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Jüdische Wochenschau · 1964-03-06 · 2054 (6.3.1964) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2054 (6.3.1964)
Date
1964-03-06
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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— Viernes, 6 de Marx« de 1364 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. No. 2054 In den Ruhestand versetzt (Schluss von Seite 1) Amtsgerichterat Kreysßig in seiner Eigenschaft als Vormundschaftsrichter das folgende Schreiben an den Reichsjustizminißter. nachdem ihm immer wieder Akten vorgelegt wurden, in denen die Vormünder bzw Pfleger von Geisteckranken berichteten, dass die Geisteskranken in den Anstalten verstorben seien. Das Schreiben ist in verschiedenen Dokumentensammlungen, u. a. bei Hubert Schorn: ..Der Richter im Dritten Reich“ und ki dem Buch von Ilse Schaff ,.Justiz im Dritten Reich“ abgedruckt. Einleitend berichtet Dr. Kreyssig, als Vormundschaftßrichter in Brandenburg habe er vor kurzem eine Information erhalten, dass ,,neuerdings zahlreiche geisteckranke Insassen von Heil- und Pflegeanstalten durch die SS nach Süddeutschland gebracht und dort in einer Anstalt vom Leben zum Tode gebracht“ würden. Verschiedene Schreiben einer Anstalt in Hartheim, Oberdonau seien Vormündern und Pflegern zugegangen, in denen mitgeteilt worden sei. dacs ihr Pflegling gestorben sei. In den Berichten heisst e,3 dann weiter: Die verwahrende Anstalt habe von .einem Kriegskommissar* oder vom .Kriegßminister* die Anweisung erhalten, den Kranken zur Verlegung in eine andere Anstalt herauszugeben, den Angehörigen aber nichts mit- Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 219« 1* izq. nachm. 16—15 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER HOELZER DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 zuteilen. Diese würden von der aufnehmenden Anstalt benachrichtigt werden. Hierin ctimmen fast alle Berichte überein, ln der Angabe dec Leidens, dem der Kranke in Hartheim erlegen ist, weichen sie voneinander durchaus ab. Auch ist der Inhalt, der an die Angehörigen oder gesetztlichen Vertreter gegebenen Nachrichten verschieden ausführlich. Alle stimmen dagegen wieder in der Bemerkung überein, da?s wegen der im Kriege herrschenden Seuchengefahr der Venstorbene softrt habe eingeäochert werden müssen. In einem Falle handelt es sich um einen wegen Geistescchwäche entmündigten Querulanten, der mehrfach bestraft war. In einem anderen Falle war der Kranke auf Kosten von Verwandten untergebracht Hier hat der Bruder dee Verstorbenen das ihm gesandte Schreiben beigefügt. Es enthält den Satz, dass es aller ärztlichen Kunst nicht gelungen sei, den Kranken am Leben zu erhalten. Nach anderen Akten sind Anzeichen vorhanden, dass auf ähnliche Weise auch in sonstigen Anstalten Kranke verbracht und dort verstorben sind. ,,Es ist mir kaum mehr zweifelhaft, dass die cchubweise aus den Unterbringungisorten abtransportierten | Kranken in der genannten i Anstalt getötet worden sind. Trifft es zu, so ist zu vermuten. daes es weiterhin geschieht. Ich möchte auch nicht durch eigene Erörterungen vorgreifen. Ich berichte daher, obwohl ich bisher nur Beweisanzeichen habe. Ich isetze im folgenden voraus, dass meine Vermutung zutrifft, d. h.. dass man gewisse in Anstaltpfiege befindliche Geisteskranke ohne Wissen der Angehörigen, der gesetzlichen Vertreter und der Vormundschaftsgeriehte, ohne die Gewähr eines geordneten Reehtsgangee und ohne gesetzliche Grundlage zu Tode bringt. Ich weiss, dass . es eine grosse Anzahl Wesen gibt, die nur noch der äusßeren Erscheinlichkeit nach etwas Menschliches haben, im übrigen aber von Geburt an oder durch Zerstörung ihrer geistigen Fähigkeiten ein fast tierhaftes Dasein führen, nach aller menschlichen und ärztlichen Erfahrung nie geheilt werden, in Anstalten versorgt werden müssen, wertvolle Men. ßehenkräfte in grosser Zahl nutzlos beanspruchen und dem Volk ungeheure Summen kosten. Die Frage nach dem Sinn