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Jüdische Wochenschau · 1964-01-31 · 2049 (31.1.1964) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2049 (31.1.1964)
Date
1964-01-31
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viente«, M de Enero de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2049 — t Abschied von Nehemiah Robinson Nehemiah Robinson wurde in einem geographischen Ge In einer für die Verfolgten kritischen Stunde haben wir jetzt in Lakewood unseren besten Mann verloren — Dr. Nehemiah Robinson, der die Ehrenbezeichnung „Mr. Wiedergutmachung“ verdient. Dieses arbeitsreiche Leben, Dienst zu tun nicht »ach Anerkennung zu fragen, sondern auf dem Platz, auf den die Gemeinschaft ihn gestellt hat, das Best mögliche mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln herauszuholen, ist plötzlich; erloschen. An seiner Bahre stehen seine Freunde, seine Kollegen von den jüdischen Organisationen und vor allem die Menschen, denen er zu helfen versuchte, und trauern um ihn. Wer war dieser ausserordentliche Mann? Es ist nicht leicht, das herauszufinden, denn den Namen Nehemiah > Robinson finden wir in keij dergutmachungs- Problemen nem ,,Who ist Who“, weil - - er es stets ablehnte, dort von KURT R. GROSSMANN, New York zeug in der Kampagne, die / Mann eine Institution, Oft wir verloren. | verzichtete man auf langwierige Forschung, denn man hatte ja Nehemiah . biet geboren, in dem' die I Auf dem Gebiet der Wie Minderheitenfrage ständig akut war. Sein Bruder Jacob hatte über Memel einige wichtige Bände veröffentlicht. Die Rechte der Minderheiten zu wahren, war Nehemias ständiger Lebensimpuls, und er arbeitete mit seinem Bruder, der Koryphäe auf diesem Gebiet, eng stens zusammen. Ate Jacob nach 1945 Mitglied der ständigen israelischen UN-Dele. gation wurde, übernahm Nehemiah als Direktor das Institute o£ Jewish Affairs, wurde in die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses gewählt und begann schon frühzeitig, sich mit den Wie i dergutmachung war Nehe- I miah Robinscn unbestritten der beste Kenner diese* grossen, komplexen Problems. Im Jahre 1944 veröffentlichte er seine erste durchgreifende Studie „Indemnification and Reparations“, Jewish Aspects, mit einer Bi bliographie von 225 Titeln, der viele andere folgten. Er gehört zu den Gründern der : „Jewteh Successor Organi- ' zation“, die erbloses jüdi-; sches Eigentum zur Verwen- . dung für die Opfer der Na ' zi Verfolgung erhielt. Das war damals juristteches Neu- [ land, dem viele Anwälte und! Rechtslehrer widersprachen. halfen. Nehemiah war besessen davon, diese Gelegenheiten voll auszunutzen, denn es gelte, alle uns be drückenden Probleme zu erörtern. Während ich meist die grossen Linien untserer Sorgen erörterte, sass Nehemiah in Zahlen und Tabellen versunken, die uns von allen Aemtera präsentiert wurden. Dann kam er an die Reihe, und die Tabellen wurden einer tief schürfenden Kritik unterzogen. Ihm entging nichts. Nehemiah Robinson nahm an gesellschaftlichen Ereignissen, die eine solche Tour üblicherweise begleiten, kaum teil. Er hatte es gern, mit uns zum Abendessen zusammenzusitzen, um dann in sein Hotelzimmer zu verschwinden und sich in die Papiere zu vertiefen. Er war kein Raucher und kein Trinker. Al* zum Bei zu befassen. Nehemiah Robinsons Arbeit war das Erstaunliche an ihm — blieb aber keineswegs auf