Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2056 (20.3.1964)
- Date
- 1964-03-20
- Page
- [Seite 2] (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viernes. 20 de Marzo de 1084 LA SEMANA ISRAELITA Afto XXV. — No. 2056 Flucht vor Verantwortung I KZ-Arzt tot auf gefunden (Schluss von- Seite 1) die deutschen Gerichte bei diesen Verfahren allgemein auf besonders niedrige Strafen erkannten. Deutsche Gerichte hätten in zwölf Fäl. len die Todesstrafe verhängt.. Drei dieser Todesurteile seien vollstreckt worden, die restlichen nach Ab. Schaffung der Todesstrafe im Mai 1949 durch das Grundgesetz in lebenslanges Zuehthaus umgewandelt worden. Ausserdem sei 75 Mal eine lange Zuchthausstrafe ausgesprochen worden. Aue den Unterlagen des Bundesjustiz - Ministeriums gehe hervor, dass über 80 vH aller rechtkräftig entschiedenen Fälle bis 1954 abgeurteilt waren. Es treffe aleo nicht zu, dass die Verfolgung von NS.-Verbreehen erst mit der Errichtung der Zentralstelle in Ludwigsburg im Jahre 1958 begonnen habe. In der Broschüre stellt der Leiter der Ludwigsburger Zentralstelle zur Unter. Buchung von NS-Verbrechen, Oberstaateanwalt Schule, fest, diese Zenrale habe sich als Hilfsorgan der Rechtspflege bewährt. Seit ihrem Bestehen (1958) habe eie etwa 590 Verfahren gegen Hauptbeschuldigte einleiten können. Schüle erwähnt, es habe festgestellt werden können, dass die Gestapo im Frühjahr 1945 ihren Angehörigen in grosser Zahl falsche Personalausweise zur Verfügung Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1" izq. nachm. 16—IS Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER HOELÏER DIAZ VELEZ 5224 TeL: 89-9349, 33-9305 stellte. Daher habe Adolf Eichmann auch vor alliier, ten wie deutschen Behörden untertauchen können. In der Broschüre wird betont. et: vierde dafür Sorge getragen, dass in den Fällen, die am 8. Mai 1965. dem Stichtag für die Verjährung der Verbrechen des Mordes und der Beihilfe zum Mord aus der nationalsozialistischen Zeit noch offen sind, die Verjährung unterbrochen werde. Hierzu müsste allerdings der Sachverhalt bereite bekannt sein. Es gibt noch sehr viele Sehreekensplätze, an denen furchtbares Unrecht geschehen ist und die grausamsten Morde begangen worden sind, ohne dass die deutschen Ermittlungsbehörden hiervon Kenntnis erhalten haben. Bei dem Umfang der begangenen Verbrechen ist dies trotz der gewiss sehr aktiven Tätigkeit und des vorhandenen Willens der Ludwigsburger Zentralstelle und mancher Staatsanwaltschaften wie der Frankfurter aber garnicht zu erwarten und technisch wie arbeitsmässig kaum möglich. — III. Die Strafe In einer sehr grossen Anzahl der Fälle sind ungewöhnlich geringe Strafen für die schrecklichsten Verbrechen verhängt worden. Diese Frage ist selbstverständlich für die Wiederhereteilung von Rechtegefühl und Rechtsbewusstsein von grösster Bedeutung. Mit dem Sühne- und Rachege. danken hat dieser Fragenkomplex nichts mehr zu tun. Das muss man sich klar machen, wenn man die folgenden Schwierigkeiten er kennen und überwinden wilL Eine Auseinandersetzung mit denen, die stur bei ih rer Behauptung bleiben, die Aburteilung nazistischer Verbrechen sei eine späte Rache, ist leider nicht möglich, weil eie die Probleme nicht erkennen oder nicht sehen wollen. Im heutigen Deutschland ereignen sich viele Mordtaten, darunter ein beachtlicher Prozents ahz von Verbrechen. die sich durch ihre Grausamkeit auszeichnen, vor allem auch Lust- und Kindermorde. Sicherlich wirken auch hier die Folgen des Krieges, der immer zu eii ner allgemeinen Verrohung führt, der Hitler-Krieg be. : sonders. Die deutsche Oeffcntlichkeit ist über solche Fälle — mit Recht — em-; pört, über die sie von den | sensationslustigen Blättern, I besonders den Illustrierten j bis in Einzelheiten unterrich. ' tet wird. Das Detail einessoLchen Falles erweckt nicht 1 