solchen Lebens rührt an die tiefsten Daeeinesfragen überhaupt. Sie führt unmittelbar auf die Frage nach Gott. So ist auch meine Stellung zu ihr und — denke ich — vieler anderer Deutscher und deutscher PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und «verbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdeeken - TalJiebeutel - Käppchen Maz zot-Tasehen - Hand- und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 Richter und durch meinen christlichen Glauben bestimmt. Von dort her ist die .Vernichtung lebensunwerten Lebens* überhaupt ein schwerer Gewißsenanstccs. Leben ist ein Geheimnis Gottes. Sein Sinn ist weder im Blick auf das Einzelwesen noch in dessen Bezogen heit auf die völkische Gemeinschaft zu begreifen. Wahr und weiterhelfend ißt nur, was Gott uns darüber sagt. Es ist darum eine ungeheuerliche Empörung und Anmassung deß Menschen, Leben beenden zu dürfen, weil er mit seiner beschränkten Vernunft eß nicht oder nicht mehr als sinnvoll begreift. Ebenso wie das Vorhandensein solchen hinfälligen Le. berc ist es eine von Gott gegebene Tatsache, daEß es allewege genug Menschen gegeben hat. die fähig waren, solches Leben zu lieben und Zu betreuen, wie rechte Liebe ihre Grösse und den Abglanz Ihrer göttlichen Herkunft gerade dort hat, wo sie nicht nach Sinn und W'erj fragt. Es ißt vermessen, zu beurteilen oder sich darüber hinwegzusetzen, was j wohl .lebenswertes Leben* <. für die ewige Bestimmung der Menschen bedeutet, die damit nach den Ordnungen 1 Gottes afe Eltern oder Angehörige oder Aerzte oder Berufspfleger verbunden eind. Ich weiss ferner, dass , trotzdem mit einer Denkweise gerechnet werden muss, welche das Problem als sittliches und rechtliches ohne Rücksicht auf die Glaubensfrage beurteilen will.“— Richter Kreyssig zitiert bedeutende Strafrechtler und deren Auffassungen über ei» Mindestmass von Rechtssicherheit. Er fragt, welcher Mensch eigentlich wissen könne, was heilbar ist und was nicht. Er verlangt ein Rechtsmittel gegen die Entscheidung zur Tötung von Geisteskranken. Würde tß diese Möglichkeit geben, dann könnten die Verwandten wenigstens den Versuch unternehmen, ihre unglücklichen Angehörigen zu retten. Man könnte bei einem ordentlichen Verfahren ein ärztliches Gutachten darüber vorlegen, ob wirklich eine unheilbare Krankheit vorliege. Die Verwandten hätten das Bewusstsein und Gefühl, da sc alles geschehen sei. wozu sie sich rechtlich und moralisch verpflichtet fühlen. All dies würde jetzt fehlen, so schreibt Kreyssig. Jetzt sind die Kranken dem Tode ausgeliefert, und die Angehörigen, wenn sie einfache Leute sind, wissen garnicht, was sie dagegen zu sagen haben. Sie wissen nur, dass sie damit rechnen müssen, aus Hartheim eines Tages die Nachricht vom unerwarteten Ableben ihres Verwandten und die Auffor- Pottasche für Russland Tel Aviv. — Russland soll beabsichtigen, durch Vermittlung eines anderen Landes grosse Quantitäten israelischer Pottaßche für die Verbesserung seiner Getreideernte zu kaufen. Dieses Produkt dient be kanntlich zur Herstellung aller Arten von Kunstdünger. O'bwor.l in Abrede gestellt worden ist, dass Rueeland bedeutende direkte Aufträge für israelische Pottasche gegeben hat, so verlautete andererseitß. daß« osteuropäische Länder den grössten Teil der 400.000 Tonnen betragenden Jahresproduktion der To. ten-Meer-Werke beßtellt haben. (ITA) derung zu erhalten, die Urne abzuhoku... Der Amtsgerichtsrat schildert dann die Stimmung der Kranken selbst, die damit rechnen miißsen, jeden Tag ins Jenseits befördert zu werden. ,.Jeder weiss wie ich, so fügt er hinzu, dass die Tö. trug Geisteskranker demnächßt als eine tägliche Wirklichkeit ebenso bekannt sein wird, wie die Existenz der Konzentrationslager. Das kann garnicht anders sein.“ Und dann schreibt er dem Reichsjustizminister noch einmal dasselbe, was er bereits in einer Untersuchung dem vernehmenden Beamten gesagt hat: „Recht ißt, was dem Volke nützt. Im Namen dieser furchtbaren, von allen Hütern des Rechts j in Deutschland noch immer unwidersprochenen Lehre sind ganze Gebiete deß Gemeinschaftsleber.