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Jüdische Wochenschau · 1964-02-07 · 2050 (7.2.1964) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2050 (7.2.1964)
Date
1964-02-07
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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Afl« XT. — No. 2«M 2 — Vi«™««, 7 ile F*Imw« It 1W4 LA SEMANA ISRAELITA Keine Kritik an der Justiz «»»awmsBinjiBni (Schluss ven Seite 1) •wurde ein Arzt, der bisher nur an einem Landeskran kenhaus im Angestellt-enver bältnis beechäftigt war, inzwischen zum beamteten Obermedizinalrat ernannt, obwohl er auch zu den I? Mitwissern Heycfee gehört. Wenn solche offiziellen Schritte unternommen werden. wer wundert sich noch über die Reaktivierung des Neonazismus oder die Wiederbelebung des Altnazi'3 mus? Alle diese Erscheinungen liegen auf der gleichen Linie. Auch der Bundesrat zeigt wenig Initiative. Die Länder Hamburg und Hessen haben den Antrag eingereieht. gewisse gesetzliche Schritte gegen die ehemaligen NS-Richter zu unternehmen, ein Begehren, das >m Jahre 1964 schon ein wenig antiquiert erscheinen müsste. denn es sind so viele Jahre inzwischen vergangen. Wer aber damit ge rechnet hatte, dass diese vie len Jahre ausgereicht hätten. um auch nur die primitiveten Voraussetzungen für den immer wieder proklamierten und mit Sto-lz be haupteten Rechtsstaat zu schaffen, findet sich schwer enttäuscht. Noch immer amtieren Nazirichter... Es sollen nicht mehr viele sein, aber einige sind ec doch. Bei aller Vorsicht ist eS angebracht, von einer Dis. krepanz zwischen Rechtsbewusstsein und Rechtsverfolgung zu sprechen. Einen Beweis hierfür liefert uns ein Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 REAL PEN PUEYRREDON 2190 l? im. nachm. 16—19 Ubr Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89 9349. 33-9305 PROPIEDADES FRANKENBERG S. R. L. D«rät Sie kostenlos und anverbindlieh beim Kauf oder Verkauf von &ESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN V1RREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 Artikel, der unter dem*Titel ..Der Sinn des Auschwitz. Prozesses“. von Johann Ge! org Reissmüller geschrie- , ben. 'n der Frankfurter Allj gemeinen Zeitung (FAZ) vor kurzem erschienen iet. Die j ersten schweren Bedenken \ tauchen auf, wenn man dort auf e'aen Satz wie den folgenden stösst: ..Der Prozess gegen die Wärter von Auschwitz findet statt, weil sie [ verdächtig eind, gemordet ■ zu haben ". Diese Formulie rung, die vielleicht der rechtlichen Situation vom prozessualen ' Standpunkt *iahekommt, steht mit der taL . sächlichen Situation durch!■ aus nicht im Einklang. Das« KZ-Wächter aus Auschwitz j ausnahmslos gemordet haben oder an den dort verübten Verbrechen beteiligt ge. j wesen sind, kann niemand bezweifeln. Wir bestreiten i nicht, da et; die Schuld jedes einzelnen dennoch festge; stellt werden soll, aber die Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation, j wie sie diejenige der KZ- Wächter gewesen ist. allein | genügt bereits, um zu einer schweren Verurteilung zu : gelangen. Eine solche Verurteilung ist auch dann gerechtfertigt. wenn sich eine j solche Bestimmung nicht; haargenau aiv; dem Strafge setzbuch ableiten lassen soll- : te. Bei der ausser jeden Rechtes stehenden Mordtäj tigkeit in Auschwitz gab es; für keinen Gesetzgeber Verj anlaissung, für diese Sehand- 1 taten besondere Paragra- , phen zu schaffen. Aber deshalb. weil es solche Vor- . Schriften angeblich nicht j gibt, einen so kostspieligen Prozess aufzuführen, liegt ebenfalls kein Grund vor. | Schon in den ersten Ver handlungstagen hat es sich; gezeigt. da.c*; diese alten Nazis offensichtlich der Auffas-! sung sind, die Justiz aus den Weimarer Tagen vor sieh zu ■ haben. Einer der Haupt-! schuldigen, der hohe Funktionen in Auschwitz ausge j ü'bt hat. wagte vor den Richtern zu behaupten, er j habe nicht gewusst, was im Lager vor sich ging. Diese Erklärung ging selbst den * Mitangeklagten zu weit, die höhnisch lächelten, als sie : diene Dreistigkeiten hörten. Auch die frankfurter Zeitung, die sich zum Fürsprecher der Rechtsstaatlichkeit immer dann aufspielt, wenn i e<3 ihr opportun erscheint, dürfte