r.tn' das Interesse des Lesenden oder Hörenden, weil der Fall delikat tet und vielleicht die Sinnlichkeit PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 des Publikums anreizt, sondern erweckt auch Mitleid mit dem Schicksal eines unglücklichen Menschen, der das Opfer irgendeines brutalen Mörders geworden ist. Vom Gefühl des Mitleids, was doch eigentlich .miterleiden' bedeutet, b.te zum Bewusstsein, liier ist ein Unrecht geschehen, ist mir ein kurzer (psychologischer) Weg. Hieran coli man denken, wenn man die für solche Verbrechen ausgesprochenen Strafmasse liesst. Dass der Richter in den meisten dieser Fälle die Höchststrafe ausspricht, ist sicher: lebenslängliches Zuchthaus. — Die Todesstrafe ist bekanntlich in Deutschland abgeschafft. — Das Publikum empfindet diese Strafzumessungen als gerecht; dies entspricht dem Rechtsgefühl. Sicherlich ist das Rechtegefühl vom Rechtsbewusstsein nicht unabhängig. Berichterstattung in den Zeitungen, der Verlauf der Prozesse, die Erziehung in Schule und Elternhaus, diese Faktoren, jeder für sich und alle zusammen. auch mit solchen, die hier nicht aufgezählt worden sind, schaffen das Rechtsempfinden eines Volkes. We sentlich ist also, dass das Volk die gegen einen Mörder verhängte Höchststrafe als absolut gerecht empfindet. Demgegenüber "stehen die Massenverbrechen, die von den Nazis begangen worden sind. Die Berichterstattung ist nicht sensationell. Die meisten Zeitungen (schreiben kurz. Gewiss ist man im Volke entsetzt. Aber dass dieses cshreckliche Unrecht ate solches auch empfunden wird, darf man nicht erwarten. Dass die Verbrechen lange zurückliegen, nimmt ihnen nichts von ihrer ekelhaften Grausamkeit. Dass es sich nicht um Einzelsondern um Massenschicksale handelt, das ist ein Umstand, der dem Geschehen die Unmittelbarkeit des Mitempfindens nimmt. Alan fühlt mit einem Opfer, aber man kann schon nicht mit Hunderttausenden mitfühlen. Wir Juden können dies sicherlich-, denn es sind doch die Unsrigen, die man dort geschändet und gewürgt hat. Psychologisch aber verliert das Massenverbrechen die Schrecken des Verbrechens am einzelnen. Das Massen - Verbrechen setzt den Wert des Einzellebeits — gewiss nicht für uns oder für andere kultivierte Menschen — aber für die grosse Mehrheit herab. Das ist bedauerlich, aber eine empirisch festgestellte Erscheinung. Mit diesen psychologischen Fakten hat man also zu rechnen. Wenn dann noch die Justiz für hundertfachen Mord noch nicht einmal die Höchststra- Der wegen vielfachen Mordes an Häftlingen im KZ Grossrosen bei Breslau zur Verhaftung ausgeschriebene ehemalige KZ-Arzt Dr, Karl Babor wurde unlängst in einem Fluss bei Addis Abeba tot aufgefunden. Er dürfte Selbstmord aus Furcht wegen eventueller Auslieferung begangen haben. Er hatte sich, anscheinend im Wasser stehend, erschossen. Dr Babor lebte unerkannt zehn Jahre in Addis Abeba wo er zuletzt eine gutgehende Praxis als Gynäkologe hatte. Dats Begräbnte Dr. Babors löste einen politischen Skandal aus. Der offizielle diplomatische Vertreter Oesterreichs in Addis Abeba, Generalkonsul Singer, fand es tunlich, am Grabe des wegen vielfachen Morden steckbrieflich Verfolgten einen Kranz niederzulegen. Aber auch die österreichische Kolonie in Addis Abeba tat desgleichen. Dies erregte grösstes Missfailen bei enem Teil der Angehörigen der Kolonie. Er, kam zu Auseinandersetzungen und Austritten von Mitgliedern. LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190 1? izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. $ 600.