ß vom Rechte ausgenommen, vollkommen z. B. die Konzentrationslager. vollkommen nun auch die Heil- und Pflegeanstalten“. Es sei seine Pflicht, so schreibt Kreycsig, als Vormundschaftsrichter für diejenigen einzutreten, die unter seiner Obhut stehen. Es sei weiterhin seine Pflicht, für das Recht einzutreten. „Das will ich tun. Mir scheint auch, dasß mir niemand das abnehmen kann. 'Zuvor aber ist es meine Pflicht, mir Aufklärung und Rat bei meiner Vorgesetzten Dienstbehörde zu holen. Dar. um bitte ich“. — Der Vormundschaftsrichter Dr. Lothar Kreyssig erhielt auf diesen Brief keine Antwort. Daraufhin ging er einen Schritt weiter. Er erstattete nunmehr Anzeige wegen Morde« gegen den Reichsleiter Bormann, den er inzwischen als den Initiator der Aktion gegen die Geisteskranken ermittelt hatte! Ferner untersagte er allen Anstalten, in denen von ihm betreute Entmündigte casßen, schriftlich, solche Anstaltsinsassen der SS auszuliefern. Zu solchem Vorgehen gehörte Mut und Zivilcourage; denn schliesslich gehörte Bormann zur obersten Nazi-Hierarchie. Auch auf die Mordanzeige, die der Amtßgerichtsrat Dr. Kreyssig erstattet hatte, geschah nichts. Er erhielt keine Antwort. Ihm widerfuhr auch kein Leid. Er wurde nicht verhaftet. Er kam in kein Konzentrationslager. Er wurde auch nicht in Schutzhaft genommen. Erst 1942 wurde er in den Ruhestand versetzt. Das gegen ihn schwebende Dienotstrafverfahren wurde eingestellt. Der Reichsjustizminister erklärte, dasß damit eine abschliessende Entscheidung über die gegen den Amtsgerichtsrat erhobenen Vorwürfe getroffen sei... Hier haben wir das Beispiel einee aufrechten Mannes, der sieh dem Morden der Heyde und Genossen entgegengestellt hat. Der Vormundschaftsrichter von Brandenburg hat vor aller Welt durch seine Haltung gezeigt, dass man nicht „einfach musste“, dass man Gesinnung und Menschenwürde 'bewahren konnte, wenn man nur den Willen und den Mut hierzu hatte. Niemals hätten die Schandtaten vollbracht werden können, wenn die oberen Beamten, die Richter und Staatsanwälte, die Aerzte und die Lehrer nicht mitgemacht hätten, wenn Klerus und Offiziere zu den Zumutungen. die ihnen gemacht wurden, nein gesagt hätten. LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190 1? izq. 'T. E. 83-2613 Abono Preise: . Argentinien: í 100.— pro Quartal Ausl. $ 600,— jährl. Für Begnadiguni; Schirachs Bonn. — In einem Telegramm an den sowjetischen Ministerpräsidenten Nikita Krutschew hat sich der Vizepräsident dee westdeutschen Bundestages, Dr. Thomas Dehler, „auß humanitären Gründen“ für die Begnadigung des ehemaligen Reichsjugendführers Baldur von Sehirach eingesetzt. Wie die Pressestelle in Bonn mitteilte, hat Dehler die Botschafter der USA, Grosßbritanniens und Frankreichs über seinen Schritt unterrichtet. Schirach hat bisher mehr als 17 Jahre eine in den Nürnberger Prozessen verhängte Strafe von 20 Jahren Haft im Spandauer Gefängnis für Kriegsverbrecher verbüsst. (AWZ) Aber sie haben geshwiegen, sie haben das Unrecht mitgemaeht und sind deewegen in ihrer überwiegenden Mehrheit schuldig geworden. Die Grösse ihrer Schuld aber kann man erst dann richtig ermeßsen, wenn man das entschlossene Auftreten von Männern würdigt und ehrt, die wie der Amtßgerichtsrat Kreyssig gehandelt haben. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogramme CUBA 2141 T. E. 73-8762 u. 73-6817 Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4» B. 46-1716 und 48-2124 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 u, 76-2312 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. Pirovano Mo., Mitt., Frei., 15—19 Uhr Samst. 14—16 Uhr. OLÄZABAL 2512 - 76-7980 Privat 52 7734 VARICES-ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiente 3116 T. E. 87-1362 VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telei. Vereinbarung Dr. B. Schwanz ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. 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