die Wiedergutmachungsfrage beschränkt. So fanden u. a. seine Kommentare zu der Völkermorde- und Flüchtauf geführt zu werden. Er war kein Freund von Feiern anlässlich von Geburtstagsdaten, denn Nehemiah war ein bescheidener Mensch, ein in eich Gekehrter, des «en Herz und Wissen aber to gleich grosser Beziehung standen. Schon seine Mitstudenten an Jena, wo 1928 Volkswirtschaft studier- 1« — er holte sich seinen Dr. rer. pol. — nannten ihn „die wandelnde Enzyklopädie“. Die Robinsons kommen aus dem Litauischen. Nehemiah wurde vor 66 Jahren in einem kleinen litauischen Ort nahe der deutschen Grenze, unweit von Eydkuh- *ien und Insterburg, geboren. Sein Vater war Rabbiner. Sein Bruder Jacob, dem Wir im Eichmann-Proinform ations-Bulletin-s, zes,3 wie in den Nürnberger | pprioHic Renorts“ sii und Interesse — und das | Freunde dieses Eigentum Erbloses Eigentum verfällt dem Staat, war die aner. | spiel in Neustadt a.d.H. die kannte Konzeption, Nur wollj Herren vom Entschädigungsten Robinson und seine ' amt uns zu einer landesiib für die überlebenden Opfer haben. Sie überzeugten die Amerikaner, die das Besatzungsgesetz 59 erliessen, in dem das erste Mal diese Konzeption als Rechtsbegriff _ _ lingskonvention bei vielen | anerkannt wird, der Universität 1 Vertretern der UN grösste er von 1923 bis Beachtung. Er hatte die Gabe das Detail im Zusam- . T „ ... ,. . .. menhang mit dem Grossen! Law, mltdae dl€ Amerikazusehen Er konnte erstaunnef la?g? v0„r dem Bundeslich klar die Bedeutung der , fSn « W^fln Formulierung bestimmter ® r _. Paragraphen günstig oder j den tlhn al« Mitglied der Defür die Gesamt- I legation der Claims Conference, als die Verhandlun- Nehemiah arbeitete bereits beim ersten „General Claims ungünstig. frage darlegen. Er gab für i . __ ** •* - 6 Janrgen lm Haa8 1952 um daS Prozessen begegnet sind, war damals Lehrer für Hebräisch. Die beiden Brüder waren eng verbunden, w’e Castor und Pollux. Zunächst studierte Nehemiah auf einem Technikum, dann ging er nach Jena und von dort zurück nach Kowno, um in die Rechtskanzlei seines . Bruders Jacob einzutreten. In Jena hatte er eine Reihe staats wissenschaftlicher Kurse genommen,- aber so sagen seine engsten Freunde, die Jurisprudenz war Ihm angeboren. hn Jahre >1939 kamen die Robinsons nach New Yorx. Jacob gründete das Institute of Jewish Affairs, den wissenschaftlichen Arm des Jüdischen Weltkongresses. Dort traf ich in den frühen vierziger Jahren da« erste Mal Nehemiah. Es war die fceit, wo es darum ging, das Gewissen der Juden und Nicbtjuden in der Welt aufzurütteln, 1942/48 befanden wir uns.in mitten der blutigen jüdischen Tragödie. Das Institut publizierte darüber Bücher und Schriften mit wis- «ensehaftlicher Akkuratesee. Sie bildeten das Werkdas Institut mehrere bücher heraus, produzierte Studien über Denazifizierung, Kriegsverbrecherpi o. zesse, Antisemitismus, Naher Osten u. a. Die unter seij ner Leitung erschienenen wi.; i „Periodic Reports“, sind eine Fundgrube für uns inter; essierende Fragen geworden-- Zwei meiner eigenen , Studien — Jüdische DP's | (1951) und Jüdische Flücht; linge (1962) — wurden unter Nehemiah Robinson heraus gebracht. Was immer der Jü dische Weltkongress an Eingaben, Denkschriften etc.! präsentierte, war in der Mehrzahl von dem Verstor- : : benen entworfen oder ge- 1 schrieben. Das Bemühen ■ I der deutschen Behörden, die