— jährl. fe erkennt, wird im Bewusstsein des Volkes die Strafwürdigkeit dieser Verbrechen noch weiter herabgemindert. Beweis: Zu je vier Jahren Zuchthaus wegen gemeinschaftlicher Beihilfe zum gemeinschaftlichen Mord in 82 bzw. 7 Fällen hat das Schwurgericht Karlsruhe den 57 Jahre alten Rechtsmitarbeiter Dr. Hang Schumacher und den 48 Jahre alten Hausverwalter R.. Brünnsrt verurteilt, wobei die Untersuchungshaft auch noch angereehnet wird. Mit anderen Worten erhielt derjenige, der die Mitverantwortung am Tode von 82 Menschen trägt, für jede Mordtat weniger ate 18 Tage. — Dieses auffallend milde Urteil wirkt noch schwächer, weil es sich hier um einen Akademiker handelt, einen Rechtskundigen, der also dag Strafbare seines Verhaltens ohne weiteres erkannt haben muss, auch wenn er sich wie alle diese Mörder auf den Führerbefehl beruft. Solche Urteile demoralisieren, sie schwächen die öffentliche Meinung, erschüttern erneut das Rechts, bewusstsein und verletzen das Rechtsgefühl. Mit dem Bemühen, das gebeugte Recht wiederherzustellen, hat diese Art erneuter Unrechtsjustiz nichtsza tun. IV. Die Flucht Die meisten Nazi-Verbrecher fliehen vor der Verantwortung. Es gibt mehrere Formen der Flucht. Man taucht unter. Man hat noch nicht einmal den Mut, eich zu sich selbst zu bekennen. Die menschliche und persönliche Feigheit tet eh radezu eharakteristis Zeichen für den echten Nazi, der nur dann tapfer als er die schwarzen braunen Bataillone h Frauen und Kindern, schwer bewaffnet gegenüberstand. Deswegen leugnen auch, alle, solange es nur möglich tet, ihre Taten. Sie erzählen, dass sie nichts wissen. Der Verlauf des Auschwitz-Prozesses ißt hierfür ein trauriges Beispiel. Selbst die Adjutanten der Lagerkommandanten behaupten dreist, nichts gewusst zu haben. Nur mit tiefe tem Ekel kann man sich von diesem Schauspiel übelster Feigheit abwenden. Das sind nun die Leute, die auszogen, um „durch ihr Wesen die Welt genesen“ zu. lassen... Wirken Feigheit und Dreistigkeit der Angeklagten deprimierend, so wirkt das Verhalten der Verteidiger als Provokation. Das sind die deutschen Rechtswahrer. heute? —Was kann man von solchen Leuten erwarten, was von einem Volke, das solche Typen duldet? — Diese Frage ist unberechtigt? Gedenket, was euch Amalek tat, und wie es vor wenig mehr als 30 Jahren angefangen hat... Einer der Anwälte, der drei wichtige Angeklagte in Frankfurt verteidigt, wird beschuldigt, an Bluturteilen teilgenommen zu haben. Er bestreitet. bisher wenigstens, obwohl er zugibt, dass er während des Krie. ges in Bromberg Staatsanwalt gewesen ist. Morgen wirder zugeben, übermorgen eingesperrt werden und sich dannaufhängen, die neueste Form der Flucht vor der Verantwortung. Diesen Weg sind einige der schlimmsten Ueheltäter gegangen, zuletzt der Chef der Leibwache Erhards und der Euthanasie-Professor Heyde, der sieh Sawade nannte und mit Hilfe mächtiger, meist noch im Amt befindlicher Freunde im meerum. schlungenen Schleswig-Holstein lange Jahre in Ruhe und unentdeckt arbeiten durfte. Wahrscheinlich sind damit die Akten über die Verbrechen geschlossen, die unter dem Vorwand der Euthanasie begangen worden sind. Es wäre richtig, wenn zur Herstellung des völlig zerstörten deutschen Rechtsbewusstseins das von der Staatsanwaltschaften gesammelte Material in der geeigneten Form der Oeffentlichkeit übergeben werden würde: damit sich nicht wiederhole, was dort geschehen. JUDITH SCHENKOLEWSKf KULTUSSTTCKEREIEN Schabbosdecker - TalJtebeutel - Käppchen Maz zot-Taschen - Hand- und: Maschinenstickerei von Bett- und Tiscmväsehe Dr. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JAG0B LA PID US (Kpl. Moltei NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037 4» B. 46-1716 und 48-2124 Dr. BERNARD0 GOLDSTEIN MEDICO Cardiologia — Hospital Fernand«! Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-8817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr Di*. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt., Frei., 15—19 Uhr Sa-mst. 14—16 Uhr. OLÄZABAL 2512 - 76-7980 Privat 52 7734 VARICES -ULCERAS DE LA PIERNA — ADTERI0S8LER0SIS! 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