Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2049 (31.1.1964)
- Date
- 1964-01-31
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes. 31 de Enero de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Aäo XXV. — No. 2049 — 3 Liberalismus in Israel Das Wort ..liberal“ bedeutet, nach der Definition des Philosophischen Wörter buches, die mir vorliegt: ..Freisinnig, mach Freiheit strebend, Freiheit gewährend“ Der Liberalismus ist diejenige Geisteshaltung, die diese Forderungen erhebt und ihnen entspricht. Ein ergänzender Blick in das Theologische Fremdwörterbuch bezeichnet die liberale Richtung als gegen die strenge dogmatische Bindung ankämpfend. Im Wörterbuch zur Poli von SCHALOM ¡US CHORIIS denken der Toleranz ablehnen. die Gewissensfreiheit nicht anerkennen, und die Begriffe einer uralten Tradition mit administrativen Mitteln des Zwangs durch zusetzen entschlossen sind, ja sogar vor Gewaltanwendung nicht mehr zurückschrecken. Die Bedrohung der Freiheit in Israel kommt von rechts. Von einer orthodoxen Reaktion einerseits und tik wird ei» historischer Abeinem chauvinistischen Na-' riss über die liberalen Partionalismus wie er sich in teien in Europa angefügt, der Cherut-Bewegung dokuaber das Wesen des Liberamentiert, andererseits. Es lismus ist in Philosophie, jst kein Zufall, dass Che Religion und Politik dassel- •. ruth. obwohl diese Bewebe Der Liberalismus ist imgung in ihren Reihen nicht m-er einem dialektischen Prozess ausgesetzt, indem er die Freiheit fordert und sie seinerseits gewährt, v Die Grenzen dieser Forde- ' ruug für den Einzelnen und die Gesellschaft, für den Staat und für die Völker, ist die nötige Ordnung im zwischenmenschlichen Bereich. Ein absoluter Liberalismus würde in Anarchie und Chaos ausarten. Das Gesetz hat die Grenzen der Freiheit zu ziehen, aber es muss selbst in Sinne der Freiheit konzipiert sein, um den Begriffen des Liberalismüs zu entsprechen. In der heutigen politischen Konstellaticn stellt der Liberalismus eine Position der Mitte dar. Links von ihm bilden sich die Blöcke tota- Mtaristiseher Regime des Kommunismus, des Sozialismus in verschiedenen Formen, die in gradueller Abstufung auf eine Einschränkung der Freiheit des Individuums zugunsten der Klasse, der Gesellschaft, des Staates abzielen. Rechts von der liberalen Position erheben sich die konservativen Gruppen, die bemüht sind, angestammte Vorrechte bestimmter Schichten der Gesellschaft wenige Agnostiker zählt, mit der orthodoxen Reaktion paktiert. Beweis hierfür war die kürzliche Kundgebung in Jerusalem, wo neben Vertretern der Religiös-Nationa len Partei, der Poale Agudat Israel und der Agudat Israel, auch der „Hauskaplan“ der Cherut. Oberrabbiner a. D. Dr. Rabinowitz, sich mit den hoffnungsvollen Jünglingen identifizierte. die zwar vom Militärdienst befreit sind .aber ei nen strategisch gut gezielten Angriff auf christliche Schulen in den drei gmssen Städten Israels durchführten. Damit sind wir schon am ersten der Kulminationspunkte aktueller liberaler Bewertung in Israel: Das heikle Problem der christli chen Missicnen im jüdischen Staat. Niemand von un<; steht im Verdacht, die Missionierung jüdischer Kinder zum Christentum zu wünschen oder zu billigen. Aber ich wage zu behaupten. dass diose Gefahr ei gentlich gar «licht besteht. 690.000 Kinder und Jugendliche besuchen die Schulen Israels. Ca. 1.500 davon sollen «he Missionsschulen besuchen. von denen erklärter . ru onf mausen ein grosser Teil in zu wahren Ihr Ang -. , Wirklichkeit nur christliche die Freiheit erfolgt vo .; Schulen sind, aber keine sen Positionen der j Miusionsanstalten, in wel- '*on. a'i;s; ,. . _! chen die Kinder zum Ueber- Die Situation in , tritt veranlasst werden, nicht anders. Lanks stehen . die Arbeiterparteien, die durch Planwirtschaft und Kollektivverträge eine weit gehende Einschränkung der Freiheit und der Ihitiative des Einzelnen beabsichtigen. Rechts