I Nazi- und Kriegsverbrecher I zur Aburteilung zu bringen; (vergl. den jetzt anhängigen Auschwitz Prozess) und damit einen notwendigen Selbstreinigungs-Prozess des deutschen Volkes durchzuführen, unterstützte er. Zahl. : lose Zeugen spürte Nehemiah Robinson auf und 1 die Staatsanwaltschaften in Deutschland standen mit ihm in ständiger Fühlung, freien! Viele Anerkennungsschreideen ben liefen beim J.W.K. ein. Diese monumentale Arbeitsleistung wurde möglich, weil Robinson ungezählte Stunden an seinem Schreibtisch sitzen konnte und ihm nur selten ei« Detail entging. Für uns wurde dieser wissende Deutschland - Israel-Abkorr. men begannen. Von dieser -gen Kompromisse zu schlie- Zeit an war Nehemiah Robinson bei allen entschcL denden Verhandlungen mit den Deutschen dabei, cue Entwürfe der Claims Conference Vorschläge stammten von ihm, wie viele Ideen, so u. a. die Konferenz der Ministerpräsidenten mit Dr. Goldmann im Juni 1959. Dr. Nahum Goldmann, der die Verhandlungen mit Deutschland und später mit Oesterreich führte, hatte Nehemiah, „meinen besten Experten“ immer an seiner Seite. Während der schwierigen manchmal widerwärtigen Verhandlungen mit Oesterreich ging Nehemiah liehen Weinproben - Sitzung einluden, war Nehemiah froh, ein grosses Glas vor sieh zu haben, in da« er eine Kostprobe nach der ani deren goss. ' i Als vor etwa zwei Jahren die Phase für die Schlussgesetzgebung begann, hat der : Verstorbene gemeinsam mit i Freunden von der Claims Conference deren Vorschläge für das BEG und BRiiG ausgearbeitet und sie in vielen Sitzungen in Bonn ge-; geniiber den deutschen Behörden vertreten. Er war ein harter Verhandle!-, nicht gewillt, über prinzipielle Fra- JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 fe MJTQ - REPARATUR . WERKSTATT „BENO* BmO MUMCHHBCKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 JEtafc« Monroe) UM - SSOi Robinson oft ^allein nach darüber sehr bitter sein. hielt aber nichts von nutzio sen Deklamationen. Die moralische und jurtetische Beziehung hat er in seiner einzigartigen Studie „Spoliation and Remedial Action“, ein für lange Zeit klassisches Dokument, dargelegt. Robinsons Idee war, zu überzeugen, und mit seinem Wissen und seiner grossen Portion gesunden Mensenei. - verstandes gab er nie die Hoffnung auf, dass die Deut sehen in den wichtigen Schlüsselpositionen eich revidieren würden. Nehemiah war ein durch und durch gütiges- Mensch. Dieser bescheidene, fast jugendlich aussehende Mann Wien. Seine Gabe und Ge_! duld, die verschiedenen wi-; derstrebenden Meinungen der Verfolgtengruppen auf einen konstruktiven Generalnenner zu bringen, trugen oft Früchte. Ich erinnere mich an die fünf Wochen, da wir, begleitet von unserem Freunde Dr. Ernst Katzenstein im Jahre 1957 auf Einladung der Bundeßregierung das erste und einzige i Mal die Entschädigungsämter 'besuchten und in stun. denlangen Konferenzen mit deren Direktoren und dem; Stabe, wie wir glaubten, ei- 1 ne Besserung in der Ab 1 Wicklung der Entschädi- 1 gungsverfahren herbeiführen SCHWEIZER Safes. Guthaben usw. von Personen, die durch Krieg oder Verfolgung ums Leben kamen, deren Kontonummer nicht bekannt und für die Bevollmaechtigte nicht vorhanden sind. Nach neuem schweizerischen Gesetz ist Sonder- Regelung vorgesehen. Erben oder sonstige (vermeintliche) Berechtigte können sich Jetzt melden. Information erteilt Büro Dr. Hardi Swarsensky (Dienstag, Mittwoch, Freitag von 16 bis 18 Uhr) PUEYRREDON 2190. 