n tinischen St: nen jiddisch* lebt hat. 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