schliessen eich die konservativen Elemente der religiösen Orthodoxie in Frontbildungen zusammen, die grundsätzlich den Ge- TONANGEBEND Stimmt der Grundton. dann stimmt die ganxe Melodie. — Dies gilt auch für Herrenklei düng. Denn gut ge waehhe Grundstoüe und die qualitaetsrolle Verarbeitung sind die Grundlagen der unübertrefflichen 2ARLTON KLEIDUÜG Wer etwas aut sich hält, trügt Carlton-Kleidung. die Kleidung guten Stils, sie ist meisterhaft gearbeitet und nicht teurer als gewöhnliche Klefdjm#. MASSKLEIDUNG fERTIGKLEIDUR« Ernst Koppel Moipu 962 Tel. 31-984$ ñ Die Zahlen sprechen eine MOEBELNAUS WATERMANN Um Haus der 3 Geschät t« mit der grössten Auswahl. SARMJENTO 1147 T. E. 35 1033 CABILDO 2614 PAMPA 4979 fast Ecke Triunvirato Eigene Werkstätten Sshlungserleichterungen Zuvorkommende facbmAuuIsche Bedienung. &--■■■■ ■:. beredte Sprache. Bei der Kundgebung in Jerusalem, die wir hier erwähnten, wurde behauptet, dass in Israel tausend christliche Missio nare tätig seien. Auf einein- : halb Kinder würde aleo ein , Missionar entfallen. Die Erfolge sind allerdings gleich Null. Die tausend Missionare sind ihres Lohnes nicht wert, denn wir können keineswegs Maesentaufen in Israel beklagen. Im Laufe der Jahrzehnte sind Zehn tausende von jüdischen Bürgern des Landet dui eh christliche Schulen gegangen, noch in einer Zeit, als das jüdische Schul werk ge ring entwickelt war. Sind diese Juden ihrem Volk und Glauben verloren gegangen? Keineswegs. Den Anführern im orthodoxen Kriegsgesehrei gegen die .tödliche Gefahr der Missio nen“ möchte ich in Erinnerung bringen, daus der ultraorthodoxe Oberrabbiner von Jerusalem. Chaim Sonnenfeld s. A.. seine Tochter in eine katholische Kl enter schule in Jerusalem schickte, da er nicht wünschte, dass sie von der „zicu:«tischen Ketzerei“ infiziert wird Die Aufgabe der Liberalen in diesem Zusammen hang int klar. Wer. wenn nicht die Liberalen, muss für eine Entgiftung der Atmosphäre sorgen, musn den Mut haben zu sagen, dass hier ein Problem künstlich aufgebauscht und eine Hetze gegen alles Nichtjüdmche entfacht wird, die eine Atmosphäre der Unduldsamkeit erzeugt, die wir aln Li berale nicht dulden dürfen. Ein weiterer Brennpunkt liberaler Haltung ist die innerjüdisch ■ A useinandersetzung in Israel. Diskriminierung bestimmter Gruppen, wie der Bne Israel aias In dien, aber au -h der Karner aus Aegypten und bestimmter religiöser Gruppen wie der Konservativen oder Reformjuden. dürfen von uns nicht unwidersprochen bleiben. Die herrschende Mapai hat hier grosszügig das Feld der orthodoxen Reaktion überlasten. Wir dürfen zu einer solchen Einengung der Gewissensfreiheit und zu einer Diskriminierung bestimmter Gruppen nicht schweigen, wenn wir den Anspruch auf den Ehrentitel „liberal“ weiter aufrecht erhalten wollen. Wir sind es auch, die den Terrorgruppen entgegentreten m iisten. die ihre Vorstellungen von der Heiligung des Sehabbat mit Steinen und Mistkübel den anderen i Juden in Israel aufzwingen wollen. Die orthodoxen Parteien. aber auch gewisse Kreise in der Mapai. sind hier immer wieder zum Nachgeben bereit: wir aber — als Liberale — können diese Zustände nicht dulden, ebeneo wie wir jeden antireligiösen Zwang weit von uns weisen müssen. Israel machi sich in der; Welt lächerlich, wenn eine I Regierung einen Küchenkrieg führen muss. Ein Luxusdampfer, der „Schalom“ heisst, wird, an der Küchen frage zu einem Kriegsschiff. (Die „Schalom“-Geschichie erinnert wird an eine heute 1 vergessene Episode auu der sowjetischen Frühzeit, in welcher jüdische Kommunisten einem Panzerkreuzer den Namen „Militanter Apikojres“ verpassten Das Schiff „Schalom“ soll weder ein militanter Apikojres werden noch ein schwimmendes Mea Shearim. Wir sollten uns an dem biblischen Urschiff ein Bespiel nehmen, an der Arche Noah«. in welcher die verschiedensten Gattungen offenbar friedlich nebeneinander an Bord lebten und sicher ganz ver schiedenartig