1. Stock links Telefonisch werden keine Auskünfte erteilt. Anrufe zwecklos. Vor 31 Jahren (Zum 30. Januar 1933) Am Anfang war Lärrrt und Freude, Am Ende stand Trauer und Not. Der Fackelzug führte sie alle, In den sicheren Tod. Unheimliche Fackeln der Mahnung, Wieder leuchten sie auf. Erneut versagen die Menschen. Die Geschichte nimmt ihren Lauf. — Noch leben die Zeugen des Leiden«, Gepeinigt von Krankheit und Schmerz Sie hören noch Schüsse krachen, Getroffen erneut ins Herz. Sie hören die Stimmen der Opfer; Das Weinen der Kinder und Frauen, Während die Mörder lachen . — Uns aber fasst tiefe« Graue«! W'ir müssen endlich begreifen, Allein unser Schicksal zu bauen, Trotz allem nicht verzweifeln. Beweisen wir Selbstvertrauen. SEM FRANKENSTEIN Ehrenlegion für hollaendischen Juden Amsterdam. — Präsident de Gaulle hat dem holländischen Staatssekretär für internationale Verkehrefragen, Meyer J. Keyzer, den Orden der Ehrenlegion ver liehen. Keyzer bekleidete vordem mit Ministerrang den Posten eines Handelsattaches der Botschaft Hollands in Paris. (ITA) Auszeichnung für jüdische Aerztin Wien. — Die höchste bulgarische Auszeichnung für Leistungen in der Medizin und Soziaiarbeit hat die bulgarische Regierung an die bekannte Kinderärztin Stella Ostrnkowa verliehen. — (ITA) sisen. Seine Stellung zu; Deutschland war und blieb; sekptisch, aber der Realist wusste-, dass die Wiedergutmachungsfrage nicht im ffe- 1 ge der Telepathie gelöst ' | werden konnte. So war sei- | ne Beziehung zu vielen I Deutschen an der anderen j Seite des Verhandlungsti-1 i sches kollegial, oft verstand j nisvoll. In seinem unbändi i gen Gerechtigkeitssinn war er unglücklich darüber, dass! seine deutschen Verhand-1 lungspartner nicht einsehen! wollten, den Verfolgten Wie- ■ dergutmachung zu gevviih. j ren, die es am notwendig-1 sten brauchten. Er konnte strahlte Herzenswärme aus j Ich wetes nicht, wieviel Hun-! derte Hilfe suchende Menj sehen zu ihm kamen, aber j ich weise, dass er sie alle j anhörte und ihnen zu helfen : suchte. Er war für viele die ' letzte Zuflucht. Ihm glaubj ten sie, wenn wirklich in! dem einen oder anderen Fa - j le von Wiedergutmachung ' nichts zu machen war. Für > sioh vollkommen anepruchsj los, nur besessen von der ' Arbeit und seiner* Sendung, I hat Nehemiah Robinson sieh! um die Sache des Rechts, j um die Sache der Verfolgten und um den Emanzipaj tiinskampf des Judentums verdient gemacht. Wir weri den ihn vermissen und be. ' trauern, denn die Lücke, die | ei« grausames Schicksal ge- ' schlagen hat, wird nicht leicht zu füllen sein. GUENSTIGE EXKURSIONEN nach nun ÏKT11J< IM FEBRUAR einschliesslich Hotels und Verpflegung, Auskünfte: Reisebüro GLOBUS ALSINA 1418 — Bs. Aires Tel. 38-5860 — 1447 37-9142 Pension Familiar M. FLAMM CHASCOMUS — T. E. 2910 — Cordoba 38 unter Aufsicht s. Ehrw., Rabb. Dr. J. Oppenheimer Telef. Auskünfte in Bs. Aires: 76 2312 u. 70 5805 HOTEL LAGO 'irr Inhaber: Leo Kahn RIO CEBALL0S — SIERRAS DE CORDOBA CASILLA CORREO 34 Auskunft in Buenos Aires: 70 2360 v. 8—10 Uhr ALFREDO STERN MALERARBEITEN ALLER ART Departamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit T.E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 DEPOSITO: V. de la Plaza 1779

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