wissen, dass diese | Leure nicht verdächtig sind, sondern tatsächlich gemorj det haben. Wem man diesen i Unterweltlern auch noch die! Möglichkeit gibt, sich zu i verteidigen, so iet dies bereits eine Grosszügigkeit, die gerade von diesen Elementen als Schwache aufgelegt wird. Die FAZ wirft dann die Frage auf. „wa3 es für den moralischem Zustand und. di« moralische Perspektive (des deutsehen Volkes) bedeulet, dass die 22 Angeklagten jetzt vor dem Schwurgericht stehen“. Die Antwort ist nach unserer Meinung go wichtig, dass eie zunächst wörtlich abgedruckt werden soll. Sie lautet: ,.Es bedeutet, dass wir uns nicht davor drücken, den Untaten Auge in Auge gegenüberzutreten, die Deutsche an Opfern aus ihrem Volk und awj vielen anderen Völkern in Auschwitz begangen haben. Das ver dient fee {gehalten zu werden. weil der Vorwurf des Verdrängen^ und des Totschweigens nieht verstummt. Er mag verständlich sein, wo er auß der Ungeduld Ueberlebender oder Angehöriger der Ermordeten kommt; aber auch da ist er noch nicht begründet“, weil es schwierig war, die Schuldigen zu entdecken und sie der Täterschaft oder der Schuld z» überführen. Ohn« <üe Schwierigkeiten zu verkennen, die sich auf die Lokalisierung der Schuldigen beziehen, muss doch gegen diese Ausführungen Stellung genommen werden, weil eie erkennen lassen, dass die FAZ nicht die wirkliche Bedeutung dieses wie anderer Prozesse sehen will. Ist es schon befremdend,, wenn an einer so prominenten Stelle versichert wird, man wolle sich nicht davor drücken, cen Untatenaus der Nazizeit ,Auge in Auge' gegenüberzutreten. Die FAZ verkennt ganz offensichtlich den Druck der öffentlichen Meinung nicht nur in Deutschland seihet, wo ja auch noch Kreise vorhanden sind, die auf e'ne Befreiung von solchen Elementen drängen und an, einer Reinigung der belasteten Vergangen, heit interessiert zu sein be haupten. Darüber hinaus gibt es aber einen erheblichen Druck der öffentlichen Meinung ausserhalb der Bundesrepublik, der keineswegs nur von Juden, sondern von verschiedenen westliehen und östlichen Nationen ausgeübt wird. Der deutsche Reichtum reicht nech nicht aus. um dies*» schändlichen Taten aus der Vergangenheit vergessen zu machen. Es gibt noch ge nügend einflussreiche Kreise, die auch auf eine Revision der Beziehungen zu anderen Nationen bestehen könnten, wenn noch nicht einmal dies« selbstverständliche Pflicht erfüllt werden würde, die Auschwitz-Verbrecher zur Verantwortung zu ziehen. Die Deutschen können sich nicht vor der Pflicht drükken, diese Prszeese einzuleiten und abzuschlieseen, auch wenn sie es wirklich wollten. Noch _stehen die Schatten ihrer Vergangenheit zu deutlich vor den Augen aller europäischen Nationen,, deren Söhne und Töchter in Auschwitz ver- Bonn. — Der 49jährige Ewald Peters. Chef der Leibwache des Bundespräsidenten Heinrich Liibke und des Kanzlers Ludwig Erhard, hing sich in seiner Zelle im Gefängnis von Dortmund auf. Er war einige Tage zuvor eingesperrt worden, weil er der Mittäterßchaft an der Ermordung von 21000 Juden in Ruse-land während des Krieges beschuldigt wurde. Die Verhaftung des Peters erfolgte wenige Stunden nach seiner Rückkehr aus Rom, wo er die Sicherheits- Maßsnahmen für den offiziellen Besuch Erhards in der italienischen Hauptstadt begutachtete. Die Festnahme rief grosse Erregung in hohen deutschen Regierungskreise n hervor. In dem von einem Stadtrichter ausgestellten Haftbefehl hie?ß es nur, Peters sei ,,verdächtig“, ohne dass die ihm zur Last gelegten Verbrechen spezifiziert wurden. Er wurde unverzüglich von Innenminister Herrn arn Höeherle seines Postens enthoben. Während des Kriege« diente Peters in der deutschen Armee in Russland. Er stand im Rang eines Polizeioffiziers, war jedoch weder Mitglied der Gestapo noch der SS. Peters war der persönliche Leibwächter der höchsten deutschen Regierung);beamten und Mitglied des in Bonn amtierenden Büros der deutschen Bundespolizei. Erst kürzlich hatte er Bundeskanzler Erhard auf seiner Reise nach Texre begleitet, wo dieser mit dem Präsidenten Lyndon Johnecn zusammentraf. Er war auch mit der Sicherheit des Präsidenten Kennedy betraut, als dieser im vergangenen Jahr Westdeutschland besuchte. (ITA) U SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado poc- Estrellas Editorial Lída. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190. D izq, T. E. 83-2613 Abono-Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. $ 600,— jährl. brannt, vergast, verstümmelt, erschossen oder auf sonstige Weise ermordet worden sind. Aus welcher Geisteshaltung diese Zeilen der FAZ geschrieben sind, ergibt auch die eigenartige Formulierung bei der Aufzählung der Opfer, bei der die deutschen Opfer, die es auch gegeben haben mag, als erste genannt werden, obwohl sie die geringsten gewesen sind. Allein über zwei Millionen Juden haben in Auschwitz den Tod gefunden, ausser den Polen. Tschechen, Ungarn, Zigeunern, Franzosen, Hol ländern uew. FAiZ-Redakteur Reissmüller weiss das offensichtlich nicht. Für ihn stehen die deutschen Opfer an der Spitze, deren Tod wir ebenso wie den aller anderen Opfer beklagen, und die durch ihren Tod bewiesen haben, das« auch Deutsche nieht zu Mördern werde* mussten. Wenn heute der Vorwurf des Verdrängens und des Totschweigens nicht verstummt, dam doch aus ganz anderen als den Gründen, die Herr Reissmüller hierfür angibt. Gewiss haben Ueberlebende und Angehörige der j Opfer einen Anspruch dar- '■ auf zu drängen, dass wenig stens den geringsten Anfor- derungen der Gerechtigkeit | entsprochen wird. Es wäre aber ein trauriges Zeichen i für die geistige, moralische j und politische Einstellung des neuen Deutschland«,; wenn sich nur die unmittel- ' I bar Betroffenen gegen das Stillschweigen wenden wür- | den. Reeht ist niemals eine Sache einzelner, denen Un.; recht geschah, sondern die I Angelegenheit aller Men- : aehen und Völker, die — be sondere in diesem Fall — ein gleiches Interesse daran I haben, dass die grausamsten j Verbrechen der Geschichte i ihren Richter finden. j Nicht) «Ke Verurteilung der 1; Mörder, sondern «Ke WiederhersteHfmg des Rechtes ist :; der tiefere Sinn der Kriegsverbrecher Prozesse. | Der FAZ-Autor kommt ' dann noch einmal auf die ' Frage der Kollektivschuld zurück: „Zwar gibt es keine Kollektivs ehuld, rechtlich : nicht und ebenso wenig me- I ralisch“, meint er katego : : risch. D'asi; es andere Ansichten über dieses Thema '■ gibt, übergeht er. Aus wel- '; chen Gründen es keine j ' rechtliche und keine mora-! i lische Kollektivschuld geben j solle, wird nicht gesagt. Dennoch (schreibt dann der; Autor, mit der Ablehnung j der Kollektivschuld sei noch! nicht alles getan. Ihm ist [ bei «einer eigenen Argumee tation deutlich sichtbar nicht ' geheuer. Er führt aus: Es sei damit noeh nichts darüber gesagt, ,,ob nicht viele einzelne, vielleicht die Mehrheit der einzelnen, zumindest mit ihrer Gleichgültigkeit. mit ihrem geflissentlichen Wegsehen, durch iiwr Mit tun den Boden mitbereitet haben, auf dem die Morde in Auschwitz geschehen konnten...“ Die Frage der moralischen Verantwortung müsse sich jeder Bürger selbst «teilen, niemand könne ihr aus weichen. Die Antwort auf die Frage der eigenen Verantwortung jedem einzelnen Bürger zu überlassen, muss zu einem Chaos der Meinungen und der Gefühle führen. Wenn schon von einem ,,Mittun“ gesprochen wird, so greift die« aua der Sphäre des Individuums hinaus und «lebt im Blickfeld der allgemeinen Kritik und Be- bzw. Verurteilung. Gerade wegen der Schrecklichkeit der Vergangenheit ist es geboten, klar zu sprechen, dass es hier nicht um Verantwortung geht, die der einzelne übernehmen mag oder nicht, sondern um die moralische Schuld, die eine Gesamtheit, ein Kollektiv trifft. Aus Verantwortung und Schuld aber hätten sich ganz andere als die Folgerungen ergeben. die heute in der Bundesrepublik sichtbar sind. — Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardio I ogia — Hospital Fernandez Radi« X — Durehleschteng — Eleetroc ardiogram me IM FEBRUAR VERREIST Vertreter: Dr. SANGUINETTI — T. E. 76 2406 Dr. HERSZKOWICZ 70-4484 y 701-3223 JUDfTH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdeeken - TaiJiebeutel - Käppchen - Mazzot-Taschen - Hand und Maschkienstiekerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dipl. 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