ernährt wurden. Im Ernst gesprochen: die Wortführer des Liberalismus müssen auf die Lächerlichkeit eine.; solchen Kon flikts hinwekun. Selbstverständlich muss jeder Passagier die Möglichkeit haben, auf einem israelischen Schiff streng rituell verpflegt zu werden, aber wer d--y; nicht wünscht kann und «oll nicht dazu gezwungen werden. Der Liberalismus macht auch vor der Küchentür nicht halt. Ein weiteres Problem, aus der Fülle cev Probleme, an welchen sich Liberalismus in Israel heute zu erweisen hat. :>>t die Haltung gegenüber Deuyjchland. Hier geht es nicht nur um ein politisches Problem, nicht nur um eine Frage der Zweckmässigkeit, sondern um eine grundsätzliche Entschei düng. Es war für mich alarmierend zu lesen, dass ein Vertreter der Liberalen in der Histadrut sich gegen die Entsendung einer Hystadrut- Delegation nach Deutschland ausspraeh. wo in ei nem Arbeiteiueminar Israel- Fragen diskutiert werden sollten. Diese Haltung ist nicht liberal. Wir Liberalen haben ebenso wenig etwas zu vergessen und zu vergeben, was zwi- LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN AK IO [NDtCPENDlWtT* Sa. Air— - POEYRRCDOM 2iM. 1» — T E M M) 31. Januar 196. t7. Schwat 5724 Teppichhaus > M. Hochberg jlgfiBWRfciCHTE AUSWAHL AN H ANDGEKi' UPFTLN '■«WPiCH-EN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN TOI» JEDES GEMUETLICHE HEIM. WfMM Fabrikation — Unverbindliche Voiführuna Auf Wunsch Zahlungserleichternngen MMBOMMIEMTEPPICHE IM ALLEM FARBEN UND AUSLEGEN VOM APPARTEMENTS MIT REIN WOLLENEM VELOUR. VwriMurt an Private nur Samstag und Sonntag von 9—19 Uhr im Aussteilungshaus Güte ANDONAEGUI 2083 IMh 58-2993 4 Quader von Station IJrquiza sehen 1933 und 1945 dem jü dischen Volke durch Deutsche angetan wurde, wie dae andere Gruppen und Parteien können u*id tun. Aber der liberale Mensch in Israel muss, als Liberaler, die Möglichkeit eiuev Ueberwin düng de,5 alten Hasses ins Auge fa.-uen. Wo eine neue Generation in Deutschland um einen Neubeginn ringt, und unseren Rat, unsere Hilfe. unsere Mitarbeit erbittet. da sind wir aufgevufen, nicht um zu vergessen und zu vertuschen, sondern um aus einer fluchbeladenen Vergangenheit zu einer hu.isbefreiten Zukunft zu gelan gen. Die Liberale Partei in Israel ist ihrem Wesen nach wie die meisten Parteien im Land, ein Gebilde, das aus «sehr verschiedenen Elementen besteht. Die Gruppen, die sich im Rahmen einer Partei zusamm£>:geschlossen haben, sind nicht immer homogen: die Individuen noch weniger. Aber gerade deshalb ist es nötig, die Probleme gemeinsam durchzu denken und zu einer klaren Linie zu gelangen, die es Gedenkstaette für Jizchak Ben Zwi Jerusalem. — Eine Stätte zum Gedenken an den zwei- . ten Präsidenten des Staates Israel ist nunmehr einge weiht worden. Der Feier wohnten Premierminister Levi Ershkol. Knesset-Präsident KaddVch Luz, Staatsminister, die Witwe des 1 Verstorbenen, sowie Mifglie der -der Histadrut bei. Justizminister Dow . Joseph, der die Sammlung der Spenden für diese Stätte geleitet hatte, teilte mit. d. ms ein Fond« vo« anderthalb Millionen Pfund zur Ertei- ' lung von Preisen und Stipen dien bereit gestellt wird. Aus der Stiftung sollen auch Ausstellungen von Archiven und persönlichen Handschriften Ben Zwis finanziert werden. (ITAi uns möglich macht, unter dem Namen des Liberalismus ehrenvoll zu bestehen. Das Wort „liberal“ verpflichtet, wenn es nicht zu einer leeren Phrase degradiert werden soll SCHECKS ODER (ÜBERWEISUNGEN IN D-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln ¿rfragen Sie unsere Preise Man spricht Deutsch CASA PIANO s.A 347-SAN MARTIN-128 ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL ♦ +- ♦ ♦♦ ♦♦ ♦ ♦ ♦ < Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ALLE ENTSCHAEDIGUNGSFRAGEN Wiedergutmachung Lastenausgleich Rückerstattung Von Montag, den 27. Januar, bis zum 11